Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 2

Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Walter Küchlin
Gemeente
:   Grenzach-Wyhlen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0187-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 2'

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VORWORT

Weshalb, so habe ich mich oft gefragt, sind wir so fasziniert von alten Ansichten? Vielleicht, weil unser Leben zwischen Erinnerung und Hoffnung den Bliek zurück so hilfreich und wohltuend empfindet. Alle Ansichten führen uns, wenn auch nur bruchstückhaft und einer Momentaufnahme gleich, den stürmischen Wandel vor Augen, der rnit der vergleichsweise späten Industrialisierung unserer beiden Dörfer gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begonnen hat und der weiter andauert. Der zeitliche Abstand zum Heute, der sich in alten Bildern auftut, ermöglicht eine klarere Einsicht in jene Zeit und macht an Einzelbeispielen augenfällig, was sich inzwischen alles gewandelt hat.

Es mag ein reizvolles Unterfangen sein, mit dem Büchlein unter dem Arm durch die Straßen und Gassen zu schlendern, es hier und dort aufzuschlagen und zu vergleichen. Erstaunt werden wir feststellen, was sich alles geändert hat. Hier sind ganze Straßenzüge neu erstanden, dort alte Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt worden. Ein paar Schritte weiter stehen wir vor einem historischen Gebäude und vergleichen: mehr oder weniger behutsam wurde es den neuen Bedürfnissen angepasst. Wir wünschen uns die im Bild festgehaltenen Menschen in ihrer Kleidung und mit ihren Arbeitsgeräten zurück. Nein! So wollten wir doch nicht wieder leben; mit der mangelnden Hygiene, der harten körperlichen Arbeit von früh morgens bis spät in die Nacht mit zehn bis fünfzehn Personen aus drei Generationen auf engstem Wohnraum! Gewiss, es gab nach hartem Tagewerk auch freudige Anlässe. Vereinsfeste, die mit einer Intensität sondergleichen begangen wurden. Auch Familienfeiern und kirchliche Anlässe brachten langersehnte Abwechslung. Ihnen begegnen wir in unseren Bildern.

Die stärksten Veränderungen auf unserem Rundgang erleben wir im Straßenverkehr und bei den Fabriken. Vier der größten und ältesten sind bereits wieder vom Erdboden verschwunden: die Seidenbandweberei Seiler am Hörnle, die Fabrik Stäubli gegenüber dem Hotel Eckert, die für Wyhlen einst so wichtige Solvay und als letzte der Eisenbau Wyhlen südlich der evangelischen Kirche. Das einzig Beständige ist der Wandel, so könnte man überspitzt formulieren.

Wie im ersten Bändchen wurde der Zeitrahmen 1880 bis 1930 im wesentlichen eingehalten. Nur dort, wo es vom Motiv her geraten erschien, wurden auch noch jüngere Aufnahmen berücksichtigt. Damit konnte wenigstens andeutungsweise aufgezeigt werden, wie tiefgreifend die beiden Kriege ins dörfliche Leben einwirkten. und das ohne Kampfhandlungen und Angriffe. Die Neujahrsbrezel als letztes Bild soll deshalb als Hoffnungszeichen für eine friedvolle Zukunft der Doppelgemeinde am Hochrhein stehen, der es gelingen möge, Neues zu gestalten, ohne zu versäumen, Wertvolles zu bewahren.

Dieses bescheidene kleine Werk konnte nur deshalb verwirklicht werden, weil wiederum viele aufgeschlossene Bürgerinnen und Bürger aus ihren privaten Fotoalben Bilder zur Verfügung gestellt haben. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank. Zwei Bürger aus Grenzach und Wyhlen haben meine Bemühungen so entscheidend gefördert, daß sie namentlich erwähnt werden sollen. Walter Nopper hat mir seine umfassende Postkartensammlung alter Motive aus Grenzach-Wyhlen vorbehaltlos und bereitwillig zur Verfügung gestellt und damit die Auswahl erheblich erweitert und verbessert. Dafür möchte ich ihm ganz besonders herzlich danken. In Wyhlen ließ es sich Franz Mutter nicht nehmen, durch persönliches Engagement das Angebot an alten Ansichten so zu vergrößern, daß beide Ortsteile ausgewogen vertreten sind. Auch ihrn gilt meinDank.

Literatur:

Ebner, Jacob: Urkundliche Darstellung aus der Geschichte von Grenzach, Gemeindeverwaltung Grenzach 1957. Gerber, Rainer: 125 Jahre Basel- Waldshut, EisenbahnKurier Verlag Freiburg 1981.
Helm, Johannes: Kirchen und Kapellen im Markgräflerland, Stadt Müllheim 1986.
Richter, Erhard: Die Flurnamen von Wyhlen und Grenzach, E. Albert Verlag Freiburg 1962.
Köbele, Albert (Herausgeber): Ortssippenbuch Grenzach, Grafenhausen bei Lahr 1974.
Küchlin, Rudolf: Industriegeographische Analyse der Grenzgemeinde Grenzach- Wyhlen. Esslingen 1982.
Lang, Hugo: Pjarrfûhrer duren die Pfarrgemeinde Wyhlen1932-1935.
Markgräfler Adressbuch, Hrsg.: Buchmann und Waldmeyer, Base119ÜS.
Schneider, Karl: Grenzach, eine wirtschafts-historische Abhandlung ; Diss. Universität Base1193Ü.

Außerdem wurden zahlreiche Berichte aus den historischen Zeitschriften 'Das Markgräflerland' und 'Die Markgrafschaft' sowie aus Festschriften und Zeitungen ausgewertet.

1. Dieses seltene Privatfoto muss um 1885 in Lörrach entstanden sein. Franziskus Philipp steht auf seinem Break, einem offenen, vierrädrigen Gefährt, mit dem er täglich die Rührberger Milch in hölzernen Standen, sogenannten Milchbrennten, zum Verkauf in die Stadt Lörrach führte. Sein Sohn Gustav steht beim Pferd. Eine Städterin in der modischen Kleidung jener Zeit holt sich im Milchkrug das gewünschte Quantum Frischmilch ab. Der 'Senneseppli' war nicht nur als Milchkutscher weithin bekannt, er galt auch als leidenschaftlicher Wilderer. Sein Enkel Fritz Philipp, dem wir die Aufnahme verdanken, konnte stundenlangvom 'Seppelfranz', dem Wilderer in der Wolfsschlucht, erzählen.

2. Ländlich-sittlich geht es auf dem Rührberg um 1905 zu. Wir stehen hinter dem 'Rührberger Hof', von dem rechts gerade noch Tische und Bänke der Gartenwirtschaft zu erkennen sind und blicken nach Süden in die jetzige Feldbergstraße. Links im Bild dominiert das landwirtschaftliche Anwesen des Franz Anton Deschler, der vor der Haustür steht, um ihn herum eine Schar von Kindern aller Altersstufen, auch aus der Nachbarschaft. Die Frau in der weißen Schürze könnte Luise Weis vom damals neu eröffneten 'Rührberger Hof' sein. Bis 1902 war das Deschler-Anwesen als Gasthaus 'Zur Sonne' betrieben worden,

3. Am 11. April 1898 wurde dieser 'Gruß aus Wyhlen' auf der hiesigen Post abgestempelt. Die nach einem Foto erstellte Lithokarte zählt zu den ältesten Ansichten dieser Art. Sie zeigt uns den noch geschlossenen Ortskern, signalisiert aber auch bereits die beginnende Industrialisierung; die Solvaywerke rechts oben und im Mittelgrund Bahnhof und Eisenbahn. Der 1897 gegründete 'Eisenbau' fehlt noch. An der nach Rheinfelden führenden Straße sind das Rathaus, das Schulhaus und die Villa des ersten Wyhlener Arztes, Dr. Engert, gut zu erkennen. Dem Schmuckstück der Gemeinde, der Himmelspforte, wird ein Blumen- und Traubenkranz gewunden.

4. Die 'Lourdesgrotte' hinter dem Kloster Himmelspforte existiert immer noch und über schmale Pfade ist sie jedermann zugänglich. Aus dem hier anstehenden Kalkstein wurde sie einst kunstvoll errichtet. Ob sie wohl mit der 'Maria-im-Buchs-Legende' im Zusammenhang steht? Nach ihr, so berichtete 1938 der Wyhlener Pfarrer H. Lang, stand das Gnadenbild der Klosterkirche Himmelspforte einst auf St. Chrischona, von wo es in Kriegszeiten geflüchtet und im Buchs in der Nähe des Klosters versteckt wurde. Nach langer Zeit wiedergefunden, sei es in die Klosterkirche übertragen worden. Will die Lourdesgrotte an den einstigen Fundort erinnern?

5. Eine seltene Ansicht von Wyhlen um 1920. Der Fotograf steht oben am Mühlerain und blickt nach Südwesten. Im Vordergrund liegt die ehemalige Klostermühle. Sie ist seit 1890 im Besitz der Familie Mutter. Der letzte Müller, Franz Mutter, betrieb sie bis 1972. Über die Klosterstraße, rechts unten, gleitet unser Bliek zum Hofacker, wo gerade Wäsche gebleicht wird, hinauf zum Rolli-Dudel. Am Talausgang kuschelt sich der alte Dorfkern. Wie ein Fadenkreuz sind die Linien Klosterstraße-Kirchstraße und die alte Basler Landstraße (B 34) auszumachen. Gärten und Felder weisen üppigen Streuobstbestand auf.

6. Noch in den vierziger Jahren konnte in der Klosterstraße ein solches Bild gemacht werden. Bernhard Mutter ist mit dem Kuhfuhrwerk unterwegs. Sein jüngerer Bruder Alois sitzt auf dem lauchefass und ist wohl der Ansicht: Schlecht gefahren ist besser als gut gelaufen. Bernhard ertrank 1946 beim Schwimmen im Rhein, sein Bruder Alois kehrte aus dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder nach Hause. So zeigt dieses Bild nicht nur ein Stück bäuerlicher Vergangenheit. sondern erinnert auch an menschliche Schicksale.

7. Das Haus Bergstraße 21, heute im Besitz von Georg Leuthner , hat um 1930 eine entscheidende Veränderung erfahren: es wurde mächtig aufgestockt. Wie es einmal aussah, können wir nur ahnen. Der Putz des alten Gebäudes hilft uns dabei. Was uns auffällt, ist die noch ganz in der alten Tradition verhaftete Kleidung der Frauen in unterschiedlichem Alter. Auch die 'Kinderchaise' ist noch, wie zwanzig Jahre zuvor, im Gebrauch. Die Frau neben ihr ist Christine Müller , links (mit Kind) Frau Leuthner. Würden wir auch nur einen Teil der Sparsamkeit aufwenden, die damals üblich war, wäre das Müll- und Umweltproblem kaum ein Thema.

8. Neben stattlichen Gehöften finden wir eine Reihe höchst bescheidener Anwesen. Sie dienten in der Regel Hintersassen, unselbständigen Kleinbauern oder Nebenerwerbslandwirten, wie wir sie heute bezeichnen würden. Unser Beispiel steht im Baumgarten 11 und wurde von Josef und Maria Klaiber bewohnt. Aus dem Einwohnerverzeichnis von 1908 erfahren wir, dass der Hausherr von Beruf Maurer ist. Nur so können sie den Lebensunterhalt bestreiten. Haus, Kleinvieh und Garten werden von Frau Klaiber besorgt. Der heutige Besitzer hat das alte Häuschen liebevoll restauriert und zu einem Schmuckkästchen im Dorf gemacht.

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