Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3

Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Walter Küchlin
Gemeente
:   Grenzach-Wyhlen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6671-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Grenzach-Wyhlen in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

Dort, wo der Rhein sich anschickt seinen Laufin elegantem Schwung nach Norden zu wenden, unmittelbar vor den Toren der Stadt Basel, liegen die ehemaligen Bauern-, Winzer- und Fischerdörfer Grenzach und Wyhlen. Zwischen dem Dinkelberg mit seinem westlichen Eckpfeiler - dem Grenzacher Hornfelsen - und dem Hochrhein eingebettet, gingen die Menschen der beiden ungleichen Schwestern Jahrhunderte lang ihrem bäuerlichen Tagewerk nach, pflanzten in der Ebene Getreide, Obst und Gemüse an und am sonnendurchglühten Südhang ihre Reben. Der 'Grenzacher Rote' zählte zu den Besten im Lande und Obst und Gemüse aus den beiden Gemeinden waren auf dem Basler Markt hoch willkommen. Wer sich auf den Fischfang spezialisierte, konnte seine Familie mit seinem Gewerbe, das sich vor allem auf den Salm- und Lachsfang spezialisierte, gut ernähren.

Das in der Neuzeit expandierende Basel hatte einen großen Bedarf an Bausteinen. Er konnte in den Kalksteinbrüchen des Dinkelbergs befriedigt werden und brachte weitere Erwerbsquellen für einen Teil der Bevölkerung. Ende des 18. Jahrhunderts wurden Gipsvorkommen entdeckt. Auch sie fanden sowohl in Grenzach als auch in Wyhlen einige Jahrzehnte gewerbliche Nutzung. Das Handwerk deckte den dörflichen Bedarf. Der Basler Land-

straße entlang - sie stellte die Hauptverbindung BaselKonstanz dar -, etablierten sich schon seit dem ausgehenden Mittelalter Gasthäuser. In ihnen kehrten nicht nur Handlungsreisende und Kaufleute ein, sondern häufig auch Basler Bürger, die an Sonn- und Feiertagen in die badische Nachbarschaft ausschwärmten. Zu ihnen zählten so bedeutende Persönlichkeiten wie Iacob Burckhardt, Nietzsche oder Hermann Hesse.

Als die großherzogliche Regierung 1863 in Grenzach nach Salz bohren ließ, wurde eine ergiebige Bitterwasserquelle angezapft, die einer späteren Analyse zufolge eine ähnliche chemische Beschaffenheit wie jene in Karlsbad aufwies. Als Folge wurde 1878/79 das Kurhaus Emilienbad errichtet: Grenzach war auf dem Wege, ein Heilbad zu werden. Doch die Zeichen der Zeit tendierten am Hochrhein in eine andere Richtung. Die Industrialisierung stand vor der Tür. In Wyhlen waren inzwischen Bohrungen nach Salz erfolgreich verlaufen und 1874 ein Salzwerk errichtet worden. Als es vier Iahre später in die Hände der belgischen Brüder Ernest und Alfred Solvay überging, war der Startschuss für die erste AmmoniakSodafabrik in Deutschland gegeben.

Auch Grenzach entwickelte sich zur Industriegemeinde. Die 'Seidenbandweberei Seiler & Cie.' machte 1893 am

Grenzacher Horn den Anfang. Fünf]ahre später begann das pharmazeutische Unternehmen Hoffman, aus dem sich bald die Firma Hoffmann-La Roche entwickelte, der im darauffolgenden Iahr die Farbstoff-Firma JR. Geigy folgte. Die beiden Letztgenannten entwickelten sich zu potentiellen Schwergewichten in Grenzach und drängten - zusammen mit anderen Firmen -, den bäuerlichen Anteil nach 1945 gegen Null.

In Wyhlen zeigte die Entwicklung ein anderes Gesicht:

Die Solvay-Werke mussten 1958 wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt werden. Auch die Eisenbau Wyhlen AG kriselte, wurde 1978 von der Dürr-Gruppe übernommen, ins Industriegebiet Fallberg verlegt und in die Firma Dürr Automation & Fördertechnik umgewandelt. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass Wyhlen weitaus weniger als Grenzach durch die Industrie geprägt ist und mit seiner größeren Gemarkungsfläche auch heute noch seinen ländlicheren Charakter bewart hat. Dies und die unterschiedliche Vergangenheit der beiden Gemeinden Wyhlen politisch zu Vorderösterreich gehörig und deshalb katholisch, Grenzach Teil der Markgrafschaft und deshalb evangelisch - trägt dazu bei, dass die seit 1975 vereinten Nachbarn Grenzach-Wyhlen selbst heute noch kleine Rivalitäten austragen. Dem aufmerksamen Betrachter des neuen Bändchens werden die Unterschiede, die sich selbst in den Bildern zeigen, nicht entgehen.

'Aller guten Dinge sind Drei', sagt der Volksmund und erinnert daran, dass 'Drei' die Zahl der Vollkommenheit

und derVollendung ist. Offen gestanden: als ich 1987 das erste Bändchen dieser Reihe der Öffentlichkeit übergab, ging ich davon aus, dass es damit sein Bewenden hat. Als aber im darauffolgenden Iahr bereits eine zweite Auflage nötig wurde, machte mir der lebhafte Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger unserer Doppelgemeinde Mut, erneut ans Werk zu gehen, damit 1992 ein zweites Bändchen erscheinen konnte. Es wurde von der Bevölkerung mit gleicher Freude aufgenommen und erlebte, wie 'Band l ' dreiAuflagen. Obwohl es nicht an Nachfragen fehlte, war es nicht meine Absicht, einem dritten Bändchen ans Tageslicht zu verhelfen. Diese Einstellung änderte sich erst, als mich der Verlag 'Europäische Bibliothek' wiederholt darum bat, 'einen neuen Bildband zusammen zu stellen'.

Jetzt wurde das eigene Bildarchiv noch einmal kritisch unter die Lupe genommen und nach neuen Quellen Ausschau gehalten. Nicht ohne Erfolg. Heinz Lacher stellte mir freundlicherweise seine Diasammlung zur Verfügung und bereicherte damit meine eigene Auswahl für das vorliegende Bändchen, wofür ich ihm herzlich danke. Wertvolle Ansichten verdanke ich erneut der Sammlung Walter Nopper. Dankbar empfundene Hilfe bei der Identifizierung von Personen und Fakten wurde mir von Margarete und Franz Mutter, Hedwig Geiger, Elfriede Berger, Kurt Braun und Ewald Kaiser zuteil.

1 Der 12. Oktober 1930 blieb den Menschen rund ums Rheinknie in lebenslanger Erinnerung. Der legendäre Graf Zeppelin hatte sich zur Landung auf dem Sternenfeld, dem Grenzacher Horn gegenüber, angemeldet. Zu Tausenden waren sie mit Sonderzügen, Autos, Motorrädern, mit dem Fahrrad oder zu Fuß herbeigeströmt. 450 Rekruten aus der Basler Kaserne wurden als Ordnungsdienst eingesetzt.

Sie bildeten mit den Besuchern ein riesiges Rechteck rund um den damaligen Basler Flugplatz, der bis 1950 auf der südlichen Rheinseite direkt dem Grenzacher Hornfelsen gegenüber lag. Als der LZ 127 fast lautlos einschwebte, standen auch zahllose Grenzacher am Hornrain, um dieses Schauspiel be-

wundern zu können. Die Begeisterung war riesengroß. Ein um 1915 komponiertes Lied bringt sie zum Ausdruck: 'Wer flog mit kühnem Sinn bis an die Wolken hin, wer fährt

kommenden Luftschiff. Der Blick des Fotografen schweift über den Landeplatz und reicht im Hintergrund vom Grenzacher Horn (links) über den Unterberg bis ins Dorf.

die Kreuz und Quer durchs ganze Himmelsmeer? Das war der Zeppelin, für den wir stolz erglüh'n .. .' Unser Bild zeigt das Sternenfeld mit dem aus Friedrichshafen an-

2 Der Name 'Rebhaus' war für das von Einheimischen und besonders von Basler Gästen hoch geschätzte Hotel-Restaurant gut gewählt, stand es doch, als es im 1. Iahrzehnt des 20. Jahrhunderts erbaut wurde, mitten im Rebgelände. Der berühmte Rotwein hatte hier, vielleicht schon seit der Römerzeit, eine exzellente Lage. Wie unser Bild zeigt, begannen die Reben unmittelbar unterhalb des Hornfelsen und erstreckten sich damals links und rechts des Neubaus bis hinunter an den Rhein.

Das ist inzwischen anders geworden, obwohl auch heute noch, wenn auch

auf einer stark reduzierten Fläche, der beliebte 'Grenzacher Rote' angebaut wird. Zu den Gästen, die um 1910 ins 'Rebhaus' einkehrten, zählte auch Hermann Hesse.

3 Um 1910 war die Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz - unser Bild kein Hindernis. Gäste aus Basel besuchten unsere Gaststätten, die Marktfrauen aus dem Badischen brachten ihre Feldfrüchte auf dem Kopf balancierend oder im ausrangierten Kinderwagen zum Markt in die Stadt. Auf der noch ungeteerten Straße wickelte sich fast alles noch zu Fuß ab. Gelegentlich kam ein Kuh- oder Pferdefuhrwerk an. Darauf war der Gastwirt vorbereitet. Rechts im Bild steht vor dem Gasthaus 'Zum Waldhorri' ein Futtertrog, in dem die Zugtiere ihr Futter bekamen, während Herr und Knecht in der Gaststube ihren Hunger und Durst stillen konnten. Nach dem Waldhorn, in

dessen Neubau 1 745 der Wirtsbetrieb aufgenommen wurde, können wir, in Richtung Basel blickend, das 'Großherzogliche Zollgebäude' erkennen. Das daran anschlie-

ßende Gebäude mit dem Erker stand bereits auf Schweizer Seite. Es wurde später abgebrochen. Typisch für die damalige Zeit: die Straße ist menschenleer, selbst Fuhrwer-

ke fehlen, ganz zu schweigen von einem ' Automobil', das in i ener Zeit noch zu den absoluten Seltenheiten gehörte.

4 In den frühen fünfziger Iahren des vorigen Jahrhunderts hat unser Fotograf seinen Blick vom Hornfelsen nach Basel gerichtet. Vor ihm liegen die Reben und die wenigen Gebäude zu ihren Füßen. Die Bahnlinie GrenzachBasel hat den eleganten Schwung des majestätischen Rheins in ihre eigeneTrasse mit aufgenommen. Die Bundesstraße 34 wechselt beim 'Rebhaus' (2. von links) über die Schienen. Ihr entlang bis zur Schweizer Grenze dominiert noch die alte Bebauung: die 'Rheinlust' , die Wohnblocks und Shedbauten der ehemaligen Seidenbandweberei Seiler & Co. (s. Band. 2, Abb. 69 und 70). Ihre Iahre sind gezählt. Bald werden sie der Abrissbirne des Baggers zum Opfer fallen. Auf

deutscher Seite wird das Wirtschaftswunder für Veränderungen sorgen. Drüben in der Schweiz, wo bis 1950 auf dem Sternenfeld ein Flugplatz existierte (s. Abb. 1), sind die

Baurnaßnahmen für das Kraftwerk Birsfelden in vollem Gange. Gewaltige Erdbewegungen bereiten die Zufahrt zur künftigen Schleuse vor. Dieser Rheinabschnitt steht vor dem

größten Wandel seiner Geschichte. Ein weiteres Wasserkraftwerk entsteht am Hochrhein.Am 20. November 1954 wird die erste Turbine in Betrieb genommen.

5 Das Gasthaus 'Dreikönig' empfahl sich um

1910 den Touristen als 'Pahrradhilfsstation' ! Das können wir dem Hinweisschild links der Haustür entnehmen. Bei den damaligen Wegverhältnissen mag das durchaus angebracht gewesen sein. Das Fahrrad war zu i ener Zeit ein begehrtes Fortbewegungsmittel. Viele kamen damals zu Fuß ins Dorf, andere mit dem pferdefuhrwerk oder der Kutsche. Vom Frühling bis zum Herbst lud eine große Gartenwirtschaft zum Verweilen im Freien ein. Nur dann und wann wirbelte ein Automobil den Staub der Straße auf, sehr zum Leidwesen der Gäste und der Dorfbewohner. Zwar existierten schon die ersten Fabriken: Rache, Geigy, Stäubli u.a., doch

das Dorf war immer noch von der Landwirtschaft geprägt. Das sollte sich in der Friedenszeit nach 1918 rasch ändern.

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6 Am 1. April 1900 wurde das Kaiserliche Postamt seiner Bestimmung übergeben. Es erhielt seinen Platz an der Südwestecke der Kreuzung Basler Landstraße - Hauptstraße mit ihrer südlichen Verlängerung (heute Ja-

co b- B urckhardt -S traße ) zum Bahnhof. Stattlich und selbstbewusst markierte es den bis dahin noch freien Platz. Es war ein Vorgriff auf die künftige Entwicklung. Nahe genug beim Bahnhof, konnte der Postund Paketdienst leicht zu Fuß abgewickelt werden. Der erste 'Postmeister'

in Grenzach war Iohann Hoelle. Er war schon seit

1 898 hier, damals im

Haus Reinau (heute Markgrafenapotheke). 1899 errichtete er das Ortsfernsprechnetz und förderte den Neubau des Postamts.

Eine Postagentur gab es aber in Grenzach schon seit 1871. Zunächst betreute sie der Polizeidiener Iacob Friedrich Braun im Gebäude Hauptstraße Nr. 27. Für die DorfJugend wurde die neue Kreuzung zum idealen Treffpunkt, wie unsere Abbildung deutlich zeigt. Hier konnte man alles aus erster Hand mitbekommen, was sich in Grenzach abspielte. Der Wegweiser zeigt rechts zur Chrischona. Links wurde auf die Rheinfähre aufmerksam gemacht. Die beiden anderen Richtungen galten Rheinfelden und Basel.

7 Die südöstliche Ecke der Kreuzung in Ortsmitte wird von dem seit 1478 belegten Gasthaus 'Zum Ziel' eingenommen (s. Band 1, Abb. 3). Auf unserem Bild blickt der Fotografin Richtung Rheinfelden. Das Gasthaus selbst ist rechts angeschnitten.

Das Wirtshausschild und der Haupteingang bei der heutigen Gartenwirtschaft sind gut zu erkennen. Das sich daran anschließende, zur Landstraße vorspringende Gebäude war um die Jahrhundertwende von Karl Kurrus bewohnt. Er firmierte als Barbier und Helfer bei Zahnbeschwerden (s. Band 2, Abb. SO). Dahinter folgt die Metzgerei, die unter anderen Besitzern immer noch existiert. Dann setzt sich die heutige Markgrafenstraße fort, auf der nur ein paar

Fußgänger unterwegs sind. Die Straße ist - um 1900 - noch ohneTeerBelag.

8 Dieses Bild wurde erst um 1950 aufgenommen. Jetzt blickt der Fotograf nach Westen. Aus dem 'Kaiserlichen Postamt' (links) wurde inzwischen die Sparkasse. Noch ist der Straßenverkehr bescheiden. Nur die 'Isetta' am rechten Straßenrand verrät, dass der durch die Währungsreform ausgelöste wirtschaftliche Aufschwung nicht mehr länger auf sich warten lässt. Bald werden die Straßen von Autos überquellen. Uns interessiert aber noch der Dorfbrunnen rechts im Bild. Dr. W Hellmich, der Initiator der 'DINNorm', hat 1948 der Überlieferung sichtbaren Ausdruck verleihen wollen, nach welcher Ludwig Uhlands Gedicht von ' der Wirtin Töchterlein' im Gasthaus 'Zum Ziel' anzu-

siedeln sei. Er stiftete einen neuen Brunnenstock mit dem sitzenden Sänger und dem ReliefLudwig Uhlands. So wurde der seit Generationen an dieser Stelle stehende Dorfbrun-

nen zum 'Uhlandbrunnen'. Dr. E. Richter musste die Grenzacher aber enttäuschen: Seine Nachforschungen brachten an den Tag: die 'drei Burschen' zogen nicht bei Grenzach

über den Rhein, um bei 'der Wirtin Töchterlein' einzukehren. In den späten sechziger Iahren wurde der Uhlandbrunnen bei der Bärenfelsschule aufgestellt.

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