Gößweinstein in alten Ansichten

Gößweinstein in alten Ansichten

Auteur
:   Peter Spätling
Gemeente
:   Goßweinstein
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6421-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Gößweinstein in alten Ansichten'

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Einleitung

Gößweinstein ist schon seit Beginn der Entdeckung der Fränkischen Schweiz als Erholungsgebiet ein wesentliches Zentrum dieser Region. Doch noch vor den Reisen der RomantikerTieck und Wackenroder in diese Gegend war der Ort bereits durch seine Wallfahrtskirche bekannt und wurde dadurch schon von vielen Pilgern besucht. Bald entwickelte sich Gößweinstein durch das Engagement seiner Einwohner auch zu einem Erholungszentrum. Zur Illustration mag dazu ein Ausschnitt aus der Nr. 3 des 'Berliner Fremden- undAnzeigenblattes' vom 3. Mai 1865 dienen, in dem es heißt:

Wo in aller Welt soll ich hinqehen, so hört man Manchen verzweifelt fragen, der gern einige Wochen der Erholung widmen möchte. C ... ) So mache ich denn meine Entdeckung gerne public, daß das Städtchen Gösweinstein in der Mitte des schönsten Theils von Franken, der sogenannten fränkischen Schweiz, ein Universalort ist, der, wie selten,A1les inA1lem bieter. Herrliche Gegend, die schönsten Punkte der fränkischen Schweiz auf Spaziergängen zu erreichen, die Lage des Ortes reizend, seine Größe bedcutend genug, um allen Comfort zu bieten; Preise, für die ein bescheiden gestellter Norddeutscher zu Hause nicht leben kann; Verbindung endlich nach allen Seiten; die Bahn bis Forchheim, Post in 3 Stunden nach Muggendorf, von da noch eine Stunde zu fahren, wozu immer Wagen da sind.

Auch wenn die modernen Verkehrsmittel die Entfernungen haben zeitlich schrumpfen lassen, so zeigt diese kurze Beschreibung doch eine Reihe von wichtigen Aspekten, die auch heute noch für jene gelten, die Gößweinstein als Erholungsort aufsuchen: Zentrale Lage in der reizvollen Landschaft der Fränkischen Schweiz mit Sehenswürdigkeiten und Erholungseinrichtungen sowie einer umfangreichen Gastronomie.

Daß der Fremdenverkehr für den Ort auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, erkannte man hier schon sehr früh, als im Iahre 1865 der 'Verschönerungsverein zu Gößweinstein' gegründet wurde, der

damit zu den ältesten in Deutschland gehört und dem alle Bewohner des Ortes angehörten. Seit dieser Zeit fanden sich immer wieder engagierte Bürger, die wesentlich zur Weiterentwicklung des Ortes beitrugen. Einen herben Rückschlag mußte Gößweinstein während des Zweiten Weltkrieges hinnehmen. Damals wurden ab 1939 im Rahmen der Kinderlandverschickung fünfhundert Kinder aus deutschen Großstädten einquartiert, womit die meisten Fremdenverkehrsbetriebe zweckentfremdet waren. Nach 1945 wurden dann viele Vertriebene aus Schlesien und dem Sudetenland hier untergebracht. Einige von ihnen ließen sich dann für immer hier nieder und halfen mit, ab 1949 den Fremdenverkehr wiederzubeleben, so daß es schließlich gelang, Gößweinstein erneut zu einem führenden Fremdenverkehrsort der Fränkischen Schweiz zu machen.

Dieses Büchlein soll nun einige Erinnerungen an die Zeit vor 1945 wachrufen. Mit Bildern ab der Jahrhundertwende kann gezeigt werden, wie vielfältig das Leben in der Marktgemeinde in der ersten Hälfte diesesjahrhunderts war, obwohl sich die Struktur des Ortes in dieser Zeit kaum verändert hat. Dagegen wird dem heutigen Leser auffallen, daß sich etwa seit 1950 das Ortsbild selbst wesentlich mehr gewandelt hat, als in mehreren Jahrhunderten zuvor. Außerdem ist so manche nostalgische Reminiszenz auf den Bildern zu entdecken, die es vielleicht auch heute noch wert ist, nicht vergessen zu werden und möglicherweise einen Anstoß gibt, Charakteristisches für den Ort zu erhalten, denn nur durch die Bewahrung des Individuellen besteht auf lange Sicht auch ein Reiz für alle Fremden.

Durch die lange Tradition Gößweinsteins als Fremdenverkehrsort existiert natürlich eine Vielzahl von Ansichtskarten seit deren Erfindung Ende des letztenjahrhunderts, doch meist dominieren hier Motive mit Kirche und Burg. So bedurfte es viele Jahre intensiver Sammeltätigkeit, um auch andere interessante Ansichten zusammenzutragen. Doch die

Darstellungen aus dem kulturellen Leben der Marktgemeinde wären wohl nicht möglich gewesen, hätte es nicht mitAlois uud Iosef Hartl zwei engagierte Fotografen gegeben, die viele Ereignisse im Bild festhielten. Etliche dieser Aufnahmen verdanke ich Herrn Heinrich Endrös, der mir die Bilder aus seinem Archiv zur Verfügung stellte. Ihm, wie auch allen anderen, die mitTips und Informationen zum Entstehen dieses Bändchens beigetragen haben, gilt mein besonderer Dank. Manche Detailinformation konnte ich auch der Ortschronik von Ludwig Helldörfer entnehmen.

Das vorliegende Buch ist all jenen gewidmet, die sich, wie ich selbst auch, der Heimat der Fränkischen Schweiz verbunden fühlen. Da auch Bilder aus einigen Ortsteilen Gößweinsteins enthalten sind, leistet es vielleicht einen kleinen Beitrag dazu, die nach der Gebietsreform neu hinzugekommenen Ortschaften weiter in die Marktgemeinde zu integrieren.

Das Titelbild ist eine Lithographie, die kurz vor der Jahrhundertwende entstanden ist. Sie zeigt, wie sehr der Ort durch Wallfahrtsbasilika und Burg geprägt ist. Die sanften Farben des Originals vermitteln einen lieblich romantischen Eindruck. Das Bild strahlt auch Ruhe aus, die man heute wohl manchmal angesichts eines kaum enden wollenden Kraftfahrzeugstromes in der Hauptstraße schmerzlich vermißt. Wenn dieses Buch möglicherweise nicht nur Erinnerungen weckt, sondern auch Denkanstöße liefert, wie man der heutigen Zeit etwas von ihrer Hektik nehmen könnte, hätte es seine Aufgabe in besonderer Weise erfüllt.

Peter Späding

1 Eine Luftaufnahme von Gößweinstein aus den dreißiger Jahren läßt gut die Entstehungsgeschichte und die Anlage des Ortes nachvollziehen. Ausgangspunkt war die auf einem Felssporn hoch aufragende Burg über dem Wiesenttal, die am rechten Bildrand zu sehen ist. Um den Burgberg legte sich dann ein Kranz von ehemaligen Burggütern, die die jeweiligen Burgherren mit allen notwendigen Lebensmitteln und auch Dienstleistungen versorgten. Um diese Burggüter siedelten sich dann weitere Bauern und Handwerker an, die in Notzeiten Schutz in der Burg fanden. Ein natürlicher Schutz waren auch die felsigen Anhöhen rings um die Ansiedlung, die sich durch Hecken, Palisaden

und zwei Tore an beiden Enden der Ortsdurchgangsstraße schützte. Eine zusätzliche bedeutende Erweiterung des Ortes stellte der kirchliche Bereich dar, der auf dem Bild im linken Bereich mit Wallfahrtskirche, Friedhof und Kloster zu erkennen ist.

2 Diese aquarellierte Federzeichnung wurde vermutlich vom Nürnberger Landschaftsarchitekturmaler Friedrich Trost gefertigt, der um die Jahrhundertwende viele derartige Ansichten aus der Fränkischen Schweiz für den Kunstverlag Hermann Martin in Nürnberg zeichnete. Das Bild vermittelt einerseits den beherrschenden Eindruck der Burg Gößweinstein über dem Wiesenttal, andererseits zeigt es aber gleichzeitig - wenngleich auch in etwas romantisch verklärter Weise - daß das fruchtbare Wiesenttal mit dem Fluß als Lebensader für den auf der Karsthochfläche gelegenen Ort wichtig war. Es war früher Frauenarbeit, auf den Talwiesen das Heu

Fatpartie.

einzubringen und auf steilen, beschwerlichen Wegen dieses in Huckelkörben den Berg hinaufzutragen. Bis zur Errichtung einer Pumpstation mußte in gleich beschwerlicher Arbeit auch das Wasser in den Ort gebracht werden.

3 An der Martinswand, die in der Zeit des Nationalsozialismus in 'Hitlerwand' umbenannt wurde, befand sich schon früh eine Aussichtskanzel 'Bellevue', von der sich dieser beeindruckende Blick auf Gößweinstein bietet, wenn man aus Richtung Sachsenmühle auf den Ort zu kommt. Bei dieser Ansicht kann man gut nachvollziehen, daß Burgberg auf der linken und Kreuzberg und Gernerfels auf der rechten Seite einen idealen Schutz für den kleinen Ort gaben, dessen Silhouette von der mächtigen Wallfahrtsbasilika bestimmt wird. Lange blieb das Gelände im Vordergrund von Bebauung verschont und präsentierte sich als reizvolle Streuobstfläche. Heute jedoch wird die

Hälfte rechts des Weges zum Teil von einer Gärtnerei genutzt und zum anderen bietet es einen Parkplatz fürTouristen, die den Ort vor allem im Sommer besuchen.

4/5 Wären nicht Burg und Basilika als die beherrschenden Gebäude Gößweinsteins zu sehen, würde man auf dieser PanoramaAnsichtskarte, die 1907 im Auftrag von Heinrich Faust hergestellt wurde, den Ort wohl kaum wiedererkennen. Von den vielen Häusern der Neubaugebiete, die heute im Bereich desVordergrundes stehen, ist zu dieser Zeit noch kein einziges zu sehen. Wenn man von links nach rechts das Panorama betrachtet, so erkennt man auf der Straße von

Kurbad -Hotel a Pension.

Hühnerloh oder Stadelhafen kommend zunächst das Kurhotel Faust mit seinen weitläufigen Anlagen. Es ist die Stelle, wo heute das Hallenbad steht. Im Hintergrund davon ist zunächst die Aussichtskanzel von Fischersruh zu erkennen, dann die Klosterkirche genau in der Bildmitte, bevor der Blick auf die mächtige Wallfahrtsbasilika fällt, zu der auch die Straße von Behringersmühle aus kommend hinführt. Nach den Giebeln und Dächern des damals noch recht kleinen Ortes

mit etwa 620 Einwohnern erhebt sich auf einem]urafelssporn die Burganlage, und am rechten Bildrand nimmt man gerade noch die Aussichtskanzel der Wagnershöhe wahr. Um die fotografische Qualität der Aufnahme damals zu verbessern, wurde zeichnerisch noch etwas nachgeholfen und besonders die Gebäude wurden hervorgehoben, die für den Fremdenverkehr zu dieser Zeit die tragende Rolle spielten. Die heutige Hauptverkehrsstraße und gleichzeitige Ortsumgehung verläuft

genau parallel zum Panorama und würde im Bildvordergrund liegen. Das Bild zeigt aber auch, daß die Muldenbereiche der Albhochfläche landwirtschaftlich intensiv genutzt wurden, da die Kuppen dazu kaum brauchbar waren und deshalb mit Wald bedeckt sind.

6 Im Jahre 19 7 6 feierte die Marktgemeinde ihr 900jähriges Jubiläum, das auf die erste urkundliche Erwähnung der Burg im Jahre 1076 zurückgeht. Die Befestigungsanlage ist aber zweifellos älter, denn sie diente dem Grafen Goswin in einer Privatfehde als Zufluchtsort und wird in jenem Iahr als Aufbewahrungsort für gefangene Sachsen erwähnt. In den folgendenjahrhunderten hatte die Burg eine sehr wechselvolle Geschichte. Sie wurde später an die Schlüsselberger verpfändet, im 15. Jahrhundert in den Hussittenkriegen weitgehend zerstört aber wieder aufgebaut, litt im Bauerkrieg und in den Markgrafenkriegen und war schließlich nur noch Sitz eines Amtmannes.

Einzelne Gebäude der einst viel größeren Burg wurden auch abgetragen, um die Steine als Baumaterial für andere Bauten im Ort zu verwenden. 1875 wurde die Burg schließlich in private Hände verkauft. Zur Burg gehörte einst auch das' untere Schütthaus' , mit dem spitzen Giebel in der Bildmitte. Es war lange Zeit der Getreidespeicher des bischöflichen Rentamtes und dann etliche Jahre das Schulhaus Gößweinsteins. Später legte man das alte Fachwerk frei und richtete von 1954 bis 1963 das Rathaus darin ein.

7 Das heutige Aussehen der Burg geht auf die Umbauten des Freiherrn Edgar von Sohlern zurück, der die Gebäude in schlechtem Zustand 1890 erwarb und in neugotischem Stil umbauen ließ. Erst kurz vor der Jahrhundertwende erhielt das Hauptgebäude den heute typischen Treppengiebel und derTurm sein überragendes Obergeschoß mit Zinnenkranz, die den Charakter der Burg noch heute bestimmen. Inzwischen wurde die Burg mehrfach renoviert und ist im Besitz der Familie von Sohlern geblieben. Der Bruder des Erwerbers, Kar! Ernst Freiherr von Sohlern, war ein berühmter Kunstmaler Frankens. Er schuf viele Aquarelle von Burgen und Schlössern und malte daneben oft das dazugehörige Wappen. 1909 wurden zwölf dieser Aquarelle auch als Postkarten herausgebracht. Neben dieser Serie existiert auch dieses im Original farbenfrohe Aquarell, das die Burg und links unten das Wappen der Freiherren von Sohlern zeigt. Der Künstler, der 1893 auf der Weltausstellung in Chicago sogar eine Goldmedaille verliehen bekam, starb 85jährig in Gößweinstein.

Gösswoins{cin Marktplatz.

8 Dieses Bild, das vermutlich eines der ältesten Fotografien des Marktplatzes ist, beweist den typischen Charakter des kleinen Marktfleckens. Gleich drei Gasthäuser, Gasthaus 'Zur Rose', Gasthaus 'Zur Traube' und Gasthaus 'Zur Sonne', stehen nebeneinander. Doch spielte zur damaligen Zeit der Broterwerb durch die Landwirtschaft eine bedeutende Rolle, was anhand des Leiterwagens vor der 'Sonnc' zu erkennen ist. Wichtig für den Marktplatz war auch der gußeiserne Brunnen als Wasserstelle, der einer von sieben Brunnen für die Wasserversorgung des Ortes war. In den dreißiger Jahren ist er verschwunden. Darüberhinaus sind weitere Besonderheiten auf dem

Bild zu entdecken. Das Gasthaus 'Zur Rose', das wohl schon um 1400 errichtet wurde, steht noch giebelständig zum Marktplatz. Der 'Traube' fehlen an den Hausecken die später so typischen Lisenen und die Burg - ja da hat wohl ein unbegabter Zeichner kräftig nachgeholfen, denn so sah sie wohl nur in dessen Phantasie jemals aus.

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