Haiger in alten Ansichten

Haiger in alten Ansichten

Auteur
:   Hubert Georg Quarta
Gemeente
:   Haiger
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1219-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Haiger in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Mehr als 1 200 Jahre sind vergangen, seit Haiger, die kleine Stadt am Osthang des Westerwaldes in ehedem nassauischem Land, 778 nach Christi Geburt erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Haigrahe, 'Wasser der Reiher", so wird ein Siedlungshof im Talkessel am Zusammenfluß von Dill und Aubach genannt. Im Jahr 914 bereits ist Haiger ein ansehnlicher, auf einem Hügel erbauter Königshof', Mittelpunkt des gegen die Sachsen gerichteten fränkischen Grenzgaues. Man baut hier ein Gotteshaus, das bald zur Mutterkirche zahlreicher Gemeinden zwischen Dill, Nister und Sieg wird. Noch heute steht der im Laufe des Mittelalters erweiterte und veränderte machtige Kirchenbau über dem Tal, weithin sichtbar aus den vier Himmelsrichtungen. In seinen Mauern birgt er als besonderen Schatz die zwischen 1485 und 1490 im Auftrag der letzten Adeligen von Haiger entstandenen herrlichen Fresken des Chorraumes. Möglicherweise niederländisch-flämischer Malerei zuzurechnen, sind sie eine Fülle religiös-bildlicher Darstellung, in der das Jüngste Gericht und die Passionsgeschichte Jesu Zentralthemen bilden.

Ein wenig ungelenk zwar, doch poetisch eindrucksvoll hat vor rund dreihundert Jahren Johannes Kraft, Lehrer an der Knabenschule zu Haiger, das

Bild der Stadt wie folgt gezeichnet:

Stadt Häger Terminey lsoll man die recht betrachten; So muß man selbige einem Klee-Blatt gleich achten; Dann eben so die Stadt im Grünen ist gelegen!

Daß dreyfachs Wiesen-Flor dieselbige umgeben;

Auch jedes Wiesen thal hat Ackerfeld zur Seiten]

Wie das zu Nutz und Zierd der Háchst' hat wolln bereiten;

Auch möcht man selbst die Stadt eine Klee-Blum vergleichen]

Die ihre Süßigkeit dem Fleißigen thut reichen. Inmitten dieser Stadt die Kirche fein hoch stehet]

So daß fast umb sie herjdas mehrste der Stadt gehet!

Sie war eigentlich bis in unser Jahrhundert hinein immer beid es zugleich, diese kleine Stadt: Zentralort intensiver, jedoch niemals besonders ertragreicher Landwirtschaft, und Ausstrahlungspunkt industrieller Interessen - wie Eisengewinnung und -verarbeitung, Umschlagplatz diesbezüglichen Handels -, aber auch Sitz einer Anzahl von Lohgerbereien, Leder- und Leimfabriken als Folge der in diesem Gebiet betriebenen Haubergswirtschaft. So kann man beispielsweise noch in einern Lexikon aus der Zeit zwischen den

beiden Weltkriegen lesen, Haiger sei ein 'verträumtes kleines Landstädtchen' ; zur gleichen Zeit aber nehmen weiterverarbeitende Industrie und Handel in erstaunlichem Umfang zu.

Auch Haiger erlebte auf seinem Weg durch die Jahrhunderte natürlich nicht nur friedliche Zeiten. Not, Krieg und Schrecken trafen immer wieder unsere Stadt und hinterließen tiefe Spuren. Stürzten oft genug Naturkatastrophen, Hunger und Krankheit die Menschen ins Elend, so kam das willkürlich verursachte Leid vielfach hinzu. Die Geschehnisse während des Dreißigjährigen Krieges sind hierfür das herausragende Beispiel, aber auch die preußischen Kriege und die Auseinandersetzungen im Gefolge der Französischen Revolution und zur Zeit Napoleons gingen an unserer Heimat nicht spurlos vorüber.

Besonders hart wurde Haiger am Ende des Zweiten Weltkrieges getroffen. Bei Luftangriffen im Februar und März des Jahres 1945 wurden viele Gebäude, darunter auch die erst fünfzehn Jahre zuvor geweihte katholische Kirche, zerstört; allein bei dem schwersten dieser Angriffe, am 12. März, verloren 42 Menschen in unserer Stadt das Leben.

Doch es ist auch viel Gutes zu berichten: von Fleiß und Mühen der Bürger, von gutnachbarlicher Hilfe,

von Menschen, die etwas Besonderes schufen. Hier seien stellvertretend für viele andere genannt: Johann Textor, von 1608 bis 1619 Stadt- und Gerichtsschreiber in Haiger, Verfasser der ersten nassauischen Chronik ('Naßawische Chronick'), sowie die Brüder Wilhelm und Heinrich Seibert, Mitbegründer der weltbekannten optischen Industrie zu Wetzlar. Vergessen werden darf hier auch nicht DI. h.c. Karl Löber, der als Lehrer und Wissenschaftler von Rang ganz in der Nachfolge des von ihm verehrten Joharm Textor steht. Ihm, aber auch den Herren Willi Krumm und Walt er Richter sowie allen anderen, die mir freundlicherweise durch Auskünfte oder die Überlassung von Bildmaterial geholfen haben, sei herzlich gedankt.

Da durch Zugerneindung im Verlauf der siebziger Jahre die Dörfer Langenaubach, Sechshelden, Allendorf, Flammersbach, Rodenbach, Fellerdilln, Dillbrecht, Offdilln, Nieder- und Oberroßbach, Weidelbach, Steinbach und Haigerseelbach Teile unserer Stadt wurden, sollen auch sie, soweit Fotografien erreichbar waren, mit einigen Beispielen in diesem Band, der etwa die Zeit zwischen 1860 und 1930 umfaßt, vertreten sein.

1. Hoch über Marktplatz, Stadt und Tal erhebt sich das Wahrzeichen Haigers, die evangelische Stadtkirche. Sie zählt zu den größten und bedeutendsten Gotteshäusern irn weiteren Umkreis, Von dem ursprünglichen Bauwerk aus dem Jahr 914 dürfte heute nichts mehr vorhanden sein, doch aus der Zeit des Einweihungsbaues von 1048 könnten noch die Grundmauern des Chores und des Turmes stammen; ihre ungewöhnliche Dicke spricht dafür.

2. Die mittelalterliche Ansicht des als Hallenkirche angelegten Gotteshauses läßt sich noch in den auf uns überkommenen Stadtbildern von Meißner und Merian ungefähr erkennen. So fehlen auf dem Merianbild, das 1640 nach dem etwa zwanzig Jahre zuvor angef'ertigten Stich von Meißner hergestellt wurde, die Anbauten an den östlichen Joehen der Seitenschiff'e, die heute die Anlage der Kirche als Hallenbau ein wenig verwischen. Zudem war vor dem Brand der Stadt 1723, durch den auch das Gotteshaus stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, das Dach des Schiffes niedriger als das des Chores, es trug überdies einen Dachreiter. Die Haigerer Stadtkirche gilt als einer der wenigen Hallenbauten, die den westfälischen Raum nach Süden überschritten haben.

3. Zumindest einen Bliek wollen wir auf das schon in der Einleitung genannte großartige Bildwerk im Chor der Kirche werfen. Vielleicht läßt der hier schwarz-weiß wiedergegebene Ausschnitt, Kreuzabnahme und Grablegung Christ, ein wenig davon spüren, was der Besucher empfindet, der die in vielen Details sichtbare Vielfalt dieses Kunstwerkes auf sich wirken läßt. Zur Zeit der Reformation übermalt, waren die Bilder in Vergessenheit geraten und erstim Jahr 1902 wiederentdeckt worden. Sie wurden 1904/05 endgültig freigelegt und restauriert.

4. Dies ist wohl die erste 'offizielle Gesamtaufnahme' des im Jahr 1907 gegründeten Haigerer Kirchenchores. Geleiter wurde der 45 Mitglieder umfassende Chor von Lehrer Heinrich Schulz, der seine Funktion durch den Platz im Bildmittelpunkt und durch den Taktstock auf dem Knie gebührend unterstreicht.

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5. Die Hauptstraße zu Haiger um 1860. Wir haben hier das vermutlich älteste Foto aus unserer Stadt vor uns. Durch die Straße sehen wir hinauf bis zur Oberstadt. Die Pflasterung besteht aus 'Backwacken' , die Abwässer fließen oberirdisch durchs 'Flößchen' ab. Auf der Zweiseittreppe rechts Apotheker Burmann, daher nannte man diese Stelle früher 'Burrnanns Eek' (heute 'Lehrs Eck'). Deutlich erkermbar ist die Ackerbürger-Struktur des Ortes: Ackerwagen vor den Häusern, Zweiradkarren, die Männer tragen Bauernkittel. Im Hintergrund hängen in langen Bahnen blau gefärbte Stoffe zum Trocknen herab (vor dem Haus des Färbermeisters Zinzer, heute Haus Leube). Aus diesen Stoffen wurden die berühmten 'häajersche bloagefärbte Schierze' gefertigt, Auf der Deichsel des Wagens vorn der Vater des Sattlermeisters Karl Schröder, neben ihm Gerber Leng, und der Junge hinter dem Wagen ist wahrscheinlich August Weber.

Hauntatrasse.

6. Dieses Foto zeigt uns den gleichen Straßenabschnitt etwa 40 Jahre später, Vorn links die kurz zuvor eröffnete Metzgerei Fischbach.

7. Und noch einrnal derselbe Teil der unteren Hauptstraße von 'Lehrs Eek' aus, nun aber wiederum rund zehn Jahre später. Die Unterschiede zu dem ersten Bild von 1860 fallen sicherlich gleich ins Auge. Zwar sind es auch jetzt noch Kuhgespanne, die durch die Straße fahren, doch es gibt zu beiden Seiten Bürgersteige, die Häuser wirken städtischer; man ist bemüht, durch Anpflanzung von Straßenbäumen die Stadt zu verschönern.

8. Haiger im Jahr 1888, vom alten Bahnhof aus gesehen. Die dominierende Lage der Stadtkirche fällt gerade auf diesern Bild besonders ins Auge. Vor uns die Einmündung der Löhrstraße in die Bahnhofstraße und an der Ecke drei auffallende Fachwerkhäuser, klein und halbverdeckt das erste, größer das zweite und noch größer das dritte. Das erste, kleinste, ist das Farnilienhaus der Seiberts, von denen schon in der Einleitung kurz die Rede war. Einige Söhne dieser Familie zählen zu den Mitbegründern der weltbekannten Wetzlarer optischen Industrie. Das Häuschen wurde später an den Schuhmacher Adolf Thomas verkauft, und, da es auch für dessen Familie zu klein und ein Anbau nötig wurde, in einer spektakulären Aktion, auf Rollen gesetzt und einfach 'verschoben'.

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