Haigerloch in alten Ansichten Band 1

Haigerloch in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Karl Werner Steim
Gemeente
:   Haigerloch
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1312-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Haigerloch in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Dies ist wahrhaftig eine tollgewordene Stadt! Immer klarer wurde es mir: diese Stadt lebt; sie hat einst auf der Ebene gestanden; irgend ein Ereignis hat sie zur Verzweiflung getrieben, und in der Todesangst ist sie in diese Tiefe hinabgesprungen. So schilderte der bekannte schwäbische Dichter Gustav Schwab (1792-1850) seinen Eindruck von der Stadt Haigerloch bei seinem ersten Besuch im Jahre 1836.

Ein paar Jahrzehnte später schrieb der Schwarzwälder Schriftsteller Heinrich Hansjakob (1837-1916) in seinem 1901 erschienenen Buch 'Verlassene Wege': Vor uns liegt, wie ein altes Mdrchenbild, wie ein Bergnest in den Abruzzen, wie eine Phantasiestadt auf einer Weihnachrskrippe - das alte Städtchen Haigerloch. Man meint, ein Erdbeben habe einst einen Teil des Landes verschlungen und dann rechts und links der so entstandenen Kluft zwei Hilgel in die Höhe getrieben. Später habe ein Sturmwind aus allen vier Himmelsrichtungen Türme und Häuser dahergetragen und sie im Wirbel auf den Hiigeln und in der Tiefe zerstreut, um Haigerlocb zu bilden. Man kann, in diesem merkwilrdigen Ort angekommen, nicht genug schauen. Bald sind es die malerischen Tûrme, die unsern Bliek festhalten, bald die herrlichen alten Häuser, mit Holz[achwerk, die wie Schwalbennester an Fels und Berg hinaufhdngen, bald das Flûßchen Eyach, das in tiefem Bette mitten durch das Städtchen stilrmt,

Man könnte diese romantischen Beschreibungen von Haigerloch beliebig fortsetzen. In diesem Büchlein sollen aber in erster Linie Fotografien wiedergegeben werden, die etwa zwischen 1880 und 1930 in Haiger-

loch aufgenommen wurden. Der Betrachter sollte dabei berücksichtigen, daß bei den ältesten Aufnahmen die Fotografie noch in den Kinderschuhen steekte, daß die Bildqualität noch nicht so gut war, wie wir sie heute als selbstverständlich voraussetzen. Die Bilder beginnen also etwa gerade vor 100 Jahren und enden vor 50 Jahren. Es wurde der Versucht unternommen, nicht nur bauliche Veränderungen gegenüber heute zu zeigen, sondern etwas von der Atmosphäre jener Jahre einzufangen.

Auf den Abbildungen wird der ältere Haigerlocher Dinge finden, die er selbst noch kennt. Für ihn dienen die Bildunterschriften als eine Art Gedächtnisstütze. Die jüngeren Einwohner und Zugezogene werden in diesem Buch sehen, wie ihr Ort vor 50 und noch mehr Jahren ausgesehen hat. Oft wird der Betrachter auf den ersten Bliek meinen, ein neues Foto vor Augen zu haben. Es ist ein Glück, daß die Stadt Haigerloch ihr Äußeres im wesentlichen bewahren konnte. Bei näherem Betrachten der Bilder werden aber doch gravierende Unterschiede deutlich.

Insgesamt zählt die Stadt Haigerloch mit ihren Stadtteilen knapp 10 000 Einwohner, die Kernstadt selbst bringt es nur auf stark 1 600. Bedingt durch die topographische Lage ist die Einwohnerzahl der Kernstadt nie stark gewachsen. Im Jahre 1871 waren es 1 154 Einwohner, zur Jahrhundertwende I 269 und vor 20 Jahren zählte man über 1 800 Einwohner. So kann Haigerloch zwar nicht mit seiner (Einwohner-) Größe auftrumpfen, freilich mit landschaftlicher Schönheit, hervorragenden Baudenkmälern und einer bedeuten-

den Vergangenheit. Letztere soll nachstehend kurz skizziert werden.

Der Name Haigerloch wird im Jahre 1095 als 'castrurn Haigerloch' (Burg Haigerloch) erstmals urkundlich erwähnt. Nach der neueren Forschung bedeutet Haigerloch 'Reiherwald'. Die Haigerlocher Burg lag auf der Bergzunge links der Eyach beim heute noch vorhandenen 'Römerturm' , der als Bergfried der einstigen Burg angesehen wird. Damals residierten hier die Grafen von Haigerloch. Nach deren Aussterben um 1170 ging die Herrschaft Haigerloch an die Grafen von Hohenberg über, die vermutlich mit den Haigerlochern verwandt waren. Unter den Hohenberger Grafen erlebte die mittelalterliche Stadt Haigerloch eine Blütezeit. Die neuen Stadtherren bauten um 1200 das Schloß rechts der Eyach und ließen offenbar die alte Burg in der Oberstadt verfallen.

Zwischen 1354 und 1381 erfolgte eine verwaltungsmäßige Trennung der Stadt Haigerloch in eine obere und eine untere Stadt, die eigene Schultheißen und eigene Stadtsiegel hatten. Die Ursache: In diesen Jahren hatte Haigerloch zwei verschiedene Besitzer. Kurz vor 1381 kam die Stadt wieder in den alleinigen Besitz des Grafen Rudolf lIl. von Hohenberg, der im Jahre 1381 seine Grafschaft Hohenberg mit Haigerloch, 'die vestin und baide stätt', an Österreich verkaufte, Unter der österreichischen Herrschaft war Haigerloch nur noch eine der vielen Landstädte der Habsburger, die zudem meistens verpfändet war. Eine neue Blüte kam für das Städtchen erst ab dem Jahre 1497, als es in zollerischen Besitz kam.

Im Jahre 1497 tauschte Graf Eitei Friedrich Il. von Zollern die Herrschaft Haigerloch ein gegen die in der heutigen Schweiz gelegene Herrschaft Rhäzüns und konnte somit seinen Bereich wesentlich erweitern. Nach dem Tode des Grafen Karll. von Zollern im Jahre 1576 wurden in einer 'Brüderlichen Erbteilung' aus der Zollerngrafschaft die Grafschaften Sigmaringen, Hechingen und Haigerloch gebildet. Christoph war der erste Graf von Hohenzollern-Haigerloch.

Das noch aus dem Mittelalter stammende Schloß genügte dem Grafen nicht mehr, es befand sich auch in einem schlechten baulichen Zustand. Der Graf und seine Nachfolger ließen nach und nach das heutige Schloß erbauen. Graf Christoph begarm noch den Bau der Schloßkirche, starb aber bereits 1592. Sein Nachfolger wurde Graf Johann Christoph, der bis 1620 regierte. Er setzte den Schloßkirchenbau fort. Im Dreißigjährigen Krieg war der Graf Kommandant der Feste Hohenzollern. Beerbt wurde er von seinem Bruder Karl, mit dem im Jahre 1634 bereits die Linie der Haigerlocher Zollerngrafen ausstarb.

Gemäß dem Erbvertrag fiel die Herrschaft Haigerloch an die Linie Hohenzollern-Sigmaringen. Fürst Johann war bis 1638 neuer Landesherr, gefolgt von Fürst Meinrad (bis 1681) und Maximilian (bis 1689). Auf ihn folgte Meinrad Il., der bis 1715 regierte. Sein Nachfolger, Fürst Joseph Friedrich, war besonders von dem Städtchen Haigerloch angetan. Er ließ auf eigene Kosten die St.-Annakirche erbauen (1753-1755) und das Innere der Schloßkirche barock urngestalten (1748). Im Jahre 1737, nach dem Tode

seiner Gemahlin, verlegte er seine Residenz von Sigmaringen nach Haigerloch, wo er den größten Teil seiner Regierungszeit bis zu seinem Tode zubrachte. Bald zog er sich ins Haag-Schlößchen zurück, in dessen Nachbarschaft er sich ein zweites Lustschlößchen erbauen ließ. Der Fürst kümmerte sich auch intensiv um das Bad in Imnau und ließ das Hauptgebäude (Fürstenbau) errichten. In Haigerloch erblühte ein reiches künstlerisches Leben, in dessen Mittelpunkt der Maler Andreas Meinrad van Ow, der Bildhauer Johann Georg Weckenmann und der Haigerlocher Architekt Christian Großbayer standen. Sie schufen Barockwerke von bleibendem Wert.

Nach dem Tode des Fürsten Joseph Friedrich von Hohenzollern-Sigrnaringen (1769) wurde die Residenz wieder von Haigerloch nach Sigmaringen zurückverlegt, der Glanz Haigerlochs verblasste. Es folgten die Fürsten Kar1 Friedrich (1769-1785), Anton A10is (1785-1831), Karl (1831-1848) und Karl Anton (1848-1850). Letzterer verkaufte 1850 sein Fürstentum an den stammverwandten König von Preußen. Die beiden Fürstentürner Sigmaringen und Hechingen wurden ein preußischer Regierungsbezirk mit Sitz in Sigmaringen. 1925 wurde das Oberamt Haigerloch aufgelöst und mit dem von Hechingen zum Landkreis Hechingen vereinigt, der wiederum 1973 im Zollernalbkreis aufging. Soweit einige wichtige geschichtliche Daten.

Der Zeitraum 1880 bis 1930 ist auch für die Geschichte der Stadt in vielerlei Hinsicht von besonderer Bedeutung. Viele Straßenbaumaßnahmen wurden erst

in dieser Zeit - oder kurz vorher - verwirklicht: 1838/1840 Talstraße nach Imnau, 1868/69 Salinenstraße nach Stetten, 1872 Eyachtalstraße, 1872 Neue Straße, 1874 Krebshaldenstraße, 1886 Stunzachstraße, 1895196 Gruol-Binsdorf und Erlaheirn und 1904/05 Butzengrabenstraße vom Bahnhof nach Weildorf. Mit der Eisenbahn kam weiterer Fortschritt nach Haigerloch. 1901 wurde die Linie Eyach-Haigerloch-Sterten eröffnet. 1868 wurde in Haigerloch schon eine Telegrafenstation eingerichtet, 1901 wurde auch eine Fernsprecheinrichtung (mit anfangs sechs Teilnehmern) eröffnet. Ein weiterer Meilenstein war schließlich die Eröffnung des Elektrizitätswerkes im Jahre 1906. Der elektrische Strom ermöglichte erst viele Dinge, die uns heute längst alltäglich sind. Abschließend seien einige bedeutende Gebäude aufgezählt, die etwa im genarmten Zeitraum entstanden sind: 1863 evangelische Kirche, 1875 Schul- und Rathaus, 1879 Arntsgericht, 1903 Missionshaus, 1913 Krankenhaus. Nicht vergessen sei hier der einstige Haigerlocher Verschönerungsverein, der im Jahre 1886 auf Anregung des bekarmten Komponisten und Musikdirektors August Reiser gegründet und von 1897 bis 1922 von Amtsgerichtsrat Franz Xaver HodIer weitergeführt wurde. Es ist heute kaum mehr bekannt, daß es in erster Linie dieser Verein war, der die Naturschönheiten des Städtchens durch die Anlage von Wanderwegen, Waldspazierwegen, Ruhebänken, Stegen und so weiter erschlossen hat. Außerdem hat er die Aufforstung der vielen Hänge rings um Haigerloch vorgenommen.

1. Vor der Iahrhundertwende wurde diese Haigerlocher Postkarte verschickt. Auffallend ist, daß schon damals genau die 'Postkarten-Motive' der Stadt Haigerloch gewählt wurden, die auch heute noch häufig fotografiert werden. Das Bild oben links zeigt einen Bliek vom WeinbergjStettener Berg aus auf einen Großteil der Stadt. Unten links wurde als Standort die Gegend links vom Kapf gewählt. Von dort aus entstand auch die Ansicht des Schlosses in der Mitte. Auf halber Höhe der Oberstadt aufgenommen wurde die Ansicht des Schlosses rechts.

2. Auch diese Postkarte von Haigerloch aus der Zeit vor dem Jahre 1910 zeigt zwei bekannte und beliebte Motive. Der Bliek links von der Oberstadt auf Schloß, Schloßkirche und Unterstadt läßt letztere fast verschwinden. Gerade das Amtsgericht mit Gefängnismauer und einigen weiteren Gebäuden sind zu sehen. Fein säuberlich sind auch auf der Ansicht rechts - vom Kapf aus - die vielen Häuser der Stadt wiedergegeben. Zwischen der Eyach und 'Neuer Straße' (1872 gebaut) gab es noch einige Gärten. 1913 wurde dort das Haus DI. Ernst Mock (heute EIser) erbaut.

Çruss aus }(aigeriochH. Z.

I

Verlag von Rud, Wellin

3. Dieser 'Gruß aus Haigerloch' stammt aus dern Jahre 1902. Der Fotograf hat es verstanden, einen Großteil der Stadt auf diesem Panorama-Foto abzubilden. Bei näherem Betrachten wird der Ortskundige wiederum zahlreiche Veränderungen im Stadtbild feststellen, so beispielsweise im Bereich der Vorstadt, beim Rathaus und beim Kaufhaus l.B. Mock. Da diese Aufnahme aus großer Höhe entstanden ist, kommt die Hochlage des Schlosses und des Römerturmes nicht so stark zum Ausdruck.

Gruß von Haigerloch

Missionshaus der weissen Väter

4. Etwas eigenartig mutet diese Postkarte aus dem Jahre 1912 an. Das Foto zeigt - vom Stettener Berg aus - einen Bliek auf die Stadt, wobei freilich fast nur das Schloß und das Missionshaus der Weißen Väter zu sehen sind. Deutlich wird hier schließlich, daß der Stettener Berg noch nicht aufgeforstet war. Lediglich einiges Buschwerk und ein ausgetretener Pfad fallen ins Auge. Der Pfad diente allerdings - im Gegensatz zu heute - wohl weniger den Wanderern, als vielmehr den Landwirten und Viehhirten.

5. Eine besonders beliebte Ansicht der Stadt Haigerloch bietet sich vom Kapf oberhalb des Schlosses an. Rechts oder links von diesem Aussichtspunkt kann man entweder mehr Vorstadt mit Unterstadt, oder aber die ganze Vorstadt aufnehmen. Unser Fotograf hat um 1890 - links die Vorstadt gestreift. Zu sehen sind dann die ansteigende Oberstadt und rechts ein Teil der Unterstadt mit darüberliegendem Schloß. Beim Haus Weltin fehlt übrigens noch der Anbau. Auch das ehemalige Haus Dr. Mock steht noch nicht.

6. Hier wurde auf Kosten der Vorstadt mehr der Bliekwinkel in Richtung Schloß gewählt. Die Aufnahme muß kurz nach 1910 entstanden sein, das Haus DL Mock (heute EIser) fehlt noch, das Haus Welt in hat inzwischen einen Fachwerk-Anbau erhalten. Trotz der nicht besonders guten Qualität des Bildes lohnt die Reproduktion, sind doch gegenüber dem vorigen einige bauliche Veränderungen zu erkennen. In der Pfluggasse sind noch mehrere Gärten zu sehen. Diese Gärten hatten früher ein größeres Ausmaß als heute und waren offenbar - nahe an der Eyach gelegen - sehr beliebt. Erst in unserem Jahrhundert mußten sie immer mehr der Bebauung weichen.

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