Halle in alten Ansichten

Halle in alten Ansichten

Auteur
:   Klaudia Genuit-Thiessen
Gemeente
:   Halle
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5789-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Halle in alten Ansichten'

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van

Klaudia Genuit- Thiessen

Europäische Bibliothek - ZaltbommellNiederlande

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EINLEITUNG

Das Haller Herz lebt

Als Napoleons Truppen 1813 nach der Schlacht bei Leipzig das Weite suchten, kramte Malermeister Wichmann seine Töpfe und Pinsel hervor. Das Fachwerk des kleinen Haller Rathauses hatte frische Tünche nötig. Wieder einmal war eine Epoche zu Ende gegangen, deren Einflüsse selbst in der stillen Stadt am Fuße des Teutoburger Waldes spürbar geworden waren. Halle, am 17. April 1719-vor275 Jahren - von König Friedrich Wilhelm 1. von Preußen zur Stadt erhoben, war wieder vereint. Die Grenze zwischen Frankreich und dem Königreich Westfalen, in dem Napoleons Bruder Jeröme auf dem Thron saß, und die mitten durch die Lindenstadt führte, war beseitigt.

In der Zeit der Fremdherrschaft hatte sich das Stadtbild wenig verändert. Doch hatten die Franzosen immerhin als erste auf eine Änderung des Bestattungswesens gedrängtwenn auch vorerst erfolglos. Sechshundert Jahre hatte der Kirchhof als Begräbnisstätte für das ganze Kirchspiel gedient, bevor man den ersten Friedhof anlegte. Der damals noch fast baurnlose Kirchplatz wurde erst 1974 behutsam umgestaltet. Und ist die Kirche mit ihrem äußerst vorsichtigen Umgang mit dem historischen Erbe nicht den richtigen Weg gegangen?

Der Häuserring um den Kirchplatz, die Gebäude an der Rosen- und Bahnhofstraße, einige wenige andere verstreut liegende Bauwerke erzählen heute noch vom Leben früherer Generationen - und sind doch keine verstaubten Museumsstücke, sondern lebendige Teile unserer Stadt. Das

alte Halle war einzigartig. Und ein Hauch dieser Einmaligkeit ist noch jetzt im Haller Herzen zu spüren.

Ein paar Schritte weiter, und Halle sieht genauso aus wie andere Kleinstädte. Die Bausünden der siebziger und achtziger Jahre, die Gleichförmigkeit einer modernistischen Gestaltung haben selbst vor dem Stadtkern nich haltgemacht.

Der preußische König hatte dieses sicher nicht im Sinn, als er per Edikt verordnete, den Flecken und Weichbildern Vlotho, Werther, Halle, Borgholzhausen, Versmald und Oldendorf 'die Stadt-Gerechtigkeit beyzulegen' . Obwohl er damit Veränderungen Tür und Tor öffnete. Ihm lag daran, Gewerbe und Handel in der Grafschaft Ravensberg zu fördern und damit letztendlich seine Steuer-Einnahmen zu vergrößern. Und dieses ließ sich am besten durch eine Stärkung der Städte erreichen, Bevölkerungswachstum und wirtschaftliches Wachstum - das ging für Friedrich Wilhelm Hand in Hand mit der Umwandlung von 'wüsten Haußstellen', Gärten, Ländereien und Wiesen in befestigte Städte. Und wer alte Häuser reparierte, Stroh- durch Ziegeldächer ersetzte und Schornsteine baute, der wurde sogar 'nach Proportion der angewandten Kosten, drey bis zehn Jahre von Einquartirung, Quartier-, Hülfs- und Einmietungsgeldern, Wachten, Handdiensten und allen bürgerlichen Lasten, ausgenommen der ConsumptionsAccise' befreit.

Die Erhebung zur Stadt und die Ausstattung mit allen üblichen Rechten einer Stadt, das Verleihen der Bürgerrechte

an die Eingesessenen und alle damit verbundenen Privilegien, Zuzugserleichterung und Förderung der Bautätigkeit waren für den preußischen Staat der Anfang. Nur wenige Wochen später wurden Handel und Wandel durch das Kommerzien-Edikt geregelt und die Steuer- und Consumptionsordnung eingeführt, die statt der bisherigen Abgaben die Akzise, eine Art Verbrauchssteuer, festsetzte. 275 Jahre nach dem Edikt hat sich vieles verändert. Die Gebietsreform ließ 1973 aus der kleinen Kreisstadt eine kreisangehörige Stadt werden. Deren Einwohnerzahl wuchs durch die Eingemeindungen von Gartnisch und Künsebeck, Ascheloh und Eggeberg, Bokel, Hörste und Kölkebeck allerdings enorm. Was auf der einen Seite einen Verlust an Status und realer Macht bedeutete, ergab andererseits auch Planungsvorteile, beispielsweise für die Ansiedelung von Gewerbebetrieben, und trug zum Wohlstand einer Region bei.

Das deutsche Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre abgesehen von dem schon damals allzu leichtfertigen Urngang mit alter Bausubstanz - in Halle hielt es eigentlich erst 20 oder 25 Jahre später Einzug. Sichtbar wurde dies an den Neubauten. Die beiden Hochhäuser im Haller Osten, erschreckendes Beispiel dafür, erhielten glücklicherweise aber keinen weiteren Zuwachs.

Eines läßt sich nicht so ohne weiteres stillegen oder vergessen wie unschöne, gesichtslose Bauten: der Verkehr. Die alte Ost- West-Verbindung mitten durch die Stadt, die heutige B 68, ist dem Ansturm von Autos und schweren La-

stern nicht gewachsen. Die Stadtväter haben das Problem zwar schon vor langem erkannt, gleichwohl gelang es über Jahrzehnte hinweg nicht, eine endgültige Lösung zu schaffen.

Der entscheidenden Umbruchphase, in der man in kurzer Zeit vieles, was einst das Stadtbild prägte, rigoros opferte, scheint mittlerweile ein neuer Prozeß des Umdenkens, auch eine Rückbesinnung auf fast in Vergessenheit geratene Werte zu folgen. Liebevoll gepflegtes altes Fachwerk, behutsam modernisierte Häuser der Gründerjahre und gepflasterte Straßen im Haller Herzen beweisen, daß sich auch in alten Mauem ausgezeichnet wohnen und arbeiten läßt.

Bodenständigkeit, aber auch Welteffenheit gegenüber Schritten, die auf neuen Wegen in die Zukunft führen, sei es im wirtschaftlichen, sportlichen wie im kultutellen Bereich-. dies sind zweifellos Charakterzüge , die zum Gedeihen unseres kleinen, hellwachen Städtchens beigetragen und seinen Namen in der Region und in der ganzen Welt bekannt gemacht haben, Halle in alten Ansichten - und in neuen,

Klaudia Genuit-Thiessen

Ich bedanke mich beim Haller Stadtarchiv . Es stellte sämtliche Bilder für dieses Buch zur Verfügung. Mein besonderer Dank gilt Eberhard Wiegand. Er kennt sich mit den Haller Verhältnissen bestens aus.

1. Nicht nur an Kaisers Geburtstag zeigten die Haller Flagge. Ganz selbstverständlich wurde sie offensichtlich gehißt, als der Bielefelder H. Baumann, Inhaber der 'Kunstanstalt für Photographie' , PanoramaAufnahmen der Lindenstadt machen wollte und zu diesem Zweck den Bau eines hohen Turmes angeregt hatte. Auf seinen Vorschlag hin errichtete die Firma Thomas das Gerüst am Hartmanns Hof, der damals sozusagen noch vor den Toren der Stadt lag. Kaum stand der Turm, stellten sich auch Auftraggeber und Erbauer in Positur, um für die Nachwelt im Bild festgehalten zu werden. Man beachte: Weder Herr noch Handwerker ging damals barhäuptig.

2. Keimzelle der Lindenstadt ist gewiß St. Johannis. Rings um die Kirche, die um das Jahr 800 als Taufkirche entstanden sein dürfte, baute man Häuser - der Kern Halles, das zwischen den beiden alten Bauerschaften Oldendorf ('alden torpa') und Gartnisch ('Gretanescha') heranwuchs. Der burgartig geschlossene Häuserring weitete sich nur allmählich aus, wie man aus der Karte aus dem Jahr 1784 (in Privatbesitz) entnehmen kann. Nordwestlich der Kirche vorgelagert war der ehemalige Gerichts- und Marktplatz, der Lindenflecken. Umfaßt wird dieses Siedlungsherz von einem Straßendreieck: Lange Straße, Rosenstraße und Bahnhofstraße.

3. Auf Halles wunderschönem Kirchplatz spielte sich einst das Leben ab - und auf dem Kirchhoffanden auch die Toten ihre letzte Ruhe. Der Begräbnisplatz im Schatten der Johanniskirche war im 18. Jahrhundert bereits zu klein geworden für die wachsende Stadt. Mit einer spitzen Eisenstange , dem 'Totenstecher' , mußte der Boden nach festen Särgen untersucht werden, bevor man ein neues Grab ausheben konnte. Im Jahr 1910 - als es längst den Friedhof an der Bahnhofstraße gab - war der Tischlermeister August Vollmer (im dunklen Anzug, Bild unten) Kirchendiener. Er war gleichzeitig Friedhofswärter und lieferte den überwiegenden Teil der Särge. Kein Wunder, daß er in der Lindenstadt der 'Jesustischler' genannt wurde. Zwar gab es seit 1904/05 elektrischen Strorn, doch mußten die Glocken noch mit der Hand durch Zugseile geläutet werden. Der Kirchendiener hatte auch die Aufgabe, den Blasebalg an der Orgel zu treten. Vollmer pflegte zu sagen: 'Ich habe keine Zeit mehr. Ich muß in die Kirche und Wind machen. '

4. Vermutlich wurde St. Johannis gleich auf geweihtem Boden errichtet. Die 1246 erstmals erwähnte Kirche besaß damals ein zweijochiges Mittelschiff, den quadratischen Chorraum und den Turm. Um 1450 wurde das Gotteshaus mit einem spätgotischen Vorbau an der Südseite erweitert und zu einer zweischiffigen Hallenkirche umgestaltet. Damals gab es mehrere Altäre. Anno 1886 entstand ein Anbau an der Nordseite, die Emporen wurden eingebaut. Als man St. Johannis 1961162 renovierte, stellten die Handwerker das ursprüngliche Raumbild wieder her. Frühere Einbauten verschwanden. Und mit ihnen beispielsweise auch die alten Kirchenbänke und Kronleuchter.

5. Engelbert, von Gottes Gnaden Bischof von Osnabrück, wollte 'jeden Irrtum' ausschalten. Deshalb ließ er am 9. Mai 1246 eine bedeutsame Regelung urkundlich dokumentieren. Allen Lebenden und den Zukünftigen sollte bekannt sein: Der Kirche und dem Kloster des Heiligen Clemens in Iburg übertrug er 'Unsere Kirche Halle mit den zugehörigen Rechten und Besitzungen' und erhielt dafür die Kirche Rheda. Die Angriffe rücksichtsloser Feinde und die Bedrängnis durch Gewaltherrscher nannte er als Gründe. 'Da nun der genannte Tausch festgesetzt und gegen jede Verdrehung und spitzfindige Auslegung gesichert für beide Kirchen rechtskräftig und unangetastet bleibe, haben wir zum Beweis des wahren Sachverhalts diese Urkunde zum allseitigen Schutz siegeln lassen .. .'

6. Noch 1909 blickte man von der Haller Egge auf ein durchaus ländliches Fleckchen - wenn auch schon einige Vorposten der Industrie rauchend in den Himmel ragten. Die Wertherstraße war noch weitgehend unbebaut. Das stille Städtchen breitete sich nur langsam aus. Beckmanns Hof (vorn rechts) lag noch beinahe vor den Toren der Stadt, ebenso Hartmanns Hof. Große Bauernhöfe hatte es im Stadtkern nie gegeben, die Urhöfe lagen nicht in Halle, sondern in Oldendorf und Gartnisch. Oldendorf wurde 1938 eingemeindet. Es brachte 750 Einwohner und 436 Hektar Grund mit in die 'Ehe'. Ein Jahr später zählte die Lindenstadt, einst ein etwa fünfKilometer langer und nur einen Kilometer breiter Streifen zwischen den Bauerschaften, immerhin 3 500 Seelen.

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