Hamm in alten Ansichten Band 2

Hamm in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Maria Perrefort
Gemeente
:   Hamm
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6700-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Hamm in alten Ansichten Band 2'

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Auf dem Weg zur Großstadt Hamm

Das Gesicht der Stadt Hamm hat sich zweifellos im 19. und im 20. Jahrhundert gravierend verändert. Die Eisenbahn und mit ihr die Ansiedlung der Draht- und Metallindustrie, der Bergbau und die Anlegung des Kanals haben das kleine überschaubare Landstädtchen aus dem Schlaf geweckt und mit der Industrialisierung Urbanisierungsprozesse eingeleitet, die zum Beispiel an der Ausdehnung der Wohnbebauung deutlich werden. Das zeigt ein Vergleich der Pläne von 1886 und 1949.

An eine Bauperiode mit zahlreichen beeindruckenden Gebäuden im historisierenden Stil der Kaiserzeit (altes OLG, Landratsamt, Lutherhaus, Bad Hamm) knüpfte zu Beginn des 20. [ahrhunderts Stadtbaurat Otto Krafft (1906-1916) an, unter dessen Ägide allerdings auch neue architektonische Konzeptionen erstellt und realisiert wurden. So war er zum Beispiel maßgeblich an der Gestaltung der dekorativen Ringanlagen beteiligt, sorgte für die Verlegung der Ahse, baute aber auch das Stadtbad und nahm Einfluss auf die Planung des neuen Bahnhofs. In den zwanziger und zu Beginn der dreißiger [ahre entstanden in der Stadt zahlreiche Bauten, die sich eher funktional präsentieren und von einer sachlichen Strenge geprägt sind. Dieser neue, der damaligen Zeit entsprechende, "moderne" Stil wird an der Errichtung von Stadthaus, Krankenhaus, Bahnhof, Rangiersystem, Post, Bahnhofsvorplatz, am Geschäft Viehoff und schließlich auch an der Kaufhalle, dem Marienhospital und dem Gefängnis sichtbar.

Die nationalsozialistische Baupolitik und Städteplanung zwischen 1933 und 1945 ordnete ihre Projekte dem politischen Kriegszweck unter, sei es durch die Errichtung von Kriegerehrenmälern oder Autobahnen, sei es durch den Bau von Bunkern und Baracken. Die Folgen der Kriegspolitik waren auch in Hamm nicht zu übersehen: nicht nur der Tod zahlreicher aus- und inländischer Menschen, sondern auch die Zerstörung eines Großteils der Stadt Hamm und der umliegenden Gemeinden. So stellte der Zweite Weltkrieg mit seiner "Ruinenlandschaft" eine entscheidende Zäsur in der städtebaulichen Entwicklung dar.

Die unübersehbaren Zerstörungen stellten die Verantwortlichen 1945 vor die Alternative: Wiederaufbau oder Neuanfang. Sobald die Mittel vorhanden waren, machten sich viele Bürgerinnen und Bürger wieder an den Aufbau ihrer Häuser, verbesserten, erweiterten. Allein in dem Zeitraum vom 1. [anuar 1956 bis zum 31. Dezember 1957 entstanden bei Neubauten und Wiederaufbauten im Stadtkreis Hamm 1 361 neue Wohnungen. Die rege Bautätigkeit, die sich allenthalben in Hamm zeigte, bezeichnete der Westfälische Anzeiger und Kurier am 10. [anuar 1953 als "Wunder von lIarnrn".

Auch die Errichtung des Handelshauses Rosenberger und zahlreicher anderer Geschäfte der Innenstadt fiel in diese Zeit; allerdings konnten sich die damals diskutierten, modernen Ideen von Flachdachhochhäusern in dieser zentralen Lage nicht durch-

setzen. Das achtgeschossige Wohnhaus, das die Neue Heimat am Ostentor 1958 hochzog, blieb somit eher eine Ausnahme. Im engen Zentrum baute man in der Regel nach altem Muster wieder auf, wie etwa das Stadthaus, in dem das Gustav-Lübcke-Museum 1957 seine Neueröffnung begehen konnte. Auch die Architektur der Sparkasse orientierte sich am historischen Vorbild des alten Rathauses. Den typischen fünfziger [ahre Charakter wies dagegen das dreigeschossige konkave Kaufhaus Müller-Hamm gegenüber vom Westentorhaus auf: "Hier wirkt Hamms Straßenbild am meisten großstädtisch", erklärte 1956 Stadtbaurat Gerhard Plagens. Am Rande der Innenstadt war man für Experimente offener, so zum Beispiel bei dem Neubau der Musikschule und der Stadtbücherei. 1959 etwa entstand inmitten von Grünanlagen das Oberlandesgericht, ein 13-geschossiges Hochhaus, das Gerhard Plagens, der sich stark für ein "anderes, neues Harnrn" einsetzte, als "hochragendes Denkmal unserer Schaffenskraft" feierte.

Nach der "Enttrümmerung", nach dem Wohnungsbau und einem umfangreichen Schulbauprogramm erforderte die zunehmende Mobilität eine neue Verkehrsplanung. Straßen sollten verbreitert werden, neue Fluchtlinienpläne wurden aufgestellt; Stadtplanung war identisch mit Verkehrsplanung, und die rasche Abwicklung des motorisierten Verkehrs in der Stadt bekam Priorität. Einen wesentlichen Meilenstein bedeutete dabei der Bau der Lippebrücke 1951, die eine wichtige Verbindung zu den nördlichen Stadtteilen herstellte. An der Kreuzung Bahnhofstraßel Westring "wurde die erste automatische Verkehrssignalanlage eingebaut und am 31. Oktober 1957 in Betrieb genommen" (Verwaltungsbericht 1957 I 5 8, S. 1 1 3). Bereits 1958/59 legte man Pläne für den Durchbruch der Widumstraße zum Ostentor vor, man verlängerte den Westring durch den Richard-MatthaeiPlatz, veränderte aufs Neue den Bahnhofsvorplatz. Ideen für ge-

änderte Straßenverläufe gehen bis in diese Zeit zurück, auch wenn etwa der Bau der Neue Bahnhofstraße erst in den achtziger [ahren realisiert wurde. Bisweilen mehr als die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs haben diese Stadtplanungen das Gesicht Hamms geprägt. Nichts weist heute noch auf die ursprünglichen Straßenführungen hin, mit deren Tilgung auch zahlreiche historische Bauten aus dem Weichbild der Stadt verschwanden.

Der Streifzug durch die Stadt, zu dem dieses Bildbändchen einlädt, erinnert an zahlreiche Häuser, Straßen, Anlagen, die heute nicht mehr existieren, oder erläutert die Entstehung einzelner Gebäude, die gegenwärtig noch als Zeugnisse vergangener Epochen einen anschaulichen Eindruck geben. Er beginnt dort, wo vielleicht die Keimzelle für die Industriestadt Hamm zu suchen ist, beim Bahnhof und beim Bahnhofsviertel, das mehr noch als andere Bezirke immer wieder einschneidenden Veränderungen unterlag.

1. Stadtplan von Hamm, 1886

Dieser Stadtplan (Inv.-Nr. 3960) ist ein wichtiges und aussagekräftiges Zeugnis für das Stadtbild in der zweiten Hälfte des 19. [ahrhunderts. Bearbeitet wurde er von H. Gier und bei Griebsch in Hamm gedruckt. Der Plan zeigt deutlich, wie die Stadt Hamm, die 1896 schon 28 883 Seelen zählte, über ihre mittelalterlichen Grenzen zwischen Lippe und Ahse hinauswuchs. Durch den Bau der Köln-Mindener Eisenbahn 1847 und die Ansiedlung der Drahtindustriebetriebe in den folgenden [ahren dehnte sich die Stadt nach Westen aus. Weite Areale waren - besonders im Norden der Stadt - noch unbebaut. Bei den schwarz eingezeichneten Flächen handelt es sich um Gaststätten und Hotels.

2. Stadtplan Hamm Westf., 1949

Mitte des 20. Jahrhunderts verlor sich der alte Stadtkern in den neu bebauten Straßen Hamms, die nach Osten, Süden und Westen ein enges Netz bildeten. Irn Norden stellt die Lippe allerdings bis heute eine Grenze für die Bebauung dar. Lange Zeit blieben die Lippeauen unbewohnt. Am 31. Dezember 1951 hatte die Stadt 62 429 Einwohnerinnen und Einwohner - die meisten von ihnen katholischen Glaubens.

· Hamm i. W. - Bahnhof.

3. Hamm, Bahnhof, um 1900

Das 1861 eingeweihte Empfangsgebäude, dessen Stirn nach Süden wies, war nach wenigen Jahrzehnten bereits wieder renovierungsbedürftig. Um 1890 wurde der damalige Bahnhofsvorplatz, der auf gleicher Ebene wie die Schienen lag, abgesenkt. Durch zwei Unterführungen konnte der Verkehr dann unabhängig von den Zügen von der Stadt her nach Westen fließen. Die Unterführung links im Bild führt in die Wilhelmstraße, die bis 1863 Pelkumer Chaussee hieß. Das Bahnhofsentree lag entsprechend im ehemaligen Souterrain und war zu diesem Zeitpunkt mit einem hölzernen Eingangsvorbau versehen. Die Frontseite und die Bahnsteige des Inselbahnhofs besaßen beidseitig schmuckvolle Vordächer. Den Vorplatz zierte ein Pissoir. Das alte Empfangsgebäude lag ein gutes Stück jenseits des Westentores und damit außerhalb des Weichbildes der Stadt.

4. Hamm "Rangirbahnhof", 1905

Das Büro des Rangierbahnhofs befand sich bis in die zwanziger [ahre in der Nähe des Bahnanschlusses der Fabrik Banning zwischen den Gleisanlagen. Der Personalstab war noch einigermaßen übersichtlich, wie diese Fotografie aus dem [ahr 1905 zeigt. Immerhin sollte die Stadt in den zwanziger [ahren einen der größten Verschiebebahnhöfe Europas in Betrieb nehmen. Die Rangierkapazitäten, die bereits 1883 erweitert worden waren, reichten zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei weitem nicht mehr aus. 1928 entstand dann ein Verschiebesystem mit Gleisanlagen von 9,3 km Länge, die unter anderem auch als "Kriegsbahnhof" dienen sollten.

s. BahnhofHamm,1972

Während des Ersten Weltkriegs begannen die Bauarbeiten für den neuen Bahnhof, der am 14. Oktober 1920 endlich seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Die Architektur zeigt neoklassizistische und neobarocke Stilelemente. Die Bauüberwachung von Seiten der Stadt Hamm lag bei Stadtbaurat Otto Krafft, der die Fertigstellung allerdings nicht mehr erleben konnte. Im Gegensatz zu dem alten Inselbahnhof, der nach Süden wies, öffnet sich das neue Gebäude zum Zentrum und wird soTeil der Stadt. Der Gedanke, dass der Vorplatz eine Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt bildet, wurde neuerdings 1999/2 000 in der Gestaltung der Insel als "Schwelle" konsequent umgesetzt. Sowohl das Empfangsgebäude als auch die Gleisanlagen des Verkehrsknotenpunktes Hamm waren während des Zweiten Weltkriegs Ziel zahlreicher Bombenangriffe.

6. Bliek vom Bahnhofsgebäude, 1927/28

Ganz links im Bild ist eine Ecke des Postgebäudes an der damaligen Friedensstraße zu sehen; dahinter führt die Luisenstraße von der Post zur Bahnhofstraße, im Hintergrund ragt der Turmhelm der Martin-Luther-Kirche auf. Der Auto-Betrieb an der Luisenstraße 4 gehörte Wilhelm Hacheney jr., gleich nebenan (Luisenstraße 3 und 1) führte Heinrich Herlitz ein "Spezialhaus für Möbel, Teppiche, Gardinen und Lederwaren" (1929). Eine Zahl verdeutlicht die Größe der Verkaufsräume: Im [ahre 1926 stellte Herlitz etwa 3 00 Zimmer öffentlich aus. Zwölf [ahre zuvor hatte er die Häuser Bahnhofstraße 14 und 1918 Bahnhofstraße 16 gekauft, die sich etwa dort befanden, wo heute noch das Einrichtungshaus Herlitz liegt. Rechts im Bild führte die Sackgasse Kurze Straße (heute nicht mehr vorhanden) zur Bahnhofstraße; an der Kurze Straße 1 führte Josef Heimann eine Steinhauerei, deren Materialien rechts im Bild zu sehen sind. Für den Bahnhofsneubau hatte Heimann, dessen Vorfahren schon seit über sechzig [ahren dort arbeiteten, Grund abtreten müssen, den er gegen neues Gelände an der Ludendorffstraße tauschte. Im Hintergrund, an der Bahnhofstraße 23, ist das Geschäft des Kaufmanns Gustav Rosenthal zu sehen.

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7. Bliek vom Bahnhofsgebäude, 1927

Der Blick geht in die ehemalige Ludendorffstraße (heute etwa die Zufahrt zurTiefgarage von Yimpas an der Bahnhofstraße ). In dem traufenständigen Gebäude an der Bahnhofstraße (Nr. 31 und 29) führte der Bandagist Karl Hardt seit 1905 sein Geschäft; links daneben leitete Witwe Drees - ihr Vorname ist, wie es damals üblich war, nicht ins Adressbuch aufgenommen worden - das von ihrem Mann Rudolfübernommene Hotel Centralhofweiter. Bei dem dominierenden Gebäude in der Mitte, Bahnhofstraße 24, handelt es sich um die Villa des Kaufmanns Karl Adolf Bergmann; sie ging um 1930 in den Besitz der Stadt über und wurde seit Mitte der dreißiger [ahre von der SA-Standarte genutzt. Ganz links, Bahnhofstraße 2o/Ecke Kurze Straße, lag das Gebäude, in dem bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg das Café Corso mit Konzerten und Kleinkunst für Unterhaltung sorgte.

8. Der Bahnhofsvorplatz, undatiert

DieAufnahme dürfte vom alten Bahnhofsgebäude aus erstellt worden sein. Teile des alten Empfangsgebäudes, die als Notunterkunft genutzt wurden, standen noch bis 1923, doch ist diese Fotografie wesentlich früher aufgenommen worden. Das sichtbare Ziegelmauerwerk der Martin- Luther- Kirche legt eine Datierung vor der großen Renovierung von 1912 nahe, dem [ahr, in dem die "Kleine Kirche" ihren Namen ablegte. Die Tatsache, dass das Landratsamt nicht zu sehen ist, lässt sogar auf eine Zeit vor 1888 schließen, während die vorhandenen zwei Kuppeln des Geschäftshauses an der Großen Weststraße auf eine Zeit nach 1870 deuten - so die Überlegungen des Heimatforschers Andreas P.M. Skopnik. Etwas nördlich von der hell verputzten Villa befindet sich heute das Postgebäude. Die Schornsteine im Hintergrund ragen von der Uhlendorffschen bzw. der Brökelmannschen Mühle am Westentor auf.

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