Heiligenwald in alten Ansichten Band 1

Heiligenwald in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Horst Wilhelm
Gemeente
:   Heiligenwald
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4741-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Heiligenwald in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Heiligenwald ist ein Bergmannsdorf. Es verdankt seine Existenz dem Kohlevorkornrnen des Saarbrücker Steinkohlensattels im Uniergrund. Der Ort entstand in unrnittelbarer Nähe der Grube Reden, deren Schwestergrube Itzenplitz im Ortsbereich liegt. Diese entwickelte sich in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg zu einer ansehnlichen Anlage, die über 2000 Bergleuten aus Heiligenwald und Umgebung Arbeit und Brot gab und Wachstum und Struktur des Ortes weitgehend bestimrnte. Heiligenwald stellte bereits im Jahre 1895 rund 13% der Belegschaft der beiden Gruben Reden und Itzenplitz. Über 60% der Einwohnerschaft zählte damals zur 'bergmännischen Bevölkerung' und war damit direkt abhängig vom Bergbau.

Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich ven dem Mundartausdruck Hällche oder Hällje für kleine Halde ab. Ob damit ein kleiner Berg oder Hang gemeint war, oder möglicherweise Anhäufungen von Erdaushub, die durch das obertägige Kohlenschürfen entstanden waren, ist nicht nachweisbar. Durch hochsprachliche Veränderung wurde daraus Helge - der Flutname heißt Zum Helgenwald - und schließlich in einer weiteren schriftsprachlichen Umdeutung Heiligenwald. Siedlungsgeschichtlich sind drei sich überlappende Entstehungsphasen des Ortes zu unterscheiden: Um die Mitte des 18. Jahrhunderts berrieben die Reichsgrafen von Kerpen südlich des Fünffingerweges den Abbau des dort zu Tage tretenden reichen Kohlevorkomrnens. Die Anlage, als Grube Illingen bekannt, war die erste Kohlengrube in unserem Bereich. Ein Teil ihrer Förderung wurde in unmittelbarer Nähe auf der Rußhütte - einer frühindustriellen Anlage im westlichen Teil des heutigen Ortsbereichs von Heiligenwald - zu Ruß verarbeitet. Im Verlaufvon WO Jahren waren dort mehr als fünfzig Familien ansässig. Die letzten 'Rußbrenner' wurden nach Einstcllung der Rußfabrikation in den westlichen und mittleren Ortsbereich umgesiedelt. Sie bildeten den Kern des Ortes Heiligenwald.

Im nördlichen Teil - dem 'Maibrunnenfeld' und 'Hinter dem Brunnenfeld' - hatten sich in den folgenden hundert Jahren unabhängig von der Existenz der Rußhütte zahlreiche Farnilien aus dem nördlichen Saarland, dem Theltal, aus Eppelborn, Bettingen und Habach, als Tagelöhner, Korbmacher und Besenbinder seßhaft gemacht. Aus der Pfalz (z.B. aus Mittelbach und aus Kindsbach) zogen vor allem Ziegelmacher bei, die in einer der drei Ziegeleien im Ortsbereich - in der J akobstraße, in der KarlstraßefEcke Antonstraße und im Bereich hinter der heutigen Pestalozzischule - mit ihrem Fachkönnen und mit neuen Methoden das dringend benötigte Baumaterial für den damallgen ersten Bauboom in unserem Ort herstellten. Sie bildeten den zweiten - allerdings sehr kleinen - Ansiedlungsschub in Heiligenwald,

Nach der Entstehung der Grube Reden im Jahre 1846 und der Grube Itzenplitz um 1857 kam darm der große Ansiedlungsboom, in dessen Folge zahlreiche Bauernsöhne aus dem nördlichen Saarland, der Pfalz und vielen anderen deutschen Gauen auf den beiden Gruben als Bergleute Arbeit fanden. Sie wurden, meist nach kurzfristigem Aufenthalt in den Schlafhäusern oder als 'Ouartiersleute' bei einheimischen Hausbesitzern, in den neu entstehenden Siedlungen des Südhangs 'Am kleinen Heiligenwald' - zwischen der heutigen Kaiserstraße und KarIstraBe -, in der Schul-, Jakob-, Wilhelm- und Friedrichstraße , in der Hüngersbergstraße und in der heutigen Pestalozzistraße sowie 'Am großen Heiligenwald' in der heutigen Weiherstraße seßhaft.

Es entstanden die Itzenplitzstraße (zwischen 1870 und 1880) und später die Schulstraße als Hauptgeschäftsstraßen und die 'Kolonie' als erste geschlossene Bergarbeitersiedlung (1903). Viele Generationen in Heiligenwald lebten von der Kohle. Die Menschen mußten aber auch mit den Folgen des untertägigen Bergbaus zurechtkornmen. Schreckliche Katastrophen unter Tage forderten zahlreiche Menschenleben und brachten Elend und wirtschaftliche Not in die betroffenen

Bergarbeiterfamilien, Darüber hinaus gefährdete der untertägige Kohlenabbau immer wieder Wohn- und Geschäftshäuser und öffentliche Gebäude. Nicht selten wurden diese bis zur Unbewohnbarkeit beschädigt bzw. zerstört. Die preußische Grubenverwaltung kaufte sie - oft zu einem unterwertigen Preis - zurück und ließ sie abreißen. So kam es, daß sich das Ortsbild von Heiligenwald seit Beginn der Siedlungstätigkeit immer wieder veränderte (und auch in der Gegenwart noch laufend verändert), so daß heute nur noch wenige Häuser aus der Gründerzeit vorhanden sind, was die 'Lückenstruktur' des Ortsbildes erklärt.

Der kommunale Ausstattungsgrad des Ortes war von jeher bescheiden: Innerörtliche Schotterstraßen, fehlende Kanalisation, keine Abwasserklärung und fehlende verkehrsmäßige Anbindung an die Nachbarorte bestimmten das Bild. Wer mit der Behörde zu tun hatte, mußte weite Fußwege - je nach dem auf welchern Bann sein Wohnhaus lag - zur zuständigen Gemeindeverwaltung in Kauf nehmen: Der Bereich südlich der Kaiserstraße mit der unteren Itzenplitzstraße gehörte zu Landsweiler ,der mittlere und östliche Dorfteil zu Schiffweiler , die Bewohner der oberen Itzenplitzstraße zu Wemmetsweiler. Katheliken und Protestanten mußten ihre Toten in Nachbargemeinden beerdigen, ein Kirchenbau für die überwiegend katholische Bevölkerung fehlte, eine 'Notkirche' in Kapellengröße erwies sich alsbald als völlig unzulänglich, Eine Poststelle kam erst 1896 nach Heiligenwald. Gas gab es erst seit 1899, die Versorgung mit Elektrizität ließ noch bis ins erste Jahrzehnt des Jahrhunderts auf sich warten. Die Schulkinder besuchten die Schulen in den Nachbarorten, ab 1864 wurden sie in 'Probeschulhäusern' - die eigcntlich nur größere Wohnhäuser waren - und in Gasthaussälen unterrichtet bis 1875 das erste Schulhaus erbaut wurde. Dennoch - die Menschen lebten und schufen sich im Laufe der Zeit ein blühendes Gerneinwesen, das ihnen Heimat und Geborgenheit ('Geheischnis') bot.

Die Fotos in diesem Band wollen - ohne den Anspruch auf Re-

präsentativität zu erheben - die Entstehung des Ortes mit seiner industriellen Vorgeschichte illustrieren und die dörfliche Struktur, soweit sie an den Gebäuden und Straßenzügen sichtbar wird, dokurnentieren. Soweit möglich sollen dabei sozioökonomische und -kulturelle Linien in der Einwohnerschaft sichtbar gemacht werden: die Entstehung von Handel, Handwerk und Gewerbe, die Entwicklung des Bildungswesens, die Vereins- und Freizeitaktivitäten. Wer nach seiner schweren Arbeit auf der Grube unter anderem in Sport, Spiel und Kultur einen Ausgleich suchte, fand in Heiligenwald viele Betätigungsfelder. Weltliche und kirchliche Sport-, Gesang- und Theatervereine , militärische und berufliche Traditionsvereine, landwirtschaftliche Ertragsvereine (Obst- und Gartenbau-, Kleintierzucht-, Imkervereine), aber auch Vereine, die sich der Hilfe für den Nächsten widmeten, wie die kirchlichen

Hilfsvereine (Elisabethenverein und Frauen-Hilfe), Feuerwehr, DRK, Armenverein, Kranken- und Arbeiter-Unterstützungsverein usw. In einem Folgeband werden mit familiengeschichtlichem Schwerpunkt weitere Wurzeln des Ortes dargestellt.

Der Autor möchte an dieser Stelle all den zahlreichen Mitbürgerinnen und Mitbürgern seinen Dank aussprechen, die durch Bereitstellung von Fotos zum Gelingen dieses Bandes beigetragen haben.

Selbst Bergmannssobn und Nachfahre eines 'Ranzenmanns' aus dem Theltal und eines 'Aussiedlers' aus Böhmen, der vor 120 Jabren von derpreußischen Grubenverwaltung in Reden als Bergmann eingestellt wurde , widmet er das Buch allen Heiligenwalder Bergleuten und deren Vorfahren, wo immer diese berkamen.

Heiligenwald, im Februar 1989

Dr. Horst Wilhelm

1. Das Foto zeigt eine der ersten Ansichtspostkarten des Ortes aus dem Jahre 1908 mit einem Panoramabliek (oben) von 'Großheiligenwald' über die Itzenplitzstraße auf den 'Kleinen Heiligenwald' im Hintergrund rechts und der Grube Itzenplitz links oben. Das linke untere Foto zeigt den Itzenplitzer Weiher - ein von der Grube als Wasserreservoir für die Dampfmaschinen angelegten Stauweiher, der vom Kallenbach und vom Klinkenbach gespeist wird - mit dem Sockel des im Bau befindlichen Pumpenhauses. Rechts das gerade in Dienst gestellte neue Schulhaus - später 'Itzenplitzschule' genannt. Die Aufnahmen machte der Heiligenwalder Fotograf Philipp Kiefer.

2. Schon um 1750 wurden westlich von Heiligenwald, am 'Kallenberg', von den Reiehsgrafen von Kerpen Kohlen im Übertagebetrieb abgebaut. Ein Teil der Förderung wurde in einer Rußhütte, ca. 300 Meter westlich der heutigen Ortsgrenze, zu RuB verarbeitet. Sie gab dem Tal die bis heute gebräuchliche Bezeichnung 'Rußhütter Tal'. Auch die Grube Itzenplitz hieß unter Einheimischen 'die Rußhitt'. Das Foto zeigt eine Rißzeichnung des sogenannten Saarbrücker Ofens von dem französischen Bergingenieur Duhamel fils aus dem Jahre 1800. Der Ruß - ein wichtiges Handelsobjekt - diente unter anderem zur Bereitung von schwarzer Ölfarbe zum Schwärzen der Fußsockel in den Stuben und an den Häuserfronten und zur Herstellung von Druckerschwärze. Die Rückstände, die sogenannten Praschen, wurden zum Kalkbrennen verwendet.

3. Um die Rußhütte entstand seit dem lahre 1754 eine kleine Ansiedlung aus ärrnlichen Lehrnhütten, die von den ? Rußbrennern " Tagelöhnern, Holzhauern und Handwerkern bewohnt wurden. 1862 wohnten dort 15 Familien, insgesamt 43 Einwohner. Aus Standesamtsakten konnten fünfzig Farnilien ermittelt werden, die im Laufe der hundertjährigen Existenz der Rußhütte in der kleinen Ansiedlung ansässig waren. Das Fotowahrscheinlich eine Daguerreotypie und das älteste Foto überhaupt von Heiligenwalder Bürgern - zeigt einen RuBhütter Ureinwohner, den Holzhauer loser Klär, seine Ehefrau Anna-Maria Noß und seine Kinder. Ihre Nachfahren sind bis heute noch vielfach in unserem Ort vertreten, genauso wie die der damaligen Nachbarn, der Familie des Maurers Joharm Noß und seiner Ehefrau Elisabeth Bachinger.

4. Im Jahre 1846 wurde im Klinkenthal der Redenstollen angehauen. 1847 entstand der erste Schacht, damals noch rnit rechteckigem Querschnitt (siehe Foto), mit einem Fördermaschinengebäude und einem Kesselhaus. Die Grube Reden war geboren und damit die erste Voraussetzung geschaffen für das Anwachsen der bis dahin eher bäuerlich geprägten kleinen Ansiedlungen Landsweiier und Schiffweiler und der Entstehung des Bergmannsdorfes Heiligenwald. Die Bevölkerung der drei Orte wuchs in den folgenden Jahren rapide an. Heiligenwald hatte 1852 weniger als 200 Einwohner. Nach Enstehung der beiden Gruben wuchs die Zahl rasch von knapp 1 ooOim Jahre 1862aufüber2 ooOimJahre 1875, näherte sich um 1900 bereits der Zahl4 000 und überstieg 1910 bereits die 5 OOO-Marke.

5. Ein Teil des heutigen Saarlandes - das Saarbrücker Land und der Kreis Ottweiler und damit auch der Ort Heiligenwald- gehörte seit dem 2. Pariser Frieden im Jahre 1814 zur preußischen Rheinprovinz. Die Ausbeutung der saarländischen Kohlenfelder geschah durch das 1816 gegründete königlich-preußische Bergamt. Die Grube Reden bildete zunächst mit der Grube Merchweiler eine gemeinsame Anlage. Die Grube Illingen verblieb mit der benachbarten Rußhütte im Kerpenschen Privatbesitz. Das obere Foto zeigt eine Grubenfahne mit dern preußischen Adler, der Szepter und Reichsapfel in seinen Fängen hält. Unten das preußische Staatswappen in einem (heute verschwundenen) Sandsteinrelief über dem Mundloch des Rußhütterstollens auf der Anlage Itzenplitz.

6. Die Grube Reden war gerade zehn Jahre alt, als im Rußhütter Tal der Rußhütterstollen angehauen wurde und die Abteufung des ersten Schachtes der späreren Grube Itzenplitz begann. Ihren Namen erhielt die neuc Grube 1863 in Anwesenheit des Namensgebers. des preußischen Handelsministers Grafvon Itzenplitz. Das Foto zeigt die Grubenanlage etwa um 1865. In der Bildmitte am Ende des Bahnkörpers, der über den neuen Damm in das Grubengelände Iührte, ist das Zechenhaus zu sehen. Dahinter der ebenfalls damals rechteckig angelegte Schacht Itzenplitz 1. Rechts irn Vordergrund der Holzplatz. Im Hintergrund links das Wohnhaus Dörr, später Heintz, heute Schmieden. Rechts oben der 'Heintze Berg'.

7. Die Grube Itzenplitz entwickelte sich in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg zu einer ansehnlichen Anlage, die über 2000 Bergleuten aus Heiligenwald und Umgebung Arbeit und Brot gab. Wachstum und Struktur des Ortes Heiligenwald gehen auf die Blütezeit der beiden Gruben Itzenplitz und Reden zurück. Das Foto aus dern Jahre 1919 zeigt die Grube Itzenplitz von Westen geseheu. Links die Itzenplitzschule , im Hintergrund die Grube Reden. Dieses und die folgenden Fotos wurden auf Befehl der französischen Militärverwaltung nach dem Ersten Weltkrieg angefertigt. Sie gehörten zu einer Dokumentation des ehemaligen preußischen Grubcnbesitzes im Saarland, die vor der Übernahme der Saargruben durch den französischen Staat zusammengestellt wurde.

8. Grube Itzenplitz (1919) von Nordosten gesehen. Rechts Schacht I, in der Mitte die Kohlenwäsche mil dem angebauten Maschinenhaus, dahinter die Schächte II und lIL Ganz links im Hintergrund der Ventilator, der Frischwetter nach Untertage pumpte, daneben der kleine Kühlturm. Die Anlage Itzenplitzwurde-nachdem sie als Förderstandort schon lange ausgedient hatte - um 1965 'geschleift' und machte anderen Industriezweigen Platz. Heute erinnern nur noch einige Betriebseinrichtungen - zwei Materialschächte und ein Ventilator

an die ehemalige Grube.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek