Heiligenwald in alten Ansichten Band 2

Heiligenwald in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Horst Wilhelm
Gemeente
:   Heiligenwald
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4997-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Heiligenwald in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Die Ursprünge des heutigen Ortes Heiligenwald reichen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Die um 1750 hinter der 'Kaffeemühle' lebenden Rußbrenner vermischten sich nach ihrer Umsiedlung in den heutigen westtichen Ortsteil mit den östlich davon auf der 'Flitsch' siedelnden Besenbindern, Korbrnachern und Hausierem. Die auf der neu entstandenen Kohlengrube Reden angefahrenen 'Hartfießer' aus dem nördlichen Saarland ließen sich auf Grubenwaldgelande am 'kleinen Helgenwald' nieder. Sie erweiterten ihren Siedlungsbereich nach und nach flächendeckend in Richtung Norden.

Urn die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die drei ehemals gerrenruen Siedlungsbereiche weitgehend zusamrnengewachsen. Sic bilden im heutigen Ort den Ortskern, der sich strukturell in 200 Jahren kaum verändert hat. Der Ortsname 'Heiligenwald' wurde 1875 amtlich. Die kommunale Selbständigkeit blieb der Ansiedlung allerdings weitere sieben Jahrzehnte versagt. Die politischen Grenzen gingen nach wie vor mirten durch den Ort und ordneten die Einwohner, je nachdern, auf welchern Bann ihr Grundstück lag, einer der drei Nachbargemeinden Schiffweiler, Landsweiler oder Wemmetsweiler zu.

Die Geschichte der Selbständigkeitsbernühungen ist lang: bereits 1858 beschloß eine Konferenz hoher Staats- und Bergbeamter in Saarbrücken, die 'bergmännischen Kolonien' Kleinheiligenwald, Elversberg und Altenwald zu 'sclbständigen burgertichen Gemeinden zu erheben', Der 'korporative Geist' dieser Gemeinden sollte 'durch eine Knappschaftsordnung geweckt und belebt werden und insbesendere der bergmännische Gruß, die bergmännische Tracht, Musik , Beerdigung und das bergmännische laute Gebet eingeführt werden'. Über das Sectenheil sollte ein 'Knappschaftsgeistlicher' wachen, ein Steiger als Onsvorsteher Iür Ruhe und Ordnung sorgen. Wenn auch die geforderte Selbständigkeit damals am Einspruch der Bezirksregierung und der Muttergerneinde scheiterte, so gab es fortan in Heiligenwald den besagten Ortsvorsteher in Gestalt des Steigers

Kießel. Mit der Einstellung von Steigern 'für die polizeiliche Beaufsichtigung und die örtliche Verwaltung' sicherre sich die Grubenbehörde die Disziplin auch in der Privatsphäre durch die gleichen Leute, die auf der Grube unbotmäßiges Verhalten zu ahnden harten. Das behördliche Mißtrauen hinsichtlich der Existenztähigkeit einer solchen künstlichen Gemeinde. die überwicgend von Bergleuten und Tagelöhnern bewohnt wurde, schien allerdings berechtigt: Im Jahre 1862 wohnten irn Ortsbereich neunzig Familien, davon zahlten sechs Farnilien jährlich vier und mehr und 47 Familien weniger als zwei Reichstaler Klassen- oder Einkommensteuern, Das gesarnte Grundsteueraufkommen (von 460 Seelen) belief sich auf 14 Reichstaler, 20 Groschen und 1] Pfennige.

Erst nachdem der Streit um die Verteilung der Steuereinnahmen der Grube Itzenplitz durch die Schaffung des Bürgermeistereiverbandes Wemmetsweilcr-Heiligenwald gegenstandslos geworden war, erhielt der Ort Heiligenwald endlich seine kommunale Selbständigkeit, Fortan hatte die Gemeinde einen eigenen Haushalt und einen Rat, der über die örtlichen Angelegenheiten zu entscheiden hatte. Auch gab es nunmehr einen Bürgerrneister , dessen Kompetenzen diejenigen der früheren Ortsvorsteher weit überschritten. Solange die De-jure-Selbständigkeit auch auf sich hatte warten lassen, unter den Einwohnern war die DefactoSelbständigkeit längst keine Frage mehr. Die erfolgreichen Bemühungen um die Schaffung eigener Schulsysteme, die Gründung der beiden Kirchengerneinden, die Loslösung von den Nachbarpfarreien und der Bau einer evangelischen und einer katholischen Kirche waren die Grundlage für ein sich schnell entwickelndes Wir-Gefühl und damit für die Identitätsfindung der Einwohner: die Heiligenwalder natten viele Jahrzehnte bevor sie die kommunale Selbständigkeit erlangten ihren engeren Wohnort als Heimat akzeptiert. Hierzu trugen nicht unwescntlich die zahlreichen Vereinsgründungen bei, die bereits vor der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg stattfanden. Das

Bedürfnis einen Verein zu gründen bzw. sich einern solchen anzuschließen, war in einer 'Kolonie', die ihre Existenz der schnellen Industrialisierung verdankte, größer als in einem in Jahrhunderten organisch gewachsenen Dorf. Der Einwohnerstamrn bestand aus zugewanderten jungen Männem, die erst an ihrem neuen Wohn- und Arbeitsort Familien gründeten, Die Geborgenheit der eigenen Elternund Großelternfamilie, die am Herkunftsort verblieben war, fehlte. So bot das Vereinsleben Ersatz für verwandtschaftliche Geborgenheit. Verständlich, daß zunächst Vereine zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung entstanden, wie der Krankenunterstützungsverein im Jahr 1868, die Armenhilfe und der katholische Elisabethenverein 1888 sowie die evangelische Frauenhilfe. 1893 konstituierte sich die Freiwillige Feuerwehr als Riege im Turnverein, 1910 folgte das Rote Kreuz als Sanitätskolonne. Es entstanden Traditionsvereine, wie die St-Barbara-Bruderschaft (1898) und zahlreiche Militär- bzw. Rescrvistenvereine ab 1880. Parallel hierzu entstanden Gesangvereine und Vereinc, die sich den damals bereits hochaktuellen Sportarten Turnen, Schwerathletik und Fußball widrneten, sowie landwirtschaftliche Nutzvereine, ein Bienenzuchtverein (1894), der Obst- und Gartenbauverein, ein Geflügelzuchtverein und der Kaninchenzuchtverein (1905). Im Jahre 1893 wurde der Reisetaubenverein, 1905 der Kegel-Klub 'Alle Neun' (später 'Deutsch-Holz"), 1909 der Schützenverein und ein Wanderverein, 1912 ein Polizeihundeverein ins Leben gerufen. Das dörfliche Leben blühte um die Jahrhundertwende aut, nachdem sich die winschaftliche Situation der Bergleute langsam zu bessern begarm und immer mehr junge Männer auch außerhalb des Bergbaus Beschäftigung fanden. Jungen Mädchen wurde zunehrnend die Chance einer besseren Berufsausbildung gebeten. Kurz vor dern Ersten Weltkrieg hatten sich Handel, Handwerk und Gewerbe etabliert und florierten; infolge der aasteigenden Vereinsaktivitäten verzeichneten die zahlreichen Gastwirtschaften steigende Urnsätze. Die Post eröffnete eine Zweigstelle in der Itzenplitz-

straße. Heiligenwald bekam ein Standesamt. Ein Fuhrgeschäft eröffnete 1899 die erste Fahrverbindung und Postbeförderung, Die Gas- und Elektrizitätsversorgung wurde verbessert.

Nicht unerwähnt dürfen die Rückschläge der Nachkriegszeit bleiben. Die allgemeine wirtschaftliche Rezession, anhaltende Streiks auf den Saargruben und Kohlenabsatzkrisen blieben nicht ohne Wirkung auf die Menschen und die Gemeinde. Der Lebensstandard sank rapide, der Wohnhausbau stagnierte; Wohlstand für den Durchschnittsbürger war nicht in Sicht.

Geldmangel vereitelte auch weitgehend die Erneuerung und Modcmisierung der kommunalen Einrichtungen: Straßenausbau, Abwasserkanäle und Kläranlagenbau mußten zurückgestellt werden, zeitbedingte Versäumnisse , die bis in unsere Zeit ihre Schatten werfen.

Nachdem in 'Heiligenwald in alten Ansichten Band l' die industriellen Ursprünge sowie die Ortsstruktur im Mittelpunkt der fotografischen Dokurnentation standen, versucht der jetzt vorgelegte Band 2 - wiederurn ohne Anspruch auf Repräsentativität - die Menschen jener Zeit vor dem Hintergrund der geschilderten Entwicklung des Ortes in den Mittelpunkt zu stellen; Menschen, die im Vereinsleben aktiv waren und im gemeindlichen und kirchlichen Leben Funktionen innehatten; Menschen, die Handel und Gewerbe in unserem Dorf mitbestimmten; und schließlich Menschen Familien, Erwachsene und Kinder - aus dem Dorf und im Dorf, die sich keinen besonderen Namen gemacht haben, stellvertretend für alle Einwohner.

Der Autor ist allen Bürgerinnen und Bürgern, die durch Bereitstellung von Fotos zum Entstehen dieses Bandes beigetragen haben, zu großem Dank verpflichtet. Er widmet ihnen und allen ehemaligen, gegenwärtigen und zukünftigen Bürgcrn von Heiligenwald dieses Buch.

Heiligenwald, im November 1990

Dr. Horst Wilhelm

1. Der Südhang zwischen dem Klinkenbachtal und der Karlstraße - 'der kleine Helgenwald' - war der erste Ortsbereich, der in den Anfängen des Bergbaubooms systematisch und intensiv besiedelt wurde. Den zahlreichen Bergmannshäusern in der Karl- und Kaiserstraße folgten die 'Bürgerhäuser' in der neuen Itzenplitzstraße, die bald als 'Millionärsstraße' bezeichnet wurde. Die Laurentiuskirche, erbaut 1927, wurde zum neuen Wahrzeichen des Ortes. Das Gasthaus Moog mit dem Saalanbau (auf dem Foto rechts), vormals Weyand, war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Treffpunkt vieler Vereine. Hinter dem Saalanbau befand sich ein Schießstand, der vom 'Kriegerverein' und dem 'Verein Deutscher Waffenbrüder' genutzt wurde. Der Saal wurde Anfang der dreißiger Jahre zum 'Union-Filmtheater' umgebaut.

2. Fast siebzig Jahre kämpfte der Ort Heiligenwald, der zwischen 1750 und 1850 aus drei verschiedenen Bereichen - der Rußhütte, der Besenbinder- und Korbmacheransiedlung auf der 'Flitsch' und der Bergmannskolonie auf dem 'kleinen Helgenwald' - entstanden war, um seine Selbständigkeit. Die Ansiedlung auf den verschiedenen 'Beritten' bedingte die Zugehörigkeit zu den Gemeinden lllingen, Wemmetsweiler, Schiffweiler und Landsweiier. Erst im Jahre 1921 wurde die Selbständigkeit innerhalb des Amtes Wemmetsweiler erreicht. Erster Vorsteher wurde nach den Gemeinderatswahlen der Kanzlist Peter Kiefer - auf dem Foto mit Ehefrau und den Kindern Liesel, Agnes, Viktor , Anni, Albert, Felix, Katharina und Peter. Ihm folgte 1923 Jakob Heintz sen. (Foto rechts oben) und von 1926 bis 1935 Adolf Müller (rechts unten).

3. Als erster Ortsvorsteher hatte die Grubenverwaltung um 1865 den Steiger August Kießel eingesetzt, 'weil er geeignet sei, den armen Bewohnern der beiden Kolonien die Vorteile einer geregelten Verwaltung genießen zu lassen und dieselben auch polizeilich (1) zu kontrollieren'. Nachfolger waren Jakob Jung, Matthias Dörr, Anton Kraus sen. und der Bäcker Kar! Kraus (auf dem Foto rechts) für den zu Schiffweiler gehörenden oberen, Unternehmer Lorenz Riehm für den zu Landsweiler gehörenden unteren Ortstei!.

4. Nach dem Streik von 1892/93 wurden viele Bergleute entlassen. Sie wendeten sich anderen Berufen zu. So auch Lorenz Riehm (Foto), der neben seinem Gasthaus (heute Sorg) ein Kolonialwarenladen eröffnete und ein Schlafhaus für etwa achtzig Bergleute anbaute. Von der Grube pachtete er mehrere Schlammweiher, auf denen er 'abgelegte' Bergleute beschäftigte. Sohn Emil betrieb das Unternehmen weiter. Lorenz Riehm war bis zu seinem Tod im Jahre 1933 als Zentrumsmann Mitglied im Gemeinderat Heiligenwald. Gleichzeitig war er Wehrführer der Feuerwehr und stand 48 Jahre lang dem Krankenunterstützungsverein, dem späteren 'Sterbeverein' , vor.

5. Größter Grundbesitzer neben dem 'Bergfiskus' wurde der ehemalige Puddelmeister auf dem Neunkireher Eisenwerk, Baumaterialienhändler und Landwirt Johann Jakob Weyand (links). Das heutige Gasthaus Schönwo!f (früher Moog) wurde von ihm erbaut. Daneben entstanden einWohnhaus sowie Ökonomie- und Lagergebäude, in denen Sohn Joharm Baptist (rechtes Foto), Bäcker und Gastwirt, eine Mehlgroßhandlung betrieb. Zum Weyandschen Besitz gehörten ausgedehnte Wiesen- und Ackerflächen sowie ein Steinbruch im Bereich der Karlstraße. Die erste katholische Kirche in der Itzenplitzstraße wurde auf einem von der Familie Weyand gestifteten Baugelände errichtet. Katharina Weyand, die Schwester von Johann Baptist, heiratete den Metzgermeister und Gastwirt Anton ('Antonstraße') Kraus, Ortsvorsteher ab 1899.

6. Holz spielte im Gegensatz zu heute in den Anfängen des Bergbaus für den Stollenausbau eine wichtige Rolle. Insbesondere das zähe Fichtenholz wurde zum Abstützen des Vortriebs benutzt. Jede Grube hatte daher auch ihren eigenen 'Holzplatz' . In Itzenplitz wurde das Holz entlang der Grubenbahn im Grubengelände gelagert und verarbeitet. Viele Bergleute waren über Tage 'auf dem Holzplatz' beschäftigt. Auf dem Foto sind Holzplatzarbeiter auf Grube Itzenplitz mit dem Abladen eines Holzwaggons und dem Umladen auf eine Pferdelore beschäftigt. Als Folge des Bergbaus veränderten sich unsere Wälder im vorigen Jahrhundert: ehemalige Laubwälder warden mehr und mehr zu Fichtenwäldern umgeforstet, um den für die Zukunft vermuteten Nutzholzbedarf der Gruben zu decken.

7. In der Kaffeeküche Itzenplitz urn 1895 mit den Steigern Thomas und Berndt bei einem Skatspiel, wobei es offensichtlich aufKosten des dritten Mannes nicht mit rechten Dingen zugeht.

8. Für die Einwohner waren die im Sommer sonntags im Klinkental stattfindenden Konzerte des 'Bergcorps' , der Bergkapelle Redcn-Itzenplitz, ein besonderes Vergnügen. Bei schönem Wetter konzertierte die Kapelle in ihren Uniformen in einem Musikpavillon unter den Kastanien. Bei Regen fand das Konzert im geräumigen Saal des 'Belegschaftsheims' statt. Das 'Bergcorps' wurde 1852 gegründet und hatte bald über fünfzig Mitglieder. Sein bekarmtester Dirigent war Josef Voltmer, der auch mehrere Gesangvereine (z.B. die 'Harmonie') leitete. Mitglieder der Kapelle genossen besondere Privilegien: Sie wurden über Tage beschäftigt und erhielten eine kleine Zulage. Das Foto zeigt die Redener Bergkapelle mit JosefVoltmer im Klinkental vor einer Atelierkulisse des Musikpavillons um 1896.

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