Hennef an der Sieg damals und heute

Hennef an der Sieg damals und heute

Auteur
:   Friedrich Balensiefen und Dr. Helmut Fischer
Gemeente
:   Hennef an der Sieg
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5760-5
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Hennef an der Sieg damals und heute'

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EINLEITUNG

Eine Stadt mit Berg und Tal.

Die Stadt Hennef umfaßt einen Teil der Ebene am Südrand der Kölner Bucht und die Ausläufer des Bergischen Landes und des Westerwaldes beiderseits der Sieg. Sie zeigt eine außerordentliche Vielgestaltigkeit. Südlich der Sieg senken sich die Uckerather Hochflächen aus einer Höhe von rund 280 m zum Tiefland hin. Der Wald tritt immer mehr zurück. Offen und weit dehnt sich, von Bächen und Gerinnen wenig zerteilt, das Land gegen Südwesten. Einzelne Basaltkuppen durchbrechen das Grundgebirge und verleihen der Landschaft ein eigenes Gepräge. Die nördlich vorgelagerten Süchterscheider Hochflächen gliedern breite Riedel, die zur Sieg hin vorstoßen und von kurzen, schluchtartigen Tälern begleitet werden. Frei schweift der Bliek gegen Westen. Gegenüber den Ackerflächen weicht der Wald zurück und zieht sich an den Steilhängen hin. Jenseits der Sieg setzt sich die Hochfläche mit der offenen Höhenplatte vor dem Nutscheid bei Bödingen und über dem Brölbach bei Happerschoß fort. Die zahlreichen Weiler und Dörfer mit ihren schmucken Fachwerkhäusern meiden die nassen Talgründe und suchen vor allem die unteren flachen Hänge der wettergeschützten und wassernahen Mulden oder die windabgewandten Hänge der Hochflächen auf.

In dem von bewaldeten Höhen eingefaßten Ostteil der Ebene liegt die Siedlung Hennef mit etwa 15 000 Einwohnern. Hennef ist Sitz der Verwaltung und Mittelpunkt der gleichnamigen Stadt, die aus weiteren 91 Ortschaften besteht und etwa 34 000 Einwohner hat. Trotz der Entwicklung auf den Gebieten von Handel, Technik und Verkehr, die einen fast rein landwirtschaftlich genutzten Raum seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in eine moderne Industriegemeinde verändert, hat die abwechslungsreiche Landschaft noch nichts von ihren Reizen eingebüßt. Die Stadt Hennef, am Rande des Ballungsraumes Köln-Bonn, besitzt ausgezeichnete Verkehrsverbindungen durch die Eisenbahnstrecke Köln-Betzdorf-Gießen, die Bundesautobahnen A 3 und A 560, die Bundesstraße 8, die auf den Westerwald führt, die Bundesstraße 478 durch das Bröltal und die Landstraße 333, die das Siegtal erschließt. Der Nahraum wird von Bussen bedient.

Aus der Geschichte.

Mit ziemlicher Sicherheit hat der vorgeschichtliche Mensch den Hennefer Raum auf der Nahrungssuche oder auf der Wanderung betreten. Darauf verweisen Einzelfunde aus der Jungsteinzeit. Allerdings scheint er sich nirgends für längere Zeit niedergelassen zu haben. Erst in der Hallstattzeit (um 1000 bis 400) dringen Acker-

bauern und Viehzüchter auf den hochwasserfreien Sandstreifen südlich der Sieg vor. Kunde von ihrem Dasein und ihrer Lebensweise gibt der Friedhof auf dem sogenannten Geistinger Sand, der bis in die jüngere Eisenzeit (etwa 400 bis 100) benutzt wurde. Welchem Volk die um Geistingen lebenden Menschen angehörten, ist nicht genau zu erklären. Im Jahrhundert vor Christi Geburt siedelten Germanen beiderseits der Sieg und damit in unmittelbarer Grenznachbarschaft zum römischen Bonn. Im Vorfeld ihrer Festung scheinen die Römer keine möglichen Angreifer geduldet zu haben. Die frühen Siedelflächen wurden wohl verlassen. Erst mit der Landnahme der Franken erfolgt eine Neubesiedlung etwa vom 6. nachchristlichen Jahrhundert an. Dabei ist der große Anteil an Königsgut von besonderer Bedeutung.

Mit der Nennung des Königshofes Geistingen in einer Urkunde vom Jahre 885 beginnt die geschichtliche Überlieferung des Mittelalters für das Gebiet um Hennef. Geistingen besitzt eine königliche Eigenkirche und entwikkelt sich zur Mitte eines weiten Kirchspiels. Von diesem Ort aus wird die Besiedlung in das Bergland vorgetrieben. Hinweise darauf liefert die Gründung von Kirchen. 1075 ist die Kirche in Hennef im Besitz der Benediktinerabtei Siegburg, die mit einem eigenen Seelsorgebereich innerhalb des Kirchspiels Geistingen ausgestattet wird. 1129 wird die Kirche in Happerschoß als eine Stiftung des Erzbischofs Anno 1I. von Köln bezeichnet, nachdem dort schon 1054 Königin Richeza von Polen über ein Gut verfügte. Die Kirche in Uckerath findet sich 1131 in der Hand des Stifts St. Cassius zu Bonn. Sie wird mit dem Kirchspiel aus dem 'Urkirchspiel' Geistingen herausgelöst. Eine Sonderrolle hat das Kirchspiel Eigen inne, dessen Mittelpunkt die Kapelle auf dem Hossenberg in Dondorf ist. Zum Kirchspiel Eigen gehört die Wallfahrtskirche in Bödingen, erbaut von 1397 bis 1408, mit dem Kloster der Augustinerchorherren.

Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bildet sich im Bereich der mittleren Sieg ein Staat heraus, das Land Blankenberg. 1181 ist die von den Grafen Heinrich und Eberhard von Sayn gegründete Burg Blankenberg vollendet. 1245 verleiht das Grafenpaar Heinrich lIl. von Sayn und Mechthild von Landsberg der sich im südlichen Gelände anschließenden Siedlung die Stadtrechte. Nach dem Tode des Grafen Heinrich gelangen Burg, Stadt und Land Blankenberg an die Herren von Heinsberg und 1363 als nicht eingelöstes Pfand an die Grafen von Berg. Das Land und Amt Blankenberg umfaßt insgesamt dreizehn Kirchspiele, unter anderem die Kirchspiele Geistingen, Eigen und Uckerath sowie die Stadt Blankenberg. Diese Verwaltungseinheiten nehmen weniger kirchlich - seelsorgliche, als vielmehr politisch - kommunale Aufgaben wahr. Jahrhundertelang bleibt diese Einteilung erhalten. Erst das Ende des mittelalterlichen Reichs bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich.

Die Burg Blankenberg verliert, im Dreißigjährigen Krieg mehrmals durch fremde Truppen besetzt, an Gewicht.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wird die Befestigung geschleift. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts zieht die Verwaltung des Amtes Blankenberg in das verkehrsgünstigere Hennef. Nach 1806, nun ein Bestandteil des französischen Großherzogtums Berg, werden die überkommenen Ordnungen zerschlagen und Wege in die Zukunft eröffnet. Aus Teilen der Kirchspiele Geistingen und Eigen entsteht südlich der Sieg die Landgemeinde Geistingen, nördlich die Mairie Lauthausen. Das Kirchspiel Uckerath überlebt als Mairie in den mittelalterlichen Grenzen. Die Stadt Blankenberg verliert ihr Privileg. Sie wird als Landgemeinde im Umfang des ehemaligen Burgbanns mit der Gemeinde Geistingen in der Mairie Hennef verbunden.

Diese Gliederung wird in preußischer Zeit nach 1815 beibehalten. Nach dem Sitz der Bürgermeistereiverwaltung heißt die Bürgermeisterei Hennef. Ähnlich verfährt man mit den Bürgermeistereien Lauthausen und Ukkerath. Hennef zieht indessen seiner günstigen Lage wegen öffentliche Einrichtungen an sich. Der Ort wird Sitz des Landrats des Kreises Uckerath und 1820 des Siegkreises sowie des Friedensgerichts. Hennef läuft dem bis dahin gewichtigeren Geistingen den Rang ab.

Die nationalsozialistischen Gleichschaltungsbestrebungen bewirken 1934 den Zusammenschluß der Gemeinden Blankenberg und Geistingen zur Gemeinde Hennef. 1935 werden die selbständigen Siedlungen Geistingen und Warth unter Verlust ihrer überkommenen Namen mit Hennef vereinigt. In Erinnerung an die einstigen Freiheiten wird 1954 der Name der Siedlung Blankenberg in 'Stadt Blankenberg' geändert. Den bislang letzten Einschnitt veranlaßt die kommunale Neuordnung des Jahres 1969. Die Gemeinden Lauthausen und Uckerath gehen in der Gemeinde, seit 1981 Stadt Hennef, auf.

Fabriken verändern ein Dorf.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts leben die Menschen im Hennefer Raum von der Landwirtschaft und dem Weinanbau. Der Erzbergbau kann die ärmlichen Lebensverhältnisse kaum verbessern. Von großer Bedeutung wird die Verkehrserschließung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führt man den Weg, der das um die Kirche gelegene Dörfchen Hennef südlich berührt, gegen Westen nach Siegburg weiter. Hennef erhält eine Achse, die Frankfurter Straße, an der die blankenbergischen Beamten ihre prächtigen Hofanlagen errichten. Damit ist die Siedlungsentwicklung vorgezeichnet.

Hennef wird ein Platz, an dem sich die Verbindungen verknoten. 1851 beginnt man mit dem Bau der Siegtalstraße. 1857 wird die Straße durch das Bröltal in Angriff genommen. 1859 hält der erste Zug der Staatsbahn auf der Strecke Köln-Betzdorf-Gießen in Hennef. Die Bedeutung der Eisenbahn für den wirtschaftlichen Auf-

schwung wird erkannt. Die Erzvorkommen im Bröltal sind nun leichter auszubeuten. 1862 kann das Erz über eine Pferdebahn zur Verladung herangebracht werden. 1863 erfolgt die Umstellung der Schmalspurbahn auf Dampfbetrieb.

Die außerordentliche Verkehrslage begünstigt die Industrialisierung. Carl Reuther (1834-1902) erkennt die Vorzüge seines Heimatortes und gründet 1869 eine Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen. Damit ist der Grundstein für die Hennefer Industrie gelegt. Die Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 bringen einen bedeutenden Aufschwung. Die Erfolge Carl Reuthers regen vier Meister seines Betriebs an, eigene Unternehmungen aufzubauen. 1878 beginnt der Schlossermeister Johann Steimel mit der Fertigung landwirtschaftlicher Geräte. Seinem Beispiel schließen sich 1879 der Gießermeister Johann Friedrich Jacobi und Philipp Löhe an, die ebenfalls Landmaschinen, aber auch Waggons und Fahrräder herstellen. Ähnliche Erzeugnisse entwiekelt seit 1881 Josef Meys in seinem Unternehmen. Nachdem sich Carl Reuther aus seiner Firma zurückgezogen hat, gründet er mit Eduard Reisert 1881 eine Fabrik für automatische Waagen. Hennefwächst zu einem Ort heran, der im wesentlichen von der Eisen- und Metallindustrie geprägt ist.

Die Industrie loekt Menschen an und gibt ihnen Geldmittel in die Hand. Die Verbraucher müssen mit Dienstleistungen und Waren versorgt werden. Handel und Gewerbe suchen ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Die Entwicklung regt die Bautätigkeit an. Der Kern der Siedlung Hennef verlagert sich von der Kirche in das Gebiet, das von der Frankfurter Straße durchschnitten wird, und an den Bahnhof. Weitere öffentliche Einrichtungen nehmen ihre Arbeit auf, 1877 das Katasteramt und 1892 das Amtsgericht. Wirtschaftliches Gedeihen, kleinstädtisch-bürgerliches Gehabe und die Auseinandersetzung der Meinungen bedürfen der Veröffentlichung und der kritischen Würdigung durch die Presse. 1891 beginnt Peter Stroß mit der Herausgabe der 'Hennefer Zeitung'. Sein Blatt begleitet die 'Gründerjahre' von Hennef.

Die Industrialisierung verursacht einschneidende Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich. Die vielen Tagelöhner, die bislang weitgehend in der Landwirtschaft arbeiteten, bilden die neue Schicht der Industriearbeiter. Als Pendler und 'Arbeiterbauern' mit geringem Grundbesitz und eigener Wohnstätte halten sie die Beziehung zu den Dörfern in der Umgebung aufrecht. Die soziale Lage der Bevölkerung bessert sich. Die Auswanderung, vor allem nach Nordamerika, läßt nach. Auch das Schulwesen erfährt eine beträchtliche Umgestaltung. Die Schulpflicht wird durchgesetzt. Schulhäuser werden gebaut. Die Unternehmer erkennen den Wert der beruflichen Schulung und Weiterbildung. Carl Reuther stiftet die Gewerbliche Fortbildungsschule, die spätere Berufsschule, die im Jahre 1900 den Unterricht beginnt. 1903 wird die landwirtschaftliche Winterschule

oder Landwirtschaftsschule nach Hennef verlegt und 1912 mit einem neuen Gebäude ausgestattet. Im selben Jahr wird das Kneippkurhaus eröffnet. Nach der Jahrhundertwende ist aus dem Bauerndorf ein Industrieort geworden.

Die Gründerjahre enden für die Siedlung und die Bürgermeisterei Hennef mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914. Industrie, Handel und Gewerbe geraten in den Strudel des allgemeinen Niedergangs, der auf die Niederlage des deutschen Kaiserreichs folgt. 1918 werden der Ort Hennef und Teile der Bürgermeisterei von britischen und später von französischen Truppen besetzt. Die wirtschaftlichen und sozialen Nöte wachsen von Tag zu Tag. Auch nach dem Abzug der fremden Soldaten 1926 stellt sich keine Besserung ein. Die Arbeitslosigkeit wächst und bewirkt äußerstes Elend. Ein vorübergehender Aufschwung bringt nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus einige Hoffnung. Bald aber zeigt sich, daß die Ausrichtung der Industrie auf für die Aufrüstung notwendige Erzeugnisse die Lage kaum verändert. Die Brandschatzung der Synagoge am 10. November 1938 enthüllt die wahren Absichten der Machthaber. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 macht die letzten Hoffnungen zunichte.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Die Kriegsereignisse überrollen die Landschaft an der Sieg. Die Schäden durch Bombardierung und Beschuß, vor allen Dingen in den letzten Kriegswochen, sind beträchtlich. Flüchtlinge und Vertriebene müssen mit Arbeit und Wohnungen versehen werden. Die Bevölkerungszahl steigt rasch an. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, das Versorgungsangebot zu erweitern und zu konzentrieren. In zwei Abschnitten entsteht im Ort Hennef ein Hauptgeschäftsbereich an der Frankfurter Straße, dessen Ausbau 1985 mit dem Markt abgeschlossen wird.

Im Zusammenhang mit der innerörtlichen Umgestaltung entsteht das Gewerbegebiet West, in das mehrere ansässige Betriebe umgesiedelt werden. Weitere Unternehmen nutzen den günstigen Standort. Die Bundesautobahn A 560, die den Ort nördlich umgeht, schafft seit der Fertigstellung des letzten Teilstücks im Jahre 1990 eine wesentliche Verkehrsentlastung. Die Frankfurter Straße in Hennef erhält ein neues Gesicht und bietet sich seit 1989 als gestalterisch aufgewerteter, verkehrsberuhigter Einkaufs- und Dienstleistungsbereich an.

Die jüngste städtebauliche Entwicklung des Ortskerns ist ohne Bezug auf die Bebauung aus der Gründerzeit nicht verständlich. Zwar wurden mehrere Bauten vom Beginn des Jahrhunderts abgerissen. Andere aber konnten, wie die Landwirtschaftsschule und das Rathaus von 1912, dank denkmalpflegerischer Bemühungen erhalten werden. Das jüngste Beispiel für diesen Ansatz sind die Fertigungshallen der Maschinenfabrik Joseph Meys

& Co. vom Ende des 19. Jahrhunderts. Das Industriedenkmal, die 'Meys Fabrik', wurde mit erheblichen Mitteln gesichert und für eine öffentliche Nutzung so umgebaut, daß der Charakter des Fabrikbaus sichtbar blieb. Rettungs- und Feuerwache, Stadtarchiv und Stadtbibliothek sowie ein Saal für Konzerte und sonstige Veranstaltungen finden sich unter den eindrucksvollen Sheddächern vereint,

Viele bauliche Zeugen der Vergangenheit verdeutlichen die Wirksamkeit der Menschen in den Siedlungen des weiteren Stadtgebiets. An erster Stelle ist Stadt Blankenberg zu nennen, eine der größten Befestigungsanlagen, hoch über der Sieg gelegen, die mit Burg, Stadt und Kirche die politischen Absichten, den Gestaltungswillen und die Lebensbedürfnisse des 12. und 13. Jahrhunderts veranschaulicht. Von den zahlreichen Rittersitzen oder Burgen sind nur wenige Reste erhalten. Das Schloß Allner, aus einem wasserumwehrten festen Haus im 17. und 18. Jahrhundert zu einem barocken Herrensitz ausgebaut, wurde inzwischen in eine Wohnanlage umgewandelt. Die geistig-religiöse Ausrichtung des mittelalterlichen Denkens tritt in zwei Wallfahrtsorten hervor. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts läßt der Einsiedler Christian von Lauthausen ein Bild der Schmerzhaften Mutter anfertigen, dessen wunderkräftige Wirkung weithin bekannt wird. Als der Verkehrsstrom anwächst, erbaut er gemeinsam mit dem Geistinger Pastor Peter Meisenbach die spätgotische Wallfahrtskirche in Bödingen, 1424 beziehen Augustinerchorherren das Kloster. 1803 verlassen die Mönche als Folge der Säkularisation den 'Marienberg'. Am Ausgang des Mittelalters entwiekelt sich in Süchterscheid eine Nahwallfahrt zum Heiligen Kreuz. Die Ursprungslegende berichtet von zwei Jungen, in deren Händen sich alles in Kreuze verwandelte. Um dieses Zeichen von ihren Kindern zu nehmen, gelobte die Mutter ein Heiligenhäuschen mit einem Kreuz. Der Ritter Bertram von Nesselrode förderte die Gnadenstätte durch die Errichtung einer ewigen Priesterstelle im Jahre 1506. Die Wallfahrtskirche von 1957/58 bezieht den Chor der alten, vielleicht aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammenden Kapelle in den modernen Baukörper ein. Die zahlreichen religiösen Kleindenkmäler, die Wegekreuze und Bildstöcke, lassen erkennen, daß seit der Gegenreformation des 17. Jahrhunderts das katholische Bekenntnis vorherrscht. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwiekelt sich eine jüdische Gemeinde, die im Holocaust vernichtet wird. Im Gefolge der Industrialisierung, vor allem aber durch die Bevölkerungswanderungen nach 1945, nimmt die Zahl der evangelischen Christen zu. Die Menschen leben und arbeiten miteinander und mühen sich um die Gestaltung ihres Gemeinwesens.

Die Hoffnungen auf eine ersprießliche Zukunft haben ihre Wurzeln in der Dynamik, die sich seit dem Beginn der fünfziger Jahre in Hennef entfaltet. Es geht dabei mehr um die Ausgestaltung und Umgestaltung des Vorhandenen als um völlige Neuerungen. Insbesondere das Bildungswesen wird ausgebaut. Das Angebot umfaßt

drei Grundschulen, Hauptschule, Sonderschule, Realschule, Gymnasium, berufsbildende Schulen für Technik, Hauswirtschaft und Sozialpädagogik, Musikschule, Malschule, die Sportschule des Westdeutschen Fußballverbandes, die Rhein-Sieg-Volkshochschule, die Philosophisch-theologische Hochschule der Redemptoristen und die Berufsgenossenschaftliehe Akademie für Arbeitssicherheit und Verwaltung. Drei weitere Grundschulen bilden Schwerpunkte in den Außenorten. Freizeit und Sport werden von zahlreichen Vereinen betreut.

Es kann nicht ausbleiben, daß die Lebensformen der Gegenwart auch die Stadt Hennef ergreifen. Der Zentralort Hennef zeigt inzwischen ein durchaus städtisches Gepräge. Die Verstädterung ist gleichermaßen in die Siedlungen der Höhengebiete vorgedrungen. Aus Bauerndörfer werden Wohndörfer. Die Bürger entscheiden, wie sie ihre Stadt 'menschlich' erhalten und gestalten.

Prof. Dr. Helmut Fischer

LANDWIRTSCHAFT

1. Aussaat.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein hatten der östliche Zipfel der Hennef-Siegburger Weitung und das angrenzende Bergland mit den Bürgermeistereien Hennef, Lauthausen und Uckerath ein ganz und gar landwirtschaftliches Gepräge. Die Bauern trieben Ackerbau und zogen durchweg Roggen und Hafer. Es gab einige Viehzucht, und an den Hängen gedieh ein je nach dem Wetter besserer oder schlechterer Wein. 1842 wurden in der Bürgermeisterei Hennef780 bäuerliche Betriebe gezählt, von denen 115 Flächen von 5 bis 30 Morgen bewirtschafteten. 597 Betriebe arbeiteten auf weniger als 5 Morgen. Insgesamt waren 3907 Personen im Hauptberuf unf 782 nebenberuflich in der Landwirtschaft tätig. In der Mehrzahl handelte es sich, vor allem in den Höhenlagen, um kleine Bauernstellen, die kaum die kinderreichen Familien ernährten. Auch die Handwerker wirtschafteten auf einer bäuerlichen Grundlage. Neben ihrem Gewerbe bestellten sie ihre wenigen Äcker. Nur zeitweise konnten die Kleinbauern, Winzer und Tagelöhner bares Geld, vor allem seit dem 18. Jahrhundert im Erzbergbau, zu den selbsterzeugten Nahrungsmitteln hinzuverdienen. Große Höfe fanden sich lediglich auf den fruchtbaren Böden der Siegebene und auf den Lößplatten von Bödingen-Happerschoß und Rott-SövenWesterhausen. Sie waren bis zum Ende der mittelalterlichen Verhältnisse um 1800 durchweg in kirchlich-klösterlichem und adligem Besitz.

Der Bau der Eisenbahn durch das Siegtal, die Erschließung der Nebentäler durch die Schmalspurbahn der Bröltaler Eisenbahngesellschaft und die beginnende Industrialisierung in Hennef veränderten die wirtschaftliche Grundlage. Die überzähligen bäuerlichen und handwerklichen Arbeitskräfte fanden in den Fabriken ihr tägliches Brot. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse erreichten Abnehmer in der unmittelbaren Nachbarschaft, und die gewonnene Kaufkraft floß in den mit der Industrie wachsenden Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungsbereich zurück. Darüber hinaus bewirken die in Hennef gefertigten landwirtschaftlichen Maschinen eine Umstellung in den bäuerlichen Arbeitsweisen. Das agrarische Grundgefüge blieb jedoch weithin erhalten.

Die Feldbestellung wurde durch den Einsatz moderner Geräte beträchtlich verbessert und dadurch der Ertrag gesteigert. Um 1928 sind zwei Doppelpferdegespanne mit der Aussaat beschäftigt. Mit der Egge wird das Saatbett gelockert und geebnet. Die Drillmaschine bringt das Saatgut in den Ackerboden ein, während der Eggenzug wiederum das Eineggen vornimmt. Die schweren Ackerpferde sind der Stolz des Bauern und seiner Helfer.

2. Getreidemähen.

Jahrhunderte hindurch war die Getreindeernte ein mühsames Geschäft, Roggen und Hafer, wenn vorhanden auch Weizen, wurden mit der Sichel geschnitten oder mit dem 'Seech' gehauen. Der Mäher führte die kurzstielige Sense mit der Rechten. In der linken Hand hielt er den 'Hooch' , den Mahdhaken, mit dem er die Getreidehalme umfaßte, mit einem Sensenschlag von der Wurzel abtrennte und dann zu einem Bund 'auswickelte'. Während die Männer den Getreideschnitt ausführten, banden die Frauen und Mädchen die Garben mit einem Halmstrang. Die fertigen 'Schobben' wurden, meistens je vier, zu einer 'Huuster' in Reihen zusammengestellt. In diesen Haufen trocknete das Getreide bis zum Einfahren in die Scheune. Noch bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren 'Seech on Hooch' in den kleinbäuerlichen Betrieben gebräuchlich.

Eine wesentliche Arbeitserleichterung brachten die Mähmaschinen. Die leichten Geräte, die von der Carl Reuth er & Co. Landwirtschaftliche Maschinenfabrik und der Joseph Meys & Camp. GmbH Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen in Hennef hergestellt wurden, paßten sich der gebirgigen Landschaft an. Der Bauer drückte mit einem Stab von einem Sitz aus die Getreidehalme auf das Messer des Mähbalkens, den zwei Räder in Bewegung setzten. Die Garbe sammelte sich im Ableger, der auf einen Hebeldruck hin diese zum Binden, und zwar von Hand, freigab. Ochs und Pferd zogen das Gerät über das Feld.

Einen weiteren Fortschritt bedeutete die Entwicklung des sogenannten Selbstbinders. Das Getreide wird mit einem Stab auf die Mähvorrichtung gedrückt, dann von einem über ein Räderwerk laufendes Tuch in das Bindegerät geschoben und mit Bindegarn selbsttätig zur Garbe gebunden. Die Bedienung ist einfach, die Zahl der Arbeitskräfte gering. Um 1930 wird die Maschine in der Umgebung von Dambroich bereits von einem Traktor gezogen. Zugtiere konnten das schwere, auf gleichmäßige Bewegung ausgerichtete Gerät nur mühsam in Gang halten. Der moderne Mähdrescher schließlich vereinigt Mähen und Dreschen und gegebenenfalls auch noch die Fortbewegung aus eigener Kraft als Selbstfahrer.

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