Herten in alten Ansichten

Herten in alten Ansichten

Auteur
:   Friedhelm Glinka
Gemeente
:   Herten
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5352-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Herten in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

In unserer schnellebigen Zeit erkennt man immer häufiger, wie rasch die Gegenwart zur Vergangenheit wird. Manches, was heute noch aktuell ist, wird morgen als überholt angesehen. Selbst verschiedene Epochen der Vergangenheit verschwinden überraschend schnell aus unserem Bewußtsein. Es bedarf schon eines Anstoßes, um sich bestimmte Stationen aus dem eigenen Leben, aber auch Abläufe der Zeitgeschichte, zu vergegenwärtigen.

Dieser Bildband soll dazu anregen, in Form eines BildSpazierganges durch unsere Stadt bei den älteren Mitbürgern Erinnerungen wachzurufen. Den jüngeren entloekt er vielleicht ein stilles Aufatmen, von der 'guten alten Zeit' verschont geblieben zu sein, die in bestimmten Epochen 'gar nicht so gut' gewesen ist.

Der Verfasser dieses Bildbandes hat es sich nicht zur Aufgabe gemacht. die Hertener Stadtgeschichte zu dokumentieren. Dennoch seien einige historische Anmerkungen erlaubt. um die Bilderläuterungen verständlicher zu machen.

Während des Mittelalters war Herten ein einsarnes, verträumtes Dorf'. das sich im Schutzbereieh der spätgotischen Wasserburg entwiekelt hat. Es lag als Exklave des Kurfürstentums und Erzbistums Köln im Bereich des Vestes Recklinghausen. Urn das eigentliche Dorf mit seiner kleinen Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert gruppierten sich die Bauerschaften Kurig, Backurn, Disteln, Hollenbeck, Langenbochum, Scherlebeck, Ried und Elpe , die zu einern unter Karl dem Großen geschaffenen Wirtschaftssystem, der Markgenossenschaft, gehörten. Die beiden nördlichen Bauerschaften Ried und Elpe zeigen heute noch das alte Bild: stattliche, verstreut liegende Höfe und kleine Kotten inmitten von Äckern und Wiesen.

Das Dorf Herten selbst mit seinern zentralen Platz, dern Lin-

denplatz (heute Kranzplatte) und den niedrigen Fachwerkhäusern bildete den Mittelpunkt des geschäftlichen Lebens. Dort lagen die wenigen Läden und Handwerksbetriebe. Etwa 500 Meter weiter nach Süden bildete der Dorfteich am Bramhügel auch schon den Abschluß des Dorfes. Alles, was weiter südlich lag, war die 'Heide', eine Waldund Bruchlandschaft.

In diese beschauliche Agrarlandschaft drang in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Steinkohlenbergbau ein. Das stille Dorf mit den umliegenden Bauerschaften wurde in den Sog der industriellen Entwicklung hineingezogen. Etwa 3 km vom Dorf entfernt, im Hertener Süden, mitten im Wald, begarmen im Jahre 1872 die Abteufarbeiten für den ersten Schacht der Zeche Ewald. Fünf Jahre später entstand in Disteln der erste Förderturm.

Der Bergbau zog nun wie ein Magnet Arbeitskräfte an. Die Bergleute kamen zunächst aus dem südlichen Teil des Ruhrgebietes. Ein großer Teil kam unmittelbar aus Ostdeutschland, Ostpreußen und Polen. Auch Schlesier zogen zu, ferner Slovenen, Kroaten, Italiener und Holländer. Ein buntes Gemisch von Nationalitäten bevölkerte unseren Raum. Um die Jahrhundertwende bestand die Hertener Bevölkerung zu 22% aus ausländischen Mitbürgern. Nachdem Ende der achtziger Jahre weitere Schächte abgeteuft worden waren, stieg die Bevölkerungszahl dermaßen sprunghaft an, daß man von 'amerikanischen Wachstumsverhältnissen' sprechen konnte. Nach einer Statistik der Volkszählung aller Ortschaften Preußens stand Herten im Jahre 1890 bezüglich der sprunghaften Bevölkerungsentwicklung an zweiter Stelle hinter Berlin-Charlottenburg. Die Einwohnerzahl war von 1870 bis 1900 von 870 auf 12 198 gestiegen.

Eine derartige Zusammenballung von Menschen brachte

vielfältige Probleme mit sich. In erster Linie galt es, die vielen Bergleute einigermaßen mit Wohnraum zu versorgen. Die Zechengesellschaften hatten zunächst in Herten-Süd und Disteln Massenunterkünfte, sogenannte Mcnagen, für alleinstehende Bergleute errichtet. Nach und nach entstanden Zechensiedlungen, wie die Sophien-, Elisabeth-, Friedrich-, Knappenstraße. Bis zum Jahre 1900 waren aus den ehernals 130 Häusern des Dorfes Herten 741 Häuser mit insgesamt 2 222 Wohnungen entstanden. Den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechend, schossen in der heutigen Innenstadt Wohn- und Geschäftshäuser wie Pilze aus der Erde.

Trotz dieser rasanten Entwicklung waren die äußeren Lebensumstände in den ersten dreißig Jahren nach Einzug des Bergbaus mehr als dürftig. Hier seien nur einige wenige Beispiele genannt:

- Die Straßenverhältnisse waren äußerst schlecht. Fuhrwerke blieben bei Regenwetter im Schlamm stecken.

- Bis zur Einführung der Gasbeleuchtung im Jahre 1900 beleuchteten wenige trübbrennende Petroleumlaternen die Straßen.

- Elektrisches Licht gab es erst seit 1914.

Bis zum 9. Mai 1901 diente zur Personen- und Güterbeförderung lediglich ein Pferdeomnibus, ehe die 'Vestischen Kleinbahnen' die Straßenbahnlinie Recklinghausen-HertenWanne eröffneten.

- Die wenigen Brunnen im Ort mußten wegen Verseuchung des Wassers geschlossen werden. Eine geregelte Trinkwasserversorgung gab es erst seit 1896. Bis dahin standen nur wenige Zapfstellen (Pumpen) zur Verfügung.

Wegen fehlender Kanalisation flossen die Abwässer durch offene Abzugsrinnen durch den Ort und bildeten stinkende Pfützen, die voller Unrat waren. Seuchen, wie

Typhus, Diphtherie, Tuberkulose, waren die Folge.

Unter diesen äußeren Bedingungen fristeten damals die Menschen ihr Dasein. Hinzu kam, daß sie in harter Arbeit ihr Brot verdienten. Einen Acht-Stundcn-Tag gab es nicht, auch nicht die heute so selbstverständlichen Sozialleistungen. Um ihr Einkommen aufzubessern, machten die Bergleute sogenannte' Anderthalbe' oder 'Doppelte', das heißt, sie arbeiteten ohne Unterbrechung der regulären Schichtenfolge in einem Zuge die anderthalbe oder doppelte Stundenzahl.

Wenige Jahre nach der Jahrhundertwende hatte der Bergbau nahezu den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht. Es folgte eine Phase der Konsolidierung, ehe der Erste Weltkrieg und die unruhige Zeit danach ihren Tribut forderten. Es folgten die zwanziger Jahre mit den umwälzenden Ereignissen der Ruhrbesetzung, Inflation und Weltwirtschaftskrise. Trotzdem hat sich für Herten in dieser Zeit eine positive Entwicklung abgezeichnet: Am I. April 1926 wurden die Ortschaften Disteln, Langenbochum und Scherlebeek durch das Gesetz über die Neuregelung der kommunalen Grenzen aus dem Amt Recklinghausen-Land herausgelöst und Herten zugeteilt. Dadurch stieg die Bevölkerungszahl um 14991 auf annähernd 35000 Einwohner. Diese Gebietserweiterung hat letztlich mit dazu beigetragen. daß Herten am 20. April 1936 die Stadtrechte erhielt.

Es sei abschließend bemerkt, daß die Bildauswahl bewußt auf die Zeit bis 1930 begrenzt wurde, da der Umfang dieses Bildbandes eine weitergehende Darstellung nicht zuließ. Trotzdem hat der Verfasser versucht , bei der einen oder anderen Bilderläuterung Verbindungen und Verflechtungen bis in die Gegenwart herzustellen.

Friedhelm Glinka

1. Es ist einern glücklichen Umstand zu verdanken, daß einige um 1730 entstandene Federzeichnungen der Schloßanlage Herten erhalten geblieben sind. Sie stammen von der Hand des wallonischen Malers Renier Roidkin aus Spa, der nach der Natur skizzierte und die Zeichnungen in anerkannter topographischer Genauigkeit ausführte. Das erste Motiv zeigt die spätgotische Wasserburg ven Südwesten. Die Hauptburg (rechts), ursprünglich als Wehranlage crbaut, erhielt nach einern Brand im Jahre 1687 die hier dargestellte Form einer Repräsentationsanlage. Man erkennt vorne den noch zweigeschossigen Südflügel (Bibliothek), dessen Obergeschoß im 19. Jahrhundert abgetragen wurde. Die Gebäude links daneben gehören zur Vorburg. Das langgestreckte Wirtschaftsgebäude am linken Bildrand ist heute nicht mehr vorhanden.

2. Zu der Zeit, als die Burg noch wehrhaften Charakter harte. gab es keine Gartenanlagen. Um 1700 entstanden in unserem Raum unter französischen Einfluß die Barockgärten. Die damallgen Schloßherren, die Grafen von Nesselrode, folgten diesem Einfluß. Die Federzeichnung von Renier Roidkin zeigt das barocke Gattenparterre zwischen dem Schloß-Nordflügel (dem heutigen Schloßcafé) und der Orangerie, einem reich gegliederten Gewächshaus zum Überwintern von klimaempfindlichen Pflanzen. Während eine Mittelachse die beiden Gebäude verband, gestalteten symmetrisch angelegte Gartenstrukturen den Raum, begrenzt von seitlich aufstrebenden Doppel-Laubwänden. Die Brücke im Vordergrund zeigt typische barocke Gestaltungsformen.

3. Einen anderen Bliek auf das Gartenparterre vermittelt uns diese Zeichnung. Links erkennt man den Nordflügel und einen Teil des Ostflügels der Hauptburg, rechts die im Jahre 1725 erbaute Orangerie. Zwischen Mittelweg und Orangerie bestimmen Rabatten mit ihren schwungvoll gestalteten Buchsbaum-Dekorationen, aufgelockert durch eine Reihe von Zierbäumen, das Bild der barocken Gartengestaltung. Die im Vordergrund dargestellte Frauenstatue ist eine von vielen Gartenfiguren, die der Bildhauer Joharm Mauritz Groninger aus Münster geschaffen hat. Diese Art von Gartengestaltung prägte etwa 100 Jahre den Hertener Schloßpark. Dem Zeitgeschmack entsprechend, erfolgte in den Jahren 1814-1817 eine Umgestaltung zum Landschaftsgarten durch den Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe.

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1:- ~ . Schloss JCeTfen i. W.

4. Es muß schon eine besondere Ehre gewesen sein, daß die Gräfin Maria von Nesselrode diese Grußkarte mitunterzeichnet hat. Sie stammt aus dem Jahre 1903, als das Schloß noch von der gräflichen Familie bewohnt war. Während der unruhigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg verlegte sie den Wohnsitz nach Schloß Merten an der Sieg. Seitdem war die Hauptburg nur teilweise bewohnt. Zur Zeit der Franzosenbesatzung in den Jahren 1923-1926 wurde die gesamte Schloßanlage stark in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu karnen Einwirkungen durch den untertägigen Bergbau, so daß sie dem Verfall preisgegeben schien. Dank der Initiative des Landesverbandes konnte in den sechziger und siebziger Jahren eine aufwendige Restaurierung erfolgen, die zusammen mit einer entsprechende Nutzung den Bestand der Schloßanlage sichergestellt hat.

5. Längst vergessen ist die Sommerwirtschaft, die einst auf der Anhöhe des Paschenberges gestanden hat. Die Ansichtskarte , datiert im August 1898, zeigt die Ausflugsgaststätte. Der damalige Graf von Nesselrode hatte die Idee für dieses luftige Unternehmen. Der Wirt Bernard Brechtmann erhielt im Jahre 1890 als erster die Konzession zum Ausschank von Bier, Wein und Kaffee. Der Hertener Amtmann schrieb hierzu: 'Das Unternehmen des Grafen Droste von Nesselrode wird allseits freudig begrüßt, indem dadurch den hiesigen Einwohnern und auch den in den Sommermonaten von auswärts in großen Mengen zuströmenden Fremden ein angenehmer Aufenthalt durch die Wirtschaft geboten wird.' Als Nachfolger des Wirtes Brechtmann führten der Landwirt Hötten und später Schick's Wilm die Sommerwirtschaft.

6. Diese Ansichtskarte wurde irn Jahre 1900 verschickt. Bei der Panoramaaufnahme im oberen Teil stand der Fotograf auf dem Paschenberg, einem beliebten Aussichtspunkt. Zu jener Zeit war der Hertener Bahnhof noch nicht vorhanden. Bemerkenswert ist das schon fast geschlossene Ortsbild, obwohl einige Straßenzüge erst nach der Jahrhundertwende entstanden sind. Die beiden Kirchtürme der St. Antoniuskirche und der evangelischen Kirche an der Ewaldstraße sowie die Schornsteine der Zeche Ewald (im Hintergrund) prägen die Silhouette. Das auf der Ansichtskarte links unten dargestellte Gebäude war das Haus Kaiserstraße 64 (Heisterkamp), das gegenüber dem heutigen Kaufhaus Karstadt gestanden hat. Zur Zeit dieser Aufnahme war dort das 'Kaiserliche Postamt' untergebracht.

7. Genau aus der gleichen Perspektive wie bei der vorigen Aufnahme ist Ende der zwanziger Jahre diese Ansicht entstanden. Am rechten Bildrand erkennt man die Stationsgebäude des Hertener Bahnhofs, der im Jahre 1905 an der Strecke Hamm-Osterfeld eröffnet worden war. Im linken Teil des Bildes ist hinter einer Baumgruppe das mehrgeschossige Gebäude des Gymnasiums sichtbar, das in dieser Gebäudestruktur im Jahre 1928 ausgebaut worden war. Auf der Freifläche irn Vordergrund, wo damals noch Getreide angebaut wurde , entstand in den sechziger Jahren das Berliner Viertel als geschlossenes Wohngebiet. Der Fotograf muß in Höhe der heutigen Neuköllner Straße gestanden haben.

j)urstige ÇrOsse aus 1)erlM i. W.

8. Dieses Motiv soll dem Betrachter des Bildbandes nicht vorenthalten werden. Man muß zugeben. daß hier eine gelungene Fotomontage entstanden ist. Trotz des Durstes rnüssen die alten Hertener auch Humor gehabt haben. Vielleicht beziehen sich die 'Durstigen Grüße auf die Sommerwirtschaft, die um die Jahrhundertwende auf der Anhöhe des Paschenberges gestanden hat. Das Panoramafoto (unten) muß im Jahre 1905, kurz vor Eröffnung des Bahnhofs, entstanden sein, weil im Bereich der Gleisanlagen noch die Baustelle zu erkennen ist. Auf dem Baustellengelände rechts am Bildrand kamen im Sommer 1903 Reihengräber zu Tage, die der Zeit Karls des Großen angehören dürften. Gefunden wurden Grabbeigaben, wie Waffen, Schmuckgegenstände , Tonwaren.

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