Hofgeismar in alten Ansichten

Hofgeismar in alten Ansichten

Auteur
:   Helmut Burmeister
Gemeente
:   Hofgeismar
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2473-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Hofgeismar in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Tempus fugit - was könnte besser diese lateinische Weisheit von der flüchtigen Zeit verbürgen als eine Fotodokumentation dessen, was einmal war? Wann 'war'? Gestern, vor Monaten, einem Jahr, vor einern Dutzend Jahren? Wir wissen aus unserer täglichen Erfahrung, daß wir nur selten eine vergangene Begebenheit korrekt datieren können. Je nach dem Charakter des Bezugsereignisses werden wir es nahe an uns heranrücken oder weiter von uns wegschieben - die inzwischen gelebten Jahre werden relativ, Zeit fließt, verfließt. In unserer Erinnerung fügen sich die Menschen, die Gegenstände und Ereignisse zu einer anderen, einer gedachten Vergangenheit, mit der wir, in der wir leben können. Wo uns die Gegenwart bedrängt und die Zukunft bedrohlich erscheint, da zeigt uns die Vergangenheit leicht ein freundliches Gesicht, denn wir haben sie zu Ende gelebt, sie erfahren, haben uns gestellte Aufgaben gelöst, vielleicht ihre Probleme bewältigt, vor allem: wir haben sie überlebt.

Das stimmt uns freundlich gegenüber dem unmittelbar Vergangenen, verführt uns, in seinen Wertkategorien zu denken, uns dorthin zurückzuwünschen oder zumindest Anhaltspunkte dessen in unsere Gegenwart hinüberzuretten, was in der Erinnerung als Vergangenheit besteht,

So ist verständlich, wenn bei manchem Leser Trauer bei der Betrachtung dieser Fotos die Erinnerung bestimmt, zeigen die Bilder doch allzu oft das Verlorene, das einst kaum Geachtete. Das vermeintlich Wertlose und dann Zerstörte gewinnt in der Erinnerung an Qualität und wird zum Maßstab der Beurteilung der Erscheinungen von jetzt und heute. Bei so manchem Bild haben wir Jüngeren, aufgeschreckt von nostalgischen Sehnsüchten unserer Gewährsleute, mit der Kommentierung gezögert, weil wir so viel 'Wert' nicht erkennen konnten in einem abgerissenen Haus, einer veränderten

Straßenflucht, einern eingeebneten Brunnen oder ähnlichem. Was für uns ein im Foto überliefertes Beispiel der Lebensgestaltung und -bewältigung damals war, das machte die in der Erinnerung geraffte Zeit für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Exempel einer dereinst insgesamt intakten Lebenswelt schlechthin. So mußten wir zugleich eingehen auf jene, deren Erlebensbereich unsere Fotos dokumentieren, wie uns freimachen von der Wertordnung ihrer Erinnerung.

Es ist zu verführerisch und der Stil unserer eigenen Epoche, dem Uberschaubaren und zeitlich Begrenzten, dem fertig Gestalteten und Bewährten a priori eine höhere Qualität zuzubilligen als der in Bewegung befindlichen, unabsehbaren, weil unbegrenzten Gegenwart und Zukunft. Im Vergangenen findet man das Bewährte, die Gegenwart dagegen fordert die eigene Bewährung.

Tempora mutantur et nos mutamur in ilUs - ja, wir ändern uns mit der Zeit, in der sich wandelnden Zeit. Wir benötigen zur Erkenntnis unserer eigenen Lebenswelt unzweifelhaft die Überlieferungen in Wort, Bild und Sachgut, aber wir sind längst nicht mehr dieselben Menschen und dürfen darum auch den Bliek nicht verlieren für die Aufgaben unserer Gegenwart, für ihre Schönheiten und Entwicklungen. Das Lemen aus dem Alten darf nie Selbstzweck sein, es muß umgesetzt werden in eine die Gegenwart bewältigende Tat.

Wir sind bei unserem Bliek in die Vergangenheit mehrfach über den zeitlich gesetzten Rahmen hinausgegangen, haben die nüchternen Daten der historischen Ereignisse referiert, weil wir sicher sind, daß auch die in der Erinnerung unserer Gewährsleute gespeicherte Vergangenheit nur verstanden werden kann, wenn wir sie als Gegenwart nach einer anderen Vergangenheit begreifen und diese wiederum als Folgezeit einer noch älteren Epoche.

Hofgeismar, die malerische ehernalige Kreisstadt am Westrand des Reinhardswaldes, hat gerade in den letzten zehn Jahren alle Anstrengungen unternommen, zugleich Wohnwert und Lebensqualität zu erhöhen und doch dern sehenden Bürger Hinweise auf jene Gemeinde zu bewahren, die einst seinen Vorfahren Heimatstadt war.

Wir haben das Mainzer Rad, Zeichen ehemaligen und erst 1583 erloschenen Eigentums noch immer im Wappen würden wir uns deshalb in ein anderes Bundesland wünschen? Ein fast völlig geschlossener, jüngst restaurierter Mauerring mit manchem Turmstumpf und noch zwei Toren umgibt die Stadt; an Wall und Graben erinnert ein breiter Grüngürtel - wer aber würde die Zeit blutiger Zwistigkeiten und Bürgerkriege früherer Jahrhunderte zurückwünschen? Noch immer bewirtschaften mehrere Landwirte von der alten Ackerbürgerstadt aus ihre Felder; archäologische Funde stellen sicher, daß der mit fruchtbaren Böden gesegnete Bereich Hofgelsmars seit etwa 6 500 Jahren ununterbrochen von bäuerlicher Bevölkerung besiedelt wurde - wer aber könnte ernsthaft an die Wiederherstellung alter Gehöftzahlen in den Wohnbereichen der Kernstadt denken? Jahrhundertealte Kirchen bestimmen die Silhouette unserer Stadt - wer aber würde die seit ihrer Errichtung erfolgten Veränderungen der politischen und religiösen Verhältnisse beklagen? Waren die Feste früherer Zeiten wirklich so unnachahmlich? War der als Kanalisationsersatz genutzte offene Stadtbach wirklich so unverzichtbar? Waren die vielen, von kelner Gesundheitsbehörde kontrollierten Brunnen der Stadt wirklich allein Beispiele gestalteter Idylle? Möchten wir wirklich bei Petroleum- oder Gaslicht durch unsere Straßen gehen? Möchten wir wirklich unsere Wäsche nach einem langen, schweren Waschtag unserer Frauen auf der Bleiche

ausgebreitet sehen, nur weil sich dort so manches interessante Gespräch entspann? Wir bedauern leicht den Abbruch alter, das Stadtbild bestimmender Gebäude; wer aber hätte wirklich seine moderne Wohnung mit einem aus finanzieller Not oder Besonderheit der Konstruktion nicht sanierten Altbau getauscht?

Kein Zweifel - und unsere Fotos erlauben keinen anderen Schluß: Gerade im Bereich des Abrisses von Wohnbauten ist vor 15, 20 Jahren vieles vorschnell entschieden worden, und noch immer werden hier Gebäude beseitigt, die uns sehen lehren, die uns helfen könnten, jene Zeit ihrer Erbauung besser zu verstehen.

Dennoch hat die trotz ihrer Nähe zu dem völlig zerbombten Kassel von Kriegsfolgen verschonte Stadt Hofgeismar ihren historischen Charakter bewahren und zugleich Neues schaffen können. Der eine moderne Wohnung oder einen Bauplatz suchende Bürger kann auf die Erfüllung seiner Wünsche ebenso hoffen wie der wißbegierige Besucher, der am Erscheinungsbild unserer Stadt Geschichte ablesen, der aus den Mosaiksteinen der Überlieferung das große Bild der Geschichte lernend zusammensetzen möchte.

Die Chronisten dieses Bandes haben sich bemüht, Veränderungen nicht ausschließlich als Verlust zu begreifen, Neuerungen nicht nur als Schaden zu disqualifizieren. Hofgeismar ersteht in den nachfolgenden Bildern als sich entwickelnde Stadt mit Geschichte, nicht als Museum, das wir auf einem festgelegten Rundgang durchwandern.

Tempus fugit! Mögen unsere Bilder des Vergangenen hilfen bei der Bewältigung und Gestaltung des Zukünftigen sein.

1. Als Weltstadt stellt sich Hofgeismar auf dieser lithographierten Postkarte der Jahrhundertwende dar. Eine großzügige Allee die Bahnhofstraße - verbindet die malerisch in die Essesenke gebettete Stadt mit dem östlich vorgelagerten Stadtteil Gesundbrunnen. Der Brunnentempel des alten Bades Hofgeismar ziert die linke obere Vignette. Das heute wieder restaurierte Rathaus, das heute durch Neubauten ersetzte Kasernengebäude des Dragoner-Regiments Nr. 5 'Freiherr von Manteuffel' und die 'Kaiserliche Post', eingemietet in einem Privathaus des Unternehmers Heistermann, sind neben den das Stadtbild dominierenden Kirchen städtebauliche Anziehungspunkte innerhalb der noch weitgehend durch Fachwerk geprägten Stadt.

2. Von den 'Schanzen' im Westen der Stadt geht der Bliek über die kargen Kalkabhänge zu der 'Bleiche' mit darauf ausgebreiteten Wäschestücken. Dahinter sieht man die 1898 errichtete katholische Kirche und den langgestreckten Kasernenbau. Die geschleiften Festungsanlagen der wehrhaften Stadt begrenzen als breite Grüngürtel noch immer das alte Hofgeismar. Heute umgibt ein dichtgeschlossener Ring von Neubausiedlungen die noch 1920 kaum über ihre mittelalterlichen Grenzen hinausgewachsene Stadt. Nur im Osten erstand nach dem Bau der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn 1848 und vor allem während der Gründerzeit allmählich eine bauliche Verbindung vom Mühlentor zum abgelegenen Bahnhof.

3. Die Keimzelle des historischen Hofgeismar erfaßt diese Fliegeraufnahme aus der Mitte der zwanziger Jahre. Zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt die Stiftskirche Liebfrauen, jetzt evangelische Pfarrkirche der Altstadt, vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut. Teilweise erhalten und zu einem Altenwohnheim umgebaut ist das Schiff der 1238 geweihten Franziskanerkirche, deren Dach mit seinen vielen Gauben im Vordergrund ins Auge fällt. Verschwunden sind heute die in gleicher Firstrichtung sich anschließende Reithalle der Dragoner wie auch die sogenannte Zehntscheune derer von Spiegel, die mit ihrer Breitseite dem Betrachter zugewandt ist. Rechts neben ihrer Toreinfahrt fand sich bis zum Abbruch 1927 der in Stein gemeißelte Hinweis auf den Besitzer 'HSzD (= Hans Spiegel zum Desenberg) 1607'. Heute erhebt sich das Finanzamt an dieser Stelle; nur noch der Flurname 'Hovestätte' und - für ältere Bürger - der 'Spiegelshof" erinnern an die Besitzungen der einst im Mittelalter so mächtigen Familie.

4. Ein einmaliges Dokument ist dieses Foto des in den frühen achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wegen Baufálligkeit abgebrochenen Kaletschschen Hauses am Sälber Tor. Der Vorgängerbau des Gasthauses 'Zur Flötenlinde', der hier noch teilweise mit Wesersandsteinplatten gedeckt ist, war das Geburtshaus des Göttinger Professors Wilhelm Klinkerfues (geboren am 29. März 1827). Dem durch eine Vielzahl von Erfindungen bekanntgewordenen Wissenschaftler war jedoch wirtschaftlicher und letztlich auch beruflicher Erfolg versagt, Am 28. Januar 1884 setzte er seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende. In unseren Tagen wird die bauliche Situation erneut verändert. Der Saalbau der 'Flötenlinde" und weitere Nebengebäude verschwanden, so daß der schmucke Fachwerkbau voll zur Geltung kommen kann. Dieses Foto war ein Geschenk der Stadt an den Gesangverein 'Liederkranz", dessen Versammlungen in der 'Flötenlinde' stattfanden, zu seinem 50. .Stiftungsfest im Jahre 1912.

5. Völlig verändert ist die bauliche Situation an der Ecke Altstädter Kirchplatz/Sälber Tor. Wo heute die Kinder des evangelischen Kindergartens ihre Spielfläche haben, stand vorher das Koppen-Sandersche Haus, in dem bis 1952 von der Firma KOSA Inhalationsmittel und Anästhetica hergestellt wurden. Es erhob sich auf einem Teil des Salberges, dessen Name auf den fränkischen Königshof (sala) verweist, der die Keimzelle des historischen Hofgeismar und der Siedlungen seines Umlandes war. Neben dem zum Wohnhaus restaurierten 'alten Bürgermeisteramt' rechts im Bild steht einer der vielen 'Kümpe' der Stadt, an denen die Bürger bis weit in unser Jahrhundert hinein ihr Wasser holten und die nur allmählich aus dem Stadtbild verschwanden. Das Foto muß vor 1901 (Errichtung des Hofgeismarer Gaswerks) entstanden sein, denn in der Straßenlaterne wurde noch Petroleum gebrannt.

6. Philipp der Großmütige (1504-1567) begründete 1527 das Hospital in Hofgeismar in den durch die Säkularisierung freigewordenen Gebäuden des Franziskanerklosters. Die Postkarte zeigt das auf dem Klostergelände später entstandene Hospitalgebäude mit seinen malerischen Mauerresten (hohes Portal mit Rundbogenabschluß in Werkstein, aus Bruchsteinen erbautes Erdgeschoß mit Werkstein-Fenstergewänden). Das angelehnte zweistöckige Wirtschaftsgebäude in Fachwerkbauweise mit halbhohen Streben, bündigem Quergebä1k und Weserplattendach mit Schleppgauben wurde vor einigen Jahren abgerissen, um einem modernen Erweiterungsbau der Hospitalstiftung Platz zu machen. Rechts im Bild lehnt sich das Einfahrtstor mit seinem Rundbogen an die Stadtmauer an.

7. Das evangelische Dekanat und das Pfarramt der Altstädter Gemeinde befinden sich in einem der interessantesten Gebäude der Stadt. Das Kernstück des Hauses der Margarethe von Falkenberg ist eine 1329 gestiftete St-Martins-Kapelle, von der unter anderem an der östlichen Schmalseite ein Chorfenster und an der nördlichen Längsseite ein zweiteiliges gotisches Fenster erhalten blieben. Nach 1568 wurde das Gebäude, aus landgräf1ichem Besitz erworben, durch Burkhard von Cramm für seine Schwester Margarethe, die Witwe Widekinds von Falkenberg, zum Wohnhaus umgebaut; aus dieser Zeit stammt das Fachwerkobergeschoß des Gebäudes. Die unserer Gegend ungebräuchlichen Kratzputzverzierungen ließ wahrscheinlich der Superintendent Georg Wissemann anbringen, wohl in Erinnerung an seine Marburger Studienzeit. Der Durchgang unter der alten Dekanatstreppe, das 'Sextaner-Schweineställchen', verbinden alte Hofgeismarer Gymnasiasten mit manch unguter Erinnerung.

8. Am Abend des 24. Juni 1917, des Johannistages, erklangen zum letzten Mal die großen Glocken der Altstädter Kirche über der Stadt. Am Tag darauf wurden sie von ihrem Turm herabgestürzt, um zu Granaten oder Geschützrohren umgegossen zu werden. 'Manches Auge füllte sich mit Tränen,' schrieb damals ein Chronist und fügte hinzu: 'Aber auch unsere Glocken geben wir mit Freuden hin in dem Bewußtsein, des Reiches Wehr zu stärken und der Welt von Feinden, die uns umdroht, den in kraftvoller Entschlossenheit unerschütterlichen Willen zum Siege entgegenzustemmen.' Unser Bild zeigt rechts die 46 Zentner schwere Glocke neben der nur 12 Zentner sehweren der Neustädter Kirche. Zwei Glocken mußte die katholische Kirche abgeben, weil deren Geläut nach 1830 gegossen worden war.

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