Holzminden in alten Ansichten Band 2

Holzminden in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Paul Kretschmer
Gemeente
:   Holzminden
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5296-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Holzminden in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Holzminden, Stad/am Weserstrom.

Holzminden liegt nicht zufällig an der Weser. Der Strom war bestimmend für die Gründung und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Dabei durchschneidet er sie nicht, sondern zieht an ihr vorbei. Er war von Anbeginn auch eine Trennungslinie. Das Land auf der anderen Seite gehorchte meist anderen Herrschern und folgte anderen Gesetzen. Erst im Jahre 1971 gelang es der Stadt, die schon vorher einige Streuparzellen auf der anderen Stromseite erworben batte, nun auch hoheitsmäßig drüben auf früher westfälischem Gebiet Fuß zu fassen. Sie konnte eine Art 'Brückenkopf' bilden, der städtische Sportanlagen und den Campingplatz umfaßt.

Die Weser ist nicht irgend ein Fluß. Die Deutschen haben sie seit eh und je besonders ins Herz geschlossen, obwohl es doch größere und nicht weniger reizvolle Flüsse in Deutschland gibt, denen die Weser 'nicht das Wasser reichen' kann. Zwar ist sie nicht so viel besungen worden wie etwa der 'Vater Rhein', doch pries man sie immer wieder den 'deutschesten aller deutschen Ströme'. 'Deutsch von der Quelle bis zum Meer' war, als man noch nicht na-

tionalistisch dachte, das besondere 'Gütezeichen' der Weser. Aber nicht dies allein hat das innige Verhältnis geschaffen, das zwischen dem Strom und den Menschen hier besteht.

Grade bei Holzminden wird deutlich, wie der Fluß die Landschaft bestimmt und belebt. Hier, wo sich die Weser so eigenwillig in weiten Schleifen durch das breite Tal zwischen dem waldreichen Solling und den Bergausläufern der Paderborner Hochebene windet, ist das Landschaftsbild weithin noch unverfälscht. Das tut dem Auge wohl. Zwar erstreeken sich die Wohnsiedlungen der Kernstadt Holzminden inzwischen bis an den Rand des Sollings, zwar steht unmittelbar am Weserufer der wuchtige Getreidespeicher, zwar überragen einige hohe Fabrikschornsteine die Häuser der Stadt, aber noch dominiert das Grün der Natur. Zwar haben in der Weseraue Kiesgruben tiefe Löcher gerissen, aber die ausgebeuteten Gruben füllen sich schnell mit Wasser und verhüllen so den gewaltsamen Eingriff des Menschen in das Landschaftsbild.

Man hat häufig darüber nachgedacht, warum die Stadt

von den Gründern so nahe ans Wasser gebaut worden ist. An geeignetem Siedlungsgelände hätte es doch, so meinte man, an den sanften Hängen des nahen Sollings nicht gefehlt. Man hatte ja andere Siedlungen in der Umgebung, wie beispielsweise das 'alte Dorf', auch abseits vom Strom angelegt. Aber Holzminden war eben von Anfang an als Stadt am Fluß geplant. Hier, wo vom 501ling herkommende Bäche einmündeten, war das Wasser flacher und leichter zu durchqueren als anderswo. Hier war der Ort für einen Handelsplatz. So baute man sich ganz nahe am Fluß an, so nahe, wie es das häufig auftretende Hochwasser gerade noch zuließ. Auch wenn die Weser immer wieder einmal Haus und Hof bedrängte, wich man nicht und baute das Haus, wenn es von Wasser oder Feuer zerstört worden war, am alten Flecke wieder auf. Hier war man von der Wasserseite her auch vor dem Feind geschützt, für den die Weser imrnerhin ein bedeutendes Hindernis darstellte. Man wußte sich auch nahe der schützenden Burg, die die Gründer der Stadt auf einer kleinen Insel im Strom errichtet hatten.

Für viele Bewohner lag am Fluß auch die Erwerbsquel-

Ie. Hier am Flußübergang trafen sich Menschen. Hier konnte man tauschen und später verkaufen. Beim Übersetzen des Landverkehrs durch die seichte Furt fand sich für manchen eine Beschäftigung. In der Weser gab es Fische. Es entwickelte sich ein Holzstapelplatz. Die Flößerei kam in Gang. Später wurden hier Sollinger Sandsteine umgeschlagen und Waren entgegengenommen, die mit dem Schiffvon der See her kamen.

Die zuweilen geäußerte Vermutung, Holzminden sei von der Gründung an eine Siedlung von Ackerbürgern gewesen, ist sicher nicht zutreffend. Die später zur Stadt gehörende umfangreiche Feldmark ist weitgehend erst durch den Bevölkerungszuzug aus wüst geworden en Siedlungen und aus Altendorf mit eingebracht worden. Die Landbevölkerung, draußen vor der Stadt ohne Schutz, drängte zu der, wenn auch nur notdurftig befestigten städtischen Siedlung bei der Burg, wo man das Erworbene eher bewahren konnte. Wer den Lauf der Geschichte verfolgt, kann leicht feststellen, daß das wechselvolle Schicksal der Stadt vom Strom zu allen Zeiten wesentlich beeinflußt worden ist.

1. So präsentierte sich die heutige Kreisstadt im Mittelalter vom Katernstein aus. Im Wesertal und vor den Hängen des Sollings gelegen, war sie damals noch ein kleines verträumtes Städtchen. Nachdem sie im Dreißigjährigen Krieg nahezu vollständig zerstört worden war, wuchs die Stadt im 18. Jahrhundert über ihre ursprüngliche Grenze hinaus. Die erste Industrie wurde angesicdelt (Eisenfabrik, Zichorienfabrik). Im 19. Jahrhundert baute man vor den Toren der Altstadt repräsentative Gebäude wie das Kreishaus, das jetzige Rathaus, die Bürgerschule, das Amtsgericht und das Postamt. Inzwischen haben sich Wohnsiedlungen und Industriebetriebe weit über den Katernstein hin ausgedehnt bis an den Waldrand des Sollings,

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2. Über den Dächern der Altstadt erhebt sich mit ihrem spitzen Turm die Lutherkirche, deren erste Gründung um 1200 erfolgt ist. Als sie am 23. August 1898 durch Blitzschlag zerstört worden war, wurde nach der Trümmerräumung im Kirchenvorstand darüber beraten, ob man einen Wiederaufbau betreiben oder einen Neubau in die Wege leiten sollte. Während zunächst der Errichtung eines neuen Kirchenschiffes der Vorzug gegeben wurde, neigte die Waage dann, nachdem sich eine Art Bürgerinitiative der Sache angenommen hatte, zum Wiederaufbau. So ist das schöne Bauwerk erhalten geblieben.

3. Die Turmspitze der Lutherkirche mußte wiederholt erneuert werden. Der gesamte Turm erhielt schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg ein Kupferdach. Auch der Knopf des Turmes wurde mehrmals zum Zwecke einer gründlichen Reparatur heruntergeholt. Bei dieser Gelegenheit deponierte man gern Schriftstücke zur Information der Nachwelt in dem Knopf. So hinterlegte Generalsuperintendent Johann Friedrich Haeseler nach einer Ausbesserung des Turmes am 26. September 1781 eine Urkunde in dem Turmknopf, die als zeitgenössische Dokurnentation des Lebens in der Stadt erhalten ist. Zur Begründung schreibt er: 'Es wird den Nachkommen vielleicht angenehm seyn, wenn man noch einige Nachrichten von den wichtigsten Umständen dieser Stadt und der umliegenden Gegend hinzufüget.'

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4. Die ersten Prediger an der Holzmindener Lutherkirche waren gleichzeitig Äbte des benachbarten Klosters Amelungsborn, das seit der Mitte des 16. Jahrhunderts eine Klosterschule beherbergte. Dort wurden damals zwölf Zöglinge unterrichtet, die beabsichtigten, sich dem geistlichen Amt der Landeskirche zu widmen, aber ihre Ausbildung nicht bezahlen konnten. Die somit einen streng kirchlichen Charakter tragende Klosterschule wurde 1748 aufgelöst. Sie wurde nach Holzminden verlegt und hier am 15. Januar 1760 mit der hiesigen Lateinschule vereinigt. Das Kloster, das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, ist inzwischen wieder hergestellt

.", und dient weiter dem Konvent. In der Klosterkirche, die der evangelischen Landeskirche unterstellt ist, wird der Gemeindegottesdienst für die Orte Holenberg und Negenborn abgehalten.

5. Zu den bedeutenden Predigern an der Lutherkirche, die früher 'St. Marien' hieß, gehörte Abt Hermann Topp (später latinisiert: Toppius). Nachdem Herzog August im Jahre 1648 den Sitz des Generalsuperintendenten für den Weserbereich nach Holzminden verlegt hatte, war Abt Toppius der zweite Inhaber dieses Amtes. Er war 1612 in Seesen geboren und hatte in Helmstedt studiert. Am 1. August 1655 wurde er in sein Amt eingeführt und wirkte hier bis zu seinem Tod im Jahre 1675. Zu Beginn seiner Amtszeit baute er die bisherige Kinderschule zur Lateinschule aus. 1659 ließ er den Kirchturmhelm wieder aufsetzen, der im Jahre 1640 bei der Zerstörung der Stadt abgebrannt war. Als Abt von Amelungsborn Iührte er in dem völlig verwahrlosten Kloster wieder Ordnung ein.

6. Abt Joharm Friedrich Haeseler, geboren am 26. Juni 1732 in Braunschweig, übte das Amt des Generalsuperintendenten in Holzminden von 1775 bis 1797 aus. Er trat auch als Schriftsteller hervor. Anläßlich der 20-Jahr-Feier der Vereinigung der Amelungsborner Klosterschule mit der Lateinschule in Holzminden verfaßte er eine kleine Schrift mit dem Titel: 'Vom Ludolfschen Barometer, zugleich einige Betrachtungen, über die Beobachtung der Witterung überhaupt; und über die Lage, Gegend und Gesundheit von Holzminden.' Im Jahre 1796 gründete er mit gleichgesinnten Holzmindener Bürgern den 'Holzmindener Klub', der während des 19. Jahrhunderts den geistigen Mittelpunkt der Stadt darstellte. Nach seinem Tod im April 1797 beklagte sich allerdings der Stadtmagistrat, daß Haeseler das Predigtamt vernachlässigt und sich mehr mit Mathematik befaßt habe und daß die Kirche bei seinen Gottesdiensten meistens leer gewesen sei.

7. Das frühere Abtshaus wurde im Jahre 1662 vom damaligen Zollverwalter erbaut. Um 1672 machte er es dem Herzog zum Geschenk, der es der Kirche als künftiges Pfarrhaus überließ. Seit dem Tod des Abtes Hermann Toppius (1675) diente es diesem Zweck. Da es häufig von Überschwemmungen heimgcsucht wurde und viele Reisende es für ein Gasthaus hielten. verlegte man die Abtswohnung im Jahre 1769 in die Nähe der Kirche. Der Herzog ließ nun in dem Haus ein Zollamt einrichten. Um 1800 wurde es Dienstgebäude der herzoglichen Adrninistration der Sollinger Steinbrüche. Heute ist es ein normales Wohnhaus. Nachdem die Fachwerkfassade neu gestaltet wurde, ist es, zwischen Weserbrücke und Jugendherberge gelegen, ein beliebtes Fotomotiv und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt,

8. Das Herzogliche Gymnasium, das aus der Vereinigung der Klosterschule mit der städtischen Lateinschule entstand, war zunächst in diesem an der Weser gelegenen stattlichen Gebäude untergcbracht. Dieser Schulbau war großzügig angelegt. Er bestand aus dem im neoklassizistischen Stil erbauten Hauptgebäude mit Quartieren für zehn Stipendiaten sowie aus den Nebengebäuden und Wirtschaftsräumen. Den Entwurf fertigte Kammerbauinspektor Liebau aus Braunschweig an. Am 28. September 1826 beging man festlich die Einweihung. Die Schule harte auch überörtliche Bedeutung; von damals 168 Schülern kamen 130 von auswärts. Großer Wert wurde, wie ein zeitgenössischer Bericht besagt, auf die 'sittliche Bildung der jungen Leute' gelegt.

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