Ilsenburg in alten Ansichten

Ilsenburg in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Riefenstahl
Gemeente
:   Ilsenburg
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5331-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Ilsenburg in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Die Erklärung für den Namen dieses arn Fuße des Brockcns gelegenen Städtchens Ilsenburg ist sehr einfach, Sein Ursprung ist eben die 'Burg an der Ilse'. Umstrirten ist dagegen noch immer die Namensdeutung für diesen Harzfluß. Elsen als niederländische Bezeichnung für die seinen Lauf beschattenden Erlen ist die eine Hypothese, "ile' als eilendes Gewässer die andere. Im Stadtwappen ist jedenfalls symbolisch ein von zwei Erlen flankiertes Burgtor dargestellt. Der schreitende Hirsch ist eine Zugabe dieses Jahrhunderts und erinnert an die Zugchörigkeit zur ehernaligen Grafschaft Stolberg- Wernigerode.

Die Burghorigen. Durch den Besuch des deutschen Königs aus sächsischern Stamm Otto Ill. irn Jahre 995 tritt die 'Elysynaburg' - so die damalige Bezcichnung - in die urkundlich belcgtc Geschichte. Wann sie aber errichtet wurde , ob unter Heinrich I. zur Abwehr der ungarischen Gefahr oder noch Irüher als Jagdpfalz zur Verwaltung eines Teils des Rcichsbannforstes Harz, ist bisher nicht endgültig crwiescn worden. Der letzte sächsische König Heinrich Il. übereignete 1003 die Burg dern Bischof von Halberstadt zur Urnwandlung in ein Kloster. Nachdern dann die Königsmannschaft enttemt war und sich in der Nachfolgeburg Ilsestein eingerichtet harre, konmen schließlich 1018 Benediktinermönche aus Fulda ins Kloster Ilsenburg einziehen, Wenige Hörige beiderlei Geschlechts wurden übernornmen, aber von einem eigenständigen Gerneinwesen war dabei noch lange keine Rede.

Das Klosterderf. Im Halberstädter Bisturn wurde Ilsenburg bald das bedeutendste Mönchskloster, hatte als solches aber auch mehr als andere unter dem Streit zwischen Kaiser und römischer Kirche zu leiden. Die späteren Machtkämpfe der kleineren Fendalherren untereinander und insbesendere die Febden von 1310 bis 1320 mit seinen eigenen Vögten, den Grafen von Wernigerode, brachte die geistliche Stiftung oft an den Rand des Ruins. Im 15. Jahrhundert führte die allgemeine Unsicherheit des Landes zum Wüstwerden von fünf benachbarten Dörfern, so daß deren Ein-

wohncr gezwungcn waren, sich irn Nahbereich des Klosters niederzulassen. Dadurch wuchs die Hörigensiedlung zum Klosterdort. Im Bauernkrieg wurde auch das Kloster Ilsenburg geplündert, und trotzdem es kurz danach durch den Grafen Botho zu Stolberg wieder eingerichtet wurde , war seine Bedeutung so gut wie erloschen. Es geriet immer mehr unter die Abhängigkeit seiner gräflichen Schutzherren. Die Reformation vollzog sich ohne größere Widerstände und führte 1567 zur Gründung einer evangelischen Ptarre. Die bisher in der Klosterzeit für Laien und Pilger vorbehaltcne Marienkirche wurde zur Gemeindekirche. Ein Pfarrhaus konnte kurz danach gebaut werden.

Der Hüttenort. Als die Grafen zu Stolberg urn die Mitte des 16. Jahrhunderts die Messingindustrie von Wernigerode an die wasserreiche I1se verlegten und gleichzeitig auch Werke der Eisenindustrie. wie Hochofen, Gießerei, Zain- und Blechhütten errichteten, stieg die Einwohnerzahl durch Zuzug fremder Fachleute beachtlich,

Die Ilsenburger waren nun gräfliche Untertanen. Zwei alljährlich gewählte Bauerrneister überwachten die Pflichten bzw. vertraten die Rechte der Bürger. Die Industrieerzeugnisse, insbesoudere die mit künstlerischen Motiven verzierten eisernen Öfen, batten zu Ende des Janrhunderts ihren Absatz bis an die Seestädte und über Deutschlands Grenzen hinaus gefunden. Während die Hcrstellung von Messingwaren zurückging, wurden die Eisenwerke zur Haupteiunahmequelle des gräflichen Hauses. Sie wurden jeweils auf mehrere Jahre gcgcn einen Wasserzins an sachkundige Huttenherren verpachtet. Das Kloster existierte noch dem Namen nach, war aber nach 160R zurn Wohnschloß des damaligen Grafen Henrich, später seiner Witwe, geworden. Eine evangelische Klosterschute wurde noch bis 1626 unterhalten, bis im Ort ein eigenes Schulsystern auïgebaut werden konrite.

Eincn wirtschaftlichen Rückschlag verursachte natürlich der Dreißigjährige Krieg mit den ständig stergenden Kontributionen und der wechselnden Belegung durch kaiserli-

che bzw. schwedische Truppen. Das Hüttenwerk überstand die Jahre glimptlicher, da es an alle Kriegsparteien Kanonenkugeln und Schanzwcrkzeuge lietern rnußte.

Etwas glücklicher verlief für Ilsenburg das verbleibende 17. Jahrhundert. Das Schloß wurde für sechzig Jahre Residenz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode und das Hüttenwerk so bcrührnt, daß es 1697 vom russisohen Zaren Peter dem Großen besichtigt wurde. Durch das Lehensverhältnis der Grafschaft zum Königreich Preußen bestimrnte nun dessen Geschichte auch die weitere Entwieklang des Ortes. Belastungen durch die schlesischen Kriege hatten auch die hiesigen Einwohner zu tragen. Bei den inzwischen adrninistrativ geleiteren Huttenwerken wechselten Flanten mit Hochkonjunkturzeiten, wobei zu letzteren besenders neue Fertigungszweige, wie eine Draht- und Nagelfabrikation, beitrugen.

Durch den Fall Preußens 1806 gehörte Ilsenburg für kurze Zeit zum Königreich Westfalen und bildete mit benachbarten Dörfern einen eigenen Kanton im Saaledepartement. Doch die Befreiungskriege 1813/14 stellten den alten Zustand wieder her. Manche fortschrittliche Maßnahme der Fremdherrschaft, wie Gewerbefreiheit oder Wegfall der Frondienste, wurden beibehalten und gewährten dern Ort mehr Selbstverwaltung.

Hungersnöte gingen dem Revolutionsjahr 1848 voraus, wodurch auch im Ort einige Unruhc entstand. Größer waren [edoch die wirtschaftlichen Verluste durch die preußischen Kriege 1864 bzw. 1866 und den deutsch-französischen Krieg 1870/71. Auch persönliche Opfer waren zu beklagen. In der felgenden Friedenszeit wurde eine weitere Verbesscrung der Eigenständigkeit Ilscnburgs durch Verzicht des Grafen auf weitere Regierungsrechte zugunsten Preußens eingeleitet , insbesoudere durch Einführung der Kreisordnung im Jahre 1876. Der wirtschaftlichc Aufschwung Deutschlands brachte auch für den nunmehr preußischen Marktflecken eine befriedigende Entwicklung. Sowohl die gräfliche, 1890 umbenannte 'Fürst-Stolbcrg-Hütte', als auch das aus einem Privatunternehmen hervorgcgangene Kupferwerk I1-

senburg wurde zurn dominierenden. aber auch von der Konjunktur abhängigen Wirtschaftsfaktor des Hüttenortes.

Der Luftkurort. Ein anderes Gewerbe hatte inzwischen Hsenburg entdeckt, der Frerndenverkehr. Das Ilsetal, der Ilsestein, der so nahe Broeken waren schon seit dem Mirtelalter Ziele von Gelcbrten. Schriftstellern, Dichtern und Malern, in neuerer Zeit von Fotografen. Doch die schöne Urngebung als Stätte der Erholung vom Alltag wurde erst ab Mirte des 19. Jahrhunderts bekannter. Begunstigt wurde der Aufstieg zum Luftkurort durch den Rückzug der Industrie aus dem Ilsetal bzw. dem Ortsbereich und ihre Konzentratien an dessem Nordrand. In kurzer Zeit entstand eine Anzahl von Hotels, Gastwirtschaûen, Frerndenpensionen und weiteren Einrichtungen zurn Kurbetrieb, Zug um Zug folgte die Vervollkornmnung des Postwesens, Anbindung ans Eisenbahnnetz , die zentrale Versorgung mit Wasser und Elektroenergie. Doch jäh wurde diese Entwicklung durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Die Werke steltten sich auf Kriegsproduktion um. Hotels wurden Lazarette , die Bevölkerung lernte wieder Hunger und Entbehrungen kennen. Das Kriegerdenkrnal ist noch Zeuge für die herben Verluste au Menschenlebcn. Erst nach Überwindung der Inflationszeit 1923 erholte sich Ilsenburg wieder, weniger glücklich in seiner Industrie, aber hoffnungsvoll im Fremdenverkehrsgewerbe, in welehem sogar zu Ende der zwanziger Jahre von einer Blütezeit gesproehen werden kann,

Mit dern ersten Drittel des Jahrhunderts soll Iür die vorliegende Arbeit der Rückblick in die Geschichte llsenburgs abgeschlosscn sein. Er war notwendig als Hintergrund zurn besseren Verstandnis der Jolgenden Ansichten. Diese dokumentieren das Urnfeld der Einwohner ab dern letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, wo naturgemäß erst ausreichend Lichthildrnaterial zu erwarten war. Nur einige ältere , rnit Stift und Pinscl geschaffcnc Darstellungen, mit ihrern Inhalt fast unverändert in diesen Zeitabschnitt hineinragend, wurden wegen ihres historischen Wertes reproduziert eingefügt.

1. Die Gesamtansicht. So malte Georg Heinrich Crola im Jahre 1867 die Umgebung Ilsenburgs, und so liegt das inzwischen weiter herangewachsene Städtchen unter dem Broeken noch heute , dreiseitig von waldreichen Bergen eingebettet am Ausgang des lIsetais. Historische Zeugen seines in der Einleitung beschriebenen Werdeganges sind links im Bild das Schloß als Nachfolger von Burg und Kloster, davor in früherer Gestalt die Marienkirche. Weiter talaufwärts erinnert der Ilsestein an seine geschichtliche Vergangenheit. Der Hochofenteich irn Vordergrund hat längst einern Industriekomplex weichen müssen, und in der Talaue oberhalb sowie auf den beiderseitigen Wiesenhängen haben im Laufe der Zeit in autgelockcrter Bauweise die Häuser, Gärten und öffentlichen Gebäude der 7300 Einwohner ihren Platz gefunden.

2. Der Forellenteich. Als Glanzpunkt llsenburgs gilt von jeher der am Markt gelegene Forellenteich. Sein heute üblicher Name hat mit Forellenzucht nichts zu tun und ist nur vom benachharten Hotel 'Zu den Roten Forellen' (Nr. 59) entlehnt worden. Gleiches galt auch für 'Schenkenteich' abgeleitet von der vormals gräflichen Schenke. Unsicher ist dagegen noch die Deutung der ältesten Erwähnung von 1497 mit 'Huppelteich'. Weitere Bezeichnungen erklären sich durch die jeweilige Produktionsstätte , der sein Wasser dienen mußte, wie 'Draht-', 'Hammer-', oder 'Walzwerksteich'. Als am beständigstcn kann wohl der im Volksmund noch gebräuchliche Name 'Damrnteich' augcsehen werden, da der aulgeschüttete Erdwall bisher immer der Iängste und höchste Staudamm im Ortsbereich war.

3. Der historische Ortskern. Den Treffpunkt von fünf alten Straßen (Pfarr-, Mühlen-, Punier-, und Böttcherstraße mit dem Vogelgesang) zeigt das obige Bild etwa aus dem Jahre 1900. Es ist wohl die erste Straßenkreuzung in Alt-Ilsenburg. In einern Zinsregister von 1496 wird eine 'Straße längs der Ilse nach dem Gebirge zu' erwähnt, in der sich die Mühle , die Sägernühle und zehn Höfe befanden, weitere 25 Höfe in der Nachbarschaft. Straßennamen gab es noch nicht. Aber da die Hörigen des Klosters in seiner Nähe angesiedelt und sie auf das Wasser der Ilse angewiesen waren, kann die Lage der Gehöfte geländebedingt nur in der heutigen Mühlenstraße und in der nächsten Umgebung dieser Straßenkreuzung gewesen sein.

4. Die Kastanienallee. Um die Jahrhundertwende bildeten die eiruge Jahrzehnte früher gepflanzten Roßkastanien wirklich noch eine Allee. Heute sind sie bis auf wenige Exemplare dem Alter und dem gesteigerten Verkehr zum Opfer gefallen. Die rechte Bildseite zeigt ein Gast- und Logierhaus 'Zum Deutschen Kaiser", über das ein für I1senburg einmaliges Bau-Kuriosum berichtet werden kann. Es genügte 1907 wohl den gesteigerten Ansprüchen des Fremdenverkehrs nicht mehr. Eine hiesige Banfirma setzte das Fachwerkhaus auf Rollen und verschob es um 30 m in den sich anschließenden Gatten, wo es noch heute als Hinterhaus genutzt wird, Anschließend wurde an der Straßenseite wieder ein Neubau errichtet. Er erhielt nach 1918 die Bezeichnung 'Hotel Lentz'.

5. Wassergassen. Der in nebenstehender Postkarte dargestellte 'Malerische Winkel' ist eine schmale Gasse, durch die der Fußgänger schnell von der Punierstraße zum Vogelgesang gelangen kann. Es gibt im alten Ortskern noch mehrere solcher Gassen, und sie dienten ursprünglich zur Herbeischaffung von Brauchwasser aus der Ilse oder einem nahegelegenen Teich. Die notwendige Breite einer solchen Wassergasse wurde durch den Transport von zwei Eimern mittels einer Schultertrage, der sogenannten Schanne, bestimmt. Natürlich wurde bei einem Brandunglück auch das Löschwasser in Ledereimern durch die Gasse von Hand zu Hand gereicht. Daher stammt noch die plattdeutsche Bezeichnung 'Füergatze' .

6. Schloß Ilsenburg. Ein Stahlstich zeigt den Zustand des Schlosses mit den ehemaligen Klostergebäuden etwa aus dem Jahre 1850. Als Schloß gilt nur der linke Gebäudetrakt, seinerzeit von gräflichen Beamten bewohnt. In der Mitte ragt vorn verstümmelten Westwerk der sich anschließenden Klosterkirche der Südturm empor. Die Gesamtanlage wurde von 1078 bis 1087 vorn Bischof Burchhard Il. von Halberstadt anläßlich einer Erneuerung des Klosters errichtet. Die Turmhaube rnit Glockenstube stammt aus den 16. Jahrhundert. Von der südlich der Kirche befindlichen Klosterklausur aus dem 12. Jahrhundert sind nur noch Sakristei, Kapitelsaal, Dormitorium und das Refektorium erhalten. Ein Westflügel und der Kreuzgang sind nicht mehr vorhanden.

7. Der Bothobau. Nach Auflösung des Klosters dienten dessen Gebäude zur Hofhaltung der Grafen zu Stolberg, ab 1645 bis 1710 wegen der Unbewohnbarkeit ihres Wernigeröder Schlosses sogar als deren Residenz. Auch danach wurden sie von Angehörigen, verwiegend Witwen der gräflichen Familie, bewohnt. Als Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode die vormundlich geführten Regierungsgeschäfte seinem Neffen Graf Duo übergeben hatte , erwählte er sich Schloß Ilsenburg zum Wohnsitz. Dazu wurden der Nord- und der halbe Westtrakt von 1862 bis 1867 im neoromanischen Stil vollkommen erneuert. Sie wurden nunmehr mit Bothobau bezeichnet. Lediglich das im Bild links befindliche Abtshaus zeigt noch die alte Bausubstanz aus der Klosterzeit, während die Grundmauern verrnutlich noch der ehemaligen Jagdpfalz zuzurechnen sind.

8. Die Schloßkirche. Als ein hervorragendes Denkmal romanischer Baukunst im Nordharzgebiet ist die Schloß-, vormals Klosterkirche I1senburg weithin bekannt. Trotzdem das nördliche Seiten- und Querschiff sowie die Nebenchöre verschwunden sind, vermitteln das durch Treppenstufen gegliederte Langhaus und der Stützenwechsel zum südlichen Seitenschiff noch einen guten Eindruck der einstigen dreischiffigen, im Jahre 1087 geweihten Basilika. Eine ursprünglich höher gelegene Flachdecke wurde durch Gewölbe ersetzt. Das am Pfeiler befestigte Kruzifix ist eine Arbeit aus dem 13. Jahrhundert. Der barocke Hochaltar und die Kanzel stammen aus der Zeit des Schlosses als gräfliche Residenz.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek