Jessen in alten Ansichten Band 1

Jessen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5548-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

'Ein Bild sagt mehr als tausend Worte' - so ein chinesisches Sprichwort.

'Die Anschauung ist das absolute Fundament aller Erkenntnis' - so der Pädagoge und der Psychologe.

'Ich glaube nur das, was ich sehe' - so der Volksmund.

Von der Wahrheit beseelt, die in diesen und vielen anderen Sprüchen und Aussprüchen enthalten ist, haben Verlag und Verfasser diesen kleinen Band zusammengestellt. Ein Rückblick soll es sein in eine Zeit, in der es vieles, was es heute gibt, noch nicht gab, und manches, was es heute (längst) nicht mehr gibt, noch gab.

Unser Anliegen besteht darin, Impressionen vom Aussehen unserer Stadt und von der Lebensweise ihrer Bewohner vom letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu vermitteln. Aus einer Vielzahl vorhandener Abbildungen aus 'Großvaters Zeiten' wurden die aussagekräftigsten ausgewählt und beschrieben, wobei in der Regel nur der Zustand berücksichtigt wurde, in dem sich das Dargestellte zum angegebenen Zeitpunkt befand.

'Ort der Handlung' ist die Stadt Jessen, die im Jahr der Herausgabe dieses Bandes etwa 7 000 Einwohner zählt. Um eine 'Kleinstadt' handelt es sich also, die nicht in jedem Schulatlas zu finden ist, Dem Ortsfremden sei geraten, nach der nächstgelegenen größeren, bekannteren Stadt zu fragen, und dabei wird ihm immer wieder zuerst Wittenberg genannt werden. Sagen wir es genau: Jessen liegt 25 km ostsüdöstlich von Lutherstadt Wittenberg. und zwar an der Bundesstraße 187, an der Schwarzen Elster

und an der Bahnlinie Wittenberg-Palkenberg. die nach neuester Kennzeichnung die Nummer 216 erhielt.

Da über den Zeitpunkt der Begründung des Ortes und auch über die Herkunft des Namens keine verläßlichen Fakten bekannt sind, wollen wir uns zunächst der historisch belegten staatlichen Zugehörigkeit unseres Ortes und seines Umlandes im Laufe der Jahrhunderte zuwenden.

Der Anfang der deutschen Geschichte der Stadt Jessen konzentriert sich vermutlich um das Schloß, das im 12. Jahrhundert auf einem künstlich aufgeworfenen Wall in einem Sumpfgebiet errichtet wurde. Die Westslawen, die unser Gebiet vom 7. bis zum 12. Jahrhundert bewohnt hatten, waren durch die Ostexpansion der deutschen Kaiser unterworfen, tributpflichtig gemacht und in der Folgezeit ausgerottet oder nach Osten vertrieben worden. Als erste Landesherren werden die Grafen von Brehna genannt (12./13. Jahrhundert), ab 1317 die Askanier. Seit 1423 gehörte Jessen zum Kurfürstentum Sachsen. Das im Jahre 1806 Königreich gewordene Sachsen - dafür mußte es Napoleon Heeresfolge leisten - verlor durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses erhebliche Teile seines Territoriums, so auch unser Gebiet zwischen Torgau und Jüterbog. Seit 1816 gehörte Jessen zum Kreis Schweinitz in der preußischen Provinz Sachsen, aus der nach 1945 das Land Sachsen-Anhalt der sowjetischen Besatzungszone hervorging.

Im Zuge der 1952 in der DDR durchgeführten Verwaltungsreform wurde Jessen Kreisstadt; es erfolgte die Zuordnung zum Bezirk Cottbus. 1990 entschieden sich die

Bewohner des Kreises Jessen für die Wiederzugehörigkeit zum Lande Sachsen-Anhalt.

Unser 1358 durch Siegelinschrift erstmals als Stadt ausgewiesener Ort hatte im Mittelalter unter den 'Geißeln der Menschheit' schwer zu leiden. In den Jahren 1577 und 1585 wurden Hunderte von Einwohnern Opfer der Pest. Irn Dreißigjährigen Krieg wurde die Bevölkerung stark dezimiert.1631, 1637 und 1646 brandschatzten die Schweden in Jessen: die Pest wütete wiederum. Große Feuersbrünste werden aus den Jahren 1672, 1729, 1732 und 1831 gemeldet. Von Hochwasserkatastrophen wurde die Stadt in den Jahren 1836, 1861, 1890 und 1926 betroffen.

Der materielle Schaden, der durch den Zweiten Weltkrieg in Jessen hervorgerufen wurde, war glücklicherweise gering. Durch Fliegereinwirkung wurde lediglich ein Haus in der Weberstraße zerstört. Unmittelbar vor dem Einmarsch der Sowjettruppen am 22. April 1945 wurde die EIsterbrücke von den abziehenden Truppen der HitlerWehrmacht in sinnloser Weise gesprengt, die Eisenbahnbrücke durch Sprengung beschädigt.

Die Rote Armee belegte bis zum Abzug ihrer Jessener Garnison am 26. September 1991 das gesamte große Areal der Fuhrmannschen Fabrik zwischen Bahnhof- und Rehainer Straße, alle Wohnhäuser in der Bahnhofstraße und einige Häuser am Ausgang der Wittenberger Straße.

Die wirtschaftliche Bedeutung Jessens war schon im Mittelalter sehr groß. Das relativ große Hinterland der Stadt verlangte und gestattete eine rege Markt- und Handelstätigkeit. Besonders stark vertreten waren das Brauereigewerbe (1729 wurde in zwanzig Häusern Bier gebraut) und

die Tuchmacherei (1725 mehr als siebzig Tuchmacher). Weithin bekannt wurde Jessen jedoch durch den Weinbau, der hier auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Nur von der Landwirtschaft lebten lediglich einige Familien. Es handelte sich dabei in der Mehrzahl um Ochsenbauern. Jessen war vielmehr ein Ackerbürgerstädtchen, in dem die Handwerker den Hauptteil der Bevölkerung ausmachten (1853: vierzig Handwerksmeister, unter anderen Färber, Gerber, Radmacher, Nagelschmiede, Siebmacher und Strumpfwirker). Da Handwerk und Gewerbe in der Regel nicht den Lebensunterhalt sichern konnten, wurde nebenbei noch etwas Landwirtschaft betrieben; daher der Name Ackerbürger.

Nach Fertigstellung der Bahnlinie Wittenberg-Falkenberg (1875) erlebte Jessen einen merklichen wirtschaftlichen Aufschwung.

Die zunehmende Industrialisierung im Raum Wittenberg veranlaßte viele Jessener aber auch, ihren Broterwerb außerhalb der Stadt zu suchen (besonders im Stickstoffwerk Piesteritz).

Nachdem Jessen bereits in den Jahrzehnten der Planwirtschaft eine relativ günstige Entwicklung auf dern Weg von einem Ackerbürgerstädtchen zu einem Wirtschafts- und Verwaltungszentrum erfahren hatte, ist unserer kleinen Stadt zu wünschen, daß sie sich auch unter den Bedingungen der sozialen Marktwirtschaft allseitig weiterentwikkelt.

Jessen, im November 1992

Paul Träger

1. Dieses Gemälde wurde im Jahre 1935 für den Kassenraum des seinerzeit neu erbauten Sparkassengebäudes am Marktplatz geschaffen. Als Vorlage diente dabei die Federzeichnung 'Jessen 1621' des 'Chursächsischen Ingenieurs und Geographen' Wilhelm Dilich, der sich während des Dreißigjährigen Krieges auch als Zeichner von Stadtsilhouetten betätigte. Obwohl es sich hierbei um eine freie, stilisierte Darstellung handelt, wird der Nachwelt doch auf diese Weise eine ungefähre Vorstellungvom Aussehen Jessens zu Beginn des 17. Jahrhunderts vermittelt. Mehrere Stadtbrände, besonders die der Jahre 1646 und 1729, zerstörten die Silhouette der Stadt in der Folgezeit nachhaltig.

2. lessen um 1880. ImJahre 1880schufder Jessener TischIer Otto Haferkorn ein Stadtmodell. Auf einer Holzplatte von 105 cm Länge und 85 cm Breite wurde von ihm das gesamte zur damaligen Zeit bebaute Stadtgebiet dargestellt, und zwar jedes Gebäude im Miniaturformat in einer Höhe von 8 bis 12 mm, dazu Wasserläufe, Gehölze usw. in naturgetreuer Nachbildung. Dieses kulturhistorisch äußerst wertvolle Modell, das glücklicherweise einst mit Bild, Dia und Film dokurnentiert worden war, wurde im Mai 1993 in beschädigtern Zustand wieder aufgefunden und befindet sich seitdem in der Obhut der Jessener Stadtverwaltung.

3. Stadtkern um 1930. Diese Luftbildaufnahme zeigt die Veränderungen gegenüber dem Zustand von 1880 (Bild 2): den veränderten Lauf der Schwarzen Elster unterhalb (links) der Brücke; vor der Mitte der zwanziger Jahre durchgeführten Elsterregulierung befand sich dort noch die Stadtmühle mit einem Wehr; die Lindenstraße (Allee rechts im Bild deutlich zu erkennen), wo sich 1880 noch der von einem Abflußgraben durchflossene 'Alte Hof' befand; die Weiterführung der Stadtbebauung im Bereich der Wittenberger Vorstadt (Bildoberteil). Im Zeitraum von 1880 bis 1930 hatte sich Jessen nach Süden (jenseits der Elster) und nach Norden (jenseits der Bahnlinie) bereits erheblich erweitert. Dies wird auch durch die ansteigenden Einwohnerzahlen belegt: 1875: 2 397; 1900: 2 673; 1938: 4 224.

4. Um die Jahrhundertwende wurden Ansichtspostkarten herausgegeben, die von Künstlern nach fotografischen Vorlagen nachgezeichnet worden waren und dann schwarz-weiß oder koloriert gedruckt wurden. Da bis zum Jahre 1905 in Deutschland der Vorderteil der Postkarte nur für die Anschrift bestimmt war, mußte die Rückseite (der Bildteil) so gestaltet werden, daß der Absender dort seine Mitteilungen unterbringen konnte. Unverkennbar ist der Jugendstilcharakter dieser Karte, in der als dritte Dominante neben Kirche und Schloß die Windmühle hervorgehoben wurde.

5. Diese Ansichtspostkarte stammt aus dem Jahre 1910. Zujener Zeit war zwar als Textfeld bereits die linke Hälfte der Anschriftenseite amtlicherseits freigegeben, doch entsprechend alter Gewohnheit wurden abschließende Grüße noch auf dem Bildteil vermerkt. Erstmals erscheinen auf dieser in Fachkreisen ('Philokartisten') 'Potpourri-Karte' genarmten Grußkarte aus Jessen eine Gaststätte der Jessener Berge, das We in- und Café-Restaurant 'Erdmannshöhe, sowie die Fuhrmannsche Blechwarenfabrik, die sich bis zu dieser Zeit bereits zu ansehnlicher Größe entwiekelt hatte.

Jessen von der .Bahn aus

6. Bliek vom Bahndamm über den Baderhag zur Stadt um 1900. Zu dieser Zeit befand sich auf dem zum Baderhag hin gelegenen Schloßgelände noch das Kuhrmannsche Sägewerk, das im Jahre 1919 in die Alte Schweinitzer Straße verlegt wurde.

7. Schloß als Tuchfabrik (um 1880). Das Jessener Schloß wurde vermutlich im 12. Jahrhundert auf einem künstlich aufgeworfenen Erdwall errichtet, dessen Ursprung schon in der Slawenzeit (7.-12. Jahrhundert) zu suchen sein dürfte. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte es häufig seine Besitzer. In seinen Mauern lebten Grafen, Fürstenwitwen und verschiedene adelige Herren. 1862 erwarben die Gebrüder Raschig das Gebäude. Sie ließen den Vorgraben zuschütten, bauten ein Kessel- und Maschinenhaus mit Schornstein, stellten mechanische Webstühle und Spinnmaschinen auf und nutzten in der Folgezeit das Gebäude als Tuchfabrik.

8. Schloß um 1930. Nachdem die Tuchfabrik im Jahre 1870 abgebrannt war, wurde in dem heute noch vorhandenen drcistöckigen Flügel die Tuchherstellung bis 1885 weiter betrieben. Danach wurden Wände in die Spinnsäle eingezogen und Wohnungen eingerichtet. Nach 1888 wurde an der Außenseite des Nordflügels auf einem Pfahlrost der achteckige Turm errichtet, der zusarnrnen mit dem Kirchturm noch heute die Dominante der Altstadt bilder.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek