Jessen in alten Ansichten Band 2

Jessen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6239-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

Unsere kleine Stadt - seit 1. Juli 1994 ihrerWürde und Funktion als Kreisstadt ledig - hat nach der Wende von 1989/90 eine Entwicklung erfahren, die von Kennern der Geschichte unseres Städtchens als einmalig bezeichnet werden dürfte. Diese Feststellung bezieht sich zuallererst auf das gesamte Baugeschehen im Bereich der Altstadt. Altvertraute Bilder von Straßen, Gebäuden und anderen Objekten sind innerhalb kurzer Zeit zu 'alten Ansichten' geworden. Jahrhundertelang als unwegsam geltende Wohnbereiche wie die Lorenzstraße, der Beerenwinkel oder das Höfchen erhielten erstmals eine feste Straßendecke. In fast allen anderen Straßen der Innenstadt wurden die Beläge erneuert, wobei Versorgungsleitungen aller Art mit eingebracht wurden. Marode Wohn- und Geschäftshäuser, vor allem in der Langen Straße und am Markt, wurden abgerissen und durch Bauten ersetzt, die in ihrer Ausstattung hóchsten Ansprüchen gerecht werden und die, immer in Übereinstimmung mit den Forderungen der Denkmalpflege, in der Passaden- und Dachgestaltung für unsere Stadt neue Akzente gesetzt haben. All das ermutigte uns, der Anregung des Verlages Europäische Bibliothek zu folgen, einen Band 2 der' alten Ansichten' zu erarbeiten. Wir betrachten es als unsere ureigenste Aufgabe, angesichts des vielen Neuen und Modernen in Wort und Bild für die Nachwelt festzuhalten, welche Verhältuisse auf wichtigen Lebensgebieten in der überschaubaren Vergangenheit unserer Stadt bestanden. Dabei wollen wir - was im Rahmen dieser Buchreihe eigentlich nicht üblich ist - den zeitlichen Rahmen bis in die jüngste Vergangenheit ausweiten, denn Ansichten wie 'HO-Geschäft' und solche von anderen DDR-typischen Einrichtungen gehören, wie das Staatswesen selbst, inzwischen der Geschichte an. Auch einige historische Vorgänge der Nachkriegszeit sollen hier festgehalten werden, soweit wir sie mit Bildern belegen können, wie zum Beispiel die Ereignisse vom 17. Juni 1953 in [essen.

Wir nutzen diesen zweiten Band schließlich auch, um den Begriff

'Ackerbürger' , der in der Vergangenheit zur Charakterisierung unseres Städtchens verwandt wurde, in Wort und Bild zu vertiefen, indem wir an einigen typischen Beispielen sein Wesen konkret machen und dabei nachweisen können, daß diese Art Bürger in unserer Stadt erst Iahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ausgestorben ist.

Ermutigung zur Erarbeitung dieses zweiten Bandes gab uns natürlich auch die erfreuliche Tatsache, daß unser erster Band ob seiner kulturwie stadtgeschichtlichen Aussagekraft viele Interessenten fand und relativ schnell vergriffen war. Dies traf auch für die im Iahre 1994 vom Verlag besorgte Nachauflage zu. Dem Verfasser gingen in der Zwischenzeit neben vielen Bekundungen der Anerkennung auch eine Fülle von Anregungen zu. Dafür sei an dieser Stelle herzlich gedankt. In diesen Dank eingeschlossen sollen auch und besonders alle jene Bûrgerinnen und Bürger unserer Stadt sein, die dem Verfasser auf dessen Bitte hin alte Ansichten vertrauensvoll zur Verfügung stelltcn, gut Hilfe beim Recherchieren der verschiedenartigsten Fakten leisreten und mehrmals Besuche ader Telefonanrufe zwecks notwendiger Nachfragen geduldig über sich ergehen ließen.

Mehrere Paktoren wirkten sich erschwerend auf die gesamte Forschungsarbeit aus. An erster Stelle sei hierzu die' deutsche Misere des 20. Iahrhunderts' genannt, womit wir die beiden Weltkriege und die (vier!) 'Wenden' in der jüngsten Geschichte unseresVaterlandes meinen. Bei jedem dieser historischen 'Brûche' gingen nicht nur Ersparnisse der einfachen Bürger' den Bach hinunter' , sondern es wurden auch vielerlei Dokumente vernichtet, die in der jeweils nachfolgenden Staatsform entweder ' gef<ihrlich' sein korinren oder als nicht mehr wesentlich angesehen wurden, da ja 'nun eine neue Zeit' anbräche. Diese Umstände führten zu einer erheblich erschwerten Nachweislage. Allgemein ist ein Mangel an Kontinuität festzusrellen. Unter den vielen Kriegsgefallenen unserer Stadt (die Zahl der Opfer des Zweiten Weltkrieges ist nicht einmal bekannt!) belanden sich vielfach auch die

Söhne von Geschäftsleuten, Handwerkern und Landwirten. die einmal das väterliche Unternehmen hätten weiterführen sollen. So ist in unserer Stadt zu verzeichnen, daß nur wenige handwerkliche und gewerbliche Einrichtungen die Zeit von der letzten Jahrhundertwende bis zur kurz bevorstehenden [ahrtausendwende durchgängig im Familienbesitz überstanden haben. Die hinter uns liegenden jahrzehnte der Planwirtschaft hatten natürlich auch einen gehörtigenAnteil daran. Eine noch gravierendere Kalamität ist auf dem Gebiet des Vereinswesens zu verzeiclmen. Hier ist es lediglich die Freiwillige Feuerwehr unserer Stadt, die sich ohne Änderung von Namen und Struktur und auch ohne zeit- wie systembedingte Zwangspausen von 1894 an ihres Daseins rühmen kann. Von vielen Vereinigungen, die in der Vergangenheit in Jessen einmal existierten, gibt es weder Fotos noch Vereinsakten. Vorhandenen Abbildungen aller Art, das sei bei dieser Gelegenheit einmal kritisch vermerkt, fehlt oft jeglicher Hinweis auf das Datum der Aufnahme und auf die Namen der abgebildeten Personen; dies hat unsere Arbeit in einigen Fällen erheblich erschwert. Abschließend noch ein Wort zum Stadtarchiv, der eigentlich wichtigsten, weil verläßlichsten Quelle, aus der ein Heimatforscher schöpfen kann. Nicht so jedoch in Jessen! Beim großen Stadtbrand von 1729 fiel auch das gesamte Ratsarchiv den Flammen zum Opfer. Die danach angelegtenAkten wurden mustergültig archiviert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem wertvollen Gut in geradezu sträflicherWeise umgegangen. AufAnweisungen 'von oben' erfolgten Aussonderungen oder gar Vernichtung bestimmter Akten und auch illegale Entnahme. Beim Umzug der Stadtverwaltung (das Rathans wurde 1949 Schule!) traten weitere Verluste ein, und jegliche Ordnung ging dabei verloren. Seit der Neustrukturierung der Stadtverwaltung nach der Wende ist eine Archivkraft damit beschäftigt, die verbliebenen Akten zu erfassen und zu ordnen sowie das Archiv weiterzuführen.

Indem wir Sie, lieber Leser, einmal konzentriert auf einige Probleme

im Zusammenhang mit der Stadtgeschichtsforschung hingewiesen haben, möchten wir die Bitte aussprechen, mit den noch vorhandenen Sachzeugen derVergangenheit sorgsam umzugehen. Des weiteren bitten wir Sie um Verständnis dafür, daß wir uns in den Erläuterungen zu den Bildern auf das Wesentliche beschränken mußten. Wir betrachten die in unseren beiden Bänden vermittelten Fakten vor allem auch als Anregung und Ausgangspunkt für weitere stadtgeschichtliche Forschungen. Bezüglich der unzureichenden Qualität einzelner Abbildungen gehen Sie sicher mit uns konform, wenn wir der Bildaussage den Vorrang einräumen.

Und nun wünsche ich Ihnen, lieber Leser, viel Vergnügen und Erbauung bei unserem fiktiven Rundgang durch das alte Iessen, auf dem wir so manchem 'ahlen Iessener' begegnen werden.

jessen. im März 1996, Paul Träger

Dieses Foto aus den dreißiger Iahren ist eine wertvolle Ergänzung zu den Abbildungen 2 und 3 in unserem ersten Band. Es verdeutlicht in besonderem Maße den für die Stadtentwicklung ausschlaggebenden Einfluß des Elsterlaufes sowie des sumpfigen Terrains um Schloß und Friedhof: im Altstadtbereich war und ist keine Erweiterung möglich. Jessen dehnte sich nach der [ahrhundertwende nach Norden und nach Süden aus, Es entstanden praktisch drei klar voneinander (durch Ei~enbahnstrecke im Norden und Elsterfluß im Süden) getre.nnte Stadtteile. Die Entfer111 mg vorn ersten Jessener

Wohnhaus am 'Grenzweg' bis zum letzten in der Gerbisbacher Straße beträgt 4,5 km.

2 Vom Schützenhaus her, wo die Landstraßen aus den NachbarortenAnnaburg, Gerbisbach und Grabo einrnûnden, gelangte man früher über diese Straße und die alte Elsterbrücke zum Südeingang des Stadtkerns. Unser Bild zeigt den Zustand um 1890. Im Oktober 1895 erhielt dieser Abschnitt erstmals eine Pflasterdecke; sie wurde später überteert. Im [ahre 1954 war diese vielbefahrene Straße so marode geworden, daß eine erneute Pflasterung notwendig wurde (s. Bild 6).

Jessen

3 Diese Aufnahme aus dem Iahre 1942 verdeutlicht die Beschaffenheit der damals sechzig [ahre alten Elsterbrükke: Holzbohlenbelag, geringe Breite, kein gesonderter Fußgängersteg. Sie ist gleichzeitig ein wertvolles Dokument über den Verkehr zu [ener Zeit, in der Motorrad, PKV, LKW und Bus hierzulande noch zu den Seltenheiten gehorten. pferde-, Kuh- und Ochsengespanne der Jessener Landwirte und Ackerbürger sowie der Bauern aus den nahegelegenen Dörfern der Elbaue waren die schwergewichtig sten Benutzer dieser Brücke (s. auch Band 1/49).

4 In dem außergewöhnlich kalten Winter 1 939/40 war die Elster tief zugefroren. Das bei der Schneeschmelze eintretende Hochwasser verursachte im Zusammenwirken mit starkern Eisgang im Frûhjahr 1940 für die Brücke eine bedrohliche Situation, die durch Sprengung der mächtigen Eisdecke beseitigt werden konnte. In der Nahaufnahme sind die kunstvoll gestalteten Säulen über dem Mittelpfeiler gut zu erkennen.

5 Nach der kurz vor dem Eimnarsch der Sowjettruppen am 22.April1945 erfolgten Sprengung der Elsterbrücke wurde durch den [essener Holzverarbeitungsbetrieb von Bernhard Kuhrmann zunächst eine Notbrücke gebaut. In der Zeit vom 6. Juni bis zum 6. November 1945 erfolgte, ebenfalls durch die Firma Kuhrmann, der Bau einer Behelfsbrücke, die nach ihrer Fertigstellung mit dem hier wiedergegebenen Foto dokumentiert wurde. Sie bestand vollkommen aus Holz. Während die alte Brücke auf nur einem pfeiler geruht hatte, mußten für die Behelfsbrücke zwei weitere pfeiler errichtet werden (s. Bild 7).

6 Im [ahre 1954 wurde die Straße zur Elsterbrücke neu gepflastert. Eine während dieser Arbeiten entstandeneAufnahme dokumentiert nicht nur die Straßenbautechnik hierzularide in der Mitte des 20. [ahrhunderts: sie ist auch ein bildlicher Beleg vom Aussehen eines der "Iriumphtore', die nach dem Kriegsende 1945 an den drei Stadteingängen (Elsterbrûcke, RosaLuxemburg-Straße, Rehainer Straße) errichtet worden waren. Die Inschrift am Brükkentor lautete: Von jetzt an wird über Europa das große Banner der Preiheit und des Friedens zwischen den Völkern wehen, Stalin. Unmittelbar vor der Brücke standen seinerzeit drei Schilder mit folgenden, ebenfalls zeittypi-

sehen Aufschriften: 9 to Schritt fahren / Achtung! Entleerung von Gasgeneratoren auf der HolzbTÜcke wegen Feuergefahr verba ten/ Unter dem Ortsschild am dritten Baum vor der Brücke war der Name unserer Stadt in russi-

scher Schreibweise angebracht: ECCEN.

7 Die im jahre 1945 errichtete Behelfsbrücke (s. Bild 5) war dem stetig steigenden Verkehr bald nicht mehr gewachsen. Der notwendig gewordene Neubau einer Elsterbrücke wurde mit dem ebenso dringend erforderlichen Bau einer Umgehungsstraße verbunden (Baubeginn [anuar 1963). Die Behelfsbrücke mußte schließlich aus sicherheitstechnischen Gründen halbseitig gesperrt werden, wie unser Foto vom Februar 1964 ausweist. Zeittypisch die Verkehrsregelung: roti grün wurde mittels einer Scheibe von Hand angezeigt, und zwar von der in der Mitte der Brücke installierten kleinen Holzbude aus, die dem 'Ampelmann' Sitz- und Un-

terstellmäglichkeit bot und im Winter mit einern kleinen Holzkohleofen ausgestattet

war.

8 Die Lange Straße in ihrem wohl ältesten 'Konterfei'. Diese Aufnahme entstand im letzten Iahrzehnt des 19. [ahrhunderts. Welch eine Entwicklung har diese Straße in dern darauffolgendenJahrhundert genommen! Sie wurde zur Hauptgeschäftsstraße und war bis zum Zweiten Weltkrieg auch die 'Paradestraße' unseres Elsterstädtchens. Höhepunkte wie Schützenfeste, Fahnenweihen, Kinderfeste sowie Veranstaltungen von Sport- und anderen Vereinen begannen gewöhnlich auf dem geräumigen Marktplatz mit Begrüßungs- und Festansprachen, und danach setzten sich die Festzüge unter Vorantritt von Spielmarmszug. Stadtkapelle

und Fahnenblock über die festlich geschmückte Lange Straße in Richtung Schutzenhaus, Schulfestplatz oder 'städtischen Turnplatz' in Bewegung. Das Titelbild unseres zweiten Bandes vom Aus-

marsch zum 25jährigen Fahnenjubiläum des Männerturnvereins im Iahre 1908 sowie Bild 63 im ersten Band vom Schulfest 191 3 legen beredtes Zeugnis davon ab.

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