Jessen in alten Ansichten Band 3

Jessen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Paul Träger
Gemeente
:   Jessen
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6589-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Jessen in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nun ist noch ein dritter Band mit alten Jessener Ansichten entstanden, wo doch ursprünglich - im November 1992 - nicht einmal ein zweiter' angedacht' worden war! Im Laufe der seit Herausgabe des ersten Bandes vergangenen Jahre habe ich die Zusammensetzung meiner 'Lesergemeinde' aufmerksam studiert und gründlich analysiert - eine interessante Beschäftigung mit aufschlußreichen Ergebnissen, die hier allerdings nicht preisgegeben werden können. Einige Schlußfolgerungen daraus sind jedoch offensichtlich, als da sind: die vertrauliche Anrede 'Liebe .. .', die Verwendung der Ich-Form und schließlich der lockere 'Plaudertori' , dessen ich mich diesmal bediene, etwa so, wie ich es einstens in zahlreichen meiner Lichtbildervorträge (mit einigem Erfolg) praktiziert habe.

Und noch eines sei vorab betont: dieser Band trägt an vielen Stellen autobiographische Züge. Als Angehöriger des Geburtsjahrganges 1924 zähle ich schließlich zu jener Generation deutscher Männer, die 'schuldlos schuldig geworden' ist; bei Machtantritt des braunen Diktators mal gerade achteinvierteljährig - im Oktober 1942 achtzehnjährig zur Teilnahme an dem bisher schrecklichsten V ölkermorden zur Wehrmacht eingerückt. Kann man es mir da verdenken, so frage ich Sie, daß ich das Wort' Ansicht' in seiner Bedeutung 'Meinung', 'Auffassung' einmal untersuche, und zwar bezogen auf ALTE ANSICHTEN der Menschen in meiner Heimatstadt und ihrer Umgebung? (Zur Kennzeichnung der semantischen Variante bediene ich mich in diesem Band jeweils des KARDINALBUCHSTABENS) .

Wird man es einem 'mehrzeitig Aufgewachsenen' und nun in der 'Diktatur des Geldes' Altwerdenden verübeln, daß er nach den Ursachen für das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte auch im örtlichen Bereich forschte, dabei fündig wurde und nun mit beweiskräftigen Fakten auf seine Weise an die Öffentlichkeit tritt?

Die sogenannte Heimatgeschichtsforschung sollte sich meiner AN-

SICHT nach viel mehr diesem Kardinalproblem widmen. Dabei müßte man zurückgehen bis zum 18. Ianuar 187 1. An diesem Tag wurde im Spiegelsaal des Schlosses zu VersailIes der Grundstein gelegt für alles Weitere; so meine ANSICHT! Wie in den darauffolgenden Jahrzehnten die Menschen auch in unserer engeren Heimat manipuliert wurden und sich manipulieren ließen (!), das muß gemäß der historischen Wahrheit im Interesse der nachfolgenden Generationen schonungslos aufgedeckt und publik gemacht werden. Ansätze dazu werden Sie an einigen Stellen dieses Bandes finden.

Sicher sind Sie mit mir einer ANSICHT, daß am Ende des zweiten Jahrtausends die Frage nach dem bisher größten Sohn unserer Stadt gestellt werden sollte. Das muß eine Persönlichkeit sein, die in Jessen geboren wurde, in unserer Stadt und zu ihrem Wohle entscheidend gewirkt hat und auch hier bestattet wurde. Welcher ANSICHT sind Sie? Meine Antwort ist aus den Seiten 1 bis 2 1 unschwer herauszulesen. Vielleicht tei1en Oberhaupt wie gewählte Vertreter unserer Stadt meine ANSICHT, dieser Persönlichkeit (endlich einmal) in besonderer Weise zu gedenken.

Eine weitere ANSICHT sei der heimischen Mundart gewidmet. Indem ich mundartliche Ausdrücke bei passender Gelegenheit verwende und erläutere, möchte ich auf die kulturhistorische Bedeutung unserer von derWissenschaft als das 'Dessau-Herzbergische' bezeichneten Mundart hinweisen. Einen ausführlichen Beitrag dazu finden Sie im Heimatkalender für den Kreis Jessen 1957. Nachdem unsere Stadt per 1. Ianuar 1999 zur flächenmäßig größten Stadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt geworden ist, kann man das Stadtoberhaupt auch als 'Herrscher über zwei Sprachvölker' bezeichnen, denn eine wichtige Sprachgrenze, die 'Ick/Ich-Linie', verläuft nunmehr durch unser Stadtgebiet! Den genauen Grenzverlauf finden Sie auf Seite 40 im Heimatkalender 1957. Am Rande sei dazu angemerkt, daß es allgemein schwierig ist, Mundart in schriftlicher Form wiederzugeben. Der Sprachwissenschaftler

kennt für jeden Laut ein besonderes Zeichen. Diese 'Lautschrift' kann ich hier natürlich nicht verwenden, und so ergeben sich oft 'unansehn liche Gebilde', denken Sie nur an den 'ahlen Jessner', 'Aaler' wäre noch fürchterlicher! Doch da gibt es in unserer Mundart sogar einen Laut, der in der Hochsprache überhaupt nicht vorkommt und laienhaft nur mit ' oa' wiedergegeben werden kann. Da wird 'sagen' in der Mundart zu 'soan' , 'Grabo' zu '[roawe'. Der mundartliche Anfangsbuchstabe unseres Nachbardorfes wirft ein weiteres Problem auf: ist das nun ein gesprochenes T oder ein 'eh'? Doch das 'eh' hat ja drei Sprachlaute! ('Ach, ich Ochse!'). Probleme über Probleme! Doch nun genug dieser Betrachtungen. Vielleicht habe ich Sie mit diesen Beispielen angeregt, sich einmal näher mit unserer Mundart (oder mit Sprache überhaupt) zu befassen.

Anregungen zu vermitteln ist bekanntlich eines der Ziele meiner Arbeit an den drei Bänden, gestattet doch der eng begrenzte Raum keine ausführlichen Darlegungen zu den einzelnen Sachverhalten. Um Ihnen bei einer möglichen Beschäftigung auf diesem Gebiet die Arbeit zu erleichtern, habe ich dem dritten Band ein Sachregister angefügt. Mein Bestreben war es, nicht nur schlechthin 'Bildbände' zu schaffen, sondern 'reich illustrierte kleine Geschichtsbücher'. So habe ich versucht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit ortsgeschichtliche Fakten 'unter zubringen'. Beispiele dafür sind die Sache mit den Ziegen (15) und die Zahlen über die pferde (61). All diese und die vielen anderen Fakten sind Ergebnis einer zeit- und kraftaufwendigen jahrzehntelangen Forschungsarbeit. Da ich sie hier 'am geeignetsten Platz' weiß, stelle ich sie gern zur Verfügung. Dasselbe gilt für die Originalfotos, von denen ich eine ganze Reihe als mein 'fotografischesTafelsilber' bezeichnen möchte.

Auf die besonderen Schwierigkeiten bei der Erforschung der Ortsgeschichte habe ich bereits im Vorwort zum zweiten Band hingewiesen. Die Anfang Juni 1999 erfolgte Verlegung der Stadtverwaltung in das

von Grund aufrenovierte Schloßgebäude gibt mirVeranlassung, hinsichtlich der Rettung der Reste des einst mustergültigen Stadtarchivs bestimmte Hoffnungen und Erwartungen zu äußern, so daß jemand, der möglicherweise am Endes des 21. Jahrhunderts Bände über die (dann alten) Ansichten unserer Stadt publizieren möchte, auf soliderem Fundament bauen kann als ich es konnte.

Nach Beendigung meiner Arbeit an den drei Bänden ist es mir ein großes Bedürfnis, mich bei denen ganz herzlich zu bedanken, die mir wertvolles Quellen- und Bildmaterial vertrauensvoll zur Verfügung gestellt haben, insbesondere bei den Herren Hartmut Fuhrmann, Enkelsohn des Gründers der Firma 'G. Euhnnann's Sohn', und Dietrich Biehl, Enkelsohn des Begründers der Lokalzeitung 'Wochen- und Anzeigeblart' /'Jessener Zeitung'. Mein inniger Dank gilt ferner allen, die mir sachdienliche Auskünfte zu wichtigen Detailfragen gaben oder bei der Bewältigung typographischer Probleme halfen.

Und schließlich danke ich auch Ihnen, die Sie treu zu der kleinen, jedoch äußerst aufgeschlossenen 'Lesergemeinde' stehen und diese Bücher erworben haben, die weder mit Hilfe von Inseraten noch durch 'Stûtzerr' von irgendwoher 'verbilligt' worden sind.

Ich wünsche Ihnen

sowie meiner Heimatstadt und allen ihren Bewohnern eine gedeihliche, friedvolle Zukunft im 21. Jahrhundert.

Jessen, Sommer 1999 Ihr Paul Träger

1 'Große Söhne' - und natürlich auch Töchter - gereichen jedem Gemeinwesen zu Ruhm undAnsehen und steigern seinen Bekanntheitsgrad. Am Anfang dieses dritten Bandes möchte ich den allgemein als 'großen Sohn der Stadt [essen' bezeichneten Karl Lamprecht (s. 1/16 und 2/67) besonders würdigen, fand doch sein Name zu meinem größten Erstaunen bei der 1996 neu herausgegebenenAusgabe ' ... in einem Band' des wohl ältesten deutschen Konversationslexikons keinerlei Erwähnung (!).

Es mag vermessen erscheinen, Lamprechts Bedeutung für die deutsche Geschichtswissenschaft in wenigen Worten zusammenfassen zu wollen. Ich versuche es trotzdem - in der kühnen Annahme, das Wesentliche einigermaßen zu erfassen: Nach Lamprecht hat es keinen Sinn, politische Ge-

schichte (die beinhaltete seinerzeit im wesentlichen die Abfolge von Herrscherhäusern und von Kriegen) von Kulturgeschichte zu trennen, denn diese schließe alles ein, was in einer Zeit geschieht. Lamprecht löste mit seinen neuartigen, unorthodoxen ANSICHTEN einen heftigen Methodenstreit in der deutsc hen Geschichtswissenschaft des ausgehenden 19. [ahrhunderts aus. Ein 'großer Anreger' gewesen zu sein darin dürfte Lamprechts bleibendes Verdienst bestehen.

2 Zu der Zeit, als Karl Lamprecht im pfarrhaus am Kirchplatz das Licht der Welt erblickte, wuchs im Elsterstädtchen ein Knabe heran, der ebenfalls ein großer Sohn unserer kleinen Stadt werden sollte: Hermann Fuhrmann, Sohn des Klempnermeisters Gottlob Fuhrmann 'allhier'. Das Foto zeigt Hermann Fuhrmann in bereits vorgeschrittenemAlter. Die intensive Beschäftigung mit der Geschichte des von ihm begründeten Betriebes und die Erkenntnisse, die ich dabei gewonnen habe, veranlassen mich, dem Thema Fuhrmann einige Seiten dieses Bandes zu widmen.

Hier zunächst erste biographische Fakten: geboren am

2 1. Mai 1846 als ältester Sohn eines Klempnermeisters (s.o.); das Stammhaus der Familie dürfte in der Wittenberger Straße (heute Nr. 19/21)

zu suchen sein. Hermann Fuhrmann besuchte die städtische Volksschule, die seinerzeit zwei Elementarklassen hatte mit Schülerzahlen, die vielfach über 70 hinausgingen (!). Die oberen Jahrgänge wurden in je drei Knabenund drei Mädchenklassen unterrichtet. Zweier seiner Lehrer gedachte Hermann Fuhrmann zeitlebens mit besonderer Verehrung: des Rektors Berg und des überpfarrers Carl Lamprecht (s. 3, 4).

3 Als am 25.April1883 das 'Schweinitzcr Krcisblatt' die hier wiedergegebene amtliche Bekanntmachung veröffentlichte, war Hermann Fuhrmann fast 37 [ahre alt. Was war seit seinem Austritt aus der damals weniggegliederten Jessener Schule geschehen?

Hier zunächst ein kurzer Rückblick auf seine letzten Schuljahre. An der hiesigen Volksschule wirkte von 1858 bis 1887 ein Rektor namens Berg, der van Lamprecht als 'cin wohlbewährter, als hervorragender Schulmann geltender und seminaristisch ausgebildeter Lehrer' beschrieben wird ('Kindheitserinnerungen', S. 40). Berg spielte in der Jessener Schul-

geschichte eine besondere Rolle; er hob das geistige Niveau der Lehrerschaft und damit des gesamten Unterrichts. Sein Hauptaugenmerk galt der 1. Knabenklasse, damals Abschlußklasse. Diesem

engagierten Schulmann fiel der junge Klempnermeisterssohn ob dessen außergewöhnlichen Strebsamkeit und seines großen Wissensdurstes besonders auf - Eigenschaften, die neben anderen die

gesamte spätere Entwicklung des Hermann Fuhrmann vorzeichneten.

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4 Rektor B. und Opf. Lamprecht, der den Jungen ebenfalls unterrichtete, fanden Gefallen an dem aufgeweckten Knaben. Beide liehen ihm Bücher, aus denen er sich zusätzliche Kenntnisse aneignen konnte. Nach Beendigung seiner Schulzeit erlernte der junge Hermann bei seinem Vater das Klempnerhandwerk. Bereits als Lehrling beschäftigte er sich mit der Konstruktion von Maschinen, und zwar nach eigenen Ideen und Entwürfen und mit primitiven Mitteln. Die väterliche Werkstatt in der Wittenberger Straße wurde im Laufe der Zeit vergrößert und besser ausgestattet, bis 1 876 Geschäft und Werkstatt auf den Sohn übergingen. 'Gottlob

Fuhrmann's Sohn' nannte er das kleine Unternehmen, damit die hohe Verehrung für seinen Vater ausdrückend. In all den [ahren vorher war Hermann Fuhrmann von der Vision erfüllt, eine Fabrik auf-

die Bahnhofstraße (um 1885) und vermittelt einen Eindruck von den Anfängen zur Realisierung Hermann Fuhrmanns Zukunftstraumes.

zubauen, in der Maschinen das herstellen, was er zusammen mit seinem Vater in der kleinen 'Klempnerbude' von Hand fertigte. Das hier wiedergegebene Foto gewährt einen Blick vom Bahnhof in

5 Jessen hatte im Oktober 1875 Anschluß an die Bahnlinie Wittenberg-Falkenberg erhalten. Hermann Fuhrmann hatte wohl die Gunst der Stunde erkannt, als er einige Morgen des dürftigen Landes in Bahnhofsnähe erwarb, um 1879 und in den darauffolgenden [ahren dort nach und nach eine Fabrik aufzubauen; sie sollte sich zum größten Arbeitgeber in unserer Stadt und ihrer Umgebung entwickeln!

Abbildung 4 läßt hinter der 1881 dicht am Bahnhof erbauten ersten Villa der Fuhrmanns (rechts vorn) die Werkstatt erkennen, die als Keimzelle für die spätere große Fabrikanlage zu betrachten ist, wie sie stilisiert im Kopf des Hauptkatalogs dargestellt ist. Welch eine Entwicklung! Welch eine Leistung - vollbracht von einem 'Tûfiler' und 'Visionàr' (sowie

seinen Nachfolgern) mit viel Fleiß, Engagement, handwerklicher Geschicklichkeit, Erfindergeist, einem bewundernswerten Selbstvertrauen dabei bar jeglicher akademisc hen Ausbildung!! ! -Ein typischer 'self-made man' würden wir heute sagen!

Btech-, Eisen-, Holzwarenfabrik und Verzinkerei ==

Hauptkatalog

Ausgab~ 1932

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6 Im Herbst 1998 tauchte zur Verwunderung und großen Freude aller FuhrmannForseher urplötzlich ein Teil der Memoiren des Hermann Fuhrmann mit dem nebenstehenden Deckblatt auf; eine kulturhistorisch erstklassige Fundgrube! Fuhrmann berichtet darin über wichtige Ereignisse 1882-1887 imZusarnmenhang mit der Leitung und Vergrößerung seines jungen Unternehmens. Besonders aufschlußreich sind die Schilderungen über seine Vorgehensweise bei der Arbeit an einem 'Kugelkaffeebrenner' , der jahrzehntelang im Inund Ausland ein wahrer Verkaufsschlager war. Den absoluten Höhepunkt stellen die Ausführungen des Verfassers über Probleme der Beleuchtung seiner Fabrikräume dar - von der Arbeit mit der 'Ölfunzel' bis zur Ausstattung mit elektrischen Bogenlam-

pen - Ende 1885 in Jessen und Umgebung ein viel bewundertes und bestauntes Novum!

Ich werde im folgenden jede Gelegenheit nutzen, Ihnen interessante Details aus den Memoiren zu vermitteln. Was da steht über Pleiten, Korruption ... sowie das Gebaren von Banken, Beratern ... und auch über das 'Lehrgeld', das Fuhrmann natürlich auch zahlen mußte, läßt sich hier leider nicht wiedergeben - doch das ist ja eigentlich zeitlos!

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7 'Fahrradbau 1882' titulierte H.F. auf den Seiten 34 bis 44 seiner Memoiren eine höchst interessante Beschreibung. Die hier wiedergegebene Textstelle lautet in heutiger Schreibweise: "(Ich) ging dabei, 2 Räder in Arbeit zu nehmen. Den Rotguß goß ich selbst Naben und Lager. Einen kleinen Schmelztiegel besaß ich, denn ich hatte doch für Gebr. Raschigs öfter Rotgußschalen für ihre Krempelmaschinen gegossen. Auf einen Schmiedeherd baute ich aus trockenen Steinen eine Schmelzgrube für den Graphitschmelztiegel zusammen, mit Holzkohle schmolz ich das Metall, Formsand hatte ich noch von dem früheren Jessener Kohlenbergwerk.'

F. schildert dann, wie bei Übungsfahrten mit dem Hochrad in der Bahnhofstraße der Aufschrei zu vernehmen war: 'Da reitet einer auf einem Wagenrad, nee sowas! ' F. baute Räder keineswegs fa-

brikmäßig. Er erlaubte es dem einen oder anderen seiner Mitarbeiter, in der Freizeit unter Benutzung der Maschinen und Vorrichtungen der Firma Räder zu bauen. Er selbst mußte nach einem

Leistenbruch das Radfahren aufgeben.

8 Zur Biographie des H.F. sind noch folgende Fakten nachzutragen: Anläßlich des 25jährigen Betriebsjubiläums im Iahre 1904 wurde er in Würdigung seiner außerordentlichen Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt Jessen ernannt und 1908 wurde ihm der Titel 'Kgl. Preuß. Kommissionsrat' verliehen. Im [ahre 1907 übertrug er die Leitung der Fabrik seinen Söhnen. Seine (zweite) Frau litt an einer unheilbaren Krankheit. Sie starb nach langem, schwerem Leiden auf der Fahrt zu einem Kurort und wurde im Bahnhofsgebäude einer kleinen Station aufgebahrt, bevor der Sarg nach Jessen überführt werden konnte. Bei dieser Gelegenheit faßte H.F. den Entschluß, in seiner Heimatstadt eine Leichenhalle bauen zu lassen, damit die Toten bis zu ihrer Beerdigung nicht in der Wohnung aufgebahrt

werden mußten (s. 2165). Als die Söhne im Ersten Weltkrieg Kriegsdienst leisten mußten, nahm H.F. noch einmal die Leitung des Betriebes

in die Hand. Das Foto zeigt die vier Männer an der 1890 erbauten Jugendstilvilla.

Von links: Erich, Max, Vater Hermann, Hugo. Der Firmen-

gründer verstarb am 13. September 1925.

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