Kahla in alten Ansichten

Kahla in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Willy Schilling und Heinz Berger
Gemeente
:   Kahla
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5457-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kahla in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Kahla bestent schon über 1 100 Jahre. Die urkundliche Ersterwähnung finden wir in einer Protokollabschrift des Reichsklosters Fulda aus dern Jahr 876. Die Erhebung der Burggemeinde zur Stadt erfolgte zwischen 1283 und 1333. Frühzeitig entschieden sich die Existenzbedingungen der kleinen Stadtgemeinde. die kein Schloß schmückt. Abseits gelegen von den politischen und kulturellen Zentren, bestirnmten vor allern die günstige Verkehrslage an einem befestigten Saalcübergang, die sich am Ort kreuzenden Handelswcge, der Markt und die Schutzfunktion der befestigten Stadt den Alltag über Jahrhunderte. Handwerk, Gewerbe und die Einnahmen von Wege- und Floßzöllen füllten das Stadtsäckel und errnöglichten ein gleichbleibendes Auskommen. Kahla entwickelte sich zu einem typisohen Ackerbürgerstädtchen, Die Bedeutung der kleinen Stadt wuchs, nachdem zwischen 1700 und 1710 sowohl das Amt Leuchtenburg als auch die Orlamünder Superintendentur nach Kahla verlegt wurden.

Mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert änderten sich die allgemeinen Lebensbedingungen zunehmend. Kahla erhielt 1832 seine erste dernokratische Stadtordnung. Zuvor, im Jahre 1825, war das Doppelfürstentum Sachsen-GothaAltenburg nach 145 Jahren erloschen. An seine Stelle trat das Herzogtum Sachsen-Altcnburg als neuer Staat. Kahla wurde Kreisstadt in diesern Herzogtum.

Wirtschaftlich erfolgte der Aufbruch in das industrielle Zeitalter mit der Ansiedlung der Porzellanfabrikation. Bereits 1826 gab es ein erstes Anzeichen für ein solches Vorhaben durch Christian Jakob Eckardt (l790-1867), den Gründer der Kahlaer Porzellanfabrik. Im Jahre 1840/41 wurde vorerst eine Zernentproduktion von ihrn eingerichtet und, nachdern der Herzog am 18. Mai 1843 eine Konzession zur Porzeilanherstellung erteilt hattc, gelang 1844 der erste Brand von gebrauchsfähigern Porzellan, Obschon die Eckardtsche Fabrik 1856 in Zahlungsschwierigkeiten geriet und verkauft

werden mußte, bildete sie dennoch den Grundstein des später von Hermann Koch (1842-1905) erneuerten Unternehmens, das 1888 in eine Aktiengesellschaft umgebildet wurde. Die Porzellanfabrik wurde zum wichtigsten Arbeitgeber der Stadt und gab dieser bedcutende Wachsturnsimpulse . Natürlich sicdelten sich darüber hinaus weitere Unternehmen neben dem schon vcrhandenen Handwerk und Gewerbe in Kahla an, so eine Pianofabrik , die Maschinenfabrik Müller & Guhlmann, Zigarrenfabrikationen, Porzellanmalereien und eine zweite Porzellanfabrik. Nicht alles blieb bestehen. Doch können die Jahre zwischen 1880 und 1930 dennoch als eine Periode des nahezu ungebrochenen Wirtschaftswachstums für die Stadt Kahla bezeichnet werden. Selbst die gesellschaftlich tiefgreifenden Brüche vom Ersten Weltkrieg bis zur weltweiten Rezession 1929 bremsten dieses Wachstum nur bedingt.

Betrachten wir aus der Fülle der Veränderungen in den fünf Dezennien nur einiges, so zeigen allein schon diese Beispiele den urnfassenden Aufbau, der die Stadt Kahla zu einer modernen Kleinstadt werden ließ. Allein der Zuwachs an Einwohnern erhöhte sich in den Jahren zwischen 1880 und 1930 von 2 999 auf 7 482.

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Großheringen-Saalfeld 1874 bewirkte die Einbindung Kahlas an das modernste Verkehrssystern dieser Zeit. Im Jahre 1907 kam ein zweites Gleis hinzu; und in den dreißiger Jahren sollte die Strecke elektrifiziert werden. Einen fortwährenden Entwicklungskomplex bildete der Wohnungs- und Straßenbau sowie die Kanalisation, Wasser-, Gas- und Elektrizitätsversorgung. Bis dato standen in den Vorstädten und auf dem Entenplan fast nur einstöckige Häuser; im Stadtbereich besaßen damals noch viele Haushalte eine 'Ökonornie", also eine eigene Tierhaltung, Der Stadtchronist vermerkt dazu: 'In fast jedem Hause wurden Kühe und Schweine gehalten. Jeden Vormittag, solange günstiges Wetter war, blies der Hirte auf seiner Schal-

mei Signale. Da wurden alle Kühe aus den Ställen auf die Straße gejagt, der Hirt mit seinen zwei Hunden und einer langen Peitsche trieb sie zusarnrnen, die Saalvorstadt hinunter durch die Lache auf den Gries und abends in gleicher Weise wieder heim.' Zum Stadtbild heißt es an gleicher Stelle: 'In der "Breiten Gasse", vor dem Oberen Tor, standen nur Scheunen; wo jetzt die Berg-, Hospital-, Bibraer-, Bach-, Hermann Kochstraße , das ganze Viertel auf dem Bürgel und Eichigt, die Bahnhof-, Ost-, Fabrikstraße sind, waren nur Felder und Gärten, der Unterbach floß offen zwischen diesen dahin, nur bei der jetzigen Hospitalstraße und im Zuge der Straße nach Jena führte je eine Brücke, vor letzterer waren das Hospital und die Abdeckerei die letzten bewohnten Häuser.' Soviel vom alten Kahla vor über hundert Jahren,

Tatsächlich begarmen im Jahr 1885 umfangreiche Bauvorhaben zur Kanalisation und Pflasterung des EntenpJans und der Jenaischen Vorstadt, die sich in der Margarcthcnstraße, der Gerber- und Salzstraße sowie auf der 'Burg' fortsetzten. Im Jahr 1898 erwarb die Stadt den Grund 'Auf dem Bürgel', um den Neubau der Schule beginnen zu können. Diese wurde 1901 geweiht. In den Jahren 1905/06 erfolgte die Einfassung des Unterbachs, es entstanden die Bach-, Berg-, Herrnann-Koch-, Hohe-, Schiller-, Schul- und Hospitalstraße. Kahla eröffnete seine Gasanstalt und am Rathaus, an der Stadtkirche und am Brauhaus wurden größere Umbauten vorgenommen. Im Jahre 1912113 kam die Elektrizität flächendeckend nach Kahla, die Wasserversorgung aus dem Leubengrund wurde verbessert, nachdern berelts 1901 mit der Einführung der Hochdruckwasserleitung die öffentlichen Brunnen der Stadt geschlossen worden waren. Zwischen 1919 und 1923 erfolgten umfangreiche Wohnungsbauten im Bereich Rollestraße, Am Kreuz und Turnerstraße. Insgesarnt entstanden in diesen vier Jahren 436 Wohnungen, davon 381 als Neubauten, wovon die Stadt 184 finanzierte.

Auch das Flußbad am Wehr wurde ausgebaut, und es kam nach längerem Anlauf 1922 endgültig zur Eingemeindung von Löbschütz. Fast unbemerkt verlor so die Stadt ihr ländliches Gepräge, ohne daß der historische Stadtkern umfassend zu Schaden kam.

Parallel zum wirtschaftlichen und städtebaulichen Wandel enwickelte sich in Kahla ein ortstypisches Kulturleben , das vornehmlich durch Vereine getragen wurde. Mehr als dreißig solcher Vereine wirkten nach 1900 in der Stadt , darunter Sportvereine wie etwa Radfahrer-Verein Touren-Klub Kahla, der Turnverein 1860, der Fußballdub 1910 oder der Tennisclub Blau-Weiß. Natürlich besaßen die Kahlenser auch ihren Schützenverein , übrigens bereits seit 1682. Die Schützenfeste bildeten eine feste Größe im jährlichen Veranstaltungskalender der Stadt. Bei den caritativen Vereinigungen sind vor allem die Sanitätskolonne und der Ortsverein des Roten Kreuzes zu nennen. Die rnusischen und geselligen Interessengemeinschaften bildeten aber mit Abstand die größte Gruppe. Dazu zählten die Freien Sänger, die Orchestervereinigung, der Bandenionklub Guter Ton, der Männergesangsverein Kahla und viele mehr. Unter den Bildungsvereinen trat vor allem der seit 1862 bestehende Verein für Geschichte und Altertumskunde hervor, dessen fruchtbringende Arbeit sowohl der Stadtchronik als auch dem Museum Leuchtenburg zugute kam.

In Kahla wirkten verschiedene Fotografen, die mit ihrem Schaffen, ob beruflich oder als Laien, die Stadt und ihre Menschen zwischen 1880 bis 1930 porträtierten. Eine Reihe der mehr zufällig erhaltengebliebenen Aufnahmen enthält dieses Buch. Allen, die dabei halfen, den verstreuten Bestand zusammenzutragcn und aufzuarbeiten, gilt unser Dank.

1. Gesamtansicht Kahlas um 1900. Die Stadt Kahla zählte im Jahre 1880 genau 2 999 Einwohner, die in 326 Häusern wohnten. Durch den industriellen Aufstieg, den die Porzellanindustrie nach Kahla gebracht harte. erlebte die Stadt in den folgenden Jahren bis 1930 ihre größte Wachstumsphase. Das mittelalterliche Angesicht der Stadt löste sich durch Neubebauungen allmählich auf. Siedlungen entstanden auf dem langen Bürgel, dem Eichigt, auf dem Parnitzberg. Auch die Jenaische Vorstadt wurde stark verändert. Von den drei Stadttoren blieb nur das Saaltor in abgewandelter Form erhalten. Die beiden anderen Tore mußten den neuen Verkehrsverhältnissen weichen.

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2. Das Rathaus. Das Rathans begrenzt den Markt an seiner Ostspitze. Es ist ein altehrwürdiger Bau, dessen Fundamente und verschiedene Teile des Baukörpers bereits aus dem 14. Jahrhundert stammen. Den ältesten Teil des Gebäudes bildet das Eckhaus, während das Querhaus zum Markt erst mit dem Umbau von 1879 bis 1882 durch die Niederlegung des Heimbürgschen Hauses entstand. Zugleich erhielt das Rathaus seine neue , historisierte Fassade. Der Entwurf kam von dem Jenaer Architekten Weise. Die Kosten des Umbaus betrugen 125000 Mark. Eingeweiht wurde das neugestaltete Gebäude am 22. März 1882.

3. Das Amisgericht. Kahla bildete im Herzogtum Sachsen-Altenburg einen von drei Amtsgerichtsbezirken im Westkreis. Mit der Trennung von Justiz und Verwaltung - das entsprechende Gesetz wurde am 13. Juni 1876 erlassen - lösten sich die juristischen Zuständigkeiten aus den bisher dafür mit zuständigen Ämtern heraus, Diese Reform fand auch räumlich ihren Ausdruck in der Errichtung von Amtsgerichten. In den Jahren 1898/99 entstand auch in Kahla an der Westseite des Marktes ein solches, neues Amtsgericht. Der Entwurf für das Gebäude stammte vom Herzoglich-Sächsischen Bauamt in Stadtroda. Das Gebäude enthielt neben den Amtszimmern einen größeren Schöffensitzungssaal. Außerdem beherbergten die zwei oberen Etagen Wohnungen. Gelungen zeigt sich die Fassadengestaltung zum Markt.

4. Markttreiben um 1885. Das Marktrecht gehörte zu den grundlegenden Privilegien einer Stadt. Da KahJa vor 1333 das Stadtrecht verliehen wurde , gehören Märkte seit dieser Zeit zu den festen Einrichtungen des Stadtlebens. Die Formen waren sehr verschieden; ebenso die zeitliche Abfolge. Da gab es Jahrrnärktc, Wochenmärkte und Vieh- und Handelsmärkte. Kahla besaß bis 1939/40 eine ungebrochene Markttradition. Aus den umliegenden Dörfern kamen die Händler, aber auch Kahlaer Produzenten waren dabei. Sie bauten ihre langen Ständereihen auf dem Markt auf und boten ihre Produkte feil. Gut sichtbar ist der alte Marktbrunnen, der zur Wasserversorgung der umliegenden Gebäude diente.

5. Der letzte Marktbrunnen. Der Brunnen bestand aus einem 1856 aufgestellten steinernen Wasserbehälter, der von vier Seiten begangen werden konnte und die Möglichkeit bot, an vier Zapfstellen gleichzeitig Wasser zu entnehmen. Zur Beleuchtung diente eine ÖI- bzw. Petroleumlampe, wie sie in Kahla vor der Umstellung auf elektrische Straßenbeleuchtung 1913 üblich waren. Das Bild vermittelt auch einen guten Eindruck von der damaligen Baugestaltung. Nahezu jedes Haus besaß eine große Toreinfahrt. die den Zugang für Fuhrwerke ermöglichte, um die in den Hintergebäuden liegenden Stallungen zu versorgen. Die großen Toreinfahrten sind ein typisches Merkmal hiesiger Ackerbürgerhäuser .

6. Am Aschborn. Am 4. Dezernber 1900 wurde die Trinkwasserhochdruckleitung zur Wasserversorgung Kahlas eingeweiht. Zu diesem Zweck versammelten sich die Honoratioren der Stadt zur feierlichen Einweihung an der Verteilerstation am Aschborn. Unter den abgebildeten Amtsträgern dürfte auch der damalige Bürgerrneister , Dr. Johann Köhler, zu finden sein. Mit der Einweihung der Hochdruckwasserleitung war die Schließung der städtischen Brunnen verbunden. Solche Brunnen standen auf dem Markt, am Oberen Tor, im Hof des Amtshauses, auf dem Kirchplatz, in der Jenaer Vorstadt, der Saalevorstadt und auf dem Entenplan. In der Hofstatt bestand zudern ein Pumpenbrunnen, der aber schon Jahre zuvor wegen seines schlechten Wassers geschlossen worden war.

7. Flurumzug Löbschütz. Die Begehung der Stadtgrenzen bildete eine alte Tradition in Kahla. Vor der Reformationszeit fand der Flurumgang zumeist am Markustag unter Vorantragung der Monstranz statt. Der Geistlichkeit folgte die Stadtobrigkeit, dann die Zünfte. In den späteren Jahren, aber nicht jährlich, bildete die Umgehung der städtischen Flur eine rein weltliche Angelegenheit. Der Stadtrat veranstaltete diese unter reger Anteilnahme der Bevölkerung. Nicht selten wurde aus diesem Anlaß ein Ochse am Spieß gebraten und von der Gesellschaft verzehrt. Unser Bild zeigt den Löbschützer Flurumzug vom 15. Mai 1894. Im Hintergrund ist das Kahlaer Saaleufer zum Gries mit dem Schützenhaus zu sehen.

8. Bürgemeister Dr. jur. Paul Mehlhorn. Paul Mehlhorn wurde am 26. September 1881 in Oberschlema geboren. Nach seiner Schul- und Studienzeit arbeitete er als Rechtsassessor in Meerane , bevor er, entsprechend seiner Bewerbung unter etwa vierzig Kandidaten am 30. Juli 1911 vom städtischen Kollegium in Kahla zum Bürgermeister gewählt wurde. Seine Amtseinführung erfolgte am 9. November 1911. Mit ihm ging eine längere Ära ständig wechselnder Amtsträger zu Ende. Diese Tatsache dürfte bei seiner Wahl eine gewichtige Rolle gespielt haben. Paul Mehlhorn blieb dann auch bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1938 im Amt und führte es über die vielen Jahre, die durch große gesellschaftliche Prozesse und politische Wandlungen gekennzeichnet waren, erfolgreich. Er verstarb 1950.

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