Karben in alten Ansichten

Karben in alten Ansichten

Auteur
:   Wilfried Rausch
Gemeente
:   Karben
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3066-0
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Karben in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Karben, eine junge Stadt, gebildet aus den sieben ehemals selbständigen Gemeinden Burg-Gräfenrode, Groß- und Klein-Karben, Kloppenheim, Okarben, Petterweil und Rendel, kann das Wort 'jung' anreichern mit den Eigenschaften 'vital', 'zielstrebig', und ist mit dem Elan vieler engagierter Bürger ausgestattet. Uralter gemeinsarner historischer Boden, besiedelt schon in grauer Vorzeit, wurde erst durch die Machtverhältnisse und Kleinstaaterei des Mittelalters und der Neuzeit in seinen natürlichen Verbind ungen zerschnitten-cund in unterschiedliche Herrschaftsbereiche unterteilt. Trotz alledem zeigt die Entwicklung der sieben Gemeinden in allen Epochen Parallelen auf. Ob es die Zeit der Fron und der Leibeigenschaft war, die soziale Schichtung innerhalb der Dorfgemeinschaft betraf, ob es die Spannungen in der Zeit der Reformation oder bäuerlichen Widerstand gegen Ausbeutung durch die herrschende Schicht anging, die Not der kleinen Leute und deren Alltagsprobleme waren über alle Grenzen hinweg gleich. Dies insbesondere, wenn große Kriegsereignisse mit Schwert und Feuer das

Leben jedes einzelnen Menschen bedrohten.

Dieses doch mehr Gemeinsame als Trennende im Erleben der Geschichte wurde erst wieder in den nachnapoleonischen Nationalbestrebungen von 1848 für jeden Bewohner dieser Region spür- und nachvollziehbar. Im Großherzogtum Hessen verwaltungsmäßig zentral geführt, fühlten sich auch die Bewohner der einzelnen Dörfer als Teil einer großen Gemeinschaft, als die nationale Euphorie der Reichsgründung von 1871 und die bittere Niederlage im Ersten Weltkrieg über sie hereinbrachen. Für die Not am Ende der Weimarer Republik und des nachfolgenden nationalsozialistischen Regimes mit den Schrecknissen des Zweiten Weltkrieges und des Rassenwahns war es nicht mehr von Bedeutung, ob es in Okarben, Petterweil oder sonstwo im heutigen Karben erlebt wurde. Hier hatte das gemeinsame Schicksal eines ganzen Volkes alle früheren historischen Unterschiede verwischt. Ursprünglich geschichtlich gleicher Raum war wieder gleich geworden. So zwingt denn auch die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg allen sieben Dörfern dieselbe Notwendigkeit auf, mit den Massen

an Flüchtlingen und Heimatvertriebenen sowie der allgemeinen Not fertig zu werden.

Der wirtschaftliche Aufstieg nach der Währungsreform von 1948 prägt die weitere Entwicklung in den fünfziger und sechziger Jahren. Starker Bevölkerungszuzug aus den Städten führt die einzelnen Kommunen zu immer höheren Investitionen und Ausgaben. Verbesserungen in der Infrastruktur haben teure Parallelinvestitionen und immer größere Verschuldung der Gemeinden zur Folge, Dieser Fehlentwicklung wurde durch die Gebiets- und Verwaltungsreformen der sechziger Jahre entgegengewirkt, indern das Land Hessen wirtschaftlich und regional zusammenhängende Räume und Ortschaftsgruppierungen sinnvoll zu Großgemeinden und neuen Städten zusammenschloß. Die aus solch einern Zusammenschluß 1970 entstandene Stadt Karben hat ihre Rechtfertigung durch die enorme Entwicklung seit der Gründung bewiesen.

Heute kann sich der einzelne Bürger als Teil eines modernen Kommunalwesens fühlen, mit einern breiten Angebot auf allen Sektoren. Verkehrsmäßige

Sicherstellung, kulturelle Veranstaltungen und eine überaus reiche Palette an Aktivitätsmöglichkeiten stehen in Verbindung mit einern in hoher Lebensqualität und urbaner Entwicklung fortschreitendem Stadtwesen.

Dieser Bildband soll dazu beitragen, die Verbindung zu dem früher Dagewesenen zu erhalten und die Erinnerung bei den Alteingesessenen zu bewahren. Für den Neubürger soll er eine Brücke darstellen zu (dem Bild) seiner heutigen neuen Heimat vor rund 50 Jahren. Diesbezüglich wünsche ich diesem Buch einen guten Erfolg und allen Lesern viel Spaß beim Studium der zahlreichen Fotos.

Nicht versäumen möchte ich an dieser Stelle, allen Bürgern, Vereinen und Institutionen meinen ausdrücklichsten Dank auszusprechen, die ihr Bildmaterial zur Verfügung stellten und durch Daten und Informationen halfen, das jeweils Dargestellte zu erläutern.

Wilfried Rausch

1. Unsere Reise in das alte Karben beginnen wir an der Obergasse in Rendel, wo wir an einern Morgen des Jahres 1907 mit der Postkutsche eintreffen. Bis 1907 wurde Rendel, wie andere Ortschaften ohne eigene Posthilfsstellen, einmal täglich im Hin- und Rückfahrverkehr durch Postkutschen bedient. Die Hauptpoststationen lagen im Karbener Raum, seit der Eröffnung der Main-Weser-Bahn, in GroßKarben und Nieder-Wöllstadt, wo sich auch Bahnstationen befanden. Postillion Seib fuhr täglich die Strecke Büdesheirn nach Groß-Karben. Auf der Bürgermeisterei in Rendel nahm er die abgehende Post entgegen und brachte auf dem Rückweg, die in Groß-Karben eingegangene Post mit,

2. Einem im Jahre 1907 von Büdesheim nach Rendel Reisenden eröffnet sich nach überqueren eines kleinen Landrückes der Bliek auf die breite, grime Niddaebene, durch die der Fluß, baumumstanden, in vielen Windungen dahinzieht. Erkermbar werden die flußaufwärts zu liegenden Ortschaften und der Bliek bleibt haften an der dominierend aus der Landschaft hervortretenden Scharmüh1e. Vermutlich die älteste Mühle der südlichen Wetterau, wird sie 1328 als 'Scherrin Mulen' aktenkundig. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie 1851 Eigentum des damaligen Pächters Heinrich Hoek. Dessen Sohn Friedrich Wilhelm erbaute 1888 das hier abgebildete fünfstöckige Mühlengebäude. Im wirtsohaftlichen Auf und Ab kam die Mühle 1937 an den heutigen Besitzer Emil Spieß. Dieser mußte trotz einer umfassenden technischen Modernisierung den Betrieb im Jahre 1959 stillegen.

3. Entlang der Nidda waren zahlreiche Mühlen entstanden, den Komreichtum der Wetterau zu verarbeiten. Folgen wir flußaufwärts ihren Spuren. Am nordwestlichen Ende von Rendel befindet sich die ehemalige Bornmühle. Ursprünglich 'Kleine Mühle' genannt, wurde sie vermutlich 1687 durch Johannes Schmitt erbaut. Später tritt dann der Name 'Bornmühle' auf, von der das Wasser liefernden Quelle abgeleitet. Um 1800 abgebrannt, erfolgt 1847 der Wiederaufbau unter dem Besitzer Johannes Leonhard. Dessen oben abgebildeter Schwiegersohn Georg Hoos, allgemein 'Bornmellerschorsch' genannt, übernahm 1848 die Mühle und das dazu gehörige Land. Mehrfach erweitert, wurde 1899 ein eisernes Mühlrad von 12,00 Meter Durchmesser eingebaut, dessen Schutzdach wir rechts am Haus erkennen. 1914 wanderte der letzte Betreiber Adam Hoos nach Amerika aus, Seither steht das Rad still.

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~ 4. Eine sehr alte Anlage stellte ebenfalls die, im Jahre 1984 abgebrochene, ehemalige Mühle in Klein-Karben dar. Am Gänsbach genarmten Niddaarm gelegen, war sie vermutlich eine Gründung der Ritter 'Dugel von Carben'. Nach dem Aussterben der späteren langjährigen Besitzer, der Herren 'von Carben', 1729, fiel die Mühle an das Haus Solms-Rödelheim und die Grafen von Elz. Betreiber waren jeweils Pachter, von denen einer, Wilhelm Schüler, 1727 im Mühlrad tödlich verunglückte. 1m Jahre 1871 brannte die alte, zweigeschossige Anlage ab, wurde jedoch dann, wie auf unserem Foto von 1920 abgebildet, fünfgeschossig wieder aufgebaut. Ab 1837 verschiedenen privaten Besitzern gehörig, kam der Betrieb 1934 als 'Wetterauer Mühle Kireher & Co' an eine Commandit Gesellschaft. Diese betrieb die Mühle bis zur Stillegung um 1960.

5. Unter Überspringung der auf alten Karten erwähnten, auf der Niddainsel bei dem Selzerbrunnen gelegenen, Döge!mühle in Groß-Karben, kommen wir nach Okarben. Hier errichtete im Jahre 1880 Carl Vorbach, auf dem Gelände einer vermuteten Vorgängeranlage, die erste moderne Walzenmühle, Eine Wasserturbine und eine Dampfmaschine sorgten für den Antrieb. Der notwendige Wasserdruck wurde über ein Wehr im Niddaoberlauf erzeugt, durch das der Wasserspiegel um 1.40 Meter angestaut werden konnte. Der Mühlbach umfloß auf der Dorfseite das gesamte Anwesen. 1930 kam der Betrieb an den Sohn Georg, der 1944 an die ausgebombte Frankfurter Hafenmühle vermietete. Deren Besitzer, Herr Eberle, führte die Mühle bis zur Schließung 1953 weiter. Die Witwe von Georg Vorbach verkaufte 1958 das Anwesen. Das Wehr wurde in den sechziger Jahren entfernt und der Mühlbach verfüllt.

6. Auf Okarbener Flur gelegen, entstand im 18. Jahrhundert am Heitzhöfer Bach die Neumühle, Bis zur Schließung Ende des 19. Jahrhunderts befand sie sich im Besitz der Familie Groß. Im Jahre 1902 gekauft, dient die Anlage unter den neuen Besitzern Reibeling nur noch als landwirtschaftliches Gehöft. Die Mühle bestand, wie unsere Aufnahme von 1939 zeigt, aus einem Wohngebäude mit Mühlenanbau rechts, in dem sich das durch Wasserkraft betriebene Mühlrad befand. In unmittelbarer Nähe auf Petterweiler Flur, befindet sich die ehemalige Riedmühle, früher auch als Herrenmühle erwähnt. 1860 wurde sie durch Wendel Jost käuflich erworben, Sie ging über dessen Sohn Philipp an den Enkel Heinrich Jost. Dieser verlor beide Söhne, führte jedoch die Mühle bis zu seinem Tod 1928 weiter. Heute lebt in der alten Anlage seine Tochter Maria, verheiratete Stetzer.

7. Der Fluß mit seinen Feuchtzonen und Wiesen bot vielfältigem Getier Lebensraum. So waren Störche jedes Frühjahr freudig erwartete Sommergaste. Laut schallte ihr Klappern über die Dächer und manches Kind legte abends Zucker vor das Fenster, wollte es ein Brüderchen oder Schwesterchen haben. Drei Storchennester sind uns dokumentarisch erhalten, So sehen wir links oben das Okarbener Storehenpaar auf der Scheune des Karlshofes, rechts den Groß-Karbener Storehen in seinem Nest auf der Leonhardischen Schloßscheune und unten links den von Rendel, auf der Scheune Heinrich Wolf in der Pfarrgasse. Ein Storch des Okarbener Paares verfing sich 1967 in der Hochspannung und stürzte in die Nidda. Sein Partner suchte lange nach ihm, bevor er im Herbst davonflog und wie die anderen, für immer aus unserer Welt verschwand.

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8. Nicht immer war der Fluß den an seinen Ufern lebenden Menschen gut gesonnen und ist bis heute unberechenbar geblieben. Fast alljährlich kam es im Frühjahr, hauptsächlich aber zur Winterszeit zu großen Überschwernmungen. Das stark gewunden laufende Flußbett verhinderte ein rasches Abfließen der andrängenden Wassermassen. So standen denn oft wochenlang weite Flächen des Niddatales unter Wasser, ebenso viele Straßen und Keller in den angrenzenden Ortschaften. Besonders zu leiden hatten hierbei Okarben und Grofs-Karben. Unsere, von der Mühle in Okarben, am 31. Dezember 1926 gemachte Aufnahme zeigt deutlich das Ausmaß der Überflutungen.

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