Karlsruhe in alten Ansichten

Karlsruhe in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Ernst Otto Bräunche
Gemeente
:   Karlsruhe
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5999-9
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Karlsruhe in alten Ansichten'

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Einleitung

Karlsruhe ist eine sehr junge Stadt, deren Geschichte erst am 17. Juni 1715 mit der Grundsteinlegung zum neuen Residenzschloß des Markgrafen Kar! Wilhelm von Baden-Durlach begonnen hat. Der Markgraf ließ sein neues Residenzschloß nur wenige Kilometer von seiner alten Residenz Durlach entfernt erbauen. Nach der Zerstörung von Schloß und Sradt Durlach durch französische Truppen während des pfälztschen Erbfolgekrieges im Iahr 1689 hatte der damalige MarkgrafFriedrich Magnus zunächst mit dem Wiederaufbau des Schlosses in Dur!ach begonnen. Der Wiederaufbau kam aber nicht so recht vorwärts, denn zum einen fehlten die Geldmittel, zum anderen aber auch die topographischen Voraussetzungen, die einen großzügigen Neubau ermöglicht hätten. Seinem Nachfolger MarkgrafKarl Wilhelm schwebte zudem ein Schloß im Stile von Versailles vor, das der Sonnenkönig Ludwig XIV: kurz zuvor hatte bauen lassen. Auch MarkgrafKarl Wilhelm war dem absolutistischen Selbstverständnis verpflichtet, das sich im Schloß und in der Stadt widerspiegeln sollte. Bis heute prägen die neun auf das Schloß und damit auf den Fürsten selbst zulaufenden Radialstraßen das Bild von Kar!sruhe und gaben ihm den Namen 'Pächerstadt' .

Die Stadt wuchs in den ersten fünfzig Iahren nach ihrer Gründung nur langsam. Trotz großzügiger Privilegien, die unter anderem eine zunächst 20jährige, dann 3 Ojährige Befreiung von Abgaben und die unentgeltliche Bereitstellung von Bauplätzen und Baumaterial vorsahen, wuchs die Bevölkerung, die 1719 knapp 2 000 Bewohner umfaßte, in den folgenden Iahren nur langsam. Erst von den verschiedenen badischen Gebietserweiterungen unter dem Nachfolger des Stadtgründers MarkgrafKarl Friedrich konnte Karlsruhe als Residenzstadt profitieren. 1771 wurden die beiden badischen markgräflichen Lande nach dem Tode des Markgrafen August Georg von Baden-Baden erstmals seit 1535 wieder vereinigt. Einen erneuten Aufschwung nahm die Stadt

nach dem Aufstieg der Markgrafschaft zum Kurfürstentum (1803) bzw. zum Großherzogtum (1806) und den damit verbundenen enormen Landgewinnen: Baden hatte zunächst als Verbündeter Napoleons sein Territorium vervierfacht. Nach dem rechtzeitigen Überwechseln in das Lager der Gegner Napoleons wurden diese Gewinne auf dem Wiener Kongreß 1815 bestätigt. Die Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt aufüber IS 000 angewachsen.

Der Aufstieg des Landes spiegelte sich in der Stadt wieder: es entstanden nun eine Vielzahl repräsentativer Bauten, die das Bild der Stadt zum Teil bis heute prägen: das Rathaus, die evangelische Stadtkirche, die katholische Stadtkirche St. Stephan, das Markgräfliche Palais und die Großherzogliche Münze, um nur einige zu nennen. Gebaut wurden diese Repräsentationsbauten von Friedrich Weinbrenner, dem bedeutendsten Karlsruher Architekten und Stadtbaumeister. Er gab der Stadt im Innenbereich um den Marktplatz ihr klassizistisches Gepräge. Nicht zuf<illig begegnen uns deshalb in diesem Band viele seiner Bauwerke wieder. Einige dieser für eine Residenzstadt typischen Gebäude werden heute aber auch schmerzlich verrnißt: das badische Ständehaus von Friedrich Arnold, das erste deutsche Par!amentsgebäude wurde zum Beispiel ebensowenig nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wie das Großherzogliche Hoftheater von Heinrich Hübsch.

Trotz des Aufschwungs um die Jahrhundertwende behielt Karlsruhe in den ersten jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aber zunächst noch seinen eher beschaulichen Charakter. Wie bei den anderen deutschen Großstädten ging ein wesentlicher Impuls erst wieder von der Industrialisierung aus. Vor 1850 entstanden allerdings nur vereinzelt Betriebe, aus denen später Großunternehmen werden sollten, zum Beispiel die Maschinenfabrik Martiensen & Keßler, die 1842 die erste badische Lokomotive baute. Diese frühe Industrialisierung Karlsruhes hatte das

Erscheinungsbild der Residenz und ihrer Gesellschaft nur allmählich verändert. Die eigentliche Ansiedlung von Industrien setzte in Karlsruhe erst in den sechziger Iahren des 19. [ahrhunderts ein. Mit der Hochindustrialisierung nach der Reichsgründung 1871 wurde auch die badische Residenzstadt von deren gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Dynamik erfaßt. Im Zeichen des Bevölkerungswachstums, der Urbanisierung und der Industrialisierung erlebte die Stadt im 19. [ahrhundert eine zweite tiefgreifende Veränderung der äußeren und inneren Verhältnisse. Die Bevölkerung wuchs auch in Karlsruhe explosionsartig, die Stadt wurde 1901 mit 100 000 Einwohnern Großstadt,

Die Entwicklung Karlsruhes zur Industriestadt mit Schwerpunkt in der Eisenverarbeitung und dem Maschinenbau wurde nach dem Ersten Weltkrieg abrupt unterbrochen. Der Verlust des Hofes nach der Abdankung des letzten Großherzogs 1918 spielte aber inzwischen keine Rolle mehr. Karlsruhe hatte sich von der Abhängigkeit vom Hof gelöst, die die ersten 150 Iahre seiner Entwicklung geprägt hatten. Es blieb auch unverändert Landeshauptstadt mit dem gesamten Verwaltungsapparat und den zentralen Einrichtungen. Die großherzoglichen Kulturinstitutionen führte der Fretstaat Baden fort. Allerdings lag Karlsruhe nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages in der entmilitarisierten Zone. Dadurch ging die Garnison als ökonomischer Faktor verloren. Entscheidend war aber, daß Elsaß-Lothringen wieder an Frankreich

fiel, wodurch die Karlsruher Industrie ein wichtiges Absatzgebiet verlor. Zudem traf die vorübergehende Unterbrechung der Auslandsbeziehungen die exportorientierte Maschinenindustrie besonders hart. Die Umstellung von der nicht unbedeutenden Rüstungs- aufFriedensproduktion führte zu einer hohen Labilität im Karlsruher Wirtschaftsleben. Der Industriestandort Karlsruhe im Schatten der Grenze zu

Frankreich war für Investeren nicht attraktiv.

Dennoch wuchs die Stadt kontinuierlich weiter: 1933 harte sie knapp 155 000 Einwohner. Bis zu diesem Zeitpunkt waren auch zahlreiche Nachbarorte nach Karlsruhe eingemeindet worden und hauen wesentlich zum Wachstum der Stadt beigetragen, darunter als erster 1886 die Nachbarstadt Mühlburg, als letzter das Dorf Bulach im Iahr 192 9. Damit bekam Karlsruhe neben einer ansehnlichen Anzahl neuer Einwohner vor allem das dringend benötigte Areal zur Ausdehnung der Stadt. In dem vorliegenden Band 'Karlsruhe in alten Ansichten' werden diese neuen Stadtteile deshalb, soweit möglich, mitberücksichtigt. Ausgewählt wurden aus der nahezu unüberschaubaren Vielzahl der Postkarten - nur wenige Bilder sind Fotos - von den 187 Der bis 193 Der [ahre typische und charakteristische Aufnahrnen, markante Bauwerke, Plätze und Straßen. Ihre Anordnung folgt dem Stadtbild, ausgehend von der Innenstadt wird der Radius quasi mit der wachsenden Stadt erweitert. Eine Vollständigkeit der Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie sie durch Postkarten nun mal vermittelt werden, und schon gar nicht der historischen Information sollte und konnte natürlich nicht angestrebt werden. Dieser Bildband soll vielmehr einen beschaulichen und unterhaltsamen Spaziergang durch das alte Karlsruhe ermöglichen, zu dem wir die Leser und Leserinnen einladen.

Ernst ütto Bräunche, Manfred Koch

Die Postkarte zeigt einen Stadtplan aus der Zeit um 1910 mit dem Stadtgebiet zwischen Schloß, Fasanenund Stadtgarten sowie zwischen West- und Oststadt. Nicht zu sehen sind die 1910 bereits eingemeindeten Stadtteile. Zu erkennen ist der fächerförmige Grundriß der ursprünglichen Stadtanlage mit dem Schloß und den neun nach Süden ausgerichteten Radialstraßen bis zur Kaiserstraße. Zu erkennen sind aber auch die verkehrstechnischen Probleme, die der Hauptbahnhof in der Bildmitte und die Bahnlinien der Stadtplanung bereitet haben müssen.

Das Original der abgebildeten Karte wurde von Karlsruhe

nach Belgrad geschickt. Der Absender teilt seine Karlsruher Anschrift in der Rmtheimer Straße 5 mit und markiert diese am rechten Bildrand mit einem pfeil.

2 Karlsruhe schmückt sich bis heute gerne mit dem Begriff 'Fächerstadt' . Dies bezieht sich auf die Anlage der vom Schloß ausgehenden Straßen. Dieses Motiv nimmt die abgebildete Postkarte auf Ihre Herstellung steht möglicherweise im Zusammenhang mit der vielbeachteten Fächerausstellung im Orangeriegebäude im]ahre 189l. Zweck dieser Ausstellung war in erster Linie, 'zur Hebung der Fächerindustrie in Deutschland beizutragen' . Die beiden Motive in dem Fàcher zeigen im Stadtgarten den 1893 fertiggestellten Lauterberg mit Schwarzwaldhaus und den See rnit Festhalle.

Lauler~urg.

3 Vom Rathausturm am Marktplatz nach Norden erschließt sich dem Betrachter das Panorama über die Dächer der Kaiserstraße, des äußeren und des inneren Zirkels auf den Schloßbezirk. Deurlich wird die Bebauung mit zwei- bis viergeschossigen Häusern, die auf das sehr unterschiedliche Alter der Bauten hinweisen. Seit 1860 und verstärkt seit den Boomjahren nach dem Deutsch-Pranzösischen Krieg hatte der Bau mehrstöckiger Häuser begonnen. Damit wurden nach und nach auch die letzten Spuren der vom Stadtgründer MarkgrafKarl Wilhelm vorgesehenen Widerspiegelung der sozialen Schichtung der Bevölkerung im Stadtbild ver-

wischt: dreigeschossig das Schloß, zweigeschossig die Bauten der Adligen und der Verwaltung am Zirkel und eingeschossig die Bûrgerhäuser.

4, Auf dem kûnstlichen Hügel des 1893 fertiggestellten Lauterbergs stand ein Aussichtsturm. Er bot den Karlsruhern und Karlsruherinnen und ihren Gästen die Möglichkeit, das Panorama der Stadt zu genießen. Die auf diesem Blick nach Norden sichtbaren Türme der Stadt, hier von links nach rechts die Türme der katholischen Stadtkirche, des Rathauses, des Schlosses und der evangelischen Stadtkirche, waren für die Öffentlichkeit gesperrt. Hinter der Stadt dehnt sich der Hardrwald, zu Zeiten der Monarchie das Jagdrevier der Markgrafen und Großherzöge.

5 Der Blick nach Osten vom Lauterberg fällt auf die Sûdstadt. Der Stadtteil südlich der Bahnlinie - deshalb zuerst auch Bahnhofsviertel genannt-wurde seit 1860 systematisch erschlossen. Hier entstanden auch die ersten Kirchenneubauten, seit Anfang des [ahrhunderts die beiden Stadtkirchen fertiggestellt waren, links die evangelische [ohanniskirche (1889), rechts die katholische Liebfrauenkirche (1891). Die Abbildung zeigt den Banzustand etwa zu Beginn der 1890er [ahre, als die Winterstraße noch nicht angelegt war. Die Südstädter haben sich schon früh gegen die Abschnürung

ihres Stadtteils durch die Eisenbahnlinien von der ûbrigen Stadt zur Wehr gesetzt. Wegen der oft stundenlangen Sperrung der Bahnübergänge bildeten sie einen Bürgerverein, der ihre Interessen ge-

genüber der Stadtverwaltung nachdrücklich vertreten sollte.

6 Fortschrittsglaube und Zukunftsoptimismus bestimmten um die [ahrhundertwende das Lebensgefühl der Deutschen. In Karlsruhe verkehrte seit kurzem eine elektrische Straßenbahn. Der Erfinder des Automobils, das seinen Siegeszug angetreten hatte, war in dem 1886 nach Karlsruhe eingemeindeten Mühlburg zur Welt gekommen. Fußgänger, Rad- und Autofahrer wie Straßenbahnen machten den Platz auf den Straßen eng. Unfälle waren die Folge. Der Bliek in die Zukunft war nicht ungetrübt und durchaus realistisch. Der Mensch würde in die Luft gehen mit Gondelbahn, Ballon und einer frühen Version des Gleitschirms. So zumin-

dest sah es der unbekannte Zeichner dieser Postkarte mit einem Gruß vom Marktplatz.

Karlsruhe in der Zukunft

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7 Die Vision vom Lauterberg im jahre 2 000 hat in ihrem unteren Teil einen gewissen Realitätsbezug. Sûdlich des Lauterbergs sollte der neue Karlsruher Hauptbahnhof entstehen, bei dern narûrlich auch ein großes und elegantes Hotel geplant war. Ein 'Rurnrnelplatz' mit Autorennbahn, Hotel, Restaurant, Sternwarte und Station für Luftschiffe ist der Lauterberg nie geworden. Die Aussichten auf eine Gondelbahn Karlsruhe-München oder gar Ballonflüge Karlsruhe-New York gingen an den tatsächlichen Entwicklungen des Verkehrs weit vorbei.

8 Der zentrale Punkt der Stadt Karlsruhe war der Schloßturrn, auf den alle Fächerstraßen zuliefen. Nachdem der Nachfolger und Enkel des Stadtgründers, Markgraf Karl- Friedrich, im [ahr 1746 endgültig beschlossen hatte, die Residenz in Karlsruhe zu belassen, entstand seit 1750 an der Stelle des ersten, inzwischen baufàlligen, Schlosses ein Neubau, der nach über dreißigjähriger Bauzeit im [ahre 1785 mit der Umgestaltung des Schloßturmes seinen Abschluß fand.

Heute kann man den Besuch des Badischen Landesmuseums, das seit 1919 im

Schloß untergebracht ist, mit einem Bliek vorn Schloßturrn auf die Stadt abschließen.

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