Kassel in alten Ansichten

Kassel in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Hans Baumann
Gemeente
:   Kassel
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2998-5
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kassel in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Vier Jahrzehnte ist es her, daß Kassel im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges in Schutt und Asche fiel. Das Werk der zahllosen Spreng- und Brandbomben war gründlich: das Leben Tausender von Menschen, die in Luftschutzkellern Schutz gesucht hatten, war unwiederbringlich ausgelöscht. Für ihre Angehörigen blieb nur die Erinnerung; und wenn diese im Laufe der Jahre verblaßte, so konnte vielleicht mancher noch alte Fotos hervorholen, um sie wieder aufzufrischen - sofern nicht auch diese verbrannt waren.

Die Zerstörung Kassels, wenn auch von den Bombern der ehemaligen Kriegsgegner bewirkt, geht letztlich auf das Konto der deutschen Nationalsozialisten und der hinter ihnen stehenden Kräfte. Es gab wenig, was an Kassel so interessant gewesen wäre, daß man es so großflächig und radikal hätte vernichten müssen - bis auf eines: seine Rüstungsindustrie. Ihr - und den in ihr beschäftigten Menschen - galten die Bomben. Betrachtet man die heutige wirtschaftliche Struktur der Stadt, so scheint es, als habe man nicht viel gelernt. Die Bilder der Menschen, die in den Flammen und unter den Trümmern umgekommen sind, gehören der Erinnerung ihrer überlebenden Freunde und Ver-

wandten. Die Bilder der zerstörten Stadt, so wie sie sich vorher, in der Zeit um 1900 darbot, interessieren alle Menschen, die sie heute bewohnen. 1943 hatte Kassel mehr als 220 000 Einwohner - am Ende des Krieges waren es 100 000 weniger. Zu Beginn des Krieges war Kassel eine Stadt, deren mittelalterlicher Altstadtkern die Besucher zu Vergleichen mit einem Freilichtmuseum herausforderte; die Bauwerke aus der fruchtbaren Zeit hugenottischer Architekten in der Oberneustadt waren noch überwiegend erhalten. Die Stadt war im Laufe eines Jahrtausends gewachsen, hatte sich seit ihrer ersten Erwähnung im Jahre 913 zunächst recht langsam um den Altstadtkern herum , im neunzehnten Jahrhundert dann eilig in alle Himmelsrichtungen ausgedehnt. Das Wachstum jedoch war an dern , was geblieben war, noch immer nachvollziehbar.

Der weit überwiegende Teil der heutigen Kasseler Bevölkerung kennt die Stadt nur in ihrem Nachkriegszustand - und dem Autor, wenige Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches geboren, geht es nicht anders. Doch die Beschäftigung mit den alten Bildern läßt auch die heutigen Ansichten unter verändertem Bliekwinkel erscheinen. Wenn auch einiges,

was noch zu retten war, wieder aufgebaut wurde allzu vieles, was ebenfalls zu retten gewesen wäre, wurde abgetragen, planiert, sogenannten großzügigen Planungen geopfert. In den Respekt vor der Nachkriegsgeneration, die den Wiederaufbau geleistet hat und die stolz auf ihre aufgekrempelten Ärmel verweist, mischt sich Wut auf deren städtebauliche Barbarei, selbst, wenn es gutgemeinte Barbarei gewesen sein sollte.

Doch es geht nicht darum, nostalgisch die Kasseler Zeit um die Jahrhundertwende zu verklären. Die idyllischen Szenen der engen Altstadtgassen mit ihren Fachwerkbauten verbergen nur allzu oft soziale Not und einen erschreckenden Mangel an notwendigen, sanitären Einrichtungen, lassen feuchte, lichtlose Räume und Ungeziefer nicht erkennen. Immer wieder wird in den Beschreibungen der Bilder davon die Rede sein müssen, daß gegen den Protest der Bürger historisch und kulturell wertvolle Gebäude niedergerissen wurden, um an ihrer Stelle neue zu errichten; sie mußten einem Fortschritt weichen, dem Altes und Nutzloses gleichbedeutend sind.

Und doch: den heutigen Betrachter dieser Bilder, auch jenen, der den alten Zustand der Stadt nie selbst

erlebt hat, überkommt das Gefühl eines tiefen Verlustes, wenn er Fotografien von Straßen und Plätzen durchblättert, durch die selbst zu gehen ihm nie möglich sein wird - dies im Bewußtsein dessen, was sich in der Gegenwart an denselben Stellen vorfinden läßt. Zynisch und geschichtslos könnte sogar kurz der Gedanke aufblitzen, daß es vielleicht besser war, daß die tote und kalte Maschinerie des Krieges das Gesicht der Stadt so brutal verändert hat - Vertreter großzügiger, fortschrittsverpflichteter Planung und Bauspekulanten hätten sich wohl sonst selbst zu den Vehikeln der Veränderung gemacht und gezielter ausradiert, was im Wege hätte stehen können.

So bleibt uns nur (doch immerhin), die zum Teil mehr als ein Jahrhundert zurückreichenden Bilder anzuschauen, die Stadt mit vielleicht neuen Augen und Gedanken zu betrachten - und aus der Geschichte zu lernen.

Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeitern des Kasseler Stadtarchivs, die mir die meisten der in diesem Band abgedruckten Fotografien zugänglich gemacht haben und meiner Mutter, von deren persönlichen Erinnerungen an das alte Kassel ich profitieren konnte.

1. Die nach dem Kriege geborenen Einwohner Kassels werden ihre Heimatstadt auf diesern Bild kaum wiedererkennen auch viele der anderen Ansichten dieses Bandes gehören unwiederbringlich der Vergangenheit an. Hier geht der Bliek weit über die Dächer der verschachtelten Altstadt hinweg, vorbei an Fachwerkfassaden auf die beiden Türme des ehemaligen Mittelpunktes der Oberneustadt: die Martinskirche. Von alledem haben die Bombenangriffe auf das nordhessische Industrie- und Rüstungszentrum kaum etwas übrig gelassen. Nur die Kirche wurde in veränderter Form wieder aufgebaut. Das Bild entstand um 1930.

2. Ein frühes Luftbild zeigt die Stadt von einem Punkt aus, der hoch über der Stelle liegen dürfte, an der sich heute der 'Große Kreisel' befindet. Die Fuldabrücke, Altrnarkt, Rondell und Marställer Platz wirken vertraut - doch selbst hier hat sich vieles verändert, Im Vordergrund rechts erkennt man den Holzmarkt auf der Unterneustädter Seite der Fulda, mit Baumreihen bepflanzt und von dichter Bebauung umgeben, Der Altmarkt auf der gegenüberliegenden Seite der Fulda - ehemals tatsächlich noch als Marktplatz genutzt und als solcher Zentrum der Altstadt - war Ausgangspunkt zahlreicher Gassen.

3. Vom südlichen Turm der wenige Jahre zuvor umgebauten Martinskirche wurde dieses Bild 1897 fotografiert. Das Haus im Vordergrund steht an der Ecke Hedwigstraße/Königsstraße und wurde einige Jahre später abgerissen. Der Druselturm, noch heute erhaltener Bestandteil der Befestigungsanlagen, steht am Ende der Turmgasse, die gegenüber des Postgebäudes mündet. Dahinter erkennt man die große Fläche des Königsplatzes, dessen Gefälle zur Fulda hinab aus dieser Sicht besonders deutlich wird. In südwestlicher Richtung erstreckt sich die Obere Königsstraße.

4. Noch älteren Datums ist dieser Bliek über die Dächer der Altstadt hinweg. Da die Martinskirche noch ihren alten Turm mit der 'welschen' Haube besitzt, muß das Foto vor dem Jahre 1889 aufgenommen worden sein. Der Fotograf befand sich auf dem Zwehren-Turm und blickte in die Oberste Gasse herab. Hinten links ist der obere Teil des Druselturrns zu erkennen, der Rest wird vom gewaltigen Dach der Garnisonkirche verdeckt, deren Turm in Richtung des hier nicht mehr sichtbaren Königsplatzes gelegen war. Die noch spärliche Besiedlung der Stadtumgebung wird aus dem freien Bliek auf das Umland erkennbar.

5. Die alte Stiftskirche St. Martin wurde im Jahre 1364 gegründet und erst runde hundert Jahre später, 1462, geweiht. Während des späten Mittelalters und in der Zeit der Renaissance, als sich die Stadt über ihre alten Grenzen und Befestigungsanlagen hinaus ausgedehnt hatte, war die Kirche auf ihrem hochgelegenen Standort weithin sichtbarer Mittelpunkt Kassels, Der Turm mit der 'welschen' Haube ist auf allen alten Stichen und Ansichten Kassels deutlich zu erkennen. Hinter dem Pferdefuhrwerk steht einer jener Brunnen der Stadt, aus denen sich die Bewohner mit Wasser versergten.

6. Im Jahre 1565 hatten die Einwohner Kassels ihrer Martinskirche eine neue Haube im Stil der Renaissance auf die gotischen Mauern gesetzt. Das um 1890 entstandene Bild zeigt die Bauarbeiten bei der tiefgreifenden Umgestaltung der beiden Türme, die nach Plänen von Prof. H. Schneider in der Zeit von 1889 bis 1893 umgebaut wurden. Entsprechend dem Geschmack der Zeit wurde aus der langsam gewachsenen und stilistisch uneinheitlichen Kirche ein neugotisches Bauwerk. Der ursprüngliche Südturm ist bereits ein Stück abgetragen, der neu errichtete Nordturm ist bis zur Spitze mit Holzgerüsten eingeschalt.

7. So bot sich die Martinskirche dem Betrachter nach ihrem Umbau Anfang der neunziger Jahre des ausgehenden Jahrhunderts dar: als rein gotisches Gotteshaus mit zwei Türmen und hochgereckten Turmspitzen. Den Architekten und Bauleuten standen zu jener Zeit bereits ganz andere Materialien und Kenntnisse zur Verfügung, so daß die zarten, aufstrebenden Formen der Gotik mit den moderneren Mitteln der Neugotik vergleichsweise unproblematisch realisiert werden konnten. Diesen Bliek auf die Westfront der Kirche hatte es vor dem Umbau noch nicht gegeben; er wurde erst möglich durch die abgebrannte Rosenzweig'sche Fabrik. Den entstandenen Durchbruch nannte man 'Zahnlücke'.

8. Kurz vor der Jahrhundertwende, am 12. September 1899, wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Martinsplatz das Denkmal Philipps des Großmütigen enthüllt. In der Martinskirche war der evangelische Landgraf einst beigesetzt worden; durch eine großangelegte Sammlung bei den protestantischen Fürsten, bei Marburger Professoren und anderen Mäzenen konnte die Summe von 55000 Reichsmark aufgebracht werden - auch der Kaiser hatte sich mit 10000 Mark beteiligt. 5,80 m hoch war das Bronzestandbild Philipps, von dem heute nichts mehr erhalten ist. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört: nicht von den Bomben, sondern von den Schmelzöfen der Rüstungsindustrie.

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