Kennt Ihr sie noch... die von Biedenkopf

Kennt Ihr sie noch... die von Biedenkopf

Auteur
:   Dr. Elsa Blöcher
Gemeente
:   Biedenkopf,
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2425-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kennt Ihr sie noch... die von Biedenkopf'

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EINLEITUNG

Biedenkopf war eine Ackerbürgerstadt wie viele hessische Kleinstädte; Landwirtschaft wurde hier noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben. Haupterwerb bot jedoch das Handwerk, das sich auf der Nutzung heimiseher Rohstoffe aufbaute, auf Eisen und Holz, Wolle und Flachs, Häute und Felle. Als Schmiede, Schreiner und Zimmerleute, Tuchmacher und Leineweber, Färber und Gerber, als Schneider und Schuster führten sie die Stadt im 18. Jahrhundert zu einer wirtschaftlichen Blüte. Bis 1785 stieg die Einwohnerzahl auf 5 731. Mit dem Verarmen der Bevölkerung in und nach den Napoleonischen Kriegen, dem Erfinden von mechanischer Spindel und mechanischem Webstuhl, die dem Handwerker noch lange fremd blieben, sank diese Zahl jäh, durch Abwandern und Auswandern bis auf 2 734 Seelen 1880. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb sie bei rund 3 000 stehen.

In der Zeit um 1880-1930 bilden die alteingesessenen Familien, die Wurzelbürger, noch einen wesentlichen Teil der Einwohner, ergänzt durch Einheirat und Zuzug. Letzteren bestritten vielfach die Kreisverwaltung und Ämter, Kirche und Schule, Gericht und Gesundheitswesen, Post und Eisenbahn. Die ausgewählten Bilder suchen alte Familien und seßhaft geword ene Zuzügler zu erfassen, ohne dabei einen abgerundeten überblick zu bieten, für den die zugängliche Überlieferung zu ungleich ist.

Fotografen gab es in Biedenkopf seit etwa 1880. Ernst Ellenbergers Stadtansichten mit Menschengruppen lassen nur selten Einzelpersonen erkennen. Bei Max Stephani wurde Berthold Weidemann ausgebildet; dort arbeiteten nach 1890 Willi Maus, später Marburg und, um 1900 Ernst Eschemann, der 1908 ein Fotoatelier in der Stadt eröffnete.

1. 'Kennst Du uns noch? ' fragt das erste Bild unserer Reihe, das die Zimmerleute und Schreiner zeigt, die am Abbruch der alten Stadtkirche 1888 arbeiteten. Sie war 1876 wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Am 29. Mai 1888 begann der Abbruch, am 30. Juli waren die Aufräumungsarbeiten beendet. Da war wohl der Fotograf am Ort. Ihm stellten sich die Zimmerleute mit der Axt in der Hand, die Schreiner in ihren Schürzen. Nur von einigen, wohl den in der Stadt Ansässigen, sind die Namen bekannt.

In der hinteren Reihe stehen von links her: Karl Cyriax, Zimmermeister Wilhelm Cyriax und als vierter August Cyriax, Angehörige einer Familie, die in eine seit 1745 bekannte Zimmerwerkstatt eingeheiratet hatte und seit 1811 in sechs Generationen 17 Zimmerer stellte.

In der zweiten Reihe stehen Heinrich Wild aus dem Kottenbach, Karl Breidenstein, der - später Architekt - auch das Amtsgericht und die Häuser Hoerenz und Hecker baute, Heinrich Klos vorn Lindenhof und rechts Städtischer Bautechniker Wi1helm Menn, der, gebürtig aus Emdtebrück, 1913 in Biedenkopf verstarb.

Vom sitzt, zweiter von links, Schreinerrneister Emil Hosch,

2. Links: Gerhard Matthäus, geboren in Düsseldorf, war 1879-1902 Pfarrer in Biedenkopf. Die Kirchenchronik berichtet über ihn: Er war ein warmherziger und wirkungsvoller Prediger. Sein größtes Verdienst war der Kirchenbau, bei dem jeder ermessen wird, welch hohes Maß von nimmer versagender Begeisterung, Hingabe und zäher Beharrlichkeit dazu gehörte, dies große Werk zu fördern und die Mittel dazu aufzubringen. Zur Feier der Einweihung 1891 vermerkt der 'Hinterländer Anzeiger', daß ein Amtsbruder in gebundener Weise das Sammlertalent von Pfarrer M. zum besten des Kirchenfonds in höchst launiger Weise veranschaulichte.

Das Foto zeigt ihn um 1890 mit Frau Matthäus und den drei ältesten seiner sechs Kinder:

Hermine, später verheiratet mit Christian Balzer aus Wallau, Änne, später Diakonisse und lange Zeit Gemeindeschwester in Buchenau, und Gerhard, genannt Fritz, später Chef der Biedenkopfer Niederlage der Firma Christian Balzer.

Rechts: Sein Amtsbruder war Wilhelm Guido Brühl, 1884-1920 erster katholischer Pfarrer der großen Diaspora, die den Kreis Biedenkopf mit etwa 90 Seelen umfaßte. Den Weg zu seinen Pfarrkindern legte er zu Fuß zurück, den schweren Knotenstock in der Hand, ein Stück trockenes Brot in der Tasche. Zur Frühmesse in Battenberg brach er um drei Uhr auf. Er war früh mit Not und Sorge vertraut, offen für jede Begegnung. Sein Haus stand als Gasthaus 'Zum guten Hirten' allen Kirchenbesuchern offen. Hier lebten ständig Schüler, denen er den Besuch des Realgymnasiums ermöglichte. Mit dem Amtsbruder von der anderen Konfession teilte er die Sorge um einen Kirchenbau. 1889 wurde die katholische Kirche zu Biedenkopf eingeweiht, wenig später die zu Frankenberg. Die Summen für Neubauten zu beschaffen, schrieb er zahlreiche originelle Bettelbriefe, mit der Unterschrift: 'Der arme Tropf zu Biedenkopf.' Beim Abschied des 'alten Brühl' aus seinem Amt waren alle Behörden der Stadt und des Kreises zugegen.

3. Die Belegschaft des Letterrnannwerkes zu Ludwigshütte 1891.

'Die Waldschmiede oberhalb von Biedenkopf" ist schon 1546 genannt. Die schweren Grundmauern eines Ambosses wurden nahe dem Hainbach, kurz vor seiner Einmündung in die Lahn, auf dem Anwesen Frohnhäuser gefunden. Etwa 100 Meter bachaufwärts betrieb Ludwig Lettermann seit 1841 an der Pinnhecke einen andern Hammer. Das Werk wurde später erweitert durch eine Dampfsäge, deren Pfeifen den Ludwigshüttern jahrzehntelang die Arbeits- und Essenszeiten anzeigte. Der Sohn des Begründers, Louis Lettermann, ging als Hammerschmied noch auf die Wanderschaft, wie sein Wanderbuch anzeigt. Auf dem heimisehen Hammer arbeitete er Äxte und Beile, Hämmer, Hacken, Brechstangen, Pflugscharen und Wiesenbeile. Sein Bruder Georg Lettermann stellte im Sägewerk vor allem Hackklötze für Schlachtereien her. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Werk mit der Hütte verbunden. Das Hammerwerk war schon vorher stillgelegt. Das Bild wurde zum 50jährigen Bestehen des Hammers 1891 von den Arbeitern dem alten Chef überreicht. Es zeigt die Besitzer vom in der Mitte, sitzend Ludwig Lettermann, zu seiner Rechten Louis Lettermann, der bis 1908 am Amboß stand, zur Linken Georg Letterrnann.

Viele Arbeiter kamen aus Wallau und Weifenbach, sogar von Elsoff. An Biedenkopfern erkennt man in der hintersten Reihe als 5. von links den Schlosser Adolph Arzt, in der Reihe davor als 1. Schlosser Ludwig Schmidt, 3. Julius Benner und in der dritten Reihe als 2. Georg Müller, Ludwigshütte, Meister am Amboß noch nach 1920. Nummer 6 ist Jakob Hartmann aus der Hintergasse und ganz rechts Otto Brühl, der junge Enkel des alten Lettermann, der hier im Handwerk arbeitete, ehe er sein Studium begann; er wurde Diplom-Ingenieur.

Vorn sitzen neben Georg Lettermann Karl Weiß, genannt der Battenberger Karl, Sägewerker von der Ludwigshütte, und Jakob Letterrnann, Ludwigshütte, genannt der Tornsanner.

4. Carl und Louis Pfeil, Fleischereimaschinenfabrik, Dampfsäge und Holzschneiderei, um 1895. Der Betrieb der Brüder Pfeil war ein früher Vorläufer der heutigen Fleischereimaschinenfabrikation in den Modell- und Maschinenfabriken des Hinterlandes, in Biedenkopfund Wallau. Die Pfeil wurden um 1704, von Battenberg kommend, in Biedenkopf eingebürgert als Müller in der Untermühle. Die kleine Fabrik schloß 1899, als sie der Konkurrenz des Lettermannschen Unternehmens nicht mehr gewachsen war. Ihr Gelände ging später an die Zimmerei Cyriax über.

Das Bild sagt aus über die Fülle der Fabrikate und Werkzeuge. Da stehen: ein Fleischwolf, mit dem Fuß zu drehen, nebst Fleischwanne als Aufsatz, ein kleiner Fleischklotz mit gedrechselten Beinen, zum Aufschneiden bestimmt, ein mehrschneidiges Wiegemesser, ein Hackeklotz, eine Handstopfmaschine und ein Wagenrad. An Werkzeugen finden sich Drahtzange, Schraubenschlüssel, Feile, Stecheisen, Fleischklopfer, Hobel, Zirkel, kleine und große Hämmer.

An Arbeitern sind vermerkt: In der hinteren Reihe von links als 8. Louis Müller, später in Solingen; davor 2. von links Maurer und Maschinist Johannes Gerlach, gebürtig aus Hommertshausen; 4. Theodor Müller, 5. Christian Wilhelm Schmidt, 9. Julius Benner aus Wallau und 10. Peter Link.

In der vorderen Reihe ist als 2. August Dreher, neben ihm der Unternehmer Louis Pfeil und als 5. Justus Angersbach aus der Oberstadt. Der junge Mann, vor Louis Pfeil sitzend, zeigt durch Uhr und Rechnungsbuch unterm Arm seine gehobene Position an. Der Lehrling rechts von ihm ist Emil Maurer.

Das Hinterlandmuseum im Schloß, aufgebaut und betreut durch Carl Pfeil, bewahrt einige Geräte aus dieser Fabrik.

5. Grenzgang 1894.

Stolz der Biedenkopfer Bürger ist ihr ausgedehnter Stadtwald. Bis in die fünfziger Jahre hinein war er eine wesentliche Einnahmequelle für die Gemeinde. Um seine Grenzen hat es Streit mit allen Nachbarorten gegeben, Irrungen, die seit 1525 urkundlich belegt sind. 1680 verlangte Landgräfin Elisabeth Dorothea, daß die Grenze wenigstens alle drei bis vier Jahre ordentlich begangen, ausgehauen und abgesteint werde. Aus dieser Begehung kam es zum Grenzgang der Gesamtbevölkerung, der alle sieben Jahre hinausgeht, einem dreitägigen Fest, von dem sich niemand ausschließt, das die ab- und ausgewanderten Bürger die alte Heimat besuchen läßt. Vorbereitung, Grenzgang und Nachfeier verlaufen nach einem festen Gesetz.

Unser Bild zeigt das leitende Grenzgangscomité. In der hinteren Reihe Louis Letterrnann von der Hütte, Landwirt Georg Schmidt, Wollspinner Theodor Weigel, Carl Pfeil Senior = den 'alten Suppes', Wegerneister Wilhelm Kipp, Georg Plitt aus den 'Neue Kräme' und Franz Milchsack als Bürgero berst.

Vor ihnen sitzen Gustav Unverzagt, der Leiter der Sparkasse; Karl Brühl = 'der alte Brühl' von der Hütte, Bürgermeister Jacob Unverzagt, Kaufmann Georg Plitt - 'Neue Kräme' - und Strumpfwirkereibesitzer Karl Kilian.

Drei Tage lang begeht man die Grenze. Der Festzug ist in alter Ordnung zusammengestellt, angeführt durch die Trommler, denen zwei Sappeure folgen in Lederschurz, Beile tragend als Symbole für das Freischlagen der Grenze, 1894 August Braun und Karl Geßner. Musikkorps, Grenzgangsfahne und das Komitée schließen sich an. Dahinter kommen der Mohr, hier Carl Georg Pfeil vom Nonnenberg, Burschenoberst und Stabsoffiziere, die Schulklassen, die nach Stadtteilen und Straßen geordnete Bürgerschaft, unter ihren Oberen. Der Mohr und zwei Wettläufer, hier Georg Gönner und Karl Kramer, umkreisen den Zug und halten ihn, peitschenknallend, zusammen. Die langen Lederpeitschen werden seit Generationen von der 1828 gegründeten Sattlerei Nord gearbeitet. Höhepunkt eines jeden Wandertages ist die Frühstückspause; Mohr und Wettläufer sind beschäftigt mit 'Huppchen': sie holen den Grenzfremden, Neubürger, Besucher zum Grenzstein und stubsen ihn mit seiner Sitzfläche darauf nieder: 'Der Stein - die Grenze - in Ewigkeit.'

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