Kinderhaus in alten Ansichten

Kinderhaus in alten Ansichten

Auteur
:   Gottfried Schäfers
Gemeente
:   Kinderhaus
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5593-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Kinderhaus in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Da gibt es in dem münstersehen Stadtviertel Kinderhaus eine Straße, die heißt: Am Nubbenberg. Eigentlich müßte hier, hinter dem Wald der ehemaligen Villa Zimmermann zwischen Rektoratsweg und Grevener Straße, von jedermann zumindest eine Bodenerhebung vermutet werden. Das inzwischen bebaute Gelände liegt aber vollkommen eben da. Wieso? Ursprünglich gab es hier tatsächlich einen Berg, einen sandigen Hügel. Und oben auf der Spitze befand sich ein hölzerner Galgen - bis ins 19. Jahrhundert hinein Hinrichtungsstätte für die von der Stadt Münster verurteilten Verbrecher. Ihre Strafe, die man damals für gerecht hielt, wurde weit draußen vollzogen.

Später. als der Galgen verschwunden war, benutzten die Kinder den Nubbenberg im Winter zum Schlittenfahren; im Sommer zog es die Familien hierhin. Sie genossen die Aussicht in Richtung Münster und auf Vorbergs Hügel bei Nienberge. Aber manch einen der Älteren, der damals den Nubbenberg erklommen und von der grausigen Vorgeschichte gehört hat, mag es oben gefröstelt haben ...

Nach 1903, als das Gebiet von Kinderhaus nach Münster eingemeindet wurde, begarmen mehrere Unternehmer damit, zwischen Grevener Straße und Rektoratsweg Sand abzubauen, den sie für die vielen Neubauten in Münster benötigten. Der Nubbenberg verschwand. Man grub weiter in die Tiefe. Sandkuhlen entstanden, die noch vielen Mitbürgern in Erinnerung sein müßten, denn sie wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit Bauschutt aufgefüllt. Und seitdem ist der Nubbenberg nur noch eine ebene Fläche.

Nur eine Stelle weist noch auf die Abgrabungen im münsterschen Kiessandrücken hin: die Kuhle hinter den Kasernen an

der Ecke Dreizehnerstraße/Grevener Straße, zwischen Rektoratsweg und Gasselstiege im Westen und Grevener Straße im Osten. Im Bereich der Sandkuhlen wurden die ältesten Spuren in die Vergangenheit von Kinderhaus gefunden. Das Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte bewahrt Urnen und Bronzestücke auf, die auf etwa 1200 bis 1500 vor Christo datiert werden. Die entsprechenden Siedlungen vermuten Wissenschaftler nicht weit weg davon im Kinderbachtal.

Der Name Kinderhaus geht zurück auf die Leprakranken, die wie hilflose Kinder angesehen wurden und die zunächst in mehreren Hütten weit vor den Toren der Stadt dahinvegetierten, bevor der münstersche Bischof Ludwig H. im Jahr 1342 eine Stiftung bestätigte, die den Bau eines Wohnhauses und einer kleinen Kapelle ermöglichte. Die jetzige Kirche und das Altenheim gehen zurück auf diese Stiftung ...

Die Kirche in Kinderhaus war ursprünglich der Heiligen Gertrud von Nivelles, der Gärtnerin, geweiht, deren Fest wir am 17. März feiern. Darauf deutet die Darstellung eines Bildes im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte hin, das früher der Kirche gehörte. Hier wird die Heilige Gertrud gezeigt, an deren Stab zwei Mäuse hinauflaufen, und die Heilige Elisabeth, die einem Siechen eine Gabe reicht. Eine andere Darstellung der Heiligen Gertrud gibt es im Lazarushäuschen an der Kirche. Erst Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, der Kanonenbischof, hatte dem Zeitgeist entsprechend den Heiligen Josef als Patron eingeführt. 1908 wurde die Kirche zur Pfarrei erhoben. Früher verlief die Straße nach Greven, die 'via rcgia' ,die Königsstraße, zwischen Kirche und Leprosenhaus hindurch. Die später erbaute Grevener Chaussee war mit Blaubasalt gepflastert und hatte einen halbrunden

Ouerschnitt, damit das Regenwasser zur Seite hin schnell ablaufen konnte; parallel verlief ein unbefestiger Randstreifen für die Reiter.

Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen machte 1724 nördlich von Kinderhaus den ersten Spatenstich für den Bau des Max-Clemens-Kanals, der Münster mit der Zuidersee in Holland verbinden sollte. Der Anfang des Kanals lag an der heutigen Kanaistraße in Münster in Höhe des Coerdeplatzes. Der dortige Hafen war ausgestattet mit Hebekran, Lagerschuppen und Verwaltungsgebäude. Auch wenn aus dem Handeisverkehr mit den Weltmeeren nichts wurde, verlief der Güterverkehr bis hin nach Clemenshafen südwestlich von Mesum einige Jahre lang reibungslos. Lastkähne, sogenannte Treekschuten, wurden von Pferden gezogen. Wer heute das Kanalbett sieht, kann sich das nicht vorstellen. Man muß wissen, daß die rechts und links stehenden Pappeln erst später gepflanzt wurden. Die Gaststätte Höltene Schluse befindet sich an der Stelle, wo eine Zwischenschleuse den Wasserstand verbessern sollte.

1840 wurde der Kanal durch königlich-preußische Kabinettsordere als Wasserstraße aufgehoben, die Schiffe und die Hölte ne Schluse verkaufte man als Brennholz ...

Die Gaststätte Wilhelmer an der Gasselstiege und das Waldschlößchen am Kinderhauser Bahnhof setzen die alte Tradition dieses Stadtviertels fort, Ausflugsziel für münstersche Bürger zu sein. In der Lazarusoktave pilgerten die Städter nach hier, um durch Einkehr und Gebet in der Kirche einen vollkommenen Ablaß zu gewinnen. Danach waren sie in den Wirtschaften zu finden. wo sie sich bei Kaffee und gutem Bauernstuten ein paar schöne Stunden machten ...

Kinderhaus ist niemals in seiner Geschichte ein selbständiges Dorf gewesen. Die Kirche und die damit verbundene Schule übten eine gewisse Anziehungskraft auf umliegende Bauern aus. Der Beginn einer planmäßigen Besiedlung fiel in die Zeit der Weltwirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg. Es entstanden die Häuser am Hasenbusch, Erlenkamp, Janningsweg, Rektoratsweg und Gronewegskamp, alles sogenannte Kleinsiedlerstellen mit großem Garten, der die Ernährung der eigenen Familie weitgehend sicherstellen sollte.

Der bäuerlich-ländliche Charakter von Kinderhaus trat zurück. Neue Entwicklungen bahnten sich an. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand beispielsweise die sogenannte Kinderreichensiedlung im Bereich von Pestalozzistraße, Montessoristraße und Fröbelstraße. Wie schon früher wurde hier Selbsthilfe großgeschrieben. Da waren die alten Vereine und zahlreiche Neugründungen. Ihre Mitglieder halfen sich gegenseitig und unterstützten den Aufbau eines Stadtviertels mit eigenständiger Kultur und Geselligkeit.

In den sechziger Jahren entstanden Hochhäuser und weitere Eigenheimsiedlungen. Mit dem Bau von Hauptzentrum und Bürgerhaus wurden mehr Einkaufsmöglichkeiten, Versammlungsräume sowie Schwimmbad, Post, Volkshochschule und Stadtbücherei geschaffen.

Heute ist Kinderhaus ein selbstbewußtes Stadtviertel. Den Leuten, die hier leben, mag das Wissen um die Vergangenheit ein Stück Heimatgefühl geben ...

Gottfried Schäfers

1. Diese kleine Kirche mit dem sie umgebenden Kirchhof im Norden Münsters stellte zusammen mit dem gegenüberliegenden Leprosenhaus jahrhundertelang Kinderhaus dar. Hier lebten der Geistliche und der Küster, der Amtmann und die an Lepra Erkrankten. Das Leprosenhaus war aus Furcht vor Ansteckung weit vor die Tore der Stadt verbannt worden. Ihrer wirtschaftlichen Absicherung diente umfangreicher Grundbesitz, der aber weiterhin der Stadt gehörte. Die in der Umgebung liegenden Höfe wurden im alten Schrifttum und in erhalten gebliebenen Registern 'als in der Bauerschaft Jodefeld' oder auf 'Uppenberg gelegen' bezeichnet.

?

2. Die Münsteraner fühlten sich in späteren Zeiten wegen der vorzüglichen Kaffeewirtschaften nach Kinderhaus hingezogen. Das 'Waldschlößchen' entstand aus einem Wohnhaus, das seit 1820 einem Knecht des Bauern Schulze Brüning gehörte. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Münster-Enschede im Jahre 1875 wurde in einem kleinen Anbau eine Bierverkaufsstelle eingerichtet, in der die Bahnarbeiter Flaschenbier bekommen konnten. Erst ein späterer Besitzer machte aus dem Haus eine Gaststätte. Zeitweise war sie eine Bahnhofsgaststätte, wo die Fahrpläne im Kaminzimmer aushingen.

Kinderhaus.

Fernruf 1461.

3. Unter Anton Wald wurde das 'Waldschlößchen' zu einer Kaffeewirtschaft. Er ließ einen Saal anbauen und im tiefergelegenen, von der Straße entfernteren Gelände einen Musikpavillon errichten. Hier spielte an manchen Sonntagen der gesamte Musikzug der Reiterkaserne auf. Beliebt war auch der Kinderspielplatz, der zum 'Waldschlößchen' gehörte. Berühmtester Wirt hier war wohl 'Onkel Pesi', der von 1948 bis 1959 mit selbstgemachtem Eis und besonders gut gezapftem Bier viele Gäste anzog.

4. Die uralte Grevener Landstraße, auf der wahrscheinlich schon die Römer zur Ems gezogen sind, verläuft zwischen Leprosenhaus und Kinderhauser Kirche. Sie wird ausdrücklich als 'via regia' , als Königsstraße bezeichnet und setzt sich südlich von Münster in der alten Straße nach Sendenhorst und Hamm fort. Longinus (Dr. Fritz Westhoff) schrieb: 'Die mittelalterliche Wegespur ist besonders zwischen Münster und Kinderhaus an mehreren Stellen gut erhalten. Merkwürdig sind die an ihrer Flucht gelegenen künstlich aufgeworfenen Sandhügel. '

5. Der Nubbenberg war ein künstlicher Erdhügel inmitten einer alten Heideparzelle. Longinus (Dr. Fritz Westhoff) meinte dazu bei seinen Spaziergängen durch die nähere Umgebung Münsters: 'Nach der Gestaltung des Bodens wahrscheinlich eine alte Schanze oder ein Warthügel (vielleicht römischen Ursprungs). In der neueren Zeit bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein wurde er als Hinrichtungsstätte benutzt. Auf ihm lagerten im Herbst 1759 die hannoverischen Truppen der verbündeten Belagerungsarmee; im August 1761 kam es in seiner Nähe zu einem Scharmützel.' Von der Spitze des Hügels genoß man damals einen freien Überblick über die nächste Umgebung. Der Nubbenberg war Fundplatz von 'eigenartigen Pflanzen und Insekten'.

6. Zu den Spuren aus ältester Zeit in Kinderhaus gehören Urnen, Trinkbecher, Steingeräte und Scherben. Sie wurden gefunden in den Sandgruben zwischen Dreizehnerstraße und Nubbenberg, auf Pastorsesch und am Bröderichweg oder auf dem Grundbesitz von Schulze Dieckhoff in Richtung auf Coermühle. Solche Funde künden davon, daß auf dem Sandrücken, der in der Eiszeit entstanden ist und sich aus der Gegend von Beckum über Sendenhorst, Albersloh, Hiltrup, Münster, Kinderhaus bis nach Wettringen hinzieht, schon vor 3000 Jahren Menschen gelebt und ihre Toten bestattet haben.

7. Luftbild vom Ende der zwanziger Jahre. Wir erkennen die Kirche, das Leprosenhaus und die alte Waldschule. Das Foto zeigt auch, daß Kinderhaus noch immer aus wenigen Häusern bestand. Hier ist schon die neue Chaussee nach Greven zu sehen, die die 'via regia' ersetzte. Die alte, unbefestigte Straße war durch starke Benutzung und etliche Unwetter unwegsam geworden und wurde deshalb mehrere Male seitlich verlegt, schließlich aber ersetzt.

8. Malerischer Bliek über die alte hölzerne Kinderbachbrücke hinweg auf die alte Kirche. Deutlich ist die hohe Mauer zu erkennen, die das Leprosenhaus abschirmte. Rechts die Gärten, die von den Kranken selbst bewirtschaftet wurden.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek