Kirchen in alten Ansichten Band 3

Kirchen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Kirchen
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2525-3
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Kirchen in alten Ansichten Band 3'

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EINLEITUNG

Meine lieben Kirchener!

Nun wollte ich ja eigentlich rnit meiner letzten Publikation, 'Kermt ihr sie noch ... die Kirchener' , den Schlußpunkt meiner heimatkundlichen Bernühungen gesetzt haben, aber dann wurde mir ganz unerwartet doch noch weiteres Bildmaterial zugestellt, so daß der renommierte Verlag in Zaltbommel sich doch nicht meinem Vorschlag eines dritten Bandes alter Ansichten verschließen konnte.

Daß mir dies überhaupt möglich wurde, habe ich zunächst meinem alten Freund Walter Semmelrogge, seinerzeit lange Jahre Schriftsetzer bei der 'Betzdorfer Zeitung' Ernst August Böckelmanns, zu verdanken, der mir nicht nur sein an alten Exemplaren dieses Blattes so reiches Archiv zur Verfügung stellte, sondern dessen Genrebilder aus Kirchen und Umgebung auch zu den schönsten Erinnerungen aller Heimatfreunde zählen dürften.

Auch möchte ich es nicht versäumen, Frau Brigitte Rüdisser (Haubrich) in Augsburg für ihr Engagement zu danken, in welchen Dank ich hiermit auch die Damen Hildegard Kraemer, Hildegard Flick, Hildegard Schneider, Frieda Mildenberger und Berta Kolbe einschließen möchte, die mich in rührender Weise in meinem neuen Vorhaben unterstützten. Ein zum Teil im Manuskript schon fertiggestellter Roman, aus volkskundlichen Beobachtungen und Traumfragmenten gefügt, hätte des Umfanges wegen den Rahmen einer solchen, vorliegenden Publikation bei weitem gesprengt, so daß es meine Konzeption war, das kleine Werkchen aus den mir vorliegenden heirnatlichen Zeitungsexemplaren der Jahre 1912 bis 1935 zusammenzustellen.

Im Anhange desselben sind zwei Seiten Ergänzungen und Berichtigungen angefügt, die sich auf die ersten drei Bücher beziehen. Naturgemäß waren solche Fehler nicht zu vermeiden, da die Angaben der von mir aufgesuchten Personen oft entscheidend voneinander divergierten, hin und wieder gewisse Unregelmäßigkeiten auch gerade erst nach Drucklegung des Werkes erkennbar wurden.

Bei Euch allen aber, meinen lieben Kirchenern, hoffe ich mit all den zeitgeschichtlichen Meldungen aus solch umwälzenden Epochen des frühen 20. Jahrhunderts ein neues Gefühl des Verständnisses und der Heimattreue wecken zu können.

In der öde unserer heutigen Kulturkomödie sehnt man sich wieder nach Verinnerlichung, man beginnt wieder zu fühlen, daß uns der Strom eines ewig Geheimnisvollen allüberall umrieselt. Und wo die Grenze zwischen Sinnlichem und übersinnlichem läuft, da hört alle Verstandeserklärung auf und das größte aller Wunder beginnt von neuem - der Glaube. Er schmücke wieder unser Wissen.

Das Titelbild zeigt einen Teil der Hauptstraße im Oberdorfe beim Brunnen mit den Häusern Ernst Duesberg, Justus Kraemer, Otto Stein (von Bäumen verdeckt) und Alfred Stein (von rechts) und der Lutherkirche im Hintergrund.

1. Ohne weitere Umschweife möchte ich den Geneigten Leser nunmehr in die Vergangenheit eines mannichfaltigen heimatlichen Journalismus entführen und mir nur wünschen, daß er sich in den hier gesammelten Anekdotenschatz von Meldungen aus der 'Kirchener Zeitung' (Druck und Verlag von Otto Ebner's Buchdruckerei, Brückenstraße 14); dem 'Kirchener Lokalanzeiger' (Druck und Verlag von Philipp Dickerhoff, Hauptstraße 35) und der 'Betzdorfer Zeitung' (Geschäftsstelle Wilhelmstraße 21 bei Ernst August Böckelmann) ebenso vertiefen möge wie in das Studium der heutigen, alltäglich in das Haus gebrachten Zeitungen.

Wir schlagen auf ein Exemplar der Kirchener Zeitung vom Donnerstag, den 7. März 1912, und lesen darin: Das Unglück am Katzenbacher Block wurde dieser Tage wieder in die Erinnerung zurückgerufen durch die Abreise des Bahnunterhaltungsarbeiters Greve aus Erndtebrück, der nun nach seiner im hiesigen kath. Krankenhaus erfalgten Wiederherstellung aus diesem entlassen werden und nach seiner Heimat zurückkehren konnte. Wie noch erinnerlich, forderte das Unglück, das sich ein paar Tage vor dem letzten Weihnachtsfeste ereignete, zwei Tote, während Greve und der Schaffner Katz aus Siegen schwer verletzt wurden. Der letztere befindet sich noch im Krankenhaus, ist aber erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung.

Kirchen, 7. März. Zu den Einbrüchen, die in der Umgebung in den letzten Wochen verûbt worden sind, wird noch folgendes gemeldet: Bei dem Einbruch im Stationsgebäude zu Hohenhain fiel den Spitzbuben ein Barbetrag von etwa 20 M. in die Hände. Auch in dem benachbarten Wildenburg wurde in das dortige Stationsgebäude eingebrochen, jedoch nur wenige Pfennige gefunden. Es handelt sich offenbar um dieselbe Person, die den Diebstahl begangen, denn in Wilden burg fand man einen Schraubenzieher, den der Spitzbube von Hohenhain mitgenommen hatte. Beide Male hat der Spitzbube stellenweise den Fensterkitt gelöst, einen Teil der Scheibe herausgebrochen, dann durch das so hergestellte Loch hindurchgereicht, den Fensterriegel weggeschoben und das Fenster geöffnet. Bereits am Morgen gegen l I Uhr traf ein Gendarmeriewachtmeister mit einem Polizeihund ein, der auch die Fährte eine Zeitlang in der Richtung auf Heid zu verfolgte, sie dann aber verlor. Jedenfalls war die Spur duch den strömenden Regen, der am Vormittag fast ununterbrochen anhielt, verwischt worden.

Unser Bild: Bliek auf die Wildenburg, das Stammschloß der Herren von Wildenburg. Die Veste erhob schon im 13. Jahrhundert ihre festen Mauem und Warten.

2. In demselben Blatte preist die Gemüsehandlung Peter Becker, Betzdorf, Kirchstraße 1, in einem Inserat an:

Achtung! Achtung! Heute trifft eine grosse Sendung frischer Gemüse ein; prima Spinat, Pfund 25 bis 30 Pfg., Grûnkohl, Pfund 25 Pfg., prima belesener Kornsalat, Endiviensalat, Pariser Kopfsalat, 2 Stück 25 Pfg. Prachtvolle Kopfe Blumenkohl, Stiick von 25 Pfg. an bis 60 Pfg .. Frettag nachmittag trifft wieder eine grosse Sendung prachtvoller Winterpflanzen in allen Sorten, 100 Stûck zu 80 Pfg., ein. Ferner empfehle ich feinste Tafeläpfel, Koch- und Backäpfel, feinste diinnschalige Apfelsinen, 10 Stûck 35, 50 und 70 Pfg., feinste Blutapfelstnen, 10 Stûck 80 Pfg. Riesenköpfe Rotkohl, Weisskohl, Wirsing, Möhren, Zwiebeln stets auf Lager.

Sturm & Tielmann, Inhaber Fritz Sturm, Kirchen, Brückenstraße 12, Feinst. Angelschellfisch, Pfund 40 Pfg., Feinster Bratfisch, Pfund 20 Pfg., Kabliau u. Seelachs, kopflos. Pfd. 35 Pfg., Rotzungen, Pfd. 50 Pfg., Feinster Goldbarsch, Pfd. 35 Pfg., Gewäss. u. getrock. Stockfisch billigst.

In den Amtlichen Bekanntmachungen wird mitgeteilt, daß das diesjährige Musterungsgeschäft im Kreise Altenkirchen in der Zeit vom 20. März bis einschließlich 3. April stattfindet. Im Aushebungsbezirk Altenkirchen 11, in Betzdorf, Wirtsohaft Vomfell, am Donnerstag, den 28. März, vorrnittags 9 Uhr, Musterung der Militärpflichtigen der Bürgerrneisterei Kirchen, welche in dem Jahre 1891 geboren sind.

In der Königlichen Oberförsterei Kirchen ist ein Brennholz-Verkauf anberaumt. Zu Dermbach: Montag, den 11. März 1912, vormittags 1 O~ Uhr, in der Gastwirtschaft von Utsch aus dem Schutzbezirk Kirchen, Distr. 1JJ b, 112b Hundskopf und 115a Höhwald: 500 Fichtenstangen Iv'KI., 85 rm Eichen- und Buchen-Reiser Ill.Kl. (unaufgearbeitet}. Ein Schön möbl. Zimmer, mit oder ohne Morgenkaffee, zu vermieten. Zu erfragen Kirchen, Brückenstr: 2.

In der 'Betzdorfer Zeitung', Montag, den 30. November 1914, heißt es unter der Uberschrift, Der Kaiser im Osten. Grosses Hauptquartier. 29. Nov. Se. Majestät der Kaiser befindet sich jetzt auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Das deutsche Volk wird in dieser Nachricht ein Zeichen für die Wichtigkeit des Kriegsschauplatzes im Osten erblicken dîirfen, aber auch ein Zeichen für die giinstige Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz, den der Kaiser nunmehr verlassen hat. Im Anzeigenteil findet sich eine Bekanntmachung von Gerichtsvollzieher Semmelmeyer in Kirchen, Hauptstraße 70, auf eine Versteigerung am Dienstag. den 1. Dezbr., nachm. 3 Uhr, im Germaniasaale zu Betzdorf, wo u.a. ein Piano, 1 Buffet, diverse Schränke, Sofas und Vertikows, Regulatoren, Bettstellen, ein Grammophon mit 12 Platten, und andere Gegenstànde mehr, öffentlich, zwangsweise, meistbietend gegen gieich bare Zahlung feilgebeten werden.

Unser Bild: Kirchen bei der Siegbrücke, Ganz links das alte Scharfrichterhaus, halb versteekt hinter Kastanien und Platanen die Gastwirtschaft 'Langs Ecke' und rechts das 1906 vollendete Haus von Schuhmacher Friedrich W. Henrich.

3. Friseur Paul Mildenberger (zweiter von rechts) mit seiner Frau Frieda, geborene Funk, und Söhnchen Hans (ganz rechts), sowie Else Kötting (links) vor seinem Salon (Haus Anton Höfling, Hauptstraße) um 1935.

Paul Mildenberger wurde am 13. Dezember 1900 in Saarbrücken geboren, und hat das Barbier-Friseur- und Perrückenmacher-Gewerbe drei Jahre, und zwar vom 7ten August 1915 bis zum 6ten August 1918 bei den Lehrmeistern Aeckere und Dûfer zu Saarbrücken und Tambler zu Volklingen gehorig erlernt heißt es in seinem Lehrbrief. Bevor er nach Kirchen kam und bei Karl Bender, der im heutigen Hause Hebel in der Brückenstraße seinen Betrieb hatte, eine Beschäftigung fand, dort auch seine Prüfung als Friseur- und Perrückenmachermeister ablegte, führten ihn seine Wanderjahre in viele Städte und Dörfer.

Sein Lehrverhältnis bei Wilh. Düfer, Parfümerie- und Toiletteartikel, Saarbrücken 3, bestand vom 9. Dezember 1916 bis 17. April 1917, und wurde wegen Aufgabe des Herrensalons vorzeitig gelöst. Vom 21. Januar bis 22. Mai 1919, ist er bei Johann Tresse, Saarbrücken, tätig, der in seinern Zeugnis schreibt: ... selbiger hatt sich während dieser Zeit in seinem Benehmen und Fleiss zu meiner Zufriedenheit gefiihrt, so dass ich denselben jedem anderen Kollegen weiter empfehlen kannl Vom 2. Juni bis 25. September 1919 ist er bei Hans Cleve in Saarbrücken in Arbeit, welcher schreibt ... und kann icb ihm in Bezug, speziel in Kabinetarbeit (Herren-Bedienung} dahs allerbeste Zeugnis ausstellen. Ehrlichkeit und Treue sind seine Charaktereigenschaften. Vom 7. Oktober 1919 bis 14. Oktober 1920 ist er in St. Wendel, wo ihm Meister J. Rolinger am 6. November in das Zeugnis schreibt ... ein williger und vertrauenswiirdiger Arbeiter, dessen Austritt durch Krankheit erfalgen musste. Vom 22. November 1920 bis 10. Juni 1921 hat er sich ... während dieser Zeit meine vollste Zufriedenheit erworben, läßt sich Richard Schneider, Friseurmeister aus Saarbrücken, vermelden. Ähnlich äußert sich Robert Becker, Perrückenmacher aus TrabenTrarbach, wo Paul Mildenberger vom 15. Juni bis 29. November 1921 sein Gewerbe ausübt: ... Neben Ehrlichkeit zeichnen Ihn Fleihs & Treue besonders aus. Vom 1O.Mai 1922 bis 10. Januar 1923 bei Otto Dresslerin Saarbrücken, stellt ihm dieser am 15. Januar 1923 das Zeugnis ... eines tûchtigen, fleissigen Gehûlfen aus. In der Zeit vom 8. Februar 1923 bis 20. März 1925 hält er sich in Lothringen im Salon de Coiffure bei Jacques Gauthier auf, der ihn ... meinen werten Collegen nur warm empfehlen kann. (Petite-Rosselle, Ie 20. Mars 1925.)

Am 30. März 1925 meldet er sich polizeilich in Kirchen an und ist vom 27. März bis 25. Juli 1925 bei Carl Bender Il tätig, der ihrn bescheinigt ... seine Fûhrung war sehr gut! Neun Jahre später stellt ihm der Betzdorfer Bürgermeister Kamphausen die 'Äuchen'-Schule zur Verfügung, damit er dort in der ersten Fachklasse für den Nachwuchs in seiner Zunft sorgen konnte. Von 1934 bis 1945 fungierte er als Innungs-Obermeister. Für seine Stammkunden hatte er als Spezialitäten den Hindenburg- oder Konturenschnitt parat. Zunächst noch im Hause Alfred Stein, seit 1963 auch im Neubau im Baumschulweg, führen Frau Frieda und Sohn Hans den allseits bekannten 'Salon Mildenberger' fort.

4. Unser Bild links zeigt uns den Urahn des Frisiersalons Mildenberger, den Friseurmeister Funk aus Altenkirchen als 'Lazarettgehülfe' irn Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Er starb bereits am 31. Januar 1875 und hinterließ einen Sohn, Louis Funk, der später Obermeister war.

Die Aufnahme rechts zeigt uns das Ehepaar Hermann und Hedwig Heikaus, von Schuster Josef Nauroth (Austraße 2) fotografiert, in der Ti.ire des Gasthof 'Zum Bahnhof'.

Hermann Heikaus war ein Jagdliebhaber und eigentlich Straßenbaumeister, während seine Frau einer alten Siegener Gastwirtsfamilie entstammte. Eines Tages kam ein Herr Stein, Vertreter der Sohllederfabrik Otto Kraemer, Kircherhütte, der bei Heikaus übernachten wollte, und erhielt auch ein schönes Zimmer zugewiesen. Nach der Einquartierung machte er noch die ihm aufgetragenen Kundenbesuche, wurde aber bei seiner Rückkehr von der Wirtin mit den Worten empfangen: 'Steinchen, ech hann Dech wener aus demm Zemmer en 'nen anneres gedohn, heh datt Schüinere brucht' ech für 'nen Vi.irnähmeren.'

Wo ich nun so viel über den Meister Mildenberger berichtet habe, darf ich es hier nicht unterlassen, auch Willi Wünning über einige Zeilen hinweg zu wi.irdigen. Derselbe machte sich im Jahre 1932 auf dem Brühlhof 'in einem Zimmerchen' des Hauses Wolf selbständig, zu einer Zeit, wo das Haareschneiden bloß fünfzig Pfennige und das Rasieren einen Groschen kostete. In dem Frisierstübchen fanden sich zwei Nachtschränkchen, ein Spiegel an der Wand und die Garderobe von zu Haus und ein Bänkchen für die Kunden. Willi Wünning, der in Siegen sein Handwerk gelernt und auch kurze Zeit als Gehülfe ausgeübt hat, war damals froh, wenn am Tag drei, vier Mann zum Haareschneiden kamen.

Allmählich aber ging es aufwärts, bis Krieg und Gefangenschaft auch dem Kirchener Figaro einen Strich durch die Lebensrechnung machten. Erst Ende 1949 kehrte er aus Sibirien zurück; zehn Jahre war er aus der Heimat fort gewesen. 'Das Geschäft war zerstört, von den Amerikanern ausgeräumt' - es hieß, noch einmal von vorn anfangen. Bis 1959 sorgte Wünning an Langs Ecke für 'ordentliche Hoar', dann wechselte er zum fünften und letzten Mal den Standort und zog in das Haus Kirchstraße 8. Unterstützt von Gattin Emma, ist Wünning heute ganz für die Herren da. 'Morgens sitzen hier immer mindestens vier, fünf Mann rum', berichtet er und seine Kunden kommen auch aus Betzdorf', Alsdorf und Freusburg. Wünning ist stolz darauf, über dreißig Stammkunden zu haben, von denen so Mancher noch den alten Militärschnitt schätzt, erzählt er. 'Zwei Finger über den Ohren ausrasiert, und zwar jede Woche!' Diese Kunden bitten auch den nun schon 70Jährigen, seinen Laden ja nicht zu schließen. Und Wünning versichert beruhigend: 'Ich mach' solange weiter, wie es nur eben geht!'

5. In der 'Betzdorfer Zeitung' vom 20. Januar 1916, Donnerstag, findet sich unter der Rubrik 'Lokales' folgende Meldung. Kirchen. 20. Januar. Zu dem Leichenfund, der am vergangenen Sonnabend in Kircherhiitte gemacht wurde, sei noch bemerkt, dass es sich um die Leiche eines kräftigen, neugeborenen Knaben handelt, die, wie besondere Umstände ergeben haben, bereits etwa drei Wochen an ihrem Fundorte gelegen haben muss. Mehrere polizeiliche Vernehmungen haben bereits stattgefunden. In diesem Zusammenhange wollen wir eines ungewöhnlichen Menschen gedenken, den das Totenregister der evangelischen Gemeinde Kirchen von 1771 verzeichnet, nämlich dass in jenem Jahr ... starb Johann Gerlach Capita, ein Greis von 90 Jahren. Der Reveritit (Schwarmgeist), der ausserordentlichste Mensch, so lange Kirchen stehet. Der reichste und zuletzt der allerärmste. Der das härteste Gemüth und den unbeugsamsten Eigensinn, der 4 Weiber und zuletzt keine hatte, indem er die vierte verlassen. Und der 34 Jahr evangel., darauf 54 Jahr papistisch, und zuletzt ins 2te Jahr wieder evang. gewesen.

Der um die St.-Michael-Ktrche auf dem ehemaligen Gelande 'Am Bettengarten' gelegene und mit einer Ringmauer versehene Kirchspielhof ist hierzulande wohl der älteste, der noch heute benutzt wird. Im Jahre 1808 war es der einstimmige Wunsch der Bevölkerung gewesen, daß die Verstorbenen beider Konfessionen, wie sie als Nachbarn friedlich gelebt, auch im Frieden gemeinsam ruhen sollten. Am 19. September 1809 wurde hier die erste Tote des damals noch weitläufigen Kirchspiels, eine junge Frau aus Dauersberg, durch den katholischen Pastor Joh. Heinrich Brocke beigesetzt. Am 7. Dezember des nämlichen Jahres stand der evangelische Pfarrer Joh. Peter Sturm vor dem Grabe eines alten Mannes aus Hohenbetzdorf: 'Wir haben hier keine bleibende Statt, die zukünftige aber suchen wir .. .' Mittlerweile war der jahrhundertealte Kirchhof an der Nordseite des damals noch simultanen Gotteshauses mit Gesang und Gebet geschlossen worden. Hier findet sich das Gräberfeld der renommierten Familie Jung, hier ruhen die drei Industriellen, denen der König dazumal wegen ihrer Verdienste um das Berg-, Hütten- und Maschinenwesen den Titel eines Kommerzienrates verlieh: Walther Siebel (26. August 1839 bis 10. Januar 1898), Otto Stein (16. Juli 1854 bis 9. November 1918), dessen Lebenswerk vornehmlich dem Aufblühen der heimisehen Eisensteingruben galt, und Arnold Jung (8. Januar 1859 bis 8. Januar 1911), dem heimisehen Pionier des Lokomotivbaues der sogenannten Gründerjahre. Hier findet sich auch die Ruhestätte von Carl Daniel Stein (am 16. September 1803 geboren), der im Jahre 1839 die Friedrichshütte zu Wehbach gründete und sich ebenso als Wohltäter der Gemeinde erwies wie Alfred Stein (5. Januar 1858 bis 20. Juli 1920), von dessen Dasein nur noch ein bescheidener Grabhügel kündet.

Unsere Aufnahme zeigt die Beerdigung (Sarg auf Lafette) von Stahlhelm-Mitglied Gustav Haubrich am Heldengedenktag 1935, hier am Kirchplatz.

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