Landau in der Pfalz in alten Ansichten

Landau in der Pfalz in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Hans Blinn
Gemeente
:   Landau in der Pfalz
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5594-6
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Landau in der Pfalz in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die Stadt Landau in der Pfalz - Abriß ihrer Geschichte -

Willst du ein gut' Stück Weltgeschichte kennen lernen, so sieh' dich in der Geschichte deiner Vaterstadt um!

(Johann Georg Lehmann /1797-1876/ in einem Brief an einen Landauer Bürger)

Die Garten- und Weinstadt Landau, einstmals die 'stärkste Festung der Christenheit', blickt auf eine fast 750 Jahre dramatisch bewegte, bis in unsere Tage an glänzenden Höhepunkten reiche Geschichte zurück.

Der Dreiklang Reichsstadt des Mittelalters - Festungsstadt Gartenstadt ist die Melodie, die uns hören läßt, was die vergangene Zeit ausmacht, und bei der jeder Akkord sich beinahe wie selbstverständlich auf den vorhergehenden aufbaut.

Erstmals findet sich der Name 1106-1108 in einer Chronik des Klosters Sinsheim. In ihr wird ein königliches Lehen auf der 'Landes-Aue' im alten Speyergau genannt: ein 'praedium in Landaw situm', das der König der Abtei gegeben hat. Damit tritt die Stadt Landau, auf einer Landzunge erwachsen, von sumpfigem Gelände umgeben, aus dem Dunkel der Vergangenheit in die Geschichte ein. Unklar bleibt jedoch die Herkunft des Namens.

1257 geht die Siedlung, um eine Reichsburg gelegen, in den Lehensbesitz des Grafen Emich IV. von Leiningen-Landeck (1228-1289) über, kaiserlicher Landvogt im Speyergau. Das staufische Kaisertum war verblaßt, Fremde stritten sich um das Erbe, die Landvögte strebten nach eigenem Territorium. Die Leininger wollten ihren Dörfern, ihrem Reichslehen Landeek und der Herrschaft Madenburg, die sie neben Lindelbronn, Grevenstein, Gutenberg und Falkenburg innehatten, Sicherheit geben. Da bot sich die Burg in vorzüglicher Lage der

Landes Au geradezu an, Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu werden.

In einer im Februar 1268 ausgestellten Urkunde des Grafen Emich IV. von Leiningen und seiner Ehefrau Margarethe von Sponheim - das Kloster Eußertal wird durch sie von 'Zoll, Ungeld und sonstigen bürgerlichen Beschwerden' befreit - nennt man Landau bereits 'civitas nostra' ; es muß also schon ein Gemeinwesen mit Ratsverfassung und Gerichtsstand gewesen sein.

Am 30. Mai 1274 verleiht der ein Jahr zuvor in Frankfurt a. M. gekrönte König Rudolf 1., Graf von Habsburg (1273-1291), aufBitten des Leiningers dem 'oppidum Landavium', der befestigten Ansiedlung 'Landowe', in Hagenau die Stadtrechte wie diese sie auch besaß - und bewilligte die Abhaltung eines Wochenmarktes.

Im Jahr 1276 beginnen die vom Leininger Stadtherrn aus Steige bei Zabern berufenen Augustiner-Chorherren ('Steiger- oder Stiftsherren') eine Kirche zu bauen: 'Zu unserer lieben Frau' ('Monasterium S. Mariae ad scalas'), die sich bald als zu klein erweist. 1300 lassen sich Augustiner-Eremiten nieder, gründen einen Konvent und bauen sich eine eigene Kirche: 'Hlg. Kreuz'.

Anno 1291 - Graf Emich war 1289 kinderlos gestorben, Landau ans Reich gefallen - bricht König Rudolf I. bei seinem Besuch im Juni die blühende 'civitas Landowe' als Reichslehen aus dem leiningischen Besitzstand heraus und erhebt sie zur freien Reichsstadt (datiert: Seltz, 15. April 1291). Im November 1292 schenkt ihr sein Nachfolger, König Adolf von Nassau (1292-1298), den Königshof und damit das Dorf Dammheim. Um 1300 kommt das Dorf Queichheim ebenfalls unter ihre Herrschaft, und 1305 erlaubt König Albrecht I. (1298-1308) den Bürgern, die im Stadtgebiet gelegene Reichsburg abzutragen und mit den Steinen ihre Stadtmauer zu verstärken, die 25

Türme aufwies. Durch zwei Tore, die südliche Liebfrauenpforte und das nördliche Mühlhäusertor, gelangte man in das umgebende Land.

1309 beginnt man mit dem Neubau der Kirche 'Zu unserer Lieben Frau', der späteren Stiftskirche, die 1333 geweiht wird und an der man ab 1349 den Turmbau errichtet, der Mitte Mai fertiggestellt ist. Bald jedoch geht die Freiheit der Reichsstädter verloren: die Stadt, die sich nach dem Tode des Luxemburger Grafen Heinrich VII. (1308-1313) in dem Thronstreite auf die Seite des Habsburgers Friedrich von Österreich (1314-1340) schlägt, wird durch dessen Gegenspieler, den Wittelsbacher Ludwig den Bayern (1314-1347), ihrer Parteinahme wegen zweimal belagert und gegen eine beachtliche Geldsumme zuerst an die Stadt Speyer (1317), hernach um 5 000 Pfund Heller an den Bischof Emich von Speyer (24. Juni 1324) verpfändet.

Vorausgegangen war am 19. Oktober 1314 die Doppelwahl der Könige, die Vettern sind; drei Kurfürsten (Köln, Pfalz und Sachsen) wählen in Sachsenhausen den Habsburger Friedrich den Schönen, Herzog von Österreich, Enkel Rudolfs, zum deutschen König; am nächsten Tag geben vier Kurfürsten (Mainz, Trier, Brandenburg und Böhmen) in Frankfurt a. M. dem Wittelsbacher Ludwig ihre Stimme. Damit beginnt für die Stadt eine fast 200jährige Periode von Gewalttätigkeiten und Bedrückungen. Sechs Generationen lang lastete diese Fron auf ihren Mauern, auch wenn am 13. September 1346 Kaiser Ludwig bei seiner Anwesenheit in Speyer der Stadt wieder einen Freiheitsbrief ausstellte, der aber im Mai 1349 durch seinen Nachfolger, KarilV. (1347-1378), widerrufen, Jahre später dann mehrmals bestätigt werden sollte.

1412 erwirbt die Stadt einen Teil des nordwestlich der Stadt gelegenen Dorfes Mühlhausen von den Ganerben der Herrschaft Madenburg und bringt zwanzig Jahre später auch den rest-

lichen Teil des Dorfes und seiner Gemarkung durch Kauf in ihren Besitz. Das Dorf geht noch im gleichen Jahrhundert ein, wie vorher schon die Dörfer Eutzingen, Oberbornheim und Servelingen.

1432 erfolgt die Gründung einer städtischen Lateinschule, die erste weltlich-städtische im pfälzischen Raum.

Im März 1508löst die Stadt, deren finanzielle Verhältnisse um diese Zeit glänzend sind, das 1465 an den Speyerer Bischofverpfändete Dorf Queichheim wieder ein und erwirbt im Dezember vom Besitzer der Herrschaft Madenburg, dem Freiherrn von Heideck, das Dorf Nußdorf um 3 000 Gulden. Zu Ostern des Jahres (24. April) weilte Kaiser Maximilian I. (1493-1519) mit großem Gefolge von Italien kommend in der Stadt. Am 19. Apri11511 entbindet er in einem Erlaß die Reichsstadt (etwa 2 200 Einwohner) aus der 187jährigen Verpfändung an den Bischef von Speyer und unterstellt sie der kaiserlich-habsburgischen Landvogtei Hagenau, nachdem die zur Lösung der Pfandschaft erforderliche Summe an das Hochstift Speyer bezahlt worden war. Im Jahr darauf (11. August 1512) befreit er die Stadt, wie auch die übrigen Städte der Landvogtei Hagenau, von allen dem Reiche zu leistenden Steuern und Schatzungen. April 1521 kommt die Stadt durch Kaiser Karl V. (1519-1556) auf dem Wormser Reichstag zum Elsässischen Zehn-Städte-Bund ('Dekapolis'). Die Tragweite dieses Entschlusses sollte sich erst später zeigen.

Auf Betreiben Franz von Sickingens versammeln sich am 10. August 1522 in der bedeutendsten Herberge der Stadt, 'Zum Maulbeerbaum' (1488 als Hof von der Abtei Klingenmünster abgekauft), die Ritterschaft von Franken, Schwaben und vom Rhein. Dieser 'wider die Tyrannei der Fürsten und die Wütherei der Pfaffen' gerichtete 'Landauer Bund', der 'brüderlichen vereynigung, gesellschafft oder verstentnuß, fürnehmlich Gott zu Lob und dann folgendt merung gemeyes nutz', will auch der

Lehre Luthers zum Durchbruch verhelfen: 'dern Evangelium ein Loch' machen. Just in diesen Tagen predigte der 'Leutepriester' , Magister Johannes Bader (ehernals Hofmeister des Prinzen Ludwig von Zweibrücken, 1502-1532), die neuen Lehren des Mannes aus Wittenberg seinen Gläubigen und wird zum Reformator der Reichsstadt. Im Verlaufe weniger Jahre bekennt sich fast die gesamte Bürgerschaft zur neuen Lehre. (Auch die Münsteraner Wiedertäufer-Sekte fand Jahre später Anhänger in der Stadt. )

Vor den Toren der Stadt nahm dann am Sonntag nach Ostern 1525 der pfälzische Bauernkrieg seinen Ausgang: auf der Kirchweihe im Stadtdorf Nußdorf bricht er los. Acht Tage später erhebt sich die ganze Umgebung.

1552 muß die Stadt im Religionskrieg unter den Heeren des Königs Heinrich 11. von Frankreien (1547-1559) und des Markgrafen Albrecht von Brandenburg viel leiden - ebenso durch die Pest 1596-, bevor sie 1608 der protestantischen Union beitritt, um sich ein Jahrzehnt später neutral zu verhalten, was ihr aber nicht al1zuviel nutzte.

Namenlosen Jammer brachte der Dreißigjährige Krieg über die Stadt, die von 1621 bis 1639 siebenmal den Besitzer wechselte: entsetzliche Not, Seuchen, Brandschatzungen, unaufhörliche Quartierlast, Rauben, Morden, Plünderungen und Gelderpressungen, u.a. durch Kroaten, mußten die Einwohner über sich ergehen lassen, deren Zahl von 2 500 auf 1 500 absinkt.

Die Stadthalterschaft wurde nach dem Frieden von Münster und Osnabrück im Oktober 1648 gleich den übrigen Reichsstädten des Zehn-Städte-Bundes dem 'allerchristlichen' französischen König Ludwig XIV. (1643-1715) übertragen (Artikel 73), mit der Bedingung, daB die Reichsunmittelbarkeit erhalten bleiben und ihre Freiheit nicht beeinträchtigt werden sollte. Jedoch zwingt man am 10. Januar 1662 die Abgeordne-

ten der Stadt Landau zu Hagenau dem König von Frankreich den 'Eid der Treue und des Gehorsams' zu leisten. Die Franzosen besetzen am 1. November 1673 die Stadt und lassen sich die Schlüssel zu den beiden Toren ausliefern. Durch die Friedensschlüsse zu Nymwegen 1678/79 wird die Stadt darm vollständig dem französischen Reich einverleibt. Ab 1681 erhält die Stadt eine ständige französische Besatzung (mehrere Schwadronen Dragoner) in ihren Mauern, muß all die königliche Familie berührenden Namenstage 'festlich' begehen, und die Bewohner haben sich 'französisch' zu kleiden.

Im September 1687 erkundete des Königs Festungsbaumeister, Sébastian Ie Prêtre de Vauban (1633-1707) den Ausbau einer starken Festung, um das Tor zum Elsaß zu sichern. 'Von Landau aus wird man die ganze Pfalz völlig meistern!' schrieb ihm Kriegsminister Michel Ie Tellier, Marquis de Louvois (1641-1691), der Ende April 1688 den Grundstein zur Festung legte, die bis 1691 mit Hilfe von bis zu 20 000 Arbeitern zu 'einer der stärksten Festungen der Christenheit' ausgebaut wird. Dabei wurde im Zuge des Festungsbaues in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1689 auch die alte Stadtgeographie durch Brandlegung 'korrigiert'. Beim Neuaufbau entstehen nach dem Plan des aus Döle stammenden Ingenieurobersten Tarade gerade Straßen, rechtwinklige Bauquadrate und der Paradeplatz. Die Ratsherrn beschlossen 1698 die Stadt in Vierteln einzuteilen, deren Hausnummern und Straßenbezeichnungen rote, blaue, gelbe und grüne Farben trugen. 1700-1702 wird die Festung durch das Kronwerk oder 'Fort' auf dem nordwestlich vorgelagerten Kaffenberg verstärkt. Der Frieden von Ryswijk 1697, der den Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 beendete, beschließt die endgültige Verfügung der Stadt in das französische Königreich.

Die Festung Landau erhält ihre Feuertaufe, als 1701 die Nachfolge auf den spanischen Königsthron einen Krieg auslöst

(1701-1714 Spanischer Erbfolgekrieg). Die Stadt wird Stapelplatz für die in der Pfalz geraubten Beute in den Kriegen Ludwigs XIV.

Nach vier härtesten Belagerungskämpfen wird sie je zweimal von den Franzosen und zweimal von den Deutschen eingenommen: September 1702 Übergang der Festung an das kaiserliche Heer unter König Joseph I. gegen freien Abzug der Truppen unter Ezéchiel, Grafvon Mélac (t 1709); Oktober 1703 kommt sie wieder an die Franzosen unter Führung des Marschalls Camille d'Hostun, Duc de Tallart (1652-1728) nach der Schlacht am Speyerbach, November 1704 erneut an die Reichstruppen nach dem Sieg bei Hochstädt, und erst August 1713 schließlich wieder nach der Belagerung durch Marschall Jaques-Bazin de Bezons (1646-1733) an die Franzosen. Erneut mußte der kaiserliche Doppeladler über den Toren den französischen Lilien weichen.

Nach der Beendigung des Spanischen Erbfolgekriegs mit den Friedensschlüssen von 1714 in Rastatt und Baden (Schweiz)die früheren Friedensschlüsse werden nochmals bestätigt kommt es zu einer längeren Friedensperiode. Landau wurde französische Grenzfestung mit starker Garnison und Bollwerk der 'Queichlinie'. Und 1758 verdrängte die französische Sprache die deutsche aus den Protokollbüchern der Stadt.

Bei der Belagerung 1704 hatte König Joseph, der spätere Kaiser Joseph I. (1705-1711), den Oberbefehl über die Belagerungsarmee und benutzte zur Reise von Wien in sein Hauptquartier nach I1besheim eine Kutsche mit einem nach vorn und rückwärts zu öffnenden Verdeck, den 'Landauer', der als 'Abfallprodukt der Geschichte' erhalten geblieben ist.

Mit Ausbruch der Französischen Revolution Juni 1789, von . den Landauer Bürgern herzlich begrüßt, rückt die Stadt erneut in den Mittelpunkt des Geschehens. Von hier geht die Losung von Liberté, Égalité und Fraternité in die Lande. Am 29. Ok-

tober 1791 wird auf dem Paradeplatz ('Place de l'Égalité') die 'Bundes- oder Freiheitssäule' errichtet und Monate später, am 27. März 1792, der 'Göttin der Freiheit' gehuldigt, in Gegenwart aller Zivil- und Militärbehörden und unter 'unbeschreiblichem stürmischem Zujauchzen' des Volkes.

1792 hebt man die Konvente der Augustiner-Chorherren und der Augustiner-Eremiten auf, der Landauer Jakobinerclub wird Mittelpunkt der Revolutionspropaganda in der Pfalz.

Ab August 1793 erfolgte eine viermonatige vergebliche Belagerung der Festung durch die Preußen unter dem Oberbefehl des Kronprinzen von Preußen im 1. Koalitionskrieg (1792-1797). Es ist die fünfte Belagerung der Stadt bisher. und die hartnäckigste. 'Landau ou la mort' heißt der Schlachtruf der wenig kriegserfahrenen Sansculotten unter den Generälen Louis-Lazare Hoch (1768-1797) und Charles Pichegru (1761-1804), als sie die von den Preußen eingeschlossene Festung am 28. Dezember entsetzen. Die ersten Wochen des Jahres 1794 waren dann mit die schrecklichsten, die Landau gesehen hat. Die Guillotine wurde am 27. Pluviose (16. Februar 1794) aufgestellt, ohne jemals in Funktion zu treten, und der Freiheitsbaum am 10. Ventose (28. Februar) auf demselben Platz. Wochen zuvor, in der Nacht vom 6.17. Januar (17.118. Nivose), hatte man 39 Landauer Bürger, die im Verdacht standen, königstreu zu sein, nach der Festung Pfalzburg verschleppt. Erst nach Robespierres Ermordung (27. Juli) durften sie in ihre Heimat zurückkehren.

Am 20. Dezember 1794, morgens! 9 Uhr, brach ein entsetzliches Unglück über die Stadt herein: das große Mengen Pulver bergende Zeughaus an der Roten Kaserne flog in die Luft. Über 500 von 616 Häusern der Stadt wurden ganz oder teilweise zerstört. Eine weitere Heimsuchung war die Explosion des Artillerieparks im Fort im September 1799.

Die Nachricht vom Wahl des Konsuls Napoleon zum Kaiser am

23. Mai 1804 erregt bei der republikanisch gesinnten Bevölkerung der Stadt nur geringe Freude. Beim Plebiszit überdie Kaiserfrage hat Landau gegen Napoleon gestimmt. Und an seinem Krönungstag (2. Dezember) muß man die Stadt zwingen, den Tag 'festlich' zu begehen. Ein Nationalgardist repräsentiert die Stadt bei den Feierlichkeiten in Paris.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 wird die Festung von den Verbündeten eingeschlossen, und nach der Verbannung Napoleons die Belagerung im April aufgehoben. Ein ähnliches Spiel wiederholt sich bei der Rückkehr des Kaisers von der Insel Elba und seiner Niederlage bei Waterloo: am 25. August 1815 findet Aufhebung der letzten Belagerung der französischen Festung Landau statt. Die Stadt bleibt nach dem 1. Pariser Frieden bei Frankreich, beim 2. Friedensschluß kommt sie an das Reich zurück und wird österreichischer Verwaltung unterstellt. 102 Jahre, 3 Monate und 18 Tage war sie ununterbrochen französisch gewesen.

Die Pfalz und damit auch die 'Bundesfestung' Landau, zu der die Stadt am 3. November 1815 erklärt worden war, kommen durch den Münchner Vertrag vom 14. April 1816 zwischen Bayern und Österreich ab 30. April auf 'ewige Zeiten' an die' Krone Bayerns (König Maximilian I. Joseph, 1756-1825). Landau wird, der Einwohnerzahl nach um 1800 noch die größte Stadt der Pfalz, im September 1816 zur Bezirksstadt erhoben, erhält eine starke Garnison, die am 13. Oktober 1822 auf der 'Horstau' das 'erste Volksfest im Rhein-Baiern' feiert, und bleibt deutsche Bundesfestung bis 1866. Handel und Wandel entwickeln sich von nun ab sehr erfreulich.

Das 'Hambacher Fest' im Mai 1832 rückt die Stadt wieder in den Brennpunkt. Vom 29. Juli bis 16. August 1833 machte man im 'Schwanen'-Saal den Rufern nach Freiheit vor einem Assisengericht den Prozeß: die Rädelsführer des Festes, Philipp Jacob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth, Johann

Heinrich Hochdörfer und Genossen, die Helden von Hambach, werden jedoch freigesprochen. Ein Mann namens Franz Xaver Gabelsberger hält die Verhandlung vor einem deutschen Gericht erstmals in seiner von ihm erfundenen Kurzschrift fest.

Am 19.120. Mai 1849 erfährt die Bundesfestung während des badisch-pfälzischen Aufstandes durch eine kurze Belagerung von 1 200 Mann Freischaren unter dem 1812 in Worms geborenen 'Obristen' Ludwig Blenker, später amerikanischer General, ihre letzte militärische Belastungsprobe: der Sturmversuch der Freischärler mißlang. Der zu ihnen übergelaufene Leutnant Theodor Graf Fugger-Glött wurde am 11. März 1850 wegen Desertion und Staatsverrats erschossen.

Ab 24. Oktober 1855 ist Landau Bahnstation der 'Max-Bahn' Neustadt-Weißenburg. Die Bahnlinie Landau-Germersheim wird am 16. Mai 1872 eröffnet, die nach Annweiler am 12. September 1874 und ab 25. November 1875 bis Zweibrücken weitergeführt. Im Jahr 1867 wird die veraltete Festung auf Vorstellung des Landrates bei allerhöchster Stelle zum 'sturmfreien Depotplatz' erklärt; die meisten Außenwerke fallen.

Am 4. März 1869 entscheidet sich die Bürgerschaft durch Abstimmung für die Umwandlung der bis dahin konfessionell getrennten Schulen in 'gemischte Communalschulen'. Die Abstimmung mußte am 3. Mai wiederholt werden, da die vom März die Genehmigung der Regierung nicht erhalten hatte. Am Ergebnis änderte sich nichts.

Der Friede von Frankfurt a. M. nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 bringt am 20. März 1871 die Aufhebung des Torschlusses, somit der Festungseigenschaft: Landau ist offene Stadt. Nun ist ihr die Möglichkeit der Entwicklunggegeben: der Gesichtskreis ist weiter, das geistige Leben reger geworden. Wo einstmals Mauern, Gräben und Vorfelder zur Festung waren, entstehen prächtige Villenviertel, Gärten und

Parkanlagen. Die Gegenwart deckt die Vergangenheit zu und tut sich der Zukunft auf.

Am 15. Juni 1872 erwirbt die Stadt von dem Militärfiskus das Festungsterrain: die erste Bresche am Mehlmagazin wird am 8. September geschlagen, damit beginnt die Schleifung der Festung und ein planmäßiges Fortschreiten der Stadterweiterung. Von 1890 ab wurde Landau wieder zur größten Garnison in der Pfalz, die in ihrer räumlichen Ausweitung rasche Fortschritte machte und 1914 bereits 14000 Einwohner zählte. 1898 erhellt erstmals elektrisches Licht die Stadt, 1905 beginnt man mit dem Bau der städtischen FesthalIe, und 1910 erhält Landau als erste Stadt in der Pfalz die 'Kreisfreiheit' .

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg sieht sie von 1918 bis 1930 französische Besatzungstruppen in ihren Straßen: sie ist deren größte Garnison. Am 4. Juni 1930 erfolgte eine große Abschiedsparade, die Trikolore vor der 'Villa Streccius', Residenz des französischen Oberkommandierenden der Pfalz, wird eingeholt. Am 30. Juni ist das Kapitel 'Besatzungszeit' beendet.

Im März 1936 hallen wiederum Soldatenstiefel über das Pflaster der Stadt: Landau wird Garnison der deutschen Wehrmacht.

1937 werden die 'Vororte' Queichheim und Mörlheim eingemeindet, neue Viertel entstehen, so die 'Wollmesheimer Höhe', das 'Burgen- und Fliegerviertel' und der 'Horst'.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam es nicht zu der befürchteten Räumung, doch wurde die Stadt ab 1944 mehrfach Angriffsziel alliierter Bomberverbände, die dann am 16. März 1945, fünfTage bevor die ersten amerikanischen Panzer in die Stadt rollten, Tod und Verderben abluden und mehr als 40% der Gebäude vernichteten. Landau blutet schwer. Zuerst kommen die Amerikaner (20. März 1945), hernach die Franzosen als Besatzungsmacht.

Am 15. September 1946 trat nach 13 Jahren wieder ein frei gewählter Stadtrat unter einem ehrenamtlichen Bürgermeister zusammen. Ende des Jahres 1947 war die Stadt als erste aller pfälzischen Städte 'trümmerfrei' und wurde am 22. Januar 1949 wiederum 'kreisfrei', was sie zwischen 1910 und 1941 schon einmal war. Die Wunden der Stadt heilen langsam.

Mit der SÜWEGA ('Südwestdeutsche Gartenbau - Ausstellung') im Sommer 1949 legte die Garten- und Weinstadt ihr Fundament zu diesem Namen. 550 000 Quadratmeter Gartenfläche betreut heute die Stadtgärtnerei. Mit ihren beiden Märkten im Mai und September und vor allem mit ihrem 'Fest des Federweißen' ist sie seit Jahrzehnten ein Magnet in der Südpfalz, wie sie auch auf dem kulturellen Gebiet von jeher einen guten Ruf weit über die pfälzische Grenze hinaus genießt. Durch die Eingemeindung der Dörfer Arzheim, Dammheim, Godramstein, Mörzheim, Nußdorf und Wollmesheim im Jahr 1972 in die Stadt wächst ihre Einwohnerzahl auf 40 000.

Heute wird die 'Garten- und Weinstadt Landau' als die schönste Stadt der Pfalz gepriesen.

(Sämtliche Abbildungen stammen aus der Postkartensammlung von Werner Scharhag, dem an dieser Stelle für die Überlassung und seine Mitarbeit an den Bildunterschriften herzlich gedankt sei.)

2. u. 3. Auslasschleusen 71 u. 74 4. u. ~. ilartadeaux 72 u. 73, welche die Queich von den Hauptgräbea trennen 6. Weise Kaserne 107 7. Grabenscheere 29

1. Die alte Festungsstadt Landau: Die Auslaßschleuse Nr. 71 um 1875, die in den Hauptwall eingebaut und dazu bestimmt war, das Eindringen des Wassers in die Stadt zu verhindern. Schwere eiserne Falltüren gingen bis auf den Wasserspiegel herunter, um den Ein- und Ausgang aus der Stadt zu verhindern, was dennoch desertierende Soldaten versuchten.

französlsches Ravelin in Landau 1880.

2. Vauban-Festung um 1880: Ravelin- Tor, Werk Nr. 8, Waehhaus 173. Hier wurde 1895 die Mennersehe Bank erbaut.

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Hauptansicht von Süden" aus

3. Hauptansicht der Stadt Landau von Süden aus - mit Bliek auf Stiftskirche und Marienkirche. Im Vordergrund verläuft die Weißenburger Straße. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1914.

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4. Der Landauer Hauptbahnhofim Jahre 1909. Taxometer standen für die ankommenden Reisenden noch nicht bereit, man mußte eine Pferdedroschke nehmen. Das Gebäude wurde am 24. Dezember 1877 ohne 'besondere Einweihungsfeierlichkeiten' in Dienst gestellt. 1889/90 wurde dem zweistöckigen Bau ein südlicher und nördlicher Anbau mit den charakteristischen Kuppeldächern angefügt. Der Bahnhofwurde am 16. März 1945 zerstört; lediglich die heute wieder angebrachten Wappen derzwölf pfälzischen Städte waren erhalten und wurden beim Neubau 1961162 verwendet.

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