Leutkirch in alten Ansichten Band 1

Leutkirch in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Emil Vogler
Gemeente
:   Leutkirch
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1248-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Leutkirch in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Ein Bändchen mit alten Postkarten und Fotos aus vergangenen Tagen unserer Stadt, vergnüglich anzuschauen! Jawohl! Aber doch noch etwas mehr. Die Bilder und der Text, der ihnen beigegeben ist, versuchen, eine bestimmte Epoche lebendig zu machen, die gar nicht so weit zurück liegt, die Zeit vor den großen Erschütterungen unseres Jahrhunderts, in deren Folge sich auch in der kleinen Allgäustadt vieles entscheidend veränderte.

Eine Stadt wie Leutkirch ist geprägt durch zwei Entwicklungsstufen. Da ist einerseits die alte Stadt mit Bauten, die Jahrhunderte überlebt haben, und andererseits der Wandel der biederen Handwerker- und Bauernstadt zum industriellen Zentrum ihres Umlandes. Dazwischen aber liegt ein Zeitraum, der gekennzeichnet ist durch eine etwas zögernde Umstellung, Die bestehenden Verhältnisse wandelten sich nur langsam.

Man war im Städtchen unter sich. Die alteingesessenen Familien dominierten. Es war die Zeit des Bürgers, des Stammtischs, der Vereinsgeselligkeit, aber auch der 'Haute volee', die Zeit vor und nach der Jahrhundertwende, 'als der Großvater die Großmutter nahm'.

Doch die neue Zeit streckte ihre Fühler auch nach dem kleinen Allgäustädtchen aus. Der Anschluß an das Eisenbahnnetz rückte den Allgäuwinkel näher an die Welt heran. Und mit der Eisenbahn begann für Leutkirch eine Zeit, in der die Technik mehr und mehr Einfluß gewann und so manches Altgewohnte wandelte.

Als der Reichspostmeister Stephan die 'Carte postale' einführte, wurde aus der einfachen Mitteilungskarte bald die Ansichtskarte. In ihr spiegeln sich nicht nur die Straßen und Häuser, die Lebensart der Bewohner, sondern vor allem auch die neuen Errungenschaften. Sie war im Anfang nicht fotografische Wiedergabe, sondern Zeichnung. Darin liegt ein besonderer Reiz. Darum erscheint es auch berechtigt, sie und damit auch die Zeit, in der sie entstanden ist, der Vergessenheit zu entreißen. Nicht alles halten die Ansichtskarten fest. Darum werden sie ergaänzt durch Aufnahmen, die manches zeigen, das heute verschwunden ist, aber auch dem Menschen, dem Zusammenleben in Familie, Schule und Verein gelten. Die beigegebenen Texte versuchen, das auszusprechen, was das Bild allein nicht zu sagen vermag.

So ist ein hübsches Bändchen entstanden, zusammengestellt aus Postkarten und Aufnahmen aus den Beständen des Stadtarchivs, ergänzt durch Leihgaben von privater Seite. Dafür sei hier besonders gedankt. Möge das Büchlein nicht nur bei der älteren Generation Erinnerungen wecken, sondern darüber hinaus für alle, die unsere Stadt lieben, ein Bilderbuch vergangener Tage sein, in dem sie gerne blättern, ein Dokument einer Zeit, in der die Entwicklung unserer Stadt entscheidende Impulse erhielt und in der doch noch so unverkennbar die Verhältnisse des frühen 19. Jahrhunderts das Leben prägten.

LEUTKfRCIi im AI/ga·u.

1. Leutkirch war um 1900 noch ein kleines Städtchen. Die alte Postkarte zeigt es eingebettet in eine reizvolle Umgebung mit dem 'Hausberg', der Wilhelmshöhe, auf der gerade das Kinderfest gefeiert wird, der Leutkircher Heide und dem nahen Schloß Zeil. Stadtweiher und der inzwischen trocken gelegte Sägeweiher grüßen als blaue Augen südlich und nördlich der Wilhelmshöhe, dem Leutkircher Stadtpark mit dem Pavillon 'Schänzle' als Ausguck auf die Voralpen. Das Dreieck zwischen den Bahnlinien nach Isny und Memming en hat sich schon beachtlich mit Häusern gefüllt. Aber an der Straße nach Memmingen liegen noch einsam weit vor der Stadt das alte Leprosenhaus und die Schützenhalle. Die Postkarte von 'anno dazumal' stellt eine liebevoll gezeichnete Einladung zum Besuch der Allgäustadt dar.

Leutkirch i. Allgäu den ~ : 1.10S-

.......

2. Auf dieser Karte von 1905 geht der Bliek von Norden über die Stadt mit ihrem Wahrzeichen, den drei Türmen zu Füßen der bewaldeten Wilhelrnhöhe, bis zur Kette der Vora1pen bei Oberstaufen, hinter der die Oberstdorfer Berge bis hinüber zur Mittagsspitze herübergrüßen. Ein goldener Rahmen umschließt das hübsche Bi1dchen. Dr. Ow1g1aß hat sein Heimatstädtchen in einem köstlichen Verslein verewigt: 'Die zottigen Föhren hängen krumm zu Tal. Im Dunst der Frühe schwimmt der alte Plunder. Draus glotzen fahl zwei spitze Türme und ein zwiebelrunder' .

<: () e

..

;-

'" -<

o :::

..

g.

aus Qeutkirdt!

3. Aber man war stolz auf 'den alten Plunder', die einstige alte Freie Reichsstadt, urnschlossen von Mauer und Graben und mit wehrhaften Toren, durch die die Planwagen auf der alten Reichs- und Heerstraße von Lindau nach Augsburg ein- und ausfuhren. Matthäus Merian hat die Reichsstadt im 17. Jahrhundert gezeichnet, und die Postkarte erinnert an die Glanzzeit des Städtchens. Sie erinnert auch an die streitbare Apothekerstochter Barbara Agricola, die den Bürgermeister Künkelin von Schorndorf heiratete und durch ihren tapferen Einsatz diese Stadt 1688 vor der Einnahme durch die Franzosen rettete. Eine Gedenktafel an ihrem Geburtshaus, der alten Stadtapotheke neben dem Rathaus, erinnert heute noch an die mutige Leutkircherin.

4. Auf den Postkarten machte man stolz auf die Sehenswürdigkeiten des Städtchens aufmerksam. Hier ist es vor allem die die Stadt überragende Wilhelmshöhe. Sie hieß früher einfach 'Hoher Berg'. Darum konnte sie der Zeichner auch nicht hoch genug machen und setzte ihr kühn noch einen Gipfel auf. Als König Wilhelm von Württemberg seiner jetzigen Oberamtsstadt 1822 die Schulden abnahm, benannte man den 'Hohen Berg' aus Dankbarkeit in 'Wilhelmshöhe' um. Vor dem 1740/42 erbauten Rathaus und der Stadtapotheke geht es lebhaft zu. Da begegnen sich ein Reiter und ein Kutscher auf luftigem Gefährt. Aber auch Radler machen ihnen schon Konkurrenz. Einer produziert sich auf dem Hochrad, der andere schon auf dem bequemeren Zweirad.

S. Die Technik hielt irn letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auch hier ihren Einzug. Die wichtigsten technischen Neuerungen werden auch auf den Postkarten präsentiert. Im Vordergrund steht das stattliche Bahnhofsgebäude, flankiert von den Bahnlinien nach Isny und Memmingen. Das neue Postamt entstand ganz in der Nähe des Bahnhofs, verziert mit lustigen Dachaufbauten. Es löste den Gasthof Pflug-Post als Postamt ab. Dazu kam die moderne Großbrauerei Härle, anstelle der kleinen Mohrenbrauerei erbaut, mit dem ersten hohen Schornstein der Stadt und dem großen Eiskeller im rechten Teil der Brauerei. Lustig ist der Text der Karte, wo der junge Fritz Mendier seine Freunde 'bei gutem Wohlbefinden, aber schlechtem Wetter (Schneefall)' grüßt.

6. Und noch einmal eine Leutkircher Visitenkarte! Der stattliche Bahnhof und auch das neue Postamt liegen, wie die Postkarte zeigt, für damalige Verhältnisse, recht weit vom Stadtkern entfernt und waren für Fußgänger - und sie bildeten damals die Mehrzahl also etwas beschwerlich zu erreichen. Vor allem das Postamt, das die Geschäftsleute vorher so bequem erreichen konnten, hätte man gern näher bei der Stadt gehabt. Es gab deswegen zuerst einige Aufregung unter den Bürgern. Aber man gewöhnte sich bald an den etwas weiteren Weg, besonders nachdem die dorthin führenden Straßen rasch bebaut waren. Die das Stadtwappen und den malerischen 'Gruß aus Leutkirch' schmückenden Heckenröschen erinnern an das Leutkircher 'Nationallied': 'Sah ein Knab' ein Röslein stehn' .

7. Vor dem Bahnhofsgebäude mit Bahnhofsuhr und Öllampen für die nächtliche Beleuchtung hat sich die ganze Belegschaft stolz aufgestellt, vom Bahnhofsvorstand bis zum Weichensteller, Lokomotivführer und Heizer. Die stattliche Dampflokomotive mit dem hochbeladenen Kohlenwagen steht zur Abfahrt bereit. Die Lokomotiven trugen damals alle einen Namen ('Allgäu' oder die verschiedensten Städtenamen). Das war vor allem für die Kinder interessant. Sie hielten sich gerne am Bahnhof auf, besonders wenn ein Zug eintraf oder wenn rangiert wurde, und notierten sich die Namen der Lokomotiven. Stolz zeigte man einander, wieviel Namen man gesammelt hatte.

8. Auf der Postkarte vom Bahnhofsvorplatz herrscht reges Leben. Eben ist ein Zug angekommen. In der zweispännigen Kutsche wird die gnädige Frau abgeholt. Man begrüßt sich. 'Sind Sie gut gereist?' Ein Gepäckträger schleift die Koffer. Der Herr Pfarrer unterhält sich eifrig mit dem Herrn Hauptmann. Ein Radler produziert sich auf seinem neumodischen Fahrzeug. Beirn Postamt fährt der 'Omnibus' stadteinwärts und bringt die Gäste ins Hotel. Ja, jetzt war man etwas. Die große Welt war näher gerückt! Der Zeichner hat es verstanden, mit Phantasie die Atmosphäre der frühen Eisenbahnzeit auf der Postkarte köstlich festzuhalten.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek