Liblar in alten Ansichten

Liblar in alten Ansichten

Auteur
:   Manfred Faust, Sabine Boebé, Thomas Depka, Walter Keßler
Gemeente
:   Liblar
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6630-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Liblar in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Einleitung

Das wahrscheinlich schon in keltischer Zeit besiedelte Liblar lag in römischer Zeit an der wichtigen Verbindungsstraße zwischen den Provinzhauptstädten Köln und Trier. Die Carl-Schurz-Straße entspricht in ihrem Verlauf noch heute weitgehend dieser alten Römerstraße. Ein außergewöhnlich großer Gutshof ist an der Straße bei Frauenthal nachgewiesen; er harrt allerdings noch einer näheren Erforschung.

Wir wissen nicht, ob es eine Siedlungskontinuität zwischen der Römerzeit und dem Mittelalter gegeben hat. Die erste mittelalterliche urkundliche Erwähnung Liblars ist auf etwa 1 150 zu datieren, weshalb der Ort in diesem Iahr sein 850jähriges Bestehen gefeiert hat. Im Zusammenhang mit diesem Iubiläum ist im Rahmen eines unter meiner Leitung stehenden Arbeitskreises der Volkshochschule Erftstadt auch dieser kleine historische Bildband zur Ortsgeschichte Liblars entstanden.

Da es 1150 in Liblar bereits eine Pfarrgemeinde gab, kann man davon ausgehen, dass eine dörfliche Siedlung schon längere Zeit vorher bestanden haben muss und Liblar somit sogar noch deutlich älter als 850 Iahre ist.

Bis weit ins 20. jahrhundert hinein blieb die alte Rómer-

straße, die 1922 den Namen Carl-Schurz-Straße erhielt, die einzige Siedlungszeile des Ortes. Liblar war also immer ein typisches Straßendorf. Östlich daneben lag nur noch das alles dominierende Schloss Gracht. Das 1433 erstmals erwähnte Schloss mitWassergrabenanlage um Haupt- und Vorburg gelangte 1538 durch Heirat in den Besitz der Grafen Wolff-Metternich, die es bis zum Verkauf an die Gemeinde Liblar 1957 über 400 jahre lang besaßen. Graf Iohann AdolfII. (1651-172 2) legte den ersten Barockgarten des Rheinlands an, Mitte des 19. [ahrhunderts ließ Graf Levin das Haupthaus aufstocken und den kleineren Sûdflügel ganz neu errichten. Auch die Vorburg musste nach einem Brand 1879 teilweise erneuert werden. Die überaus starke Stellung, die der Graf im Dorf noch im 1 9. [ahrhundert einnahm,lässt sich beispielsweise daraus ersehen, dass der gräfliche Rentmeister dem Ortspfarrer 1858 'ins Gesicht' sagte, nicht der Erzbischof, sondern ' der Herr Graf' sei in Liblar sein Vorgesetzter. Seit 1976 beherbergt das Schloss eine Managerschule, das Universitätsseminar der deutschen Wirtschaft.

Seit dem Mittelalter bis zur Franzosenzeit gehörte Liblar immer zum Kurfürstentum Köln und darin zum Amt Lechenich. Die Franzosen, die 1794 das linke Rheinland und

damit auch Liblar besetzt harten, schufen die Bürgermeisterei ('Mairie') Liblar, zu der die Dörfer und Wohnplätze Liblar, Bliesheim. Buschfeld, Köttingen und Kierdorf gehörten. Die neue Bürgermeisterei gehörte zum Canton Lechenich und dieser zum Departement Roer mit Sitz des Präfekten in Aachen. Nach der Niederlage Napoleons fiel das Rheinland an Preußen, das die Bürgermeistereien beibehielt und die Kantone durch Landkreise ersetzte, Seit 1816 gehörte Liblar daher zum Kreis Lechenich, bis 1827 der Kreissitz nach Euskirchen verlegt wurde. Die Zugehörigkeit zum Kreis Euskirchen währte bis 1975. 1969 verlor Liblar durch die Gründung der Stadt Erftstadt seine Selbständigkeit, 1975 wurde Erftstadt ein Bestandteil des neu geschaffenen Erftkreises.

Die Französische Revolution bedeutete für das Rheinland mit der Einführung der bürgerlichen Rechte und Freiheiten eine grundlegende politische Modernisierung. Zugleich legte sie mit der Gewerbefreiheit und einem neuen Bergrecht. das die Berechtigung zumAbbau der Braunkohle vom Grundeigentum trennte und an die Erteilung einer staatlichen Konzession band, den Grundstein für eine wirtschaftllche Modernisierung, die auch Liblar in der zweiten Hälfte des 19. Iahrhunderts mit Macht erfassen sollte. Wie überall begann die Industrialisierung auch hier mit dem Eisenbahnbau. 1875 wurde die neue Eifelstrecke von Kalscheuren nach Euskirchen eröffnet und Liblar erhielt, wie das benachbarte Kierberg, einen repräsentativen Bahnhof,

der leider 1981 ohne Not abgerissen wurde. Die Eisenbahnlinie führte mirten durch das Braunkohlengebiet der südlichen Ville und ermöglichte dort den Bau mehrerer Brikettfabriken. Nachdem 1877 auf der Roddergrube bei Brühl das erste Brikett des rheinischen Reviers gepresst worden war, wurden seit 1889 bei Liblar gleich zwei neue Brikettfabriken errichtet: Grube Liblar und Grube Donatus. Beide erhielten einen Bahnanschluss zum Bahnhof Liblar, der hierdurch zum legendären 'Klüttenbahnhof' wurde, der zu seiner Hochzeit 1938 über sechzehn Gleise verfügte. 1895 wurde die Euskirchener Kreisbahn und 1899 die 'Klüttenbahn' , eine Schmalspurbahn nach Mödrath, an den Liblarer Bahnhof angeschlossen. An Letzterer lag die dritte große Braunkohlengrube bei Liblar, die Grube Concordia Süd.

Infolge der Industrialisierung änderten sich das Aussehen und die soziale Struktur Liblars schnell, zu den Bauern kam die Arbeiterschaft hinzu. 1890 begann die Grube Donatus in der Nähe des Bahnhofs mit dem Bau von Arbeiterwohnungen. Die noch weitgebend unverändert erhaltene erste Häuserzeile in der heutigen Donatusstraße war die Keimzelle für ein ganz neues Dorf das bis 192 2 'Donarusdorf" hieß und dann offiziell in Oberliblar umbenannt wurde. Um 1900 wohnten hier schon vierhundert Menschen, während die Einwohnerzahl van Alt-Liblar 1 100 betrug. Liblar war in den Iahren nach der Jahrhundertwende die Wiege der christlichen Gewerkschaften im Rheinischen

Braunkohlenrevier, die hier von 1906 bis 1933 ihr Bezirksbüro unterhielten, Das ehemalige Gewerkschaftshaus in der Nähe des Bahnhofs ist noch vorhanden. Vor allem in Oberliblar hatten in derWeimarer Republik die beiden Arbeiterparteien SPD und KPD eine starke Stellung, stärkste Partei insgesamt war aber das katholische Zentrum. Völlig unterrepräsentiert blieben hingegen immer die Nationalsozialisten, die noch bei der schon unter irregulären Bedingungen stattfindenden Reichstagswahl im März 1933 nur 10,9 Prozent der Stimmen erhielten.

Die heutige katholische pfarrkirche St. Alban wurde 1669 errichtet. Liblar war bis ins 20. jahrhundert immer ein so gut wie ausschließlich katholisches Dorf. 1854lebten hier bei 783 Katholiken nur zwei Protestanten und zehnjuden. Im gleichenjahr stiftete die Gräfm Wolff-Metternich zur Gracht das Iosephskloster für Nonnen aus dem Orden des heiligen Vinzenz von Paul, Das Liebfrauenhaus gegenüber der Kirche wurde 1932 errichtet, 1950 bezogen 21 Klarissen-Kapuzinerinnen aus Leitrneritz/Litomerice in Böhmen das ehemalige Haus Winterschladen an der Carl-SchurzStraße. In Donatusdorf wurde schon 1910 ein Bauverein zur Errichtung einer eigenen katholischen Kirche gegründet, Bedingt durch Weltkrieg und Inflation konnte aber erst 192 5 eine kleine Notkirche in einer Holzbaracke eingerichtet werden. Die heutige pfarrkirche St. Barbara wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut und 1953 geweiht. Die wenigen Protestanten in Liblar gehörten ur-

sprünglich zur Kirchengemeinde Brühl. Infolge der Industrialisierung stieg die Zahl der Protestanten durch den Zuzug vonArbeitern undAngestellten aus Mitteldeutschland so an, dass 1926 in Oberliblar die evangelische Friedenskirche errichtet werden konnte.Aber erst 1945 erhielt Liblar einen eigenen evangelischen Pastor. Die Nachkriegsjahre brachten durch den Zuzug von Flüchtlingen aus Mittel- und Ostdeutschland eine erneute, starke Zunahme der Protestanten, so dass 1949 in Liblar eine eigenständige Kirchengemeinde gebildet wurde.

Die Ära der Braunkohlenindustrie ging etwa 70 Iahre nach ihrem Beginn in Liblar schon wieder zu Ende. 1959 wurde die Brikettfabrik Donatus und 1961 die Fabrik Liblar stillgelegt. Das hatte für Liblar eine erneute 'explosive Entwicklung' zur Folge, wie Gisela Koschmider in dem Festbuch der Interessengemeinschaft 850 Iahre Liblar schreibt. Heute gibt es in Liblar keine Industrie mehr, und der Ort hat sich zu einem reinen und enorm gewachsenen Wohnort am Rande des Ballungsgebietes Köln-Bonn entwickelt. Nachdem die Gemeinde Liblar 1957 das Schloss Gracht gekauft hatte, konnte sie auf den dazugehörigen Ländereien neue Baugebiete ausweisen. So wuchsen zunächst Liblar und Oberliblar zusammen. Dies verstärkte sich noch, als seit 1969 die Häuser in Liblar-Sûd bezogen wurden. Zwischen 1978 und 1989 entstand ein Einkaufszentrum mit Hallenbad und neuem Rathaus für Erftstadt. Bis Zlll11 Verlust der Eigenständigkeit 1969 stieg die Einwohnerzahl

in Liblar auf 7 500, 1993 wohnten hier 11 500 Menschen. Begünstigt wurde diese Entwicklung auch dadurch, dass die ehemaligen Grubengelände nach Stillegung der Fabriken rekultiviert wurden und so am Rande von Liblar eine attraktive und viel besuchte Seen- und Waldlandschaft entstand.

Dieser Bildband dokumentiert die Entwicklung des Ortes Liblar seit etwa der Iahrhundertwende bis zum Ende der kommunalen Eigenständigkeit 1969. Er zeigt also im Wesentlichen die Ära der Braunkohlenindustrie, die nun schon seit vierzig [ahren vergangen ist, die das Leben des Ortes und der Menschen aber stark geprägt hat und an die die alten Liblarer und liblarerinnen noch viele Erinnerungenhaben.

Zahlreiche Liblarer haben uns dankenswerterweise alte Fotos zurVerfügung gestellt, und viele ortskundige Bewohner/innen wurden urn Erklärungen zu den alten Fotos gebeten. Ihre Erinnerungen wurden in die Bildbeschreibungen übernornmen, auch wenn es letzte Gewissheit über deren Genauigkeit nicht immer geben kann. Bitte teilen Sie ihre Kritik, Ergänzungen oder notwendige Richtigstellungen dem Redaktionsteam (Volkshochschule Erftstadt) mit.

Manfred Faust

Literamrhinweise

Simons. Peter, Liblar: Geschichte und Heimatkunde der alten Reichsgrafschaft im kurkälnischen Lande, Liblar 1956.

Boebé, Sabine, Schloß und Park Gracht in Erftstadt-Liblar, Neuss 1990 (Rheinische Kunststätten; Heft 355).

Liblar 1150-2000: Das Buch zur Geschichte. Hrsg. Interessengemeinschaft 850 Iahre Liblar e.v. Red. Sabine Boebé u.a., Köln 1999.

Bildquellen Sammlung Berg 8.

Sammlung Achim DorweilerTitelbild, 4, 7, 28,44. Sammlung Familie H.]. Esser 11,33,34,35,37,41,42, 46,48.

Lotti Euler 5 O.

Sammlung Erwin Heinze 16,56,57,70,71,72. SammlungThomas Kemp 38, 39, 59, 63. Sammlung Nikolaus Kloos 17, 18.

Sammlung Reiner Ostertag 1,9, la, 12, 14, 19,21,36, 40,43,66.

RheinischesAmt für Denkmalpflege 52, 53, 54, 55. Pfarrgemeinde St. Alban 13,45,47,58,60,61,62,64. Pfarrgemeinde St. Barbara 67,68,69. Carl-Schurz-Archiv 2, 3, 5, 6, 51, 65, 73, 74. Zentralarchiv Rheinbraun 15,20,22,23,24,25,26,27, 29,30,31,32.

1 Diese am 24.Juni 1900 abgeschickte und damit ziemlich genau 100 Iahre alte Postkarte zeigt die damals neuen Sehenswürdig-

keiten van Oberliblar, seinerzeit noch 'Donatusdorf" genannt: Den 1875 errichteten Bahnhof, die 1890 in Betrieb gegangene Brikett-

fabrik Donatus, die seit

1 895 fahrende Euskirchener Kreisbahn sowie die Direktorenvilla Glückauf, in der später das Bürger-

meisteramt von Liblar untergebracht war.

2 Luftaufnahme des Dorfes Liblar von 1968. In der Mitte die Carl-Schurz-StraBe mit der pfarrkirche St. Alban, rechts unten ist ein Teil des Schlosses Gracht zu sehen. Im Gelände auf der Köttinger Seite sind bereits einige neue Straßen angelegt, aber nur erst locker bebaut. Am oberen rechten Bildrand ist das vormalige Rathaus am jetzigen ViryChatillon-Platz zu sehen, dessen Grundstein 1952 gelegt wurde. Am Anfang der heutigen Straße Am Hahnacker (früher Neuer Weg) befand sich im Eigentum der Grafenfamilie unter anderem ein Pflanzkamp. Darin wurden Nachwuchsbäume für den Schlosspark aufgezogen.

3 Ebenfalls im jahre 1 96 8 wurde diese Luftaufnahme von Oberliblar aufgenommen. In der Mitte die Katholische pfarrkirche St. Barbara, darüber die Häuserzeile der Bergarbeiterwohnungen der Donatusstraße mit der evangelischen Friedenskirche. Vorne die Schule in der HeidebroichstraBe. Die freien Areale sind seither weitgehend bebaut worden. Die Grabkapelle der Familie Wolff-Metternich ist bereits abgerissen (links oben). An der neuen StraBe durch den einstigen Kapellenbuseh, bebautab 1963, stehen erst drei Häuser.

4 Das Dorf Liblar mit Blick auf die ehemalige Luxemburger Straße (jetzt Carl-Schurz-Straße). Die Bebauung war in den dreißiger [ahren, als die Aufnahme entstand. abgese-

hen von kurzen Stichgassen, noch fast gänzlich auf diese Straßenlinie beschränkt. Eine Litfaßsäule steht jetzt nicht mehr am Straßenrand, aber etliche der abgebildeten Häuser

haben die Zeiten überdauert. An der leichten Biegung der Straße ist deutlich zu erkennen, dass von der uralten Trasse der Römerstraße, die einst strikt geradeaus verlief, im Orts-

bereich streckenweise Abweichungen entstanden waren.

5 MittlererTeil der CarlSchurz-Straße um 1955. Auf beiden Straßenseiten haben einige Hauseigentümer bis in die Gegenwart

allen Veränderungsbestrebungen widerstanden. Das Kaufhaus Bühl versorgte viele Iahre lang Liblars Bewohner mit allem, was in

Haus, Kûche, Garten und Werkstatt gebraucht wurde.

6 Die Carl-Schurz-Straße an der pfarrkirche St. Alban mit Fronhof, dem Gasthaus zum Schwan (gebaut 1887) und der Konditorei Jean Brühl. Die Tankstelle

existiert schon lange nicht mehr und auch das Eekhaus an der Einmündung der Köttinger Straße (früher Heerstraße) ist bei der Verbreiterung dieser Straße

abgerissen worden. Wenig Verkehr herrschte auf der Hauptdurchgangsstraße, die auf diesem Foto noch ihre alte Pflasterung hat. DerparkendeVofrswagen

kann ein Hinweis darauf sein, dass das Foto in den fünfziger Iahren aufgenommen wurde.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek