Lichtenau in alten Ansichten

Lichtenau in alten Ansichten

Auteur
:   Gerda Hruschka
Gemeente
:   Lichtenau
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3459-0
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Lichtenau in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Lichtenau (390-462 m ü.M.) erstmals urkundlich genannt im Jahre 1246, liegt 10 km ostwärts der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt Ansbach im Tal der Fränkischen Rezat, umgeben von bewaldeten Höhen. Wer auf der Fahrt durch das mittlere Rezattal den Ort zum ersten Mal berührt, wird durch die im Wiesengrund breit hingelagerte Festungsanlage in Staunen versetzt. Die trutzigen Türme und Mauem der Festung lassen das Vorbild Alt-Nürnbergs deutlich erkennen, weil die zwei hohen Rundtürme dem Sinwellturm der Nürnberger Burg so sehr ähneln. Der interessierte Besucher erfährt, daß Schloß bzw. Festung und befestigter Markt von 1406 bis 1806 der Freien Reichsstadt Nürnberg gehörten.

Bliek in die Geschichte von Lichtenau

Schon seit 1386, als die Wasserburg Lichtenau noch im Besitz der Herren von Heideck war, die sie 1288 von den Herren von Dornberg erbten, diente sie der Reichsstadt Nürnberg als militärischer Stützpunkt. Die Reichsstadt Nürnberg hatte erkannt, daß man mit der Enklave Lichtenau einen 'Pfahl im Fleische' des zollerischen Territoriums der Burggrafen von Nürnberg bzw. Markgrafen von Brandenburg-Ansbacn hatte, den man so schnell 'nicht aus den Händen geben' wollte. Nach dem Kaufbrief von 1406 gehörten zu der von Nümberg erworbenen Grundherrschaft außer Lichtenau mit Markt und Burg noch 1mmeldorf mit Vogtei, Halsgericht, Ehaftgericht, Eigenleuten und Gûtern, Malmersdorf, Rutzendorf, Rutzenmühle und Buchenmühle sowie Güter in den Ortschaften Herpersdorf, Langenloh, Hirschbrunn, Sachsen und Volkersdorf.

Nur drei Jahre später, am 18. Oktober 1409, gingen davon durch Verkauf'Schloß, Markt und das Gericht Lichtenau mit den Dörfern Malmersdorf, Rutzendorf und Langenloh' und mit ' allen Rechten' in den Besitz des Nürnberger Bûrgers und Ratsherrn Heinrich Rummel ûber. Die reiche Familie Rummel bemühte sich verständlicherweise, Lichtenau wirtschaftlich zu heben. Das Kaiserliche Privileg vom 1. Oktober 1434, das das Halten zweier Jahrmärkte gestattet, darf als diesbezüglicher Erfolg gewertet werden.

Im ersten Markgrafenkrieg (1449-1453) prallen Ansbacher und Nürnberger Interessen auch wegen Lichtenau hart aufeinander. Trotz tapferer Gegenwehr unter Führung der vier Offiziere Hildebrand Schwitzer, Fritz Zanger, Ulrich Weiß und Kunz Zûrngleich geht die Festung für die Nürnberger zunächst verloren. Nachdem sich aber das Kriegsglück gegen die Ansbacher gewendet hatte, mußten diese nicht nur Lichtenau, sondern auch die anderen elf eroberten Schlösser an die Nürnberger zurûckgeben. Nur kurze Zeit sind Markt und Feste Lichtenau im Besitz des Ritters Franz Rummel; schon 1472 verkaufen die Rummel wegen drückender Schulden 'Schloß, Feste und Behausung Lichtenau mit Vorhöfen, Thürmen, Mauern, Gräben und Geländern, dazu Markt, Gericht und Amt Lichtenau mit der Schenkstatt, Halsgericht, Gerichten, Gerichtsfällen, Ehehaften, Wandel, Stabrechten, Zwingen und Bannen samt den Fischwassern, Wäldern und Hölzern, auch den Dörfern Malmersdorf und Rutzendorf, mit allen Leuten, Gûtem, Zinsen, Gûlten, Rentfällen, Herrlichkeiten .... für die Summe von 5.000 Gulden' an die Burkhardt Seilersche Almosenstiftung.

1482 übernahm der Rat der Stadt Nûrnberg den Lichtenauer Bezirk wieder selbst und richtete ein Pflegamt ein. Die vom Markgrafen zerstörten Befestigungen wurden wieder aufgebaut und verstärkt. Im zweiten Markgrafenkrieg 1552 fiel Albrecht Alcibia-

des mit Heeresmacht in Lichtenau ein und belagerte die Festung. Der durch Drohungen eingeschüchterte Pfleger Ludwig Schnöd ûbergab sie, worauf die Festungsanlagen gesprengt wurden. Erst 1557 konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden, an dem unter anderen der Niederländer Simon Wick und Reichsstädtische Architekten wie Peter Carl, Wolf Jacob Stromer, Hans Dietmair und der ältere Jakob Wolff beteiligt waren. Der Wiederaufbau kostete 194000 Gulden. Möglicherweise geht das Konzept für den bis 1630 dauernden Endausbau auf einen Plan des Italieners Antonio Fazuni zurück.

Der Dreißigjährige Krieg ging an Lichtenau nicht spurlos vorüber. Am 7. November 1631 ûbergab der Pfleger Georg Scheuerl Markt und Feste kampflos einem Teil des Tillyschen Heeres; als jedoch ein knappes Jahr darauf Gustav Adolf von Schweden mit seinem 400 OOO-Mann-Heer durch Franken zog, räumten die Kaiserlichen kampflos die Burg. Noch im Juli des selben Jahres (1632) zogen [ûnfzig Nûmbergische Soldaten unter Fûhrung Georg Scheuerls in die Burg ein; dieser übergibt sie aber wiederum kampflos an die Kaiserlichen, was Gustav Adolfs Kriegspläne in Franken zunichte macht. Am 23. August 1633 erobert Graf Thun die Feste [ûr die Nûrnberger zurück, in deren Besitz sie bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs bleibt. Auch spätere Tauschangebote der Ansbacher Fürsten gegen markgräfliche Besitzungen lehnen die Nürnberger ab.

Im Rahmen des 3. Raubkriegs von Ludwig XIV. taucht 1688 ein letztes Mal eine größere, feindliche Heeresabteilung vor Lichtenau auf Pfleger Johann Friedrich Haller zeigt sich der Lage aber gewachsen, verteidigt Festung und Ortschaft entschlossen, wobei er, um besseres Schußfeld zu haben, sogar die Kirche abreißen läßt. Mit dieser Abwehr eines französischen Angriffes endet die kriegsgeschichtliche Periode Lichtenaus.

Der Rest ist schnell erzählt: 1721 ließ der neue Pfleger Sigmund Loeffelholz eine umfassende Restaurierung für etwa 3 000 Reichstaler vornehmen. 1724 wurde die Kirche, die 1688 hatte weichen müssen, fertiggestellt und eingeweiht; sie hatte 3 709 Gulden und 10 112 Kreuzer gekostet. Während der sogenannten Koalitionskriege muß Lichenaus Feste 300 französische Kriegsgefangene beherbergen (1794); [ünfzig sterben und finden ihr Grab am Schießplatz. 1796 hat Lichtenau letztmalige 'Feindkontakt'; ein 25 Mann starker, versprengter französischer Reitertrupp wird durch Alarmschüsse aus grobem Geschütz aus der Gegend verscheucht. Am 15. September 1806 wird Lichtenau, das damals etwa 383 Seelen zählte, bayrisch. 1m Dezember 1807 trifft der erste Sträflingstransport ein, 1862 'entschärft' man Lichtenau zu einer Gefangenenanstalt, in der 'verhältnismäßig leichtere Vergehen abzubûßen' sind. 1908 wird das aus 70-80 Mann und zwei Offizieren bestehende und allvierteljährlich wechselnde Militärkommando der Nürnberger, später Erlanger Garnisonen zugunsten eines verstärkten Aufsichtspersonals abkommandiert. 1914-1918 lichten sick die Reihen stark, denn auch viele der Gefangenen melden sichfreiwillig zu den Waffen. An ihre Stelle traten in der Feste französische Kriegsgefangene, die in der Landwinschaft und im Wegebau beschäftigt wurden. Während der Anfangsjahre der Weimarer Republik folgten Spartakisten, denen in der Haft Zeit gegeben werden sollte, ûber ihre Heldentaten, die sie zur Zeit der Räterepublik in München verübt hatten, nachzudenken, die ' ... aber ... u.a. die hohen Bäume aufdem Wall bestiegen und Spottlieder ûber Anstalt und Gemeinde hinweg sangen', Während dieser Zeit-1924 - bekommt Lichtenau sein zweites Kriegerdenkmal.

1927 kommt aus München der Bescheid, die Gefangenenanstalt solle aufgelassen werden, was in der Gemeinde allgemeine Bestürzung auslöst. Der Versuch, durch ein Obsorgeheim für entlassene Strafgefangene einen gewissen Ausgleich zu schaffen, scheitert. Es ließ sich nicht vereinbaren, ehemaligen Verbrechern Obdach und Bequemlichkeit einzuräumen, während draußen

die Arbeitslosigkeit zum Himmel schrie. Dazu kam, daß die meisten Insassen den edlen Absichten der Instuution zum Trotz ohnehin nur Wege und Gegend unsicher machten. 1932 wurde das Obsorgeheim aufgehoben; monatelang stand die Feste leer. Am I. September 1933 zog der Arbeitsdienst ein.

Bis 1936 findet die Festung als Reichsarbeitsdienstlager Verwendung. Vom RAD werden die saueren Rezatwiesen entwässert und Wirtschaftswege gebaut. Am Westhang des Luitpoldhains in Lichtenau errichten die Miinner des RAD zusammen mit heimischen Firmen das Lichtenauer Schwimmbad, das heute wie damals in der Sommerzeit zum Bade einlädt. Weiterhin wird eine Übungs- und Sporthalle für den RAD im westlichen Rezatgrund gebaut, in der heute die Firma Sitzmann & Heinlein untergebracht ist.

Nach der Abrufung des RAD aus Lichtenau stehen die Räume der Festung wieder jahrelang leer. Inzwischen hatte jedoch der Freistaat Bayern eine umfassende Restaurierung der Festung mit dem Ziel begonnen, den Zustand des 17. Jahrhunderts wieder herzustellen. Alle Aufstockungen, Aus- und Anbauten wurden entfernt, lediglich der Ausbau der Glocken-, Drachen- und Bärenbatterie blieb erhalten. Der nordliche Kavalier wurde neu errichtet. Durch den Zweiten Weltkrieg kamen diese Arbeiten dann zum Stillstand.

Am 29. Januar 1949 wurde hier eine staatliche Erziehungsanstalt ('Bayerischer Landesjugendhof) eröffnet. Die Unterbringungsmöglichkeiten der Zöglinge und die Erziehungsergebnisse entsprachen aber nicht den Erwartungen. Am 30. September 1972löste der Staat die Anstalt wieder auf

Nachdem der Landesjugendhof die Festung geräumt hatte, wurde sie zum Ausbau als Staatsarchiv bestimmt, eine besonders unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten glückliche Losung, da die historischen Fassaden ohne Beeinträchtigung der Nutzung erhalten werden konnten. Die Arbeiten werden endgültig am 20. Oktober 1983 mit einer Einweihungsfeier abgeschlossen. Ober 12 Mio DM sind vom Freistaat Bayern aufgewendet worden, um die Festung Lichtenau, eine der wenigen unzerstört gebliebenen Renaissance-Ardagen in Deutschland, zu erhalten. Das Nürnberger Staatsarchiv hat mit der Außenstelle Lichtenau eine Magazinkapazität von rund 17 000 Regalmetern hinzu gewonnen. In Lichtenau werden vor allem das Notariatsarchiv für den Oberlandesgerichtsbezirk Nürnberg und größere Archivgutbestände der miüelfriinkischen Rent- bzw. Finanzämter, Amtsgerichte und Landratsiimter verwahrt. Die Innenräume sind für den Publikumsverkehr nicht zugänglich. Im nach alten Vorbildern wiederhergestellten Innenhof findet jeweils am ersten Samstag im Monat Juli ein großes Sommemachtsfest des hiesigen Heimatvereins statt.

Nach diesem Bliek in Lichtenaus Vergangenheit möchte ich dem Leser dieses Büchleins einen Rat geben: Blättern Sie nicht nur zuhause darin, sondern benutzen Sie es einmal als Führer durch das heutige Lichtenau um Vergleiche mit der Vergangenheit zu ziehen. Die Bilder sind so angeordnet, daß mit dem Rundgang in der Festung begonnen werden kann. Der Weg führt zum Marktplatz in Richtung Schwimmbad, über die Unterrottmannsdorfer Straße zurück zur Rezatbrücke in die Vorstadt und den Schulweg. Er endet in der Windsbacher Straße, bevor im Uhrzeigersinn die Umlandorte besucht werden können. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Mitglied der Kommission, die am 30. Juli 1806 in Lichtenau eintraf und den Auftrag hatte, den Ort für den König von Bayern in Besitz zu nehmen. Natürlich will der König wissen, wie viele und welche Häuser hier

stehen, wer hier wohnt und ob gute Steuerzahler oder Militärpflichtige darunter sind. Also was tun Sie? Sie numerieren zunächst die Häuser und registrieren die Besitzer samt ihrer Rechte. So geschah es auch am 20. Oktober 1806. Sämtliche Häuser im Markt und Amtsbezirk Lichtenau erhielten Hausnummern, die bis in die 1960er Jahre (in den kleineren Orten bis heute) in Geltung blieben. Schon am 21. Oktober 1806 fand die Registrierung, am 30. November die erste Aushebung von Militärpflichtigen statt.

Zum Schluß möchte ich auch im Namen der Gemeindeverwaltung Lichtenau allen sehr herzlich danken, die uns bei der Herstellung des Bildbandes unterstützt haben. Ich danke insbesondere Herrn Ltd. Archivdirektor a.D., Dr. Günther Schuhmann, und Herrn Bürgermeister, Friedrich Großmann, für die wohlwollende Beratung. Danken möchte ich auch meinem Sohn Christian, der den 'Bliek in die Geschichte Lichtenau' schrieb.

Gerda Hruschka

1. Da die 'alten Ansichten in Lichtenau' ungefähr aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 stammen, ist auf allen Bildern die Festung vor ihrer Bereinigung in den 1930er Jahren zu sehen. Auch dieses Bild, von Nord-Osten her aufgenommem, stammt aus der Zeit der baulichen Verfremdung. Heute ist der Zustand des 17. Jahrhunderts weitgehend wiederhergestellt. Im 19. Jahrhundert - während ihrer Verwendung als Zuchthaushat die Festung zahlreiche Anbauten erhalten. So bekam z.B. das Schloßgebäude zwei Flügelbauten, der Kasemattenring wurde aufgestockt, ebenso der östliche Kavaliersbau, und sämtliche Batterien waren ausgebaut. An Stelle des nördlichen Kavaliers stand die Gefängniskirche (höchstes Gebäude ganz rechts auf dem Bild).

2. Es ist erstaunlich, wie viele Postkarten in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg von Lichtenau gedruckt wurden; zunächst nur gezeichnete Bilder, später Fotografien. Auf dieser gezeichneten Postkarte ist sehr gut der Eingang der Festung zu sehen. Die alten Lichtenauer erzählen, daß sich früher vor dem Eingang ein richtiges Lustgärtchen befand. Der Kasemattenring ist noch aufgestockt und die vielen Kamine lassen erahnen, wie schwierig es früher gewesen sein muß, die Räume im Winter warm zu bekommen.

3. Das ist der kleine Torzwinger mit Auffahrtsrampe zu den Wällen und die ebenerdige Durchfahrt durch das unter dem Wall und den Kasematten hindurchführende innere Tor. Die Außenseite des Tores ist aus Buckelquadern mit dorischer Pilasterordnung samt Metopen (darin Panzer-Rüstungen als Hochreliefs) und Triglyphen, sowie schweres Kranzgesims mit Mutuli.

Im offenen Dreiecksgiebel flankieren schwere Voluten ein offenes Medaillon mit Muschelbekrönung. Das Ganze ist perspektivisch-schräg gegen das äußere Tor gerichtet. Hinter dem Tor ist das Verwaltungsgebäude der Gefangenenanstalt mit Schild über dem Eingang gut erkennbar. Die Aufnahme ist vor der Auflösung der Gefangenenanstalt ungefähr um 1926 entstanden.

4. So bot sich der Eingang des Schloßgebäudes mit den zwei flankierenden Rundtürmen dem Besucher im Jahre 1926 dar. Zu dieser Zeit stand das Schloßgebäude noch auf mächtigen Eichenstämmen, die bis ins Grundwasser reichten. Bei den Umbauarbeiten 1975 wurden 64 Beton-Bohrpfähle, 70 cm dick und etwa 11 m lang, in den Boden gerammt, bevor das Stahlbetonskelett für das Gebaüde darauf gesetzt wurde.

Die Außenwände erhielten eine Vorblendung aus Sichtmauerwerk. Heute hat das Schloßgebäude unvergitterte, freundliche Sprossenfenster. Der Duchgang ist mit einer kupferbeschlagenen Tür mit sehr schönen handgearbeiteten Griffen abgeschlossen. Helle Steinstufen führen zum Eingang hinauf, und die Sonnenuhr weist auch heute noch an fast der gleichen Stelle dem Betrachter die Stunde. Den schattigen Bäumen sind niedrige Büsche gewichen.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek