Mainz in alten Ansichten

Mainz in alten Ansichten

Auteur
:   Ernst Klug
Gemeente
:   Mainz
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0795-2
Pagina's
:   136
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mainz in alten Ansichten'

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MOGUNTIA AUREA

Kurz nach dem Krieg von 1870 schrieb die Stadtverwaltung an den damaligen Kaiser: Allzu eng sind wir von Wällen eingeschlossen, eine schreckliche Gefahr in Kriegszeiten, ein lähmendes Hindernis in der Entwicklung in Friedenszeiten. Wie zusammengedrängt man in Mainz wohnte, besagt eine Statistik aus dieser Zeit. In Barmen wohnten 8, in Darmstadt 24, in Berlin 28 und in Mainz 89 Personen auf der Fläche eines preußischen Morgen. Entsprechend eng sind auch die Straßen, In Mainz spricht man von Gassen. Napoleon machte den Anfang mit der Erweiterung dieser Gassen durch die Schaffung der 'Grande Rue Napoleon', die später in hessischer Zeit ausgebaut und heute als Ludwigstraße bekannt ist.

Ab 1873 erweiterte sich die Stadt zuerst nach dem Gartenfeld hin, später nach Mombach und Gonsenheim zu, In der Neustadt, so heißt ein Erweiterungsteil noch heute, entstanden in kurzer Zeit 457 Neubauten.

Zur Zeit dieser Ansichtskarten, also um die Jahrhundertwende, beherbergte Mainz bei 100000 Einwohnern zirka 9 000 Militärpersonen. Diese prägten das Bild der Stadt. Die alten, über die ganze Stadt verstreut liegenden Kasernen, hatte man der Stadt verkauft, die dafür Neubauten an der Peripherie erstellen mußte. Als eine der letzten verschwand die Schloßkaserne, die nur 60 Jahre stand. Man baute sie einstmals auf den Platz neben dem kurfürstlichen Schloß, auf dem der Kurfürst seine Soldaten aufmarschieren ließ, um die Paraden abzunehmen. Hier besichtigte noch der preußische König, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm 1., seine in Mainz stationierten Truppen.

Am 20. August 1898 war sein Nachfolger Wilhelm Il. erstmalig als deutscher Kaiser nach Mainz gekommen. Unter ihm fanden nun alljährlich die großen Paraden auf dem 'Großen Sand' bei Mainz statt, diejedesmal mit einem Empfang durch die Stadt endeten.

Im Jahre 1914 begarm der Erste Weltkrieg. Zunächst kamen die Siegesmeldungen, aber schon bald mischte sich ein Wermutstropfen in diese durch den Untergang des kleinen Kreuzers Mainz bei Helgoland. Bald zog die Not in die Stadt ein. Es wurden Pferdefleischkarten ausgegeben und zu Opfern aufgerufen. Vier Jahre spater kamen die Franzosen. Nun wehte die Trikolore auf der Zitadelle. Die Soldaten schickten nun fleißig 'Souvenirs de Mayence' in Form von Mainzer Ansichtskarten heim. 1930 erreichte der Reichsminister Stresemann, daß die Franzosen vorzeitig abzogen. Das befreite Mainz jubelte.

Um die Jahrhundertwende gab es in Mainz zirka 150 Vereine, die das gesellige Leben in der Stadt gestalteten. Daher erklären sich auch die vielen Festlichkeiten, Tagungen, Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen, die hier stattfanden und Mainz dadurch einen Namen als Feststadt bekam. Ob es sich nun um Turn-, Schützenfeste oder um das Achttagerennen der Radfahrer handelt, Karten von diesen Ereignissen finden wir immer. Postunterbeamte, Feuerwehrleute, Wirte und vor allen Dingen, die mit dem Weinbau verbundenen Kreise hielten hier in dieser Weinlandschaft ihre Kongresse und Tagungen ab.

Nach einem Adreßbuch der damaligen Zeit gab es 261 Wein-, Bier-, Obstwein- und Branntweinverkäufer über die Straße. Hier werden sich Soldaten, Handwerker und Arbeiter manchmal schnell gelabt haben. Weiter finden wir 183 Wein- und Bierrestaurationen vor, von denen manche, den Abbildungen nach, recht respektabel aussahen. Manch bekannte Gasthäuser finden wir in Mainz, in denen zur kurfürstlichen Zeit Kaiser und Könige abstiegen. Später, als regelmäßige Dampferverbindungen hergestellt wurden, die Eisenbahn ihren Bahnhof am Rhein hatte, blühte hier das Gasthofgewerbe. Erst nach der Verlegung des Bahnhofs vom Rhein fort, entstanden auch in der Nähe des neuen Hauptbahnhofs

neue Gasthäuser, während die älteren, am Rhein gelegenen ihre Bedeutung verloren.

In Mainz, umgeben von Reben, hatten sich 280 Weinhändler niedergelassen, die auch zum Teil große Weingüter an der Rheinfront besaßen, In 11 Mousseux Fabriken wurden Weine zu Sekt verarbeitet. Es sind Firmen dabei, die heute noch bestehen und deren Namen in der ganzen Welt einen guten Klang haben.

Zwischen dem 23. und dern 26. Juni 1900 wurde der 500. Geburtstag Gutenbergs gefeiert. Es war die großartigste Veranstaltung dieses Jahrhunderts in der Stadt Mainz. Im Gutenberg Kasino tagten die Buchdruckereibesitzer Deutschlands und die Buchdruckerverbände im großen Saal des Schöfferhofes. Der Abschluß der Feier fand vor dem festlich geschmückten Gutenbergdenkmal statt. Der Höhepunkt der Veranstaltung war ein historischer Festzug, der an 3 000 Personen 800 kostümierte Pferde und 42 Wagen umfaßte. An diesem Tag wurde auch die Gründung eines Gutenbergmuseums beschlossen.

Alljährlich wurde Fastnacht gefeiert. Es gab jedesmal ein Eröffnungsspiel und ein Narrenstück. Bei besonderen Anlässen wurde die Fastnacht groß aufgezogen so damals, als der Mainzer Karnevalverein New Vork hier zu Gast war, oder als man das 7Sjährige Bestehen des Mainzer Karnevalvereins feierte, an dem 100 Gruppen und 3 000 Personen mitwirkten. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde kaum gegen die Regierenden polemisiert. Der Zensor war damals unerbittlich. Man freute sich an Versen wie 'das Rullo' oder an den 'Floh am großen Sand'. Was klatschte man, als von der 'ZwiebelLies von Gunsenurn' die Rede war. Vorbei war die Zeit, als man den Regierenden zurief: 'Reiz' nicht immer die Franzosen mit, sie sollen ihn nicht haben und laß uns mit einem Schoppen allen Haß begraben.' Jetzt finden wir auf den durch die Zensur bedingten leeren Stellen in karnevalistischen

Zeitungen öfters den Hinweis: 'Folgende großartigen Gedanken beschäftigen schon seit mehreren Jahren die Redaktion des Rheinischen Beobachters.' Doch da dieses Büchlein von Mainz handelt, folgt noch ein kleiner satyrischer Hinweis auf die alten Straßenverhältnisse in Mainz, vorgetragen auf einer Narrhallasitzung: Und es ist in der That hier in Mainz, besonders fiir einen Fremden, keine geringe Aufgabe, mit weinschwerem Kopfe und Zopfe in der Nacht den Weg nach Hause zu finden, was oft bei nüchterenem Verstande keine Kleinigkeit ist, denn so aufgeklàrt die liebenswiirdigen Mainzer sind, so leicht es ist, mit ihnen fortzukommen, so unaufgeklärt sind nachts ihre Straßen, so schlecht ist auf ihrem Pflaster fortzukommen, ein Pflaster, welches die Füße so sehr verwundet, daß man ein besonderes Wundpflaster damach brauchen muß, ein Pflaster, welches im Fall einer Revolution sehr gefdhrlich werden konnte, da es nicht erst lange aufgerissen zu werden braucht, und es gibt wenig Orte, wo man so sehr an der Steinkrankheit leidet, als z.B. gerade hier in der Steingasse, wo kein Stein auf dem andem bleibt. Ja, es ist bedenklich, hier zu schwarzer Nachtzeit herumzuwandeln, man geräth sehr leicht in ein Nasengäßchen, wo man sicb in einer Ecke die Nasen einrennt, will man in die Himmelgasse, so kommt man oft in die Holte, in die Hohl, oder in der Finsterniß in den Sack, statt Sonnengäßchen sieht man lauter Mitternachtsgassen, statt Rosengassen mit Rosenpfaden:

Bauerngasse, bei Thau- oder Regenwetter ist man überall auf der Insel, oder fällt in die Umbach, um in den Bach, oder man kömmt aus einer Kothgasse in lauter Kothergassen, ja mancher dieser Gassen hat so tiefe Löcher und Fallgruben, daß sie einem leicht zu einer Gräber- oder Leichhofgasse werden kann, besonders wenn man durstig geworden ist in der Häringsbrunnen- oder Heidelbergerfaßstraße, oder einen rothen Kopf davon trägt aus der Ra th enkopfstraße.

1. Eine Mainzer Marktfrau.

Den Mainzer Markt belieferten früher die Bauern der näheren Umgebung. Ihre Frauen stellten den Käse in Eigenproduktion her und vertrieben ihn auch. Sie waren wegen ihrer Schlagfertigkeit und ihren Witz, mit denen sie ihre Waren anboten, bekannt. Sie verkauften alle möglichen landwirtschaftliche Produkte, ganz besonders aber den 'Echten Määnzer Handkääs', der weit über die Grenzen von Mainz bekannt war. Im Hintergrund tragen zwei Marktfrauen ihre Waren auf dem Kopf herbei, ein Transport, der damals allgemein üblich war.

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Markt-Idylle

Echte määnzer Handkääs

2. Eine alte interessante Panoramakarte von Mainz.

Der Bliek geht von der Eisenbahnbrücke auf die Stadt. Links im Bild ist der Turm von St. Stephan, der die Stadt überragt, ganz rechts der Turm von St. Peter. Dazwischen, in der

Mitte, sehen wir die bekannte Silhouette des Doms, und im Hintergrund ragen die Höhen des Taunus empor, der die kalten Ostwinde von der Stadt fernhä1t und für das milde Klima in diesem Landstrich sorgt.

GRUSS aus MAINZ

Parkusst,rasse

3. Mainzer Kinder auf dem Aliceplatz.

Dieser Platz war bei der Anlegung nach der damaligen Großherzogin Alice genannt worden. Es ist ein Neubaugebiet zwischen dem Münster- und dem Bingertor, das erst kurz vor der Jahrhundertwende bebaut wurde. Auf diesen Platz stoßen mehrere Straßen, um auf die Bingerstraße, die hier das Stadtgebiet verläßt, zu treffen.

4. Das Bingertor im Jahre 1912.

Dieses Tor entstand erst 1876 und war ein Teil der neupreußischen polygonalen Stadtumwallung. Es wurde im Jahre 1912 niedergelegt, Durch dieses Tor führte der Verkehr nach Bingen. An den Innenseiten waren beiderseits der Tordurchbrüche Kasematten angelegt, die als Kasernen und Wachräume benutzt wurden. An dieses Tor erinnert heute noch eine Wirtschaft gleichen Namens, die auf dem Platz des ehemaligen Tores liegt.

5. Bliek vom Stephansturm auf das ehemalige Gautor.

Durch dieses Tor führte eine Straße in den sogenannten Gau, die Mainz mit Worms verband und die noch heute so genannt wird. Ebenfalls mündet hier die sogenannte Kaiserstraße ein, eine Straße, die Napoleon anlegen ließ und die Mainz mit Paris verband. Das Tor wurde 1670 erbaut und 1896 abgebrochen. In unmittelbarer Nähe davon lag der Martinsturm, der als Pulvermagazin benutzt wurde. In ihm lagerten am 18. November 1857 über 200 Zentner Pulver, 700 gefüllte Granaten und 240 Zünder, als er durch eine Explosion in die Luft gesprengt wurde. Der Schaden, hauptsächlich in der Nähe des Tores, war enorm.

Mainz am Rhein

Stadtpark. Blick .af dl. MalnmOndang.

6. Bliek vom Stadtpark auf die Mainmündung.

Die Lage an dem Zusammenfluß von Main und Rhein verdankt Mainz seine überragende Bedeutung als Handelsplatz. In den Jahren 1859-1862 wurde die Eisenbahnbrücke erbaut. Auf der Karte sehen wir die Eingangstürrne, die in dem damals bevorzugten Burgenstil erbaut wurden; sie sollten ein Stadttor darstellen. Die Bahn über die Brücke führt nach Frankfurt. Links das Bootshaus des Mainzer Rudervereins.

7. Mainz war eine große Garnisonsstadt. Die verschiedensten Regimenter lagen hier. Das bekannteste, in dem die meisten Rheinhessen dienten, war das 3. Großherzoglich Hessische Infanterie-Leibregiment Großherzogin Nr. 117. Den Achselklappen nach gehörte dieser Soldat zu diesem Regiment.

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