Marburg in alten Ansichten

Marburg in alten Ansichten

Auteur
:   Dieter Woischke
Gemeente
:   Marburg
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6053-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Marburg in alten Ansichten'

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Einleitung

Marburg an der Lahn hatte das große Glück, daß es im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Lediglich das im Lahntal gelegene Südviertel und der Bahnhofsbereich wurden noch am Ende des Krieges von Bomben getroffen. So kann man noch heute die kleinen, engen, steilen und schiefen Gassen oder die Treppen, die von Fachwerkhäusern gesäumt werden, zum Schloß hinaufsteigen um von dort oben die herrliche Aussicht zu genießen. Kein Wunder wenn die Brüder Grimm während ihrer Studienzeit in Marburg von 1802 bis 1806 meinten: 'In Marburg muß man seine Beine rühren.' Sie gehörten mit Bettina und Clemens Brentano, Achim von Arnim und ihrem Prof. Savigny zu den Marburger Romantikern. Durch sie entstand in Marburg die erste Volksliedersammlung 'Des Knabenwunderhorn' . Hier erhielten die Brüder Grimm nicht nur ihre Denkanstöße für ihr späteres Leben, sondern auch zum Sammeln von Märchen.

Marburg wurde erstmals 1138 in einer Urkunde des Bischofs Arnold von Köln urkundlich erwähnt. Aber Marburg muß viel älter sein, denn bei den Sanierungsarbeiten auf dem Schloß stieß man 1989 auf Mauern die in das 9. und 10. [ahrhundert datiert werden. Wer der Bauherr war ist nicht bekannt, aber zu einer Burg gehörte auch eine Ansiedlung von Menschen.

1122 fiel das Marburger Land durch Erbschaft an die Landgrafschaft Thüringen. Die Landgrafen von Thüringen errichteten auf dern heutigen Schloßberg eine Burg. Das heutige Schloß ist allerdings das Ergebnis der Bautätigkeit der Landgrafen von Hessen in der Zeit von etwa 1250 bis 1500. Der Wilhelmsbau in dem sich heute das Museum befindet war der letzte große Bau auf dem Schloßberg, denn Kassel war der Regierungssitz der Landgrafen Hessen geworden. Lediglich als LandgrafLudwig IV. von Hessen-Marburg 1567-1604 auf dem Schloß residierte gab es noch mal einen kleinen Anbau. Trotzdem verfiel das

Marburger Schloß nicht, wie die meisten Burgen, denn in irgendeiner Form wurde es stets genutzt.

1140 wurde der Marburger Pfennig geschlagen, aber eine Kirche hatten die Marburger damals noch nicht und so mußten sie zum Gottesdienst und ihre Toten zur Mutterkirche in das 8 km entfernte Oberweimar bringen. Noch heute gibt es die alten Kirchwege, den Heiligen Grund und den Pfaffensteg. 1180 bekamen die Marburger 'Dippche', so der Utzname der Marburger, die Kilianskapelle, allerdings nur als Filialkirche. Sie ist das älteste Gebäude in Marburg und dient heute nicht mehr als Kirche.

Der entscheidende Faktor für die Entwicklung und die Ccschichte von Marburg ist und wirkt noch heute nach, daß die Landgrafenwitwe Elisabeth von Thüringen 1228 in Marburg ihren Witwensitz bekarn. Sie nahm nicht die Burg als standesgemäßen Witwensitz, sondern ließ sich weit vor den Toren der Stadt nut ihrem Hospital nieder, um hier Kranke undArme zu pflegen. Hier starb sie 1231 im Alter von 24 [ahren, Der Deutsche Orden ließ über ihrem Grab die erste gotische Hallenkirche des einstigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die 1283 geweihte Elisabethkirche, erbauen. Elisabeth wurde 1235 heiliggesprochen und ihre Grablege entwickelte sich zum bedeutendsten Wallfahrtsort nördlich der Alpen.

Sophie van Brabant, Elisabeths ältereTochter, soll 1248 in Marburg das Land Hessen gegründet haben, Elisabeths Nachkomme, Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen, gründete 1527 in Marburg die erste protestantische Universität ohne GenehnJigung des Kaisers und des Pabstes. Die Universität ist heute mit über 6 000 Arbeitsplätzen der größteArbeitgeber in Marburg und mit fast 19 000 Studenten der entsprechende Wirtschaftsfaktor. Ungern gehen die Studenten nach dem Studium von Marburg fort. Denn diese kleine verträumte Stadt mit ih-

ren engen und schiefen Gassen hat keine Universität sondern ist eine Universität, meinte schon der einstige Marburger Student Robert Koch in seinem Roman 'Prinz Rosa Stramin', in dem er Marburg beschrieb. In Marburg gab es über Iahrhunderte hinweg keine Entwicklung, und die Universität hatte kaum mehr als 200 Studenten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Iahrhunderts gab es eine spurbare Veränderung.18S0 kam die Eisenbahn und 1866 wurde Marburg preußisch. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurden die Gebäude des alten Dominikaner Klosters, in dem die Universität untergebracht war, abgerissen und an gleicher Stelle eine neue Universität erbaut. Sie wird heute als 'Alte' Universität bezeichnet, denn auf den Lahnbergen ist nach dem Krieg die Neue Universität entstanden. Dort oben sind die naturwissenschaftlichen Institute und das Klinikum untergebracht. 1860 hatte Marburg 7 700 Einwohner und 229 Studenten, aber 1900 waren es schon 1 7 5 18 Einwolmer und 1 1 53 Studenten. Frauen durften erst ab 1907 studieren. Marburg galt damals als die gesündeste Stadt Deutschlands, denn es hatte die niedrigste Sterblichkeitsrate. Industrie gab es damals nicht und heute kaum.

In dieser Zeit entstanden das Bahnhofs-, das Biegen- und das Südvierte1.1930 hatte Marburg bereits 26 500 Einwohner und 4228 Studenten.1939 gab es 28 000 Einwohner, aber die Studentenzahl war gefallen. Dies änderte sich schlagartig unmittelbar nach dem Krieg. In das unzerstörte Marburg mit viel Wohnraum strömten die Ausgebombten, die Heimatvertriebenen und die aus der Gefangenschaft entlassene Soldaten. So harre Marburg 1946 bereits 46 000 Einwohner und 1974 waren es 50 000. Durch die damalige Gemeindereform kamen 18 Dörfer zu Marburg, sodaß die Einwohnerzahl auf 7 6 000 stieg und Marburg flächenmäßig größer als Kassel und Darmstadt wurde. Daß die zum Teil weit von der Kernstadt entfernt liegenden neuen Stadtteile

völlig andere Probleme haben als die Altstadt, liegt auf der Hand. Da die Kernstadt nicht genügend Wohnraum für die Studenten bieten kann, wohnen sie zwangsläufig auch in den urnliegenden Dörfern, in denen es immer weniger Bauern gibt.

All diese Veränderungen in den letzten Jahrzehnten hat aber 'Der Perle an der Lahn' - so wird Marburg auch bezeichnet - keinen Abbruch getan. Noch immer zieht es jährlich viele tausend Menschen in das am Schloßberg gelegene mittelalterliche Marburg mit der vorbildlich saniertenAltstadt, dem Schloß, der Elisabcthkirche und zu den vierzig Märchenmotiven die der Künstler Otto Ubbelohde bei seinen Illustrationen für die Grimm'schen Märchen in Marburg fand.

1 Das Marburger Wappen soll den LandgrafLudwig IV. von Thüringen, den Mann der heiligen Elisabeth, darstellen. In seinem Schild führt er den Thüringer Löwen, der zum Hessen1öwen wurde. Im Mar-

burger Schloßmuseum befrndet sich die größte Schildsammlung Deutschlands, unter anderem der Schild Ludwig IV. DasWappen erinnert daran, daß Marburg um 1200 zu Thüringen gehörte.

Dadurch ist auch die historische Beziehung zur Partnerstadt Eisenach begründet.

2 Der Kartengruß aus der wilheminischen Zeit zeigt Marburg und seine markantesten Punkte. Das Marburger Schloß, auf dem Schloßberg gelegen, beherrscht das Lahntal in dem die Elisabethkirche steht, während das alte Marburg seit [ahrhunderten arn Hang des Schloßberges liegt. Der Kaiser-Wilhelm-Turm steht in 372m Höhe auf den gegenüberliegenden Lahnbergen. Er wurde 1890 anläßlich der Sedansfeier eingeweiht. Von ihm sieht man bei guter Sicht den Feldberg im Taunus und den Kahlen Asten im Sauerland. Die Universität, heute die Alte, liegt auf einern Bergsporn über der Lahn. Zum Attribut der Studenten in der Kaiserzeit gehörten das

Bierglas, der Degen und der Schmiß, sowie die Narbe von der Mensur,

3 Der Bummel durch das alte Marburg beginnt am Bahnhof Das Bild zeigt den ersten Marburger Bahnhof Er war aus Backsteinen erbaut und wurde 1850 in Betrieb genommen. 1908 wurde er abgerissen und durch den heutigen ersetzt. Der Anbau rechts war wie heute der Wartesaal und links war die Fahrkartenausgahe. Vor dem Bahnhof steht noch die Postkut sche nach Frankenberg, das heißt die Aufnahme muß vor 1890 gemacht worden sein, denn in diesem [ahr wurde die Bahnstrecke nach Franken berg eröffnet. Der Hang arn Orten berg hinter dem Bahnhof ist noch völlig unbebaut.

4 Der heutige Bahnhof Empfangsgebäude - wurde 1909 in Betrieb genommen. Die ganze Anlage wurde einige Meter vorgezogen um mehr Platz für die Gleisanlagen zu bekommen. Ebenso wurde in dem Hang des Ortenberges eine Erweiterung vorgenommen. Am Ende des Krieges fielen dreihundert Bomben auf die Marburger Bahnanlagen und zerstörten auch die Gebäude auf dem Bild. Das linke Gebäude wurde nicht wiederaufgebaut. Die pferdebahn verkehrte von 1903 bis 1911 vom Bahnhof über den Pilgrimstein, Universitätsstraße, Wilhelmsplatz, das Barfüßertor hinauf zum Heumarkt. Die 'braven' Mäd-

chen trugen damals noch lauge weiße Schürzen, wie das Bild zeigt.

J~arburg a J:.. - :Bahnhof

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5 Bis 1 930 hatte sich das Bild vor dem Bahnhof verändert. Die Pferdebahn ist 191 1 von der Elektrischen abgelöst worden, obwohl 1902 die Marburger Stadtväter eine solche wegen der 'Verkehrsgeschwindigkeit' abgelehnt hatten. Bis 1951 verband sie den Hauptbahnhof mit dem Südbahnhof zum Teil noch auf den alten Gleisen der Pferdebahn, Die pferdedroschken waren von den Taxi abgelöst worden. Rechts neben der Straßenbahn ist noch das 1927 erbaute kleine Häuschen des Verkehrsvereins zu sehen, in dem sich nach dem Krieg die Fahrkartenausgabe der Eisenbahn befand.

6 Marburg hatte zur Kaiserzeit und in den zwanziger [ahren unseres [ahrhunderts ein gutes Dutzend Dienstmänner, die die Koffer von und zum Bahnhof trugen. Sie waren durch eine rote Dienstmütze mit dem Schild Dienstmann erkenntlich. Damals war es für einen Studenten nicht standesgemäß seinen Koffer selbst zu tragen und Autos hatte man noch nicht. Die Dienstmänner wurden aber auch für Studentenulke engagiert. So fuhren sie zum Beispiel die Studenten nach bestandenem Examen mit einem Schubkarren unter Begleitung anderer Kommilitonen durch die Stadt. Das Bild zeigt einen der Marburger Dienstmänner, den Wehrshäu-

ser }örge. Dem letzten Marburger Dienstmann, dem Christian, hat man auf der Wasserscheide ein Denkmal gesetzt.

7 Im [ahr 1863 wurde im Afföller das Gaswerk ohne Gleisanschluß in Betrieb genommen. Marburg war wohl schon damals eine arme Stadt, sodaß es durch ein Frankfurter Bankhaus errichtet wurde, 1890 ging es in städtischen Besitz über und wurde 1963 nach einhundert [ahren stillgelegt, denn Marburg wurde an das Ferngasnetz angeschlossen. Das Bild zeigt die Taufe des Freiballons auf den Namen 'Marburg' an der Füllstation der Gasanstalt im Afföller am 8. Mai 1910.

8 Ende der zwanziger Iahre machte sich beim Bierverlag Naumann in der Alten Kasseler Straße der technische Fortschritt bemerkbar, in dem ein Lkwangeschafft wurde. So wurden aus den Bierkut-

schern Lkw-Fahrer, aber die lange Lederschürze blieb, und mit Pferdewagen wurde noch nach dem Krieg gefahren. Der Lkw hatte Vollgummibereifung und mußte noch mit einer Kurbel angeworfen wer-

den. Diese ist vorne über dem Nummerschild zu sehen. Der kleine Junge auf dem Kühler ist der 1923 geboreneAlex Kirch, der heute als Rentner im Stadtteil Cyriaxweimar lebt.

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