Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 1

Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Mühldorf am Inn
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1823-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühldorf am Inn in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Obwohl Mühldorf im Herzen Altbayerns liegt, ist die mehr als tausendjährige Stadt erst seit 1802 bayeriseh. Die übrigen Jahrhunderte gehörte Mühldorf zum Fürsterzbistum Salzburg, es war also eine kleine Enklave im bayerisch weiß-blauen Land.

Diese Zugehörigkeit zu Salzburg begann aufgrund einer Urkunde schon im Jahre 935, als Erzbischof Adalbert Il. hier einen Gütertausch vornehmen ließ. Die Bedeutung Mühldorfs aber wird erst 1190 sichtbar, als König Heinrich VI. dem Salzburger Erzbischof erlaubte, eine Salzniederlage zu errichten. Dieses Privileg machte Mühldorf schnell zu einem bedeutenden Umschlagsplatz für das 'weiße Gold' jener Zeit, das Salz, das von Hallein und von Reichenhall kam, hier gelagert und weiter landeinwärts verfrachtet wurde. Neben Salz war es Getreide, Wachauer und Tiroler Wein, Marmor aus dem Gebirge, Felle und Häute aus dem Böhmischen, denen die Inn- und Salzachstädte allesamt ihren Reichtum verdanken. Das Stadtrecht kam im 12. Jahrhundert, als civitas kam die eigenständige Verwaltung und das entsprechende Wappen, das rote, achtschaufelige Mühlrad auf silbernem Grund.

Seine Wohlhabenheit, seine wichtige strategische Bedeutung am Fluß, aber auch seine Rolle als Stachel im bayerischen Fleische ließen Mühldorf bald zu einem Streitobjekt werden zwischen den niederbayerischen

Herzögen und dem salzburger Erzbischof. Wir wissen von vielen traurigen Ereignissen, die Mühldorf als Zankapfel zwischen diesen beiden Interessen erdulden mußte. 1322 ging der Name der Stadt auch in die Reichsgeschichte ein, als sich ganz in der Nähe die beiden Bewerber um die deutsche Königskrone gegenüberstanden und ihren Anspruch in einer mörderischen Schlacht zu entscheiden suchten. In dieser denkwürdigen 'Schlacht von Mühldorf' zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Habsburg, die man vor der Erfindung von Handfeuerwaffen auch als die letzte Ritterschlacht auf deutschem Boden bezeichnet, blieb der Bayer zwar Sieger, aber auch ihm gelang es nicht, Mühldorf aus dem Herrschaftsbereich Salzburgs zu lösen.

So blieb Mühldorf unter dem Krummstab, wohlbehütet, mit mächtigen Türrnen, einer umlaufenden Mauer und Wassergräben geschützt, immer unter der besonderen Protektion des fernen Landesherrn. Und Salzburg brachte viel für die Stadt. Sie blieb von der mörderischen Auseinandersetzung des Dreißigjährigen Krieges verschont, die verhängsnisvollen Ereignisse des spanischen Erbfolgekrieges, die ganz Bayern an den Bettelstab brachten, berührten sie nur am Rande, die Panduren, Slowaken und Krowoten, die 1741 mit den Österreichern ins Land kamen haben die Mühldorfer Bürger nicht bedroht. Salzburg garantierte die

Neutralität, der Inn brachte Handel und Wandel und mit ihm kam die Eigenart der Innstädte, die Mühldorf dieses eigene, südländisch anmutende Gepräge gab. Der große Platz von Mühldorf ist anders als die engen verwinkelten bayerischen Städte; er ist von Weitlaufigkeit und stolzer Großzügigkeit bestimmt, seine aufwendigen Häuserfassaden, die den beinahe 500 Meter langen Platz säumen, hat man einmal mit der eleganten Sichel eines Mondes verglichen. Dieser Platz hat seine Vorbilder im Süden, im Südtirolerischen, in den weiten Plätzen Italiens. Von Tor zu Tor reihen sich farbenfroh geputzte Häuser mit Erkern, waagrecht geschlossenen Stirnmauern oder Blendfassaden, hinter denen sich Grabendächer verstecken. Weite Laubengänge, schattig im Sornmer, trocken und schützend im Winter, schaffen eine Einheit, die nur von schmalen Gassen unterbrochen wird, die dem Platz zustreben. Neben barocken Brunnen, ihr Wasser in marmorne Becken versprühend , liegt mittendrin, wie sich's gehört, das wuchtige, spätgotische Rathaus, das viele Kostbarkeiten besonderer Art in sich birgt, Dazu kommen, wie könnte es in einer ehemals bischöflichen Stadt anders sein, ein Kranz von prächtigen Kirchen, alten Städeln und Kästen, Rerniniszenzen an eine große Vergangenheit.

Die Säkularisation schließlich und die damit verbundene Aufhebung des Bistums Salzburg machte

Mühldorf mit einem Federstrich bayerisch. An die Stelle der Isoliertheit eines erzbischöflichen Außenpostens traten jetzt enge Beziehungen zwischen der Stadt und dem bayerischen Umland. Die Reformen des Ministers von Montgelas haben Mühldorf fest einbezogen in das neue bayerische Staatsgefüge, mit dem Distrikt Mühldorf ergab sich automatisch eine Behördenkonzentration, die Stadt wurde Verkehrs-, Handels-, Verwaltungs- und Schulmittelpunkt einer Region. Hinzu kam die Eisenbahn als wichtiger südostbayerischer Knotenpunkt, kam die Wasserkraft, die den Handel auf dem Inn abgelöst hatte und nun zur Voraussetzung für die Entwiekhing des IndustrieDreiecks Inn-Salzach wurde.

Im 20. Jahrhundert ist Mühldorf von einer Industrialisierung weitgehend verschont geblieben. Die Einheit eines historisch gewachsenen Stadtbildes rnit allen Reizen einer voralpenländischen Flußlandschaft blieb erhalten, auch wenn die permanenten Veränderungen organisch gewachsener Bausubstanz nie ganz auszuschließen sind.

Diese Veränderungen aufzuzeigen ist der Sinn dieses Buches. Es möchte Erinnerungen wecken, Verschwundenes oder Verändertes ins Gedächtnis rufen, mit längst vergangenen gesellschaftlichen Ereignissen den Gang der Zeit beschwören.

1. Der Kunsthistoriker Prof. Herbert Schindler hat den Stadtplatz von Mühldorf einmal mit der eleganten Krümmung einer Mondsichel verglichen. Wenn man die anderen Plätze der Inn- und Salzachstädte mit Mühldorf vergleicht, die alle rechtwinkelig gestaltet sind wie Neuötting, Burghausen, Tittmonning, Braunau und Schärding, dann ist der Bogen, den der Platz hier beschreibt, tatsächlich einmalig. Warum man in Mühldorf von der üblichen Norm abgewichen ist, läßt sich nicht nachweisen. Vielleicht war die Lage der Stadt der Grund dafür, sie ist ja auf eine Landzunge gebaut, eingezwängt zwischen dem Inn und der von ihm gebildeten Hochterrasse.

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2. Dieses Bild des 'oberen Platzes' von Mühldorf stammt, wie das gegenüberliegende aus der Zeit um 1880. Er war nicht mit Bäumen bepflanzt, es gab kaum eine Straßenbeleuchtung und keine spezielle Fahrbahn. Der Bürgersteig war nur durch eine Wasserrinne vom gepflasterten Platz abgesetzt damit man zum Be- und Entladen der Fuhrwerke bis an die Haustore heranfahren konnte. Hinter den beiden Wägen mit den Fässern, die als stehende Wasserreserve in Benützung waren, sieht man eine Postkutsche. Sie steht fahrbereit vor dem Poststall, eine Fahrt nach München dauerte damals acht Stunden und war bei den Straßenverhältnissen jener Zeit bestimmt kein großes Vergnügen.

3. Soviel Platz hat es in Müh1dorf einmal gegeben. Dieses Luftbild von 1907, von einern Ballon aus gemacht, zeigt wie sehr das 20. Jahrhundert die Umgebung des Stadtkerns verändert hat. Im Vordergrund ist ganz deutlich an einer Baumreihe der Verlauf des ehemaligen Wassergrabens zu erkennen, der der Stadtmauer vorgesetzt war und 1835 eingefüllt wurde. Am oberen Bildrand konzentriert sich noch alles auf die Bahnhofsstraße, rechts daneben steht der Wasserturm noch ganz allein. Auf der Straße nach Töging begannen schon vorn Bahngelände weg die Felder und Wiesen, die nur vorn Krankenhaus und der Landwirtschaftsschule unterbrochen sind.

4. Dieses Foto ist eine außergewöhnliche Rarität, es stammt aus dem Jahr 1853 und zeigt noch den alten Dachreiter der Frauenkirche, wie ihn die Kapuziner einst auf ihre Klosterkirche aufgesetzt hatten. Die Frauenkirche war nach der Vertreibung der Kapuziner eine Stadtkirche geworden und so hat man alles daran gesetzt, auch einen entsprechenden Turm zu erstellen. Der Lebzelter Franz VOll Paula Niggl hat 1848 fleißig zu sammeln begonnen und die Bürger haben sich nicht anschauen lassen, schließlich wollte man sich nicht blamieren. 1856 war der neue Turm Iertig und hätten wir nicht dieses Foto, könnten wir uns die Frauenkirche ohne den großen Turm gar nicht mehr vorstellen.

5. Ursprünglich war dieses Haus, dessen Rückfront hier abgebildet ist, ein Kapuzinerkloster. Dieser Bettelorden wird schon seit 1639 in der Stadt genannt und war über Jahrhunderte ein fester Bestandteil im geistlichen Leben Mühldorfs. Mit der Säkularisation wurden die Kapuziner aus der Stadt vertrieben und Kloster und Kirche dienten während der napoleonischen Kriege als Lazarett, Truppenquartier und Schrannenhalle. 1814 wurde das Kloster wieder der Stadt zurückgegeben und nach langen Bemühungen um eine klösterliche Niederlassung sind 1891 die Franziskaner hier eingezogen. Mit Pater Gabriel Hopfenbeek hat 1977 der letzte Franziskaner Mühldorf verlassen.

6. Nach dem Einzug der Franziskanermönche in Mühldorf 1891 haben sie sofort damit begonnen, ihre Kirche wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen. Den Hochaltar und das Gnadenbild hat man von der alten Frauenkirche auf dem Platz übernommen, aber alles andere sollte emeuert, dem Stil der Zeit angepaßt werden. Was dabei herauskam sieht man auf diesern Bild von 1897. Freskomalereien, Seitenaltäre und die ganze Dekoration wurde dem altbyzantinischen Stil nachgeahmt, vor allem der halborientalische Lüster in der Mitte entspricht ganz der allgemeinen künstlerischen Ratlosigkeit jener Zeit.

7. Ein Bliek vom Turm der Nikolauskirche auf den Stadtplatz um 1910. Die Frauenkirche war flankiert von den einzigen beiden Schulhäusern der Stadt, auf dem Turm sieht man noch die alten, farbig-glasierten Ziegel der ersten Bedachung und dahinter steht fast einsam das Franziskanerkloster. Die heutige Luitpoldallee war einst der Wassergraben, der rundum die Stadt lief und rnit dessen Trockenlegung man 1835 begonnen hatte. Drei Jahre hatte man daran gearbeitet, als Schutzzone war er überflüssig geworden und besonders in den Sommermonaten war er als Abwasserkanal eine übelriechende Plage.

8. Der Stadtplatz von Mühldorf ist gekennzeichnet durch seine Weite und die Großzügigkeit seiner Anlage. Die verwinkelte Enge der süddeutschen Spätgotik ist hier überwunden, man wird vielmehr an die blockhafte Nüchternheit italienischer Plätze erinnert. Die Häuserfronten zeigen Würde und bürgerlichen Stolz, nur die Dachrinnen lassen hinter den geschlossenen Fassaden verborgene Giebeldächer vermuten. Diese Aufnahme aus der Zeit der Jahrhundertwende zeigt das wohlausgewogene Verhältnis, das zwischen dem freien Platz und den ihn begrenzenden Häuserzeilen einst bestand. Unsere Zeit hat ihn zum Dauerparkplatz degradiert. Der große Schwung von einst ist dadurch verlorengegangen.

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