Mühlen und Müller der Müllerinnung Grevesmühlen

Mühlen und Müller der Müllerinnung Grevesmühlen

Auteur
:   Eckart Redersborg
Gemeente
:   Grevesmühlen, Mühlen und Müller der Müllerinnung
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5891-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mühlen und Müller der Müllerinnung Grevesmühlen'

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EINLEITUNG

Wind- und Wasserrnühlen bestimmten noch vor hundert Jahren das Landschaftsbild Nordwestmecklenburgs. Weithin sichtbar streekten die Windmühlen ihre Flügel gen Himmel, versteekter und auch romantischer gelegen befanden sich die Wassermühlen an kleinen Flüssen, an Bächen oder an aufgestauten Mühlenteichen. Hörte man bei den einen das dröhnende Geräusch der Flügel und das Geächse des Mühleninneren, so regte bei den anderen das Rauschen des auf das Mühlrad stürzenden Wassers die Phantasie der Menschen nachhaltig an. So beziehen sich Volkslieder eher auf Wassermühlen als auf Windmühlen, in jedem Fall aber auf wanderlustige Müllergesellen.

Mit der Einführung der Gewerbefreiheit 1868 und der damit verbundenen Aufhebung des Mühlenzwangs und festgelegter Bannbezirke begann in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts eine Blütezeit des Müllergewerbes, so auch für die Müllerinnung Grevesmühlen, eine der größten und reichsten Müllerinnungen Mecklenburgs, die 1885 eine neue Satzung erhielt. Zu ihr gehörten 1885 die Bezirke der Städte Grevesmühlen, Gadebusch, Rehna, Wismar und Schwerin, der Flecken Dassow und Klütz, der ritterschaftlichen und domanialen Ämter Grevesmühlen, Gadebusch und Schwerin sowie der Domanialämter Rehna und Mecklenburg-Redentin. Dieser Einzugsbereich war in den folgenden Jahrzehnten Änderungen unterworfen. Das um Schönberg liegende Ratzeburger Land, ein Teil von Mecklenburg-Strelitz, fehlte zunächst, kam aber später hinzu. So gesehen entsprach der Wirkungsbereich der Müllerinnung Grevesmühlen etwa dem ab 13. Juni 1994 gebildeten Großkreis Nordwestmecklenburg. Damals war Grevesmühlen Sitz der Müllerinnung für ein Gebiet, für das es heute Kreisstadt ist.

Andererseits gehörten sogar Müller und Mehlhändler aus

dem benachbarten Lübeck bzw. dem angrenzenden holsteinischen Territorium (Travernünde, Stockelsdorf, Groß Parin) zur Müllerinnung Grevesmühlen.

Seit Jahrhunderten existierten in diesern nordwestmecklenburgisohen Raum Mühlen unterschiedlicher Art. In erster Linie nennen historische Überlieferungen Wassermühlen, z.B. Poischow, Rehna, Gadebusch. Kleinere Bäche, zu Mühlenteichen gestaut, reichten aus, um ständig für den notwendigen Antrieb zu sorgen. Neben Mühlen, die Getreide mahlten, sind aber auch Walkmühlen (Grevesmühlen), Papiermühlen (Maurinmühle ), Hammermühlen oder Kupfermühlen (Bäk) bekannt.

Windmühlen finden in alten Urkunden zumeist später Erwähnung. Das mag in erster Linie an mühlenbautechnischen Dingen gelegen haben, aber auch auf den Wind war nicht ständig Verlaß. Vom Typ her waren es vermutlich Bockwindmühlen, bei denen das ganze Mühlengehäuse auf einern Bock drehbar gelagert war und durch Muskelkraft in die jeweilige Windrichtung gedreht werden mußte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich die schwerfälligen Bockwindmühlen nicht mehr gegenüber den moderneren. leistungsfähigeren Holländermühlen behaupten. Deshalb sind derartige Fotos selten.

Ein solche Bockwindmühle ist aus dem Gebiet der Müllerinnung Grevesmühlen wohl nur noch für Vielbeek (Grevesmühlen) fotografisch nachweisbar. Sie stand ursprünglich in Stove bei Wismar und wurde 1889 nach Grevesmühlen umgesetzt. Damals ließ sich Mullermeister Johannes Tiedemann in Stove die noch heute ausschließlich mit Wind arbeitonde Mühle erbauen, heute ein einzigartiges Denkmal der Produktionsgeschichte innerhalb des Kreises Nordwestmecklenburg, das auf der Titelseite dieses Buches abge bil det ist.

Eine Sonderform der Bockwindmühlen stellten Paltreekmühlen dar, bei denen das Mühlengehäuse bis zum Boden reichte, so daß im Gegensatz zu den Bockmühlen der Unterbau nicht sichtbar war, gewissermaßen durch einen 'Rock' verkleidet. Außerdem drehte sich der Mühlenkasten nicht auf einem Bock, sondern auf einer Rollenbahn. Auch von diesem Typ ist für dieses Gebiet lediglich eine Mühle, die von Drieberg. fotografisch belegt.

Die bei weitem bekannteste Mühlenart aber war die technisch immer mehr ausgereifte Holländerwindmühle, die deshalb auch am längsten erhalten blieb. Bei einern feststehenden Turm drehte sich lediglich die Haube. Derartige Mühlen gab es im Gebiet der Grevesmühlener Müllerinnung vermutlich seit Ende des 18. Jahrhunderts, ihren Siegeszug aber traten sie erst unter den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten ab 1868 an.

Groß war allerdings die Vielfalt. So gab es Erdholländer, bei denen die Flügelenden fast den Boden berührten und somit Unfallgefahren boten, und Galerieholländer, bei denen sich ca. 4 m über dem Erdboden eine Galerie befand, die unter anderem auch günstige Lademöglichkeiten bot. Die Flügelenden bewegten sich oberhalb der Galerie. Galerieholländer wiesen drei oder vier Stockwerke auf. Es waren besonders prächtige Mühlen. Die Ahrensche Mühle (GrevesmühJen) hatte zunächst nur drei Stockwerke, wurde dann aber um ein Stockwerke erhöht.

Die meisten Holländerwindmühlen besaßen einen Unterbau aus Ziegelsteinen, während der Mühlenturm aus Holz, von außen mit Dachpappe versehen. bestand. Einige Mühlen waren aber bis unter die Haube aus Stein gemauert, z.B. der Erdholländer in Dambeck; andere wiesen lediglich Holz als Baustoff auf. Bei manchen Mühlen nutzten ihre Erbauer Rohr für das Abdecken von Turm und Haube. In

jedem Fall galten Windrnühlen als brandgefährdet, viele von ihnen brannten nieder, andere erlitten allerdings ein ganz anderes Schicksal.

Über Jalousieflügel verfügten die Mühlen des nordwestmecklenburgischen Gebietes wohl erst seit etwa hundert Jahren. Vorher waren sie rnit Segeltuch bespannt und nahmen so die volle Wucht des Windes auf, z.B. die Ahrenssche Mühle. Jalousieflügel boten den Vorteil, den Wind durch das Öffnen der Jalousien 'zu brernsen'.

Eine technische Verfeinerung stellte auch die Windrose auf dem Mühlenkopf dar, durch die sich die Haube selbst in die jeweilige Windrichtung drehte. Ohne Windrose mußte dies der Müller besorgen, eine körperlich schwere Arbeit, wobei wechselnde Winde zu beachten waren.

Wind- und Wassermühlen stellten sich ab etwa 1880 auf neue Antriebsarten ein, Wassermühlen nutzten als erste Dampfmaschinen. Der Diesel- bzw. Elektromotor trat ab 1900 dann überall neben die Wind- und Wasserkraft. Als erster 'Elektro-Müller' ist Heinrich Ahrens (Grevesmühlen) anzusehen, der ab 1917 die Elektrizität nutzte. Mullermeister Hans Oltmann sorgte noch 1939 durch den Einbau leistungsfähiger Turbinen für eine technische Modernisierung seiner Wassermühle in Schönberg.

Im Gebiet der Müllerinnung Grevesmühlen befanden sich die Mühlen, wie in ganz Mecklenburg, im Besitz der Ritterschaft, der Städte oder des Dornaniums. Erst seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts gelangten die Müller nach und nach in Pacht-, Erbpacht- oder Eigentumsverhältnisse. Als Erbpächter oder Eigentümer einer Mühle sorgten sich die Müllermeister naturgemäß um notwendige Reparaturen bzw, technische Erneuerungen. Vor dieser Zeit waren die Mühlen oftmals in einem sehr schlechten Zustand. Dies ist aus Nordwestmecklenburg besonders von domanialen

Wassermühlen bekannt, z.B. Poischow bei Grevesmühlen und Groß Voigtshagen.

Pachtmühlen wechselten häufig ihre Nutzer. Als Erbpächter oder Eigentümer aber behielten die Müllerfamilien ihre Mühlen häufig über zwei oder drei Generationen, Z.B. Gagzow (Dambeck), Kähler (Palingen), Rehsöft (Redewisch), Robrahn (SeImsdorf), Schulz (Stove bei Carlow), Wiechmann (Grevesrnühlen), Wieschendorff (Maurinmühle bei Carlow) und Willers (Stockelsdorf), bei Einheirat sogar über vier Generationen, Z.B. Freier/Beusch (Groß Voigtshagen) und Meyer/Ahrens (Grevesmühlen). Die bekannteste Müllerfamilie des Gebietes aber war wohl die Familie Oltmann, die in drei Linien Mühlen in Rüting und Schönberg, in Poischow bei Grevesmühlen und in Dassow betrieb. Die Veränderungen in den Jahren nach 1945 verhinderten in erster Linie die Fortsetzung dieser langen Müllertraditionen.

Mit der Industrialisierung entwiekelten sich am Ende des vergangenen Jahrhunderts zwar besonders in größeren Städten (z.B. Schwerin, Wismar ) oder verkehrsgünstig gelegenen Orten (z.B. Bad Kleinen) industriell arbeitende Mühlen, aber auf dem Lande konnten sich die Wind- und Wassermühlen größtenteils bis zum Ersten Weltkrieg halten. In den zwanziger Jahren führten Inflation und Weltwirtschaftskrise zum 'Mühlensterben', viele Mühlen gingen damalsein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben zunächst einmal die noch vorhandenen Mühlen erhalten. In den Dörfern wohnten mehr Menschen denn je, das Land bot bessere Nahrungsmöglichkeiten, die Mühlcn wurden gebraucht.

Dann aber begann der Niedergang des Mühlenwesens. Vielfach lag dies nicht nur an wirtschaftlichen Gründen, sondern an politischen Motiven. Mühlenbesitzer und -päch-

ter wurden besonders nach 1945 und am Anfang der fünfziger Jahre schikaniert und denunziert, schlimm traf es aber diejenigen, die 1945 für einige Jahre in Internierungslager kamen.

Ab 1950 gingen nach und nach die Mühlen ein. Weiterhin arbeitende Mühlen stellten sich mit der Schrot - bzw. Futtermittelherstellung auf den Bedarf viehwirtschaftlicher Betriebe ein. So hielten sich mehrere Mühlen noch bis in die siebziger Jahre, obwohl auch sie schon seit der Jahrhundertwende die Kraft von Diesel- oder Elektromotoren nutzten, nur wenige produzierten als volkseigene oder genossenschaftliche kleinindustrielIe Betriebe bis 1990/91, Z.B. Mühle Ahrens (Grevesmühlen) und Mühlenwerke Schönberg, Iediglich die Mühle Stove bei Carlow blieb bestehen.

Wo noch bis in die sechziger oder siebziger Jahre hinein Windmühlen vorhanden und diese dem Verfall preisgegeben waren, setzten sich denkmalbewußte Menschen für den Erhalt dieser Bauwerke ein. Zumeist wurde eine Nutzung als Mühlenrestaurant (z.B. Dorf Mecklenburg, Klütz, Grevesmühlen), als Künstleratelier (z.B. Dambeek) oder auch als Künstlerwohnung angestrebt, nur in Ausnahmefällen erhielt eine Mühle den Charakter eines produzierenden technischen Denkmals (z.B. Stove bei Wismar).

So bleiben vielfach nur noch Fotos die einzigen Zeugen von früher vorhandenen Mühlen. Dieses Buch leistet dazu einen kleinen Beitrag. Es wurde ermöglicht durch die aktive, uneigennützige Hilfe vieler Mühlenfreunde, die zum Teil Angehörige der im Buch genarmten Müllerfamilien sind. Ihnen gilt ganz besonderer Dank. 'Glück zu!'

Eekart Redersborg

~lück3U.

1. Das Bild zeigt das Wappen der Müller. Im unteren Teil sind ein Mühlstcin mit gradliniger Felderschärfe (Furchen) und die Walze zu sehen. Im oberen Teil dokumentieren Kammrad, Winkel und Zirkel den Mühlenbau. Der Müllergruß lautete 'Glück zu'. Betrat ein Müllergeselle auf seiner Wanderschaft eine Mühle oder das Haus des Müllers, so sagte er: 'Glück zu! Einen schönen Gruß vom letzten Müller und Gesellen!'

2. Zu den wertvollen Innungsstücken zählte neben dem Willkomm auch die Innungslade. in der der jeweiligc Innungsmeister unter anderem die Innungsakten bewahrte. Die Innungslade ist reich verziert. An ihrer Vorderseite zeigt sie das MülJerwappen in älterer Forrn, ohne die Walze, die es damals noch nicht gab, Die Namen Freier und Schröder nennen vermutlich zwei frühere Innungsrneister. möglicherweise auch die Stifter dieser Truhe (vgL Bild 39). Die Lade ist 35,5 cm hoch, 55,5 cm breit und 39 cm tief. Sie wird im Mecklenburgischen Volkskundemuseum Schwerin-Mueß bewahrt.

3. Das Foto zeigt Müllermeister Anton ültmann (1862 bis 1937), der von 1896 bis 1931 Innungsmeister der Müllerinnung Grevesmühlen war. Er entstammte einer weitverzweigten, seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts nachzuweisenden holsteinischen Müllerfamilie, die mit ihm und anderen Familienmitgliedern auch in Nordwestmecklenburg seßhaft wurde. Bis 1905 hatte er die domaniale Wasserrnühle Rüting gepachtet (vgl. Bild 23). Dann kaufte er die Wind- und Wassermühle in Schonberg (vgl. Bilder 47 und 48), die er bis zu seinem Tode im Jahre 1937 leitete. In seiner Wirkungszeit als Innungsmeister der Müllerinnung erwarb er sich große Verdienste für die Entwicklung der Innung und auch des Müllergewerbes,

4. Nachfolger des Innungsmeisters Anton Oltmann wurde im Jahre 1931 der bis dahin jahrzehntelange stellvertretende Obermeister Heinrich Ahrens (1868 bis 1946), der die Müllerinnung Grevesmühlen dann bis 1934leitete. Das Bild zeigt ihn mit seiner Frau Caroline geborene Meyer, deren Vater zwischen 1885 und 1896 erster Obermeister der Müllerinnung Grevesmühlen war. Am Ende des vergangenen Jahrhunderts arbeitete Heinrich Ahrens in der Windmühle von E.e. Meyer in Grevesmühlen, heiratete 1895 dessen Tochter Caroline und übernahm 1901 die Mühlenbetriebe seines Schwiegervaters, Müllermeister Heinrich Ahrens sorgte für viele technische Neuerungen in seinen Mühlen, unter anderem nutzte er als erster Müller Grevesmühlens ab 1917 einen elektrisch getriebenen Motor (vgl. Bilder 15 bis 18).

5. Zwischen 1934 und 1945 wirkte der Dambecker Müllermeister Johannes Gagzow (1884 bis 1960; vgl. Bilder 65 und 66) als Obermeister der Grevesmühlener MüIlerinnung, die sich damals aber 'Müllerinnung der Kreise Schwerin und Schönberg' nennen mußte. Die Zahl der Mühlen hatte sich besonders am Ende der zwanziger Jahren bedeutend verringert. Maßgebend aber waren besonders die strukturellen Veränderungen im Handwerk während der NS-Zeit, so daß sich der Aktionsradius der Müllerinnung vergrößerte. Auch in den Nachkriegsjahren setzte Johannes Gagzow sein Wissen und seine Erfahrungen für die Innung ein, so daß er ab 1950 bis zur Auflösung der Innung wieder als Obermeister wirkte.

6. Im Jahre 1938 gratulierten Mitglieder der Müllerinnung Grevesmühlen dem Müllermeister Wilhelm Wieschendorff (Wassermühle Maurinrnühle bei Neschow; vgl. Bilder 49 und 51) und seiner Ehefrau Anna zur Silberhochzeit. Die Müllermeister erschienen in ihrer historischen Tracht, bestehend aus roter Weste mit goldenen Knöpfen und mit dem Müllerzeichen, schwarzer Kniebundhose, weißem Hemd und weißen Strümpfen sowie der typischen Müllerrnütze, Zwei Frauen trugen die Schweriner Tracht. Daß das Innungsleben damals durch die NSDAP mitbestimmt wurde, verdeutlicht die Anwesenheit von zwei NS-Funktionären.

7. Am Reichshandwerkertag 1935 in Frankfurt/Main beteiligte sich auch eine Abordnung der Müllerinnung Schönberg/Schwerin. Zu ihnen gehörten die Müllermeister Johannes Gagzow (Dambeck), Paul Robrahn (Selmsdorf), Carl Voß (Stralendorf bei Schwerin), Werner Ahrens (Grevesmühlen) und August KähJer (Palingen), in der ersten Reihe von links nach rechts.

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