Mössingen in alten Ansichten

Mössingen in alten Ansichten

Auteur
:   Otto Steinhilber, Hermann Berner und Matthias Röhrs
Gemeente
:   Mössingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4970-9
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mössingen in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Mossingen als Hauptort des Steinlachtales gehört heute zum Kreis Tübingen und liegt am Fuße der Schwäbischen Alb. Der Farrenberg und der Dreifürstenstein mit 854 m der höchste Punkt der Mössinger Gemarkung prägen die Silhouette der Stadt.

Drei Ortsteile befinden sich auf der Mössinger Gernarkung:

Belsen, der älteste Ortsteil, das am Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Bad Sebastiansweiler mit seiner bekannten Schwefelquelle und die jüngste Siedlung Bästenhardt, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Seit der Gemeindereform 1971 gehören zu Mössingen auch die zwei vormals selbständigen Gemeinden Öschingen und Talheim. Die Stadt Mössingen hat heute 17 000 Einwohner.

Im Raum Mössingen finden sich keltische und rörnische Siedlungsspuren. Der Ort Mössingen selbst ist eine frühe alemannische Siedlung. Zahlreiche alemannische Reihengräber bezeugen die Herkunft Mössingens, noch heute erinnert der Straßenname' Auf der Lehr' an diese Zeit. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Mössingen im Lorscher Codex 774. Das Dorf Mössingen ist verrnutlich aus mehreren Gehöftgruppen zusammengewachsen. Es bildete ursprünglich ein Haufendorf mit nahezu quadratischem Grundriß, das von dem Flüßchen Steinlach mit seinen zahlrelehen Windungen in zwei Teile zerschnitten wurde.

Zu Mössingen gehörte einst noch eine Reihe hochmittelalterlicher Rodesiedlungen. Diese bewohnten Weiler mit den Namen Buch, St. Johannisweiler, Spechtshart, Steinhofen und Aubingen wurden im 16. Jahrhundert aufgegeben. Mössingen gehörte bis Anfang des 15. Jahrhunderts den Grafen von Zollern, auch die Mössinger Burg, die 1344 erwähnt wird, war im Besitz von Zollerischen Dienstleuten.

1415 verkaufte Graf Friedrich von Zollern (genannt der 'Öttinger') Mössingen an Graf Eberhard von Württemberg. Nach langwährenden Auseinandersetzungen kam Mössingen endgültig im Jahre 1441 zu Württemberg und wurde dem Amt Tübingen unterstellt. Von 1810 an gehörte Mössingen zum Oberamt Rottenburg. Im Jahre 1938 wurde das Oberamt Rottenburg aufgelöst und Mössingen wurde dem Landkreis Tübingen zugeteilt.

Die Pestzeiten Mitte des 16. Jahrhunderts und der 30jährige Krieg forderten eine große Zahl von Todesopfern unter der Mössinger Bevölkerung, die Einwohnerzahl ging jeweils um fast die Hälfte zurück. Am Ende des 30jährigen Krieges dagegen lebten noch gut ·700 Personen in Mössingen. Es dauerte nun ungefähr 100 Jahre, bis eine Einwohnerzahl von 1 500 erreicht war.

Die Bevölkerung wuchs weiter von 2 500 um das Jahr 1800 auf 3 500 um 1850. Diese Bevölkerungszahl ließ sich aber mit den traditionellen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden nicht mehr ernähren, so daß in Mössingen fast zwangsläufig eine gewerbliche Entwicklung einsetzte. Von Vorteil für diese Entwicklung war Mössingens geographische Lage, die es als Zentrum für die umliegenden Albdörfer und das obere Steinlachtal begünstigte. 1709 wurde Mössingen Marktort und durfte zunächst einen Markt im Jahr abhalten, die Zahl wurde später auf drei Jahrmärkte erhöht. Den ersten Boom der gewerblichen Entwicklung lösten in Mössingen die Schnapsbrenner aus. Um 1800 gab es über 300 Brennereien in Mössingen, was bei gut 400 Wohngebäuden eine enorme Anzahl ist. Mit dem Ende der Napoleonischen Kriege ist ein Rückgang des Brennereiwesens zu verzeichnen. Den zweiten bedeutenden Erwerbs-

zweig bildete in der Folgezeit die Produktion von Reehen und Gabeln, auf die sich einheirnische Wagner spezialisierten. Wie schon der Schnaps wurden auch die Reehen und Gabeln im weiteren Umkreis verkauft. Nicht wenige Mössinger waren mit den einheirnischen Produkten unterwegs und kamen dabei bis in die Schweiz, ins Badische und Bayrische. Zu weiteren bedeutenden Handwerkszweigen entwiekelten sich in Mössingen im 19. Jahrhundert die Küfereien, Drechslereien und Schreinereien, In allen diesen Berufszweigen wurde mit einfachstem Handwerkszeug gearbeitet und mit am Ort vorhandenen Materialien. Für die meisten Mössinger Handwerker hatte ihr Gewerbe mehr den Charakter eines Zubrots, Basis des Lebenserwerbs blieb die Landwirtschaft, aber von ihr allein konnte man nicht mehr leben. Grund für die Verknappung der bäuerlichen Lebensgrundlage war das enorme Bevölkerungswachstum und die Realteilung, die die landwirtschaftlichen Produktionsflächen immer mehr zerstückelte und verkleinerte. Aber nicht nur die Ländereien wurden geteilt, auch in den Häusern wohnten oft mehrere Familien. Man trifft auf Häuser, in denen sogar die Küche in mehrere Teile ging, sprich mehreren Familien gleichzeitig gehörte und von diesen gemeinsam benutzt wurde.

Trotz der gewerblichen Entwicklung Mössingens blieben viele seiner Bürger an oder sogar unter dem Existenzminimum, was zu ständig wiederkehrenden Auswanderungswellen führte. Von der Mitte des 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten die Leute vor allem gegen Osten (viele bis zum Schwarzen Meer), ab 1850 zog es die Auswanderer dann in erster Linie in die USA.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Tübingen-

Hechingen 1869 gelangte auch Mössingcn in den Sog der Industrialisierung. Neben drei großen Textilfabriken gab es um die Jahrhundertwende in Mössingen zwei Zementsteinfabriken und einige expandierende Holzverarbeitungsbetriebe. An der Lebensgrundlage der Bevölkerung änderte sich dadurch wenig. Die Landwirtschaft blieb die Basis des Lebenserwerbs. Nach dem Handwerkerbauern entstand nun der Arbeiterbauer .

Trotz seiner traditienellen pietistischen Prägung wurde Mössingcn Anfang des 20. Jahrhunderts zunehrnend 'rot', das heißt zu einer Hochburg der Arbeiterbewegung, In den zwanziger Jahren entwickelte sich die Mössinger KPD zu einer das Ortsbild prägenden Partei. In den der KPD angeschlossenen Arbeitervereinen verbrachten viele Mössinger ihre Freizeit. Als einzige Stadt bzw. Gemeinde machte die Mössinger KPD den ernsthaften Versuch 1933 Hitlers 'Machtergreifung' Mittels eines Generalstreiks zu verhindern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Mössingen ein rapides Bevölkerungswachstum und wurde 1974 als damals größtes Dorf von Baden-Württemberg zur 1200-Jahrfeier in den Stand einer Stadt erhoben. Im Zuge des raschen Wachstums Mössingens und der industriellen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Mössinger Ortsbild radikal. Die auf den folgenden Seiten zu sehenden Bilder werden zwar bei den älteren Mössinger Bürgern Erinnerungen wachrufen, aber die jüngeren Bewohner werden sich in ein frerndes Dorf versetzt fühlen. Viele der hier abgebildeten Häuser fielen in den letzten Jahren der Spitzhacke oder moderner ausgedrückt, der Planierraupe zum Opfer.

1. Mössingen im Jahre 1905. Im Vordergrund sehen wir die damals noch unbebaute Breite. Der Standort des Fotografen entspricht ungefähr dem Platz, auf dem heute das neue Rathans steht. Im Hintergrund erheben sich die Berge der Schwäbischen Alb. Links der Firstberg, auf dem bis 1756 das Schloß Fürst stand. Dahinter der Schönberg und danach der Roßberg, damals noch ohne den 1913 erbauten Roßbergturm; sein Vorläufer, ein hölzerner Aussichtsturrn, ist auf dem Bild kaum zu erkennen. Rechts sehen wir den Filsenberg. In der Bildmitte die Peter- und Paulskirche im alten Dorfzentrum. An der Bahnhofstraße im Bildvordergrund wurden Anfang dieses Jahrhunderts die ersten Häuser errichtet.

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2. 'Mössingen vom Flugzeug aus.' Diese Postkarte von 1932 lenkt den Bliek des Betrachters von West nach Ost und gibt einen Eindruck von der Entwicklung und Ausdehnung des Dorfes. Während der alte Ortskem sich links und rechts der Steinlach konzentrierte, breitet sich die Gemeinde nun auf ehemalig landwirtschaftlich genutzter Fläche aus. Im Vordergrund sieht man das damalige Neubaugebiet Hilb, die im Bau befindliche Reutlinger Straße und das neu erstellte Fabrikgebäude der Firma Pausa. Am linken Ortsrand erkennt man die durch Realteilung zerstückelten Äcker und Wiesen. Am Albrand entlang ziehen sich die für das Steinlachtal typischen Streuobstwiesen bis hinauf zum heutigen Teilort Öschingen.

Mössingen

Partie b. d, Kirche.

3. Kurz vor Weihnachten 1923 schickte die Frau des damaligen Pfarrers Sautter diese Postkarte nach Basel. Darauf sehen wir im Vordergrund die alte Rathausbrücke. Die Häusergruppe auf der linken Seite des Bildes bekam bei der Erfassung der Häuser 1823 die Hausnummern 1-8. Laut Karl-Friedrich Eisele befand sich an dieser Stelle der ehemalige zollerische Maierhof in Mössingen. Der Maier war ursprünglich der Verwalter des herrschaftlichen Fronhofes und für die Eintreibung der herrschaftlichen Abgaben zuständig. Im 12. Jahrhundert traten die Maier als Pächter der herrschaftlichen Fronhöfe auf, nach und nach gingen die Höfe in ihren Besitz über, Im Hintergrund des Bildes erhebt sich der Turm der Peterund Paulskirche, die 1517 bis 1527 an der Stelle einer älteren Kirche erbaut wurde. Rechts erkennt man das Pfarrhaus.

4. Gemeinsam mit Pfarrer Sautter ließ sich der Jungfrauenverein Anfang der zwanziger Jahre vor dem Kriegerdenkmal fotografieren. Der Jungfrauenverein wurde Ende des letzten Jahrhunderts von Frau Rosine Schmid ins Leben gerufen. Der Verein diente der religiösen Erbauung der Mädchen und sollte diese zu sozialem Engagement anhalten. Ab 1919 übernahm die Pfarrfamilie Sautter die Betreuung des evangelischen Jungfrauenvereins. 1920 errichtete man zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mössinger ein Kriegerdenkmal vor dem Portal der Peter- und Paulskirche. Bei der Kirchenrenovierung in den siebziger Jahren wurde das Kriegerdenkmal abgetragen.

5. Der Mössinger Posaunenchor ist auf Anregung von Pfarrer Sautter und Gemeinschaftspfleger Schwarz aus dem Jünglingsverein hervorgegangen. Dreizehn Mitglieder gründeten ihn im Jahre 1921. Der erste Dirigent war Gottlieb Schwarz. Der Posaunenchor spielte nicht nur in der Kirche, sondern auch bei Geburtstagen von Alten und Kranken und einige Jahre um 24.00 Uhr in der Silvesternacht vor der Kirche. Das Silvesterspielen wurde später wieder aufgegeben, weil man gegen den Lärm des NeujahrsschieBens nicht ankam. Das Bild stammt vom 14. Dezember 1924 und zeigt von links nach rechts: Wilhelm Speidei, Bernhard Schmid, Friedrich Herter, Bernhard Maier, Lehrer Wörner, Wilhelm Schlegel, Kar! Hausch, Paul Maier, Jakob Schmid, Hermann Steinhilber, Friedrich Maier, Georg Maier, Georg Saur, Jakob Haap und Johannes Herter .

6. Am 20. Juli 1920 bekam die Mössinger Kirche neue Glocken, mitfinanziert durch eine Spende von Georg Wagner aus Amerika. Zwei der alten Glocken wurden im Laufe des Ersten Weltkriegs 'zum Militärdienst eingezogen' und zu Kriegsgerät umgeschmolzen, während die verbliebene dritte Glocke 1920 vom Kirchturm geholt worden war, um sie für das neue Geläute umzugießen. Zwei Jahre nach Ende des Krieges kamen also wieder neue Glocken nach Mössingen, die Gefallenen des Weltkriegs ließen sich dagegen nicht mehr ersetzen. Links neben dem Wagen steht Postbote Konrad Wagner mit Frau Katharina sowie den Kindern Gustav und Maria. Hinter Familie Wagner erkennt man den Schmied Christoph Schlegel. Im Hintergrund erhöht stehend der Baumwart Kar! Streib und der Schreiner Martin Neth. Am rechten Bildrand Anna Ruoff mit Kind Lydia.

7. Im Jahre 1926 wurde dieses Bild vom Kamin der Firma Pausa aus aufgenommen. Am linken Bildrand erkennt man ein Haus mit nur einer Giebelhälfte, das an die Kirchhofmauer angebaut war, man nannte es deshalb den 'Halbmond', Durch diesen Anbau blieb uns ein Stück der erhöhten Kirchhofmauer bis heute erhalten. Sie wurde 1411 auf Veranlassung Friedrichs von Zollern , genannt der 'Öttinger', errichtet, um die Mössinger Einwohnerschaft vor feindlichen Übergriffen zu schützen. Unter der Mauer befindet sich ein Gang, der noch heute extistiert und vom Keller des ehemaligen Hauses Strohmaier in den Kirchhof führte. Hinter dem 'Halbmond' sieht man das Haus, das von den Familien Strohmaier, Feucht, Stotz und Lang bewohnt war. Dieses Haus wurde 1977 abgebrochen, der Halbmond dagegen schon 1973.

8. Die Peter- und Paulskirche, erbaut 1517 bis 1527, sieht man hier in einer eher ungewöhnlichen Perspektive, vom Aible aus. Neben der Kirche, das schon erwähnte Haus Lang, Feucht, Stotz, Strohmaier. Die linke Tür führte zum Stall und zu einem Keller, von dem aus man den Gang unter der Kirchhofmauer erreichte. In direkter Nachbarschaft , das sogenannte 'Stutthaus'. Es gehörte bis ins 19. Jahrhundert der Kellerei Tübingen und wurde als Heuzehnt- und Schafscheuer genutzt. Anschließend kam es in den Besitz der Gemeinde Mössingen und diente als Armenhaus sowie bis 1925 als Kindergarten und Wohnung für die Kinderschwester. Dieses Haus brannte 1930 zum Teil ab, es wurde wieder instandgesetzt und 1978 endgültig abgebrochen.

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