Mylau in alten Ansichten

Mylau in alten Ansichten

Auteur
:   Andreas Raithel
Gemeente
:   Mylau
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5561-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Mylau in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Im nördlichen sächsischen Vogtland, zwischen Reichenbach und Netzschkau, befindet sich Mylau. Der Ort mit seinen ca. 3700 Einwohnern (1992) liegt 290 bis 370 m Ü. NN, im reizvollen unteren Göltzschtal, an der Bundesstraße 173.

Mylau, 1212 erstmals erwähnt, verdankt seine Entstehung der Burg. Im Zuge der deutschen Besiedlung des Vogtlandes wurde sie um 1180 auf einem Felssporn im Mündungswinkel von Göltzsch und Raumbach (Milinbach) errichtet. Auf der Höhe gegenüber der Burg, in dem 1431 als 'Obermelin' genannten sorbischen Dorf, entstand wohl zeitgleich ein Wirtschaftshof (Rittergut), dessen Eigentümer auch stets Burgherr von Mylau war.

Die Burg Mylau (Milin) bildete den politischen Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft, zu der Reichenbach und mehrere Dörfer slawischer und deutscher Gründung zählten. Dieses Gebiet gehörte zunächst zum Reichsland und wurde deshalb von Vögten verwaltet. 1212 kam es als Schenkung Kaiser Friedrich II. an den Böhmenkönig Ottokar I. Trotzdem müssen die Vögte auch weiterhin geherrscht haben, denn 1367 zwang sie der Kaiser und Böhmenkönig Kar! IV., ihre Herrschaft Mylau an ihn zu verkaufen. Im Juni 1367 besuchte Karl IV. die Burg Mylau. Im Interesse seiner böhmischen Hausmacht verlieh er der kleinen Burgsiedlung das Stadtrecht. Kirchlicher Mittelpunkt der alten Herrschaft Mylau war Reichenbach. Deshalb dürfte wohl erst Mitte des 13. Jahrhunderts eine kleine Kirche in Mylau entstanden sein. Ein Vermächtnis aus dem Jahre 1476 bezeugt, daß sie dem heiligen Wenzel, dem Schutzpatron von Böhmen, geweiht war.

Noch in der böhmischen Zeit, wahrscheinlich nach einer Zerstörung im Jahre 1400, erfolgte der Ausbau der romanischen

Burg im Stil der Gotik. Es entstand dabei auch jene ungewöhnlich große, fast bis zur Kirche reichende Vorburganlage , die als Zufluchtsmöglichkeit für die Bevölkerung und ihr Vieh diente, denn die Stadt hatte keine eigene Befestigungsanlage. 1422 kam die Herrschaft Mylau durch Verpfändung an die wettinischen Markgrafen von Meißen, die seit 1423 auch Kurfürsten von Sachsen waren. Die Landesherren belehnten Vertreter des niederen Adels mit der Burg. Seit 1451 war die Familie Metzsch Besitzer der Burg Mylau. Ihr bedeutendster Vertreter, J oseph Lewin Metzsch (1508-1571), führte 1526 die Reformation ein. Der humanistisch gebildete Burgherr war mit Luther persönlich befreundet und maßgeblich an der kursächsischen Kirchenvisitation beteiligt.

Im Schmalkaldischen Krieg wurde die Burg Mylau 1547 belagert. Zusammen mit dem gesamten Vogtland kam Mylau im gleichen Jahr unter die Herrschaft des Burggrafen Heinrich IV. Die Nachkommen der Vögte konnten nur für kurze Zeit über das Gebiet ihrer Vorfahren herrschen. Seit 1569 gehört Mylau endgültig zu Sachsen. Nach dem Tode von Joseph Lewin Metzsch (1571) wurde die Herrschaft Mylau unter seinen Söhnen geteilt, Reichenbach von Mylau abgetrennt und die Teilherrschaft Mylau an die Familie von Schönberg verkauft. Die Schönbergs ließen den alten Palas der Burg um 1580-1590 im Renaissancestil umbauen.

1638 erwarb der reichste Adlige des Vogtlandes, der 'Obrist zu Roß und zu Fuß' Carol Bose, die Burg Mylau. Unter der Familie Bose entwickelte sich Mylau zu einem Weberstädtchen eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Dreißigjährigen Krieg. Hatte der Ort 1650 nur 22 Häuser (!) so waren es 1699 bereits 92.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts gerieten die Mylauer Weberimmer mehr in Abhängigkeit von Textilverlegern. Einer von ihnen, Christian Friedrich Petzold aus Greiz, erwarb 1772 die Herrschaft Mylau. Der bürgerliche Unternehmer war damit zugleich feudaler Gerichtsherr. 1773 ließ Petzold 150 der 200 Weber für sich arbeiten. Petzold und der Manufakturbesitzer Christian Gottlob Schilbach leiteten das bürgerliche Zeitalter ein.

1808 richtete der Webermeister Christian Gotthelf Brückner eine Baumwollspinnerei auf der Burg ein. Drei Jahre später entstand am rechten Göltzschufer die mit Wasserkraft betriebene Brücknersche Fabrikspinnerei. 1836 wurde hier die erste Dampfmaschine des sächsischen Vogtlandes in Betrieb genommen. Seit etwa 1860 vollzog sich der Übergang zur Industriestadt. 1871 gab es im Gebiet Mylau bereits acht Kammgarnspinnereien .

Auch die politische Emanzipation des Mylauer Bürgertums machte Fortschritte. 1830 und 1848149 gab es Unruhen in der Stadt, zwischen 1834 und 1855 wurden die alten feudalen Bindungen zur Stadtherrschaft aufgehoben. Ein besoldeter Bürgermeister fand Anstellung. Bürgerliche Vereine entstanden, darunter 1837 der Gesangsverein 'Concordia' und 1845 der Turnverein. Das Gaststättenwesen entwickelte sich. Waren es 1850 nur vier Gaststätten, so 1904 schon 26.

Mit der industriellen Entwicklung veränderte sich das Stadtbild wesentlich. Da es auch viele kleine Brände gab, konnte der Bau von mehrstöckigen Wohnhäusern recht schnell erfolgen. Eine Reihe von repräsentativen Gebäuden entstand: 1889 die Felsenschänke, 1890 die neue Kirche, 1895 das Postamt und der Bahnhof, 1902 die Hainschule, 1908 das Hotel 'Reichsadler' .

Die Einwohnerzahl Mylaus nahm sprunghaft zu. Zählte die Stadt 1706 nur ca. 900 Einwohner, so waren es 1798 schon rund 1 800. Im Jahre 1852 gab es in Mylau 3 308 Einwohner, 1900 darm 7 669 und 1910 fast 8 000.

1892 erwarb die Stadt das Rittergut Obermylau samt Burg und umfangreichen Liegenschaften. Auf der Rittergutsflur konnte deshalb 1894, vierzehn Jahre vor der größeren Nachbarstadt Reichenbach, ein Elektrizitätswerk, die 'Schotenmühle", errichtet werden. Die Burg wurde durch den Schloßbauverein als kommunales und kulturelles Zentrum der Stadt ausgebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Metallverarbeitung als neuer wichtiger Produktionszweig in der Stadt. Die in diesem Buch wiedergegebenen Fotos und Ansichtskarten spiegeln die grundlegenden Veränderungen im Ortsbild durch den Übergang vom beschaulichen Handwerkerstädtchen zur vollentwickelten Industriestadt zwischen 1870 und 1914 wieder. Der heutige Gebäudebestand ist großenteils in dieser Zeit entstanden. Viele einmalige Aufnahmen sind dem Fotoatelier von Paul Fischer zu verdanken und werden zum Teil erstmals veröffentlicht. Die Abbildungen stammen aus dem Museum Burg Mylau und stellen notwendigerweise eine Auswahl dar. Leider existieren insbesondere von wichtigen Ereignissen keine Bilder.

Als Mitarbeiter des Museums hat der Autor den Band überwiegend in seiner Einrichtung und unter Mitwirkung des Direktors Dr. Peter Beyer erarbeitet. Anläßlich des Jubiläums '100 Jahre Museum in der Burg' soll das Buch wertvolle Bilddokumente vorstellen. Sie sind ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Teil des umfangreichen Kulturgutes, das im Museum fachgerecht verwahrt, erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

1. Aus dem Sammelwerk 'Saxonia' (1839) stammt diese Lithographie von C.W. Arldt. Die meisten Häuser waren noch in Fachwerkbauweise errichtet. In der Mitte ragt ein klassizistischer Bau heraus: das Wohn- und Geschäftshaus Brückner. Rechts ist der Turm der alten Kirche zu sehen, vorn die Reichenbacher Straße.

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2. Die Ansichtskarte des Mylauèr Schloßbauvereins läßt drei markante Bauwerke erkennen: die Burg, die Kirche und die Göltzschtalbrücke. Die zwei Bildehen zeigen den unteren Burghof und den oberen Burghof nach der Rathausweihe von 1896. Die Bezeichnung 'Kaiserschloß' für die Burg war erst im 19. Jahrhundert in Erinnerung an den Besuch Kaiser Karl IV. (1316-1378) in Mylau entstanden. Nach der örtlichen Überlieferung soll Kar! IV. die Burg zu einem Jagd- und Residenzschloß ausgebaut haben. In Wirklichkeit wurde die Burg zwar in böhmischer Zeit, jedoch erst nach 1400, erweitert und ausgebaut, aber nicht als Fürsten-, sondern als Rittersitz.

3. Bei seiner Anwesenheit verlieh Kaiser Karl IV. am 18. Juni 1367 der Burgsiedlung Mylau das Stadtrecht. Die nach 1892 herausgegebene Ansichtskarte des Schloßbauvereins sollte an den Kaiserbesuch erinnern. Romantisch-verklärt wird der Besuch des Kaisers und Böhmenkönigs als Rückkehr von einer Jagd dargestellt. Nach der Sage soll Kaiser Kar! IV. am 'Hirschstein' gejagt haben. Das Motiv dieser Sage stammt wahrscheinlich aus Karlsbad.

4. In dem 1888 erschienenen Werk über die sächsischen Kunstdenkmale von R. Steche finden sich zwei Zeichnungen mit Torplastiken. Über dem Nordwesttor der Burg ist der Löwe, das Wappentier der Könige von Böhmen, zu erkennen (Bild links). Bis etwa 1930 befand sich über dem Markttor eine Ritterplastik, die wahrscheinlich den heiligen Wenzel darstellte. Wenzel, der Patron Böhmens, war im Mittelalter der Schutzheilige der Mylauer Kirche (Bild rechts).

5. Der Dresdner Fotograf Hermann Krone machte am 25. Juli 1872 diese Aufnahme von M ylau, die zu den ältesten der Stadt zählt. Sie zeigt vom die Häuser an der Netzschkauer Straße. Auffallend ist das Fachwerkhaus im Vordergrund. Es besitzt noch ein Schindeldach.

6. Im Jahre 1878 entstand die Aufnahme der Burg von Süden aus. Deutlich wird der kleinstädtische Charakter Mylaus. Ganz vorn ist eine kleine Brücke über den Mühlgraben der Schloßmühle (an der Mühlgasse) zu erkennen.

7. Dieses Foto zeigt den Bergfried, den Palas und das Torhaus der Burg vor dem großen Umbau in den Jahren 1894-1897. Dabei verschwand das Torhaus, das sich vor der Wehrmauer zwischen den beiden gotischen Bastionen befand. Größere Veränderungen erfolgten am Palas.

8. Rechts neben dem Uhrenturm der Burg ist noch der alte, 1907 abgebrochene Fachwerkbau zu sehen. Er war vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts in Zusammenhang mit der gewerblichen Nutzung der Burg errichtet worden.

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