Neheim in alten Ansichten

Neheim in alten Ansichten

Auteur
:   Heike Schmidt
Gemeente
:   Neheim
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5410-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neheim in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Das Charakteristische einer Stadt wird wescntlich geprägt von ihren Bauten. An historischer Bausubsranz kann Neheim nicht viel vorweisen. Zahlreiche Gebäude gingen durch Kriege und Feuersbrünste für immer verloren. Aber auch der unbedingte Glaube der Nachkriegsgcneration an die Moderne erweist sich heute manchmal als negativer , rnißlungener Eingriff in den Werdegang einer Stadt, da man sich bedenkenlos über Erhaltenswertes hinwcgsetzte. Ebenso drückt der jeweils aktueile Zeitgeschmack einern Stadtbild für Jahrzehnte seinen Stempel auf. Um so naheliegender scheint die Notwendigkeit, an hübsche Altstadtgassen oder noch vcrhandene Bauwerke zu erinnern, längst vernichtete oder abgerissene Zeugnisse Neheims wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Sind auch viele Akten und Informationen untergegangen, so läßt sich dennoch das Dunkel der Vergangenheit etwas näher beleuchten: Neheims Wurzeln relehen wahrscheinlich bis in die Zeit um 800 n. Chr. zurück. In einer Verkaufsurkunde von 1202 wird Neheim als Herkunfts- bzw. Familienname nachweislich erstmals erwähnt.

Die Arnsberger Grafen wachten mit besonderer Aufrnerksamkeit übcr Neheirn , da es für die rnilitärische Sicherung der Grafschaft eine cxponierte Lage aufwies. 1263 wurde Neheirn unter dem Grafen Gottfried lIL und mit Erlaubnis des Kölner Erzbischofs befestigt. Bei einer Fehde zwischen Neheim und Köln wurde 1278 das Bollwerk zerstört, denn dem Kölner Erzbischof schien die Wallanlage zu bedrohlich stark geworden zu sein. Schon bald konnte der Fcstungsgürtel crneucrt werden. Darauf reagierte der Erzbischof seinerseits mit dem Bau einer Burg auf dem Fürstenberg. Erst seit ungefähr 1350 lassen sich Details über die Neheimer Befcstigung sussagen. die neben den heute noch erhaltenen Burgmannshöfcn einen machtigen Turrn, drei Stadttore und das Burghaus Schüngel im Ruhr-Möhne-Eck umfaßte. Der Stadtbereich erstreckte sich von der Ohlbrücke bis zum Eingang der Mendenerstraße , von der Möhnepforte

bis zur Burgstraße. 1358 verlieh Graf Gottfried IV. von Arnsberg den Bürgern Stadtrechte. Das Abnalten eines zusätzlichen Jahrmarktes erlaubte der Graf im Jahre 1360. Einen besonderen Beweis des gräflichen Wohlwollens erhielt Neheirn 1368: Der letzte Landesherr vermachte seiner Stadt Neheim den heutigen Stadtwald. Dadurch wurde der Grundbesitz Neheims erheblich vergrößert, seine wirtschaftliche Kapazität verstärkt. Weil die Ehe des Grafen Gottfried IV. mit Anna von Kleve kinderlos blieb, ging die Grafschaft Arnsberg an das Erzstift Köln über.

Großes Unheil brachte die Soester Fehde 1444 bis 1446 für Neheim. Im Karnpf des Kölner Erzbischofs mit Soest wurde Neheim am 30. März 1446 fast völlig vernichtet. In der Zeit zwischen J558 und 1583 entbrannten ebenfaJlsheftigste Kärnpfe. Durch die Truchsessischen Wirren. einen Religionskrieg, entfacht durch den zum Protestantismus übergewechselten Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß, geriet die Bevölkerung abermals in arge Bedrängnis. So waren die Jahrhunderte überschattet von blutigen Kriegen, bitterster Not, der Pest, schlimmen Bränden.

Bis ins 19. Jahrhundert ernährten sich die Bewohner Neheims vom Ertrag der landwirtschaftlichen und handwerklichen Betriebe. Vor allem die Textilmanufaktur , die auf Veranlassung der Kurfürsten eingeführt worden war, sicherte den Menschen ein heseheidenes Auskommen. Am 10. April 1807, einern für Neheim tragischen Datum, brannte die Stadt bis auf wenige Gebäude vollständig nieder. Auch die Einrichtungcn der Weber, Gerber und Färber wurden vernichtet. Es erging ein Aufruf im Lande, in dern urn Spenden und Gaben für die hoffnungslose Stadt gebeten wurde. So drückten Kricgsschulden und die durch den Stadtbrand entstandene Armut der Stadt das unverdiente Etikett 'BiäddelNeime (Bettel-Nehcim) auf. Da das kurkölnische Sauerland seit 1802/03 von Hessen-Darmstadt regiert wurde , erfolgten tiefgreifende Änderungen. Unmittelbar nach dem Brand gab die landgräfliche Regierung dem Bauinspektor

Wulff aus Arnsberg Order, für Neheirn ein radikal neucs Konzept zum Wiederaufbau zu entwetfen. Durch die Beseitigung der alten Wallanlagc wurden die Voraussetzungcn zur Flächenausdehnung geschaffen. Enge, verwinkelte Gassen ersetzte Wulff durch geradlinige, breite Straßen. Die Häuserabstände vergrößerte er. Als Standort für die neue Kirche wählte er den heutigen, weit vor dem einstigen Zentrum gelegenen. So erhielt die Stadt eine völlig andere Struktur. Auch politisch setzten die Hessen ungewohnte Akzente. Durch den Wiener Kongreß 1815 fiel das Herzogtum Westfalen an Preußen. Der Oberpräsident Freiherr von Vincke fand 1816 Neheims Wirtschaft in einem desolaten Zustand vor.

Doch wandelte sich in den folgenden Jahrzehnten das dahindämmernde, bettelarme Ackerbürgerstädtchen zu einem aufblühenden Ort. Durch die günstigen Handelswege sowie die Wasserkraft von Ruhr und Möhne entwickelte sich Neheim zum attraktiven Industriegebiet.

Mehr und mehr spezialisierte sich die metallverarbeitende Industrie auf den Beleuchtungssektor. Von einfachen Rüböllampen über Petroleumlampen bis zur elektrischen Glühbirne - auf jede Modernisierung reagierte die Branche prompt. Bald exportierte man Leuchten in alle Welt. Firmennamen wie Hillebrand, Wetzchewald und Willmes aber vor allem Gebrüder Kaiser sowie viele andere trugen zu dem selbstbewußten Slogan bei 'Neheimer Lampen haben Weltruf'. Neheims Industrie bestand jedoch nicht nur aus Leuchtenfirmen. Auch zahlreiche Unternehmen, die Haus- und Küchengeräte, Polster- und Schmucknägel, Reißbrettstifte oder Heftzwecken, Gebrauchsgegenstände aus den verschiedensten Metallen herstellten, trugen zu Neheims gesunder Wirtschaftsstruktur bei.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ]914 begann eine Rezessionsphase. Der Neubeginn nach Intlation und Arbeitslosigkeit war schwer, führte dann jedoch zum erhofften Konjunkturaufschwung. Auf Betreiben des nationalso-

zialistischen Landrats Dr. Teipel koppelte man 194] die Stadt Neheim und die Freiheit Hüsten zur Stadt NeheirnHüsten zusammen. Es war eine Art 'Zwangsehe'. denn viele Bürger erklärten sich mit dem Beschluß nicht einverstanden, Das entsetzlichste Kriegsercignis brach über Neheim in der Nacht zum ]7. Mai ] 943 herein: die Bombardierung der Möhnetalsperre durch englische Luftangriffe. Die ungeheure Flutwelle kostete viele Menschenleben und vernichtete enorme Sachwerte. Bis 1945 wütete der Krieg weiter, dann folgte die Besetzung durch amerikanische Truppen.

Bei der Gebietsreform 1975 legte man die 'Stadt der Leuchten', die Verwaltungsstadt Arnsberg, Hüsten sowie zwölf Umlandgemeinden zur neuen Stadt Arnsberg zusarnmen, die nun rund 80 000 Einwohner zählt. Das industrielle Gedeihen Neheims hatte eine Vergrößerung der Wohnbezirke zur Folge. Neben der sogenannten Ober- und Unterstadt gliedern sich noch die Stadtteile Bergheim. Trift, Totenberg, Müggenberg/Rusch, Am Neheimer Kopf, Binnerfeld, Erlenbruch und Moosfelde an.

Dieser kleine Exkurs stellt einen Streifzug durch die Entwicklungsgeschichte Neheims mit 'Siebenmeilenstiefeln' dar. Viele interessante Fakten mußten wegen des Platzrnangels unerwähnt bleiben. so daß die Einleitung Iediglich eine Skizze der Neheimer Vergangenheit zeichnen kann. Das Bildmaterial umfaßt die Zeitspanne ungefähr von 1880 bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts. In diese Periode fallen entscheidende städtebauliche Veränderungen. Der Betrachter wird in dem Bildbändchen einerseits manch Vertrautes vorfinden, manchen noch heute praktiziertcn Brauch wiedererkennen, andererseits manches längst in Vergessenheit Geratene entdecken. manch alten Winkel identifizieren können. Die Texte rnöchten dazu Hilfestellung geben und auf unterhaltsame Weise etwas Licht in die Neheimer Vergangenheit bringen.

1. Ein sehr altes Fotodokument von Neheim, vermutlich um 1880 entstanden. ist hier wiedergegeben. Der Betrachter befindet sich am Fuße Bergheims. Aus der Straße mit den frisch gepflanzten Bäumchen und Gärten entwiekelt sich das spätere Bebauungsgebiet Trift. Auf der kleinen Anhöhe liegt die Altstadt rnit Burghaus Gransau, evangelischer Kirche und Drostenhof. Im Hintergrund läßt sich gerade noch die ursprünglichc St.-Johannes-Kirche wahrnehmen. Das Rathaus sucht man vergebens. Ein sehr schlichtes, zweigeschossiges Gebäude am Kirchplatz nahm damals die Rathausverwaltung auf. Die beiden vor dem Abhang gelegenen Fabriken sind rechts die Fabrik Hültenschrnidt und links die Cosacksche Fabrik , beides metallverarbeitende Betriebe. 1907 verlegte die Knopffabrik Tappe und Cosack ihren Standort zur Langen Wende.

2. Neben dem Schüngelschen Burgmannshof (gelegen am ehemaligen Ehrenhain) bildete auch dieses bis in das 14. Jahrhundert zurückreichende Gebäude einen Teil der Wehranlage am Ruhr-Möhne-Eck. 1377 übernahm W. Freysken das Anwesen, das bis heute seinen Namen trägt. Ansonsten gestaltete sich das Schicksal des Fresekenhofes weniger konstant: Seine Chronik zeugt von vielen Besitzern und vielen Neu- und Umbauten. Von 1802 bis 1893 diente er der Justiz als Verhandlungsstätte. Der Arresttrakt war im nebenliegenden Wirtschaftsgebäude untergebracht. Daher rührt die frühere Bezeichnung 'altes Gericht'. Auf diesem Foto um 1910 beherbergt das Anwesen die Königliche Oberförsterei. Während der letzten fünfzig Jahre verkam es zum Lagerhaus. Erst seit 1982 erlebte der Hof als Wahrzeichen und Keimzelle Neheimer Stadtentwicklung seine Renaissance.

3. Zur mittelalterlichen Befestigungsanlage Neheims gehörte neben dem Freseken- und Drostenhof auch das im Südwesten aufragende Burghaus Gransau, das mit seiner Rückseite noch heute auf dem ehemaligen Verteidigungswall steht. Auf den Wehrhöfen waren Burgmannen einquartiert, die für die Stadtverteidigung und ihre Anlage Sorge trugen. Nachweislich lebten im 15. und 16. Jahrhundert die Erbdrosten zu Fürstenberg-Neheim im Burghaus Gransau. Seitdem bot es mehreren Besitzern Obdach, bis es 1763 in das Eigentum der Familie Cosack überging, die das Familienerbe bis heute in Stand hält. Das Burghaus Gransau ist eines der wenigen Gebäude , die der große Stadtbrand von 1807 verschonte. So verkörpert der trutzige, hoch über dem Ruhrtal aufragende Burgmannshof eines der seltenen Zeugnisse Neheimer Historie.

4. Eine fünfte Wehrburg Neheims lag im Südosten des Walls, in Höhe der alten Post und des Grundstücks Willrners, Die hier beginnende Burgstraße erhielt durch die Burgmannshöfe ihren Namen. 1807 ließ die Stadt Neheim die verbliebenen Mauerreste der Festung abtragen. so daß einer Neugestaltung nichts mehr im Wege stand: Die ursprünglich winkelig verlaufende Burgstraße wurde begradigt. Sie war durch drei Gassen mit der Mendenerstraße verbunden. von denen nur noch die am Gransauplatz und Fresekenhof existieren. Durch die Verbreiterung der Grundstücke konnte ein größerer Sicherheitsabstand erzielt und das eventuelle Übergreifen eines Brandherdes verringert werden. Neben die ehemals strohgedeckten Fachwerkhäuser traten großbürgerliche Bauten wie rechts die Villa Hültenschmidt und im Anschluß daran das Haus Taprogge.

5. Eines der wenigen Relikte der ehemaligen Wehranlage repräsentiert auch der Drostenhof, welcher das alte Neheim nach Südwesten abschirmte. Im Spätmittelalter diente der Hof als Sitz des Amtsdrosten. Dieser hatte im Sinne eines Amtmannes einen bestimmten Bezirk zu verwalten, Steuern einzunehmen und Gerichtsgebühren zu kassieren. Das Amt erwarb die Familie zu Fürstenberg-Herdringen vom Kölner Kurfürsten. Als 1570 dieser Landesherr die Amtsdrostei auflöste, ging der Drostenhof in den Besitz der Stadt Neheim über. Vermutlich wurde Wil helm von Fürstenberg, der als Ordensmeister in Livland einen großen Bekanntheitsgrad erlangte, um 1500 hier geboren. Lange Jahre war in den historischen Mauern die Stadtbücherei untergebracht. Seit 1959 hat sich die Landsmannschaft der Deutschen aus Litauen im Drostenhof niedergelassen.

6. Die Häuser an der Mendenerstraße irn sogenannten Strohdorf gelten als einige der seltenen Überrcstc. die nach dem großen Brand von 1807 noch Zeugnis geben von der traditienellen Fachwerkbauweise , teils mit Schieferverkleidung, teils mit aufschlußreicher Balkeninschrift. Der einstige Name 'Hauptstraße ' läßt den Rückschluß zu, daß sich das Neheimer Leben um die Jahrhundertwende vor allem im jetzigen Altstadtbereich abspielte. Jeden Morgen und Abend wurde das Vieh über diesen Weg zu den Hudewiesen irn Schwiedinghauser Feld und Ohl getriebcn, was sich anhand der tierischen 'Hlnterlassenschaften' auf diesem Foto urn 1920 belegen läßt. Die Hude , Viehweidung auf öffentlichem Grundbesitz, war seitens der Stadt exakt reglementiert. Niemandem war es gestattet, sein Vieh privat weiden zu lassen.

7. Einst bildete der Markt das Zentrum Neheirns, Erst durch die radikale Umgestaltung der Straßenführung nach 1807 verlagerte sich der Schwerpunkt Richtung Süden. Danach wurde dieser Platz paradoxerweise in Neumarkt umbenannt und erst 1935 in Gransauplatz. Diese Perspekjive bot sich dem Betrachter um 1907. Am Kolonialwaren- und Spirituosengeschiift Frieling an der steil abfallenden Möhnepforte (rechts) wurde noch ein Seilzug zur Heueinlagerung betrieben. Das Fachwerkhaus links gehörr Familie Kettler und zeigt sich heute mit modernisierter Fassade. Im Eckhaus logierte die Poststation Hövel, Die Beförderung von Personen wurde bereits 1899 eingestellt. Die Kleinbahn und die Eisenbahn traten ihr Erbe an. 1927 löste das Postauto die Pferde-Paketpost ab. Den Postiltion gab es nun nicht mehr.

8. Eine kleine Rarität liegt dem Betrachter mit diesem Luftbild aus einern Zeppelin heraus vor. Links verläuft die Menderierstraße. Deutlich heben sich im Hintergrund die Firmen Westerrnann und FWB heraus. Die beiden Eckhäuser am Gransauplatz sind das Geschäftshaus Lehrnenkühler und gegenüber die Poststation Hövel. Der Marktplatz mit dem Denkmal stellt die Anbindung zur Burgstraße her. Rechts fällt der Bliek auf die Christuskirche. Die Burgstraßenbebauung gestaltet sich als buntes Nebeneinander von alten Fachwerkhäusern und eleganten Bürgerhäusern. Selbst nach dem von Baumeister Wulff diktierten großzügigen Bebauungsstil wirkt diese Keimzelle der Stadt, in der nur wenige Häuser den Brand von 1807 überlebten, extrem verwinkelt und zusammengedrängt. Und nur schwierig ist die noch engere und verschachteltere Bauweise Neheims vor 1807 vorstellbar.

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