Neuendettelsau in alten Ansichten

Neuendettelsau in alten Ansichten

Auteur
:   Erhard Steinbauer
Gemeente
:   Neuendettelsau
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1830-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neuendettelsau in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Bliek in die Geschichie

Im Herzen Mittelfrankens - vierzig Kilometer westlich von Nürnberg und zwanzig Kilometer östlich von Ansbach - liegt die Gemeinde Neuendettelsau. Die Ortschaft zählt rund 6 500 Einwohner, liegt auf einer 438 Meter hohen Ebene, die im Süden und Westen zur Fränkischen Rezat, im Norden und Osten zur Aurach abfällt. Nach der alten karolingischen Gaueinteilung gehört dieses Gebiet zwischen Fränkischer Rezat, Rednitz, Regnitz, oberer Altrnühl, Aisch und Frankenhöhe zum Rangau, der nach dem Flüßchen Rannach bei Windsheim seinen Namen hat.

Über die Entstehung von Neuendettelsau ist wenig bekannt. 1 Man weiß lediglich, daß beide Talseiten des Rezatgrundes mit seinen Nebentälern schon früh urbar gemacht und besiedelt wurden. Um 745 gründete Gumbert in Onoldsbach, dem heutigen Ansbach, ein Kloster. Die geistliche Oberhoheit über dieses Gebiet hatte der Würzburger Bischof, der von Karl dem Großen eine Anzahl Sachsenfamilien zur Zwangsumsiedlung zugeteilt erhielt. Der Ortsname 'Sachseri' taucht mehrere Male auf, zum Beispiel bei Ansbach, Bechhofen und Leutershausen.

Um 920 entstanden mehrere Wendensiedlungen. Wahrscheinlich stehen auch die Anfänge von Neuendettelsau damit in Beziehung. Darauf weisen die Ortsanlage, ihre wagenburgartigen Umwallung, die zentrale Stellung der Kirche mitten im Dorf und die zahlreichen Weilier hin, 1519 gehörten zum Schloßgut

noch neunzehn Weiher, davon befanden sich mindestens fünf innerhalb des Ortes (Stern- und Rottlersplatz, Löhehaus, Mission, Grünanlage Heilsbronner Straße).

Die älteste Nachricht von Dettelsau stammt aus den Heilsbronner Klosterakten. Am 16. März 1141 bestätigte Papst Innocenz Il. (1130-1143) das Zisterzienserkloster zu Hocholdesbrunnen (heute Heilsbronn) und schenkte dem Abt Rapoto und seinem Konvent den Ort Adelsdorf, Bonnendorf und Tetelsouue. Viele Vermutungen wurden zum Ursprung des Ortsnamens angestellt. Prof. Dr. Kantzenbach schreibt dazu unter anderem: Von den möglichen Deutungen ist gewiß die mit einem Personennamen 'Tettilin', 'Tettili' im Bestimmungswort vorzuziehen, so daß der Name als 'Zu der Au des Tettilin' oder Tettili erklärt werden muß. Das ergibt sich daraus, daß das 's' in den Namen, das alle alten Schreibungen haben, auf den Genetiveines Personennamens hinweist. Der Name 'Tettilin "bzw, 'Tettili' ist eine Verkleinerung, wie sie besonders hdufig vorkommt, zu den Personennamen 'tata' ader 'te to " der fiir das Mittelalter reich belegt ist.

Mit Dr. Fechter ist zu iiberlegen, ob Dettelsau nicht als Burgenname entstanden ist. Das Grundwort Au wurde nämlich fiir Wasserburgen oder fiir Burgen im Tal des ofteren herangezogen. Allerdings muß auch bedacht werden, daß die Mode, eine Person, ruimlich den Inhaber der Burg zu nennen, erst in einer Zeit

aufkam, als der Name Dettelsau schon seit mehreren Generationen bezeugt war. Vor 1200 wurde außerordentlich selten der Gründer einer Burg im Burgnamen genannt. Deshalb muß doch angenommen werden, daß wir in dem namengebenden Tettili den Gründer einer bäuerlichen Siedlung erblicken. Die Quellenlage spricht außerdem dafilr, daß in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine neue Siedlung vom Tal auf die südöstlich gelegene Hochfläche emporzog, so daß sicn die Unterscheidung von Neuendettelsau und Altendettelsau herausbildete.2

Zu der wechselhaften Geschichte des Ortes müssen einige Hinweise genügen. Im 10. Jahrhundert kam Dettelsau an die Herren von Dornberg. Einer ihrer Untergebenen mag es gewesen sein, der sein Lehen zwischen 1141 und 1288 an Heilsbronn abgeben mußte und sich ein festes Haus eine halbe Stunde südlich von Altendettelsau baute. In einem Dokument (zirka 1295) von 'Halesprunn am St. Nicodemustag' ist als Zeuge ein Hermann von Vestenberg. im castrurn Thetelsauwe wohnend, angeführt. Der Besitzer dieses Wasserschlosses stammte aus der gleichnamigen Burg nördlich von Wicklesgreuth. Sein Wappen zeigt einen Schild mit grünen und silbernen Querbalken und als Helmzier einen Hundekopf zwischen zwei Büffelhörnern.

Die Herren von Seckendorff stammen aus dem gleichnamigen Ort zwischen Cadolzburg und Langenzenn

und werden seit 1154 beziehungsweise 1246 urkundlich erwähnt. Ihr Wappen verzieren verschlungene Lindenzweige. 1325 wird Dettelsau an die Patrizierfamilie Pfinzing in Nürnberg verkauft. Diese hatten als Burgleute die Herren von Seckendorff beziehungsweise Vestenberg in der Vogtei Dettelsau sitzen.

Im Jahre 1369 tritt Chunrad von Seckendorff (genannt Nolt) auf, der zu Tetelsau als Bürge und Siegler einer Trauurkunde fungiert. 1402 siegeln Hiltpolt und Arnold von Seckendorff zu Tetelsaw gemeinsam einen Vertrag. Hans von SeckendorffjTettelsaw erscheint als Zeuge in den Jahren 1423, 1425 und 1428. 1403 wird das Schloß vermutlich wegen Heirat zwischen den Familien Seckendorff und Vestenberg geteilt. Im selben Jahr bekam das inzwischen größer gewordene Dorf eine eigene Pfarrei. Vorher war es Kaplanei von Petersaurach. Vielleicht wurde damals auch die erste Kirche gebaut (Altarweihe durch Bischof Sigibod 1216), während vorher die Burgkapelle in der Vorburg als Gotteshaus benützt wurde. An die Herren von Eyb gelangte Dette1sau erstmalig 1518, als Sebastian von Eyb das Gut von den Ansbacher Markgrafen Kasimir und Georg kaufte. Sebastian, aufgeschlossen für die Anliegen der Reformation, ließ die Messe deutsch lesen und dem Volk den Kelch reichen. Da der die Gemeinde betreuende Pfarrer am Althergebrachten festhielt, stellte Sebastian für den Gottesdienst in seinem Schloß eigens einen zweiten Geistlichen an.

Aus dem Geschlecht der Herren von Eyb kamen zahlreiche führende Persönlichkeiten. Einer der bedeutendsten war Albrecht von Eyb, (gestorben 1475), Domherr in Bamberg und Eichstätt. Seine humanistischen Bücher, voll Lebensweisheit, wurden gern gelesen. Er war einer der besten deutschen Schriftsteller seiner Zeit. Die Stammburg der Herren von Eyb lag im gleichnamigen Dorf, zwei Kilometer östlich von Ansbach, dem es heute eingemeindet ist. Der Name Eyb wird vermutlich von der Eibe, dem 'Rotbeerlesbaum', abgeleitet sein. Im Wappen sind drei Muscheln abgebildet und ein Helm, der mit einem Pfauenkopf verziert ist.

Im Jahre 1545 wurde das Schloßgut in Dettelsau durch Rüger von Westernach erworben, der markgräflicher Oberamtmann von Windsbach war. Er wurde auch Patronatsherr der Dorfkirche und führte die Reformation in Dettelsau zu Ende. Von da an wurde der Ort evangelisch. An ihn erinnert noch heute die gemalte Gedenktafel auf der linken Altarraumseite. Von den Unruhen und Zerstörungen des Bauernkrieges (1524/1525) blieb Dettelsau zwar verschont, dafür richtete das heimkehrende Kaiserheer unter der Herzog Alba im Schmalkaldischen Krieg 1546/1547 viel Mord, Jammer und Not an. Im Frühjahr kehrten nochmals die Kriegsgreuel zurück. Lichtenau wurde dabei vollständig zerstört und Dettelsau hatte unter Zügellosigkeit der Soldaten viel zu leiden. Nach dem Tod Rügers von Westernach konnten die Erben den

Besitz nicht halten und verkauften ihn zurück an die Freiherren von Eyb. Mit Hieronymus Gregorius folgte die katholische Linie des Geschlechtes (Gedenktafel am nördlichen Kirchenausgang), die mit dem Freiherrn Friedrich Karl 1851 ausstarb.

Die nachfolgenden Besitzer kamen aus dem gleichen Geschlecht der Rammersdorfer (bei Leutershausen) und Dörzbacher (südlich von Bad Mergentheim) Linie. Die heutigen Eigentümer, die mit viel Liebe an dem geschichtsträchtigen Erbe der Väter hängen, haben durch Eigenleistung und Investition hoher Summen viel zur Renovierung der Gebäude und Gartenanlagen getan. Sie wollen ihr Besitztum der Offentlichkeit, vor allem für kulturelle Veranstaltungen, zur Verfügung stellen.

Die Zeitspanne von 1570 bis 1579 war infolge Mißwuchses, Hagel und anderer Nöte (Diebesgesindel, Räuberbanden, Wildüberschuß) bittere Hungerszeit. Im Juni 1574 vernichtete ein Hagelunwetter die gesamte Ernte. Es sollen Schloßen in der Größe von Gänseeiern niedergeprasselt sein.

Von den Verwüstungen, Quälereien und Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) blieb auch Dettelsau nicht verschont. Als Tilly 1631 bei Breitenfeld eine schwere Niederlage erlebte, erwählte er sich Franken als Winterquartier. Der ganze Rezatkreis wurde geplündert, angesteckt und greulich verwüstet. 1632 war das Gebiet erneut Tummelplatz beider Heere, die mit der gleichen Zerstörungswut und Grau-

samkeit hausten. Als neuer Schrecken kam 1632/1633 die Pest hinzu, der allein in Immeldorf 171 Menschen zum Opfer fielen. Im Jahr darauf durchzogen die kaiserlichen Truppen noch einmal so vernichtend den Raum, daß die wenigen Bewohner alles stehen und liegen ließen und in die Wälder flohen. Noch viele Jahre vergingen, bis alle Resttruppen und 'gefährliches Viehzeug' (Wölfe) endgültig verschwanden.

Es waren dann die ihres Glaubens wegen vertriebenen österreichischen Emigranten, die von 1637 bis 1648 aus dem Ländlein ob der Enns kamen. Sie füllten die verödeten, niedergebrannten Ortschaften wieder mit neuem Leben. 1729 richtete ein Erdbeben am Ort und in der Umgebung an den Häusern Schaden an. Während des österreichischen Erbfolgekrieges (1741-1748) war die Gegend wieder Durchzugsland von bayerischen, österreichischen und französischen Truppen, die große Unruhe anstifteten und viel mitgehen ließen. Ein eiskalter Winter, der von November 1739 bis Mai 1740 herrschte, brachte solche Not mit sich, daß für das Vieh Dachstroh verfüttert werden mußte. 1770 bis 1772 und 1784 waren wieder schreckliche Hungerjahre. Aber zum Glück wurde inzwischen die Kartoffel als Zusatznahrungsmittel eingeführt, die der allergrößten Not Einhalt gebot.

Im Jahre 1791 übernahm Preußen die fränkischen Fürstentürner Ansbach/Bayreuth und die reichsritterschaftlichen Gebiete in Franken. Im Frühjahr 1806,

bald nach der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz, kam das Ansbacher Gebiet in bayerischen Besitz. Dieser Gebietszuschlag war ein Entgegenkommen Napoleons für die bayerische Bündnistreue, Infolge vieler französischer Truppendurchzüge kam es wieder zu Zerstörungen, Gewalttaten und Demütigungen. Allein bei Napoleons Rußlandfeldzug kamen zirka 30 000 Bayern, darunter viele Franken, ums Leben. Die Jahre 1816 und 1817 brachten erneut große Teuerung und Hungersnot. Monatelanger Dauerregen ließ Heu und Getreide auf den Feldern verfaulen. Wo die Not am größten war, lebte man von einer Suppe aus Nesseln und Kleie.

Im Jahre 1837 war es dann, als die bisher verborgene und wenig beachtete Geschichte Neuendettelsaus allmählich ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte. Mit Wilhelm Löhe brach eine Blütezeit an, die bis heute ihre segensreichen Auswirkungen spüren läßt. Die geistliche Bedeutung Neuendettelsaus reicht weit über Bayern, Deutschland und Europa hinaus. Die unbedeutende Siedlung, von der selbst Löhe bei seinem ersten Besuch noch sagte: 'Nicht tot möchte ich in diesem Neste sein!' ist weltbekannt und zu einem Zentrum von Mission und Diakonie geworden. 1841 bildete Löhe Lehrer und Prediger für die deutschen Auswanderer in Nordamerika aus. Bald kam es zur Arbeit an den Indianern. (Dieser Einsatz wurde jedoch durch einen Aufstand wieder völlig vernichtet.) 1875 gingen die ersten Missionäre nach Australien,

1886 nach Neu Guinea und 1898 nach Brasilien. 1853 wurde das Missionsseminar offiziell ins Leben gerufen. Die primitive Unterkunft wer das Förthner'sche 'Obere Wirtshaus' am ehemaligen Ettertor. Zirnrner, Scheune und Stall befanden sich unter einem Dach. 1972 wurde das Missionswerk, das sich im gleichen Jahr mit der Leipziger Mission zusammengeschlossen hatte und dadurch auch in die Evangeliumsarbeit in Tansania eingestiegen war, in die Bayerische Landeskirche integriert. Löhe lag auch die Not in seiner nächsten Umgebung am Herzen. In den fränkischen Landgemeinden lebten viele Alte und Kranke verlassen und unversorgt. Arme, Waisen, Körperbehinderte, Gemütskranke, Epileptiker und Schwachsinnige warteten auf Hilfe. Zu ihrer Betreuung rief er unverheiratete Mädchen und Frauen auf, die sich auch bald in größerer Zahl meldeten. Sie sollten ähnlich wie die heutigen Dorfhelferinnen ausgebildet werden und wieder in ihre Heimatgemeinden zurückkehren, um dort einspringen zu können, wo sie im Augenblick gebraucht wurden. So begann Löhe am 9. Mai 1854 im oberen Saal des Gasthauses 'Zur Sonne' mit acht Schülerinnen und drei Helferinnen die segensreiche aber schwere Arbeit an Behinderten. Sie sollten sich zunächst um einen geistesgestörten Buben kümmern, sich mit ihm abplagen, um in Geduld die christliche Selbstlosigkeit und Nächstenliebe zu lernen. Aus den Reihen dieser Helferinnen kam dann auch der Wunsch zur Gründung eines Mutter-

hauses (854). Hier wird gemeinsames Leben in der Nachfolge J esu praktiziert; für Heimat und Auskommen wird gesorgt, so daß die Schwestern ihren schweren, entsagungsvollen Dienst entlastet ausüben können.

Aufgrund der sozialen Notstände und Bedürfnisse dehnte sich das Werk in der Folgezeit immer weiter aus und heute sind die Aufgabengebiete des Diakoniewerkes weit verzweigt. Schwerpunkte der Arbeit liegen im Bereich der Behindertenhilfe, Krankenpflege, Altenbetreuung, Gemeindediakonie und vor allem der schulischen Ausbildung. Hier spannt sich der Bogen von höheren Schulen über fachbezogene Ausbildungsstätten für soziale und hauswirtschaftliche Berufe sowie für Kranken-, Behinderten- und Altenarbeit. Einer der bekanntesten Nachfolger Löhes war Hermann Bezze!. Unter seiner Leitung nahm die Diakonissenanstalt großen Aufschwung. 1909 wurde dieser fähige Mann als Präsident des Oberkonsistoriurns (Leiter der Bayerischen Landeskirche) nach München berufen.

Schweres Leid brachten wie überall in Deutschland die beiden Weltkriege mit sich. Das Kriegerdenkmal am Südausgang der Dorfkirche und eine jährliche Gedenkfeier am Totensonntag erinnern an die Gefallenen dieser entsetzlichen Jahre. Der Nationalsozialismus hatte trotz Löhes Wirken und fähiger Nachfolger - vor allem in den Anfangsjahren - Fuß fassen können. Die Führer des Dritten Reiches be-

schlagnahmten mehrere Häuser der Diakonissenanstalt (heute Diakoniewerk) und funktionierten sie für ihre Zwecke um. Großer Anstrengungen bedurfte es von seiten der politischen Gemeinde, um nach dem Zusammenbruch die zahlreichen, in die Häuser der Einheimischen gepferchten Flüchtlinge, menschenwürdig unterzubringen. Mit ihnen kamen katholische Christen in unseren Ort, und es wurde notwendig, sie geistlich zu betreuen. So kam es zur Errichtung einer Seelsorgestelle, die im einzigen Zimmer des Pfarrers ihren bescheidenen Anfang nahm. Heute steht eine moderne katholische Kirche im Süden des Ortes und 1978 wurde durch den Eichstätter Bischof 'St. Franziskus' zur eigenen Pfarrei erhoben.

Die evangelische Kirche sah sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer besonderen Notsituation konfroritiert. Auf der einen Seite gab es viele verwaiste Pfarrstellen, auf der anderen mußten die vom jahrelangen Kriegsdienst heimkehrenden Pfarrer neu für ihren Beruf ausgerüstet werden. Da sich Neuendettelsau als Zentrum von Mission und Diakonie für eine praxisbezogene Ausbildung anbot, dazu die nötigen Räumlichkeiten vorhanden waren, entstand 1945 das Pastoralkolleg. Zwei Jahre später wurde für Theologiestudenten die Augustana-Hochschule unter Leitung von Rektor D. Merz gegründet. Äußerer Anlaß dazu war die Überbelegung der Universitäten. Eine Fachakademie für Religionspädagogen und ein Pfarrseminar für Spätberufene entstanden in der Folgezeit.

Will man dem sprunghaften Aufstieg Neuendettelsaus auf den Grund gehen, so ist es nicht der Erfolg eines Menschen, der berührnt werden wollte. Mission und Diakonie waren für Löhe Lebensäußerung, Auftrag und Herzensanliegen, Antwort auf Gottes Rettungsaktion. In einem Ausspruch gab er selbst Antwort über Motiv und Triebfeder seines Handelns:

Wenn die Liebe in die Höhe geht zu Gott, wird sie Andacht und Anbetung.

Wenn sie iiber die breite der Erde hingeht zu den Brüdern,

da wird sie Güte und Freundlichkeit.

Wenn sie aber in die Hütten des Elends geht, Trost, Linderung und Hilfe bringt, dann wird sie Barmherzigkeit.

1. Die geschichtlichen Angaben sind in der Hauptsache dem Werk Adam Schusters: 'Aus tausend Jahren Neuendettelsauer Geschichte', Verlag Brügel & Sohn, Ansbach 1963, entnommen.

2. Auszug aus einem Beltrag Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Kantzenbachs: 'Forschungen nach dem Namen Dettelsau', Frankische Landeszeitung, 4. Juli 1969.

Die grundlegenden Forsehungen dazu stammen von Frau Dr. Elisabeth Fechter und Prof. Dr. Hugo Steger.

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1. Zwischen Dorfkirche und der heutigen Metzgerei Neukam stand die Schafscheune der Barone von Eyb, die aber schon längere Zeit nicht mehr ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß benützt wurde. Die linke Hälfte war bis 1924 an Familie Kolb vermietet. Rechts befand sich Wohnung, Werkstatt und Laden des Flaschners Horndasch. Anstelle des nachträglich herausgebrochenen linken Fensters befand sich die Plastik eines Schafbocks. Das Gebäude wurde Ende der zwanziger Jahre abgebrochen, der leere Platz diente der Vergrößerung des Schloßparks.

2. Dieser reich bemalte Vestenberger Taufstein trägt die Jahreszahl 1661. Die Stammburg der Herren von Vesten berg, heute nur noch Ruine, liegt nördlich von Wicklesgreuth. Zwischen den benachbarten Schlössern bestanden durch Jahrhunderte immer wieder Verbindungen. Sebastian von Eyb war 1518 zugleich Herr zu Vestenberg und Dettelsau. Heute ist der Taufstein nach einer gründlichen Renovierung im Besitz der Familie von Eyb, In seinem Deckel ist verzeichnet: In diesen Tauffstein ist zue Erst getaufft Worden Catharina Roßina Hem Pfarhern alhier Zu Vesten berg Johan Schmiedtß Töchterlein, deren Tauffdotten seindt geweßen Frau Maria Catharina van Eüb gebohrne van grumbach und Jungfrau Catharina Roßina von Eüb den 6. Augusti Anno 1661.

3. Im Juni 1973 ist Baron Albrecht von Eyb im Alter von sechsundsiebzig Jahren verstorben. Wegen seines freundlichen, bescheidenen Wesens war er bei jedermann sehr beliebt. Während beider Weltkriege kämpfte er in Rußland an vorderster Front. Ab 1919 war von Eyb, der ein Studium für Land- und Forstwirtschaft hinter sich gebracht hatte, als Verwalter auf verschiedenen Gütern tätig. Nach 1945 bewirtschaftete er mit sechzig Pächtern seine Ländereien. In seiner Freizeit widmete sich der Baron gern der Ahnenforschung und Heimatgeschichte. Heute bewohnt seine verheiratete Tochter das Schloß, für dessen Erhaltung schon viel investiert wurde, um das Erbe der Väter zu bewahren.

4. Das Baujahr der zum Schloß gehörigen Zehntscheuer war 1543. Die noch heute zum Teil erhalten gebliebene Einrichtung gibt Aufschluß über die reiche Verwendung dieses Gebäudes. Der ebenerdige Stall trägt ein stabiles Gewölbe, in der Küche befindet sich noch ein altdeutscher Kamin, der im oberen Stockwerk eine Räuchervorrichtung aufweist. Die Dachluken deuten darauf hin, daß es sich um Hopfenböden handelt. Diese zur Bierherstellung unerläßliche Beigabe wurde in früherer Zeit auch in unserer Gegend angepflanzt. Ein eigenes Neuendettelsauer Hopfenwappen erinnert an die Bedeutung dieser längst nicht mehr üblichen Anbauart.

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