Neuenkirchen (Oldenburg) in alten Ansichten Band 1

Neuenkirchen (Oldenburg) in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Erhard Pöhlking
Gemeente
:   Neuenkirchen (Oldenburg)
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3150-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neuenkirchen (Oldenburg) in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Ein Dörfchen kenn' ich, traut und still, es liegt fern der großen Weltgewühl; und Glaub und Eintrach t wohnen drein, gesegnet soll das Dörfchen sein.

Es heißt nicht groß, nicht reich, nicht schön,

doch Hand in Hand sie drinnen gehn, und setnes Glückes Unterpfand ist Friede, der hier Heimat fand. Und von der nahen Hilgel Höh 'n

kannst du das Dörfchen ûbersehen:

Es liegt so friedlicn da, - 0 schaut! und mitten drinn sein Kirchlein traut.

Das Dörfchen, das icb mein "

- gesegnet soll es allzeit sein! Du kennst es wohl, dein Herz erglûht, denn Neuenkirchen gilt metn Lied!

In diese schlichten, einfachen Worte kleidete in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein heute unbekannter Neuenkirchener Bürger seine Gedanken und Gefühle über das südlichste Dorf des Oldenburger Münsterlandes. Seit dieser Zeit haben sich Dorf und Gemeinde in ihrer äußeren Form zwar bedeutend geändert, aber der alte, deftige Kern hat alle Stürme der Zeit überstanden.

Die Geschichte bezeugt einwandfrei, daß Neuenkirchen seit dem frühen Mittelalter eine geachtete Stellung einnahm. Dieses ergab sich dadurch, daß der Ort an dem alten Handelsweg von den Rheinstätten

über Osnabrück nach Bremen lag und Neuenkirchen nach dem Passieren der schwierigen Wegeverhältnisse am Stickteich einen ersehnten Rastpunkt und Stapelplatz für die Warenzüge bildete. Im Ort standen bis um 1900 noch die sogenannten 'Spiker", die früher als Lagerräume gedient hatten. Als man den Handelsweg wegen der trockeneren Lage durch das 'Witte Feld' über Damme legte, verlor der Ort Neuenkirchen an Bedeutung.

Der größte Teil der Bevölkerung lebte seit je wegen der kargen Bodenqualïtät mehr schlecht als recht von dem Ertrag der eigenen Landwirtschaft, entweder als Grundeigentümer oder als Pächter beziehungsweise Heuermann. Nach einer Statistik gab es im Jahre 1835 64 Kolonen, 69 Kötter und Eigner, 278 Heuerleute. Neben der allgemeinen Landwirtschaft verlegte man sich hier besonders auf den Anbau und die Verarbeitung des Flachses, welches meist als Nebenerwerb betrieben wurde.

In Neuenkirchen gab es seit 1773 eine zeitlang sogar eine eigene Legge, das ist eine Begutachtungs- und Verkaufsstelle für Leinen. Die erwähnte Statistik von 1835 meldet außerdem noch für die Gemeinde Neuenkirchen 360 Weber. Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts blühte in Neuenkirchen als Spezialität der Anbau der Zichorie und die Verarbeitung ihrer Wurzeln zu dem bekarmten Kaffee-Ersatz. Leider verdrängten die größeren Fabriken in Ostfriesland damals die hiesige Kleinindustrie. Eine Betriebs-

zählung von 1855 meldet zwar 14 Flachsbereiter, zwei Zichorienfabriken, zwei Wa1kmüh1en, drei Ziegeleien, 138 Leinenweber; alle aufgeführten Betriebe waren aber nicht von großer Bedeutung. Um 1852 zählte man in der Gemeinde Neuenkirchen 175 Pferde, 1 239 Stück Rindvieh, 617 Schweine, 2 812 Schafe und 718 Bienenstöcke. Diese Vergleichszahlen erlauben interessante Rückschlüsse auf die Lebensverhältnisse jener Tage. Bedingt durch den niedrigen Lebensstandard waren viele Neuenkirchener gezwungen, sich als Hollandgänger im Nachbarlande durch Grasmähen oder Erdarbeiten Geld zu verdienen. Ab 1830 bot sich die Möglichkeit der Auswanderung nach Nordamerika. In den Jahren 1831-1880 verließen 1 184 Personen die Gemeinde. Erst 1939 hatte sich Neuenkirchen von der Auswanderung erholt und die Einwohnerzahl von 1828 wieder erreicht.

Bis heute hat der Ort Neuenkirchen seinen ländlichen Charakter, hier gibt es noch keine Industrie, erhalten und scheint sich zu einem komfortablen Wohnplatz zu entwickeln. Mit drei Fachkliniken, eine für Psychotherapie und psychosomatischer Medizin und eine Fachklinik für suchtkranke Männer sowie eine Klinik für Jugendliche der Fachrichtung Psychotherapie, gewinnt der am Fuße der Dammer Berge gelegene Ort Neuenkirchen zunehmend an Bedeutung für Erholungssuchende.

Die im Jahre 1974 geschaffene Großgemeinde Neuen-

kirchen, als am 1. März des gleichen Jahres durch die Gebietsreform der Landesregierung Niedersachsen die Gemeinde Vörden in die Gemeinde Neuenkirchen eingegliedert wurde, stellte den Ort vor neue in die Zukunft weisende Aufgaben.

Diese kurze Erläuterung mußte hier aufgeführt werden, um die Zeit vom auslaufenden 19. Jahrhundert bis 1930 besser verständlich machen zu können, die Zeit, die dieses kleine Buch an Hand von Bildern festhalten und darstellen soll.

Allen denen, die mir ihre Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben und damit zur Erstellung des Buches beigetragen haben, danke ich vielmals. Mein besonderer Dank gilt denjenigen, die mir neben dem einschlägigen Schrifttum mit Information und Rat zur Seite gestanden haben.

Zur Literatur:

Festschrift 800 Jahre Neuenkirchen, Neuenkirchen 1959.

Heimatblätter der Oldenburgischen Volkszeitung 1924-1935.

Georg Reinke: Wanderung durch das Oldenburger Münsterland, Band 4, Vechta 1925.

Clemens Pagenstert: Die Bauernhöfe im Amte Vechta, Vechta 1908.

1. Wie der Schreiber dieser Karte mit dem Poststempel vom 6. Juli 1907 so will uns diese bunte Ansichtskarte aufs herzlichste begrüßen. Sie ist die älteste bekannte Postkarte mit einer Ansicht von Neuenkirchen. Sie erschien kurz vor 1900 und zeigt alle Sehenswürdigkeiten des kleinen Dorfes: evangelische Kirche, alte katholische Kirche, die Große Straße sowie die Totalansicht. Netterweise hat der Zeichner damals vor das Dorfbild die noch im Bau befindliche Eisenbahn gezeichnet. Ganz rechts in der Totalansicht ist die alte Apotheke zu sehen, daneben auf der anderen Straßenseite Müsmanns Heuerhaus, heute Kröger, und daran anschließend das Haus Hugenberg, das damals parallel zu Müsmanns Heuerhaus stand. Die übrigen Häuser an der Friedenstraße fehlen noch.

2. Ein bemerkenswertes Bilddokument stellt diese Aufnahme aus dem Jahre 1895 dar. Sie zeigt das Dorf Neuenkirchen von der Südwestseite, der heutigen Bahnhofstraße in Höhe der Abbiegung nach Alfhausen. Neben dem wuchtigen Turm der katholischen Kirche ragt links der zierliche gotische Turm der neuen evangelischen Kirche empor. Besonders fällt im linken Bildteil die alte Apotheke ins Auge, rechts davon das Haus Bergmann, zu erkennen auch an der Toreinfahrt. Dieses Haus wurde 1654 von dem Ehepaar Johan Cramer und Elsche Krümpelmann erbaut. Der Bliek auf Bergmanns Haus wird von dem später erbauten Ortmannschen Saal noch nicht versperrt. Gegenüber von Stefeners Gasthof 'Zur Post' ist das im Rohbau befindliche Gebäude des Kaufmanns Anton Brabant zu erkennen.

3. Dieses Bild entstand wahrscheinlich um 1890. Es zeigt das alte, wuchtige Gotteshaus. Es wurde 1426 erbaut und war Nachfolger der Urkirche, die vennutlich ein Fachwerkbau war. Ursprung des Kirchspiels Neuenkirchen war die Gründung einer neuen Kirche und die damit gleichzeitig verbundene Abpfarrung von der Mutterkirche in Damme. Diese Abtrennung im Jahre 1159 gab dem neuen Kirchspiel den Namen Nyenkerken; später wird es Newenkerken genannt, dann setzte sich schließlich der Name Neuenkirchen durch. Die Kirche bildete all die Jahrhunderte hindurch den zentralen und geistigen Mittelpunkt des Dorfes.

Rechts neben der Kirche ist noch das alte Prishoffsche Haus zu sehen, in dem der Buchbinder Josef Huesmann ein Geschäft betrieb. Dieses Haus brannte am 14. Mai 1911 nieder.

4. Dieses Bild gibt uns einen Bliek in das ehrwürdige Innere der alten Kirche. Fast 250 Jahre war die Kirche die religiöse Herberge für Protestanten und Katholiken. Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges und die Gebietsansprüche der Landesherren der Bistümer Münster und Osnabrück sowie die nicht eindeutigen bekenntnismäßigen Verhältnisse führten dazu, daß in Neuenkirchen im Jahre 1641 ein Simultaneum Succsessivum eingerichtet wurde, Von nun an diente die Kirche beiden Konfessionen als Gotteshaus. Die Aufnahme zeigt den Zustand nach der Aufhebung des Simultaneums kurz vor 1900. Bedauerlicher Weise sind von den sakralen Gegenstände der alten Kirche nur ganz wenige bis heute erhalten geblieben.

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5, Das Simultaneum aus dem Jahre 1641 hatte folgende vertragliche Regelung: Den Protestanten wurde an allen Tagen die Kirche zur alleinigen Benutzung von neun bis zwölf und von ein bis drei Uhr eingeräumt, Die übrige Zeit stand sie den Katholiken zur Verfügung. Ferner durften die Leichen der katholischen Christen nur am Vormittag, die Leichen der evangelischen Christen nur am Nachmittag beerdigt werden. Diese unerfreuliche Hinterlassenschaft des Dreißigjährigen Krieges, die häufig zu Streitigkeiten führte, wurde endlich am 30. Juni 1891 gegenstandslos. Links neben der alten Kirche auf diesem Bild von 1898 ist das Haus Brabant zu sehen. Brabant karn als Färber um 1740 nach Neuenkirchen. Das Haus, es stand zwischen Wiebold und dem katholischen Pastorat, brannte am 11. Juli 1901 nieder.

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Xathol. Xirch«

Verlag von.G. Kahlmeyer, Photograph, Oldenburg

6. Nachdem 1881 die evangelischen Mitchristen ihr schönes, neues Gotteshaus bekommen hatten, griff der Pfarrer Johanning den Plan auf, ebenfalls eine neue Kirche zu bauen. Erst sein Nachfolger, Pfarrer Bösken, konnte den Plan verwirklichen. Am 18. Juli 1902 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Drei Jahre später, am 29. Mai 1905, war feierliche Kirchweih. Diese Ansichtskarte aus dem Jahre 1903 ist nach einer Modellzeichnung des Architekten Becker aus Mainz angefertigt worden. Interessanterweise befand sich zu der Zeit die katholische Kirche im Rohbau. Die Gebäude rechts neben der Kirche sind Dekoration und haben nicht in Neuenkirchen gestanden.

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7. Die schon 1898 gepflanzten Linden geben dem Kirchplatz um die neu erbaute katholische Kirche ein schmückendes Aussehen, Zwischen dem Kirchenchor und dem Hause Thamann ist das Haus des Geschäftsmannes Georg Kleyböker zu sehen. Es war ursprünglich das Haus des Kaufmanns Schlienkamp, von dem eine Sage erzählt, daß er fürchterlich geizig und wucherisch gewesen sein soll. Nach seinem Tode soll der Verstorbene bei seiner eigenen Beerdigung aus dem Fenster seines Hauses zugeschaut haben. Im Jahre 1734 wurde das Haus an den Hutmacher Reinitz verkauft, der es 1816 an Steinhauer veräußerte und nach Posen zog. Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts heiratete die Tochter Steinhauers den Kaufmann Kleyböker.

8. Einen Ausschnitt von einer sehr eigenwillig gestalteten Ansichtskarte aus der Zeit um die Jahrhundertwende zeigt dieses Bild. Es gewährt uns einen Bliek auf die Große Straße von der Gastwirtschaft Seep aus. Leider ist das Original der alten Ansichtskarte nicht mehr auffindbar. Auf der rechten Straßenseite ist ein Teil der alten Vikarie zu sehen und dahinter der große, wuchtige Lindemanns Speicher. Er stand auf dem heutigen Parkplatz beim Ehrenmal. Im Jahre 1906ließ die Familie Reekers diesen Speicher abbrechen. Dahinter sind neben den Leitungsmasten das Haus von Buchbinder Huesmann zu erkennen, dann das Haus Brabant-Thamann, dann das Wirtshaus Westerhaus und in Bildmitte im Hintergrund Bergmann. Auf der linken Seite reihen sich die Häuser Reekers, Kreke, Stefener und der Stall von Ortmann aneinander.

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