Neuenkirchen (Oldenburg) in alten Ansichten Band 2

Neuenkirchen (Oldenburg) in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Erhard Pöhlking
Gemeente
:   Neuenkirchen (Oldenburg)
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5562-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neuenkirchen (Oldenburg) in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Eine Vielzahl bisher unveröffentlichter Fotos und wiederentdeckter Postkarten waren Anlaß, einen zweiten Bildband von dem Kirchspiel Neuenkirchen herauszugeben. Wie das erste, so ist auch dieses Buch eine illustrierte Dokumentation, die die stetigen Veränderungen vergangener Zeiten festzuhalten und aufzuzeigen versucht. Eine ausführliche geschichtliche Abhandlung zu einzelnen Themenbereichen kann und soll dieser Bildband nicht wiedergeben. Vielmehr ist daran gedacht anhand von Bildern die ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts aufzuzeigen, als das Fotografieren noch selten war.

Das Kirchspiel Neuenkirchen hat in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten eine wechselvolle Geschichte erlebt. Sowohl Osnabrück als auch Münster beanspruchte hier die Territorialhoheit seit Jahrhunderten. Häufig kam es zu Streitereien wegen der Hoheitsrechte und der Gerichtsbarkeit. Es ging sogar so weit, daß sich das Reichskammergericht zu Speyer wegen einer Reiberei in Neuenkirchen um 1580 mit dem Streit zwischen Osnabrück und Münster befassen mußte. Diese ungeklärten Besitzverhältnisse führten dazu, daß osnabrückische und münsterisehe Untertanen im Kirchspiel Neuenkirchen vermischt wohnten, was zwangsläufig immer wieder zu Auseinandersetzungen führen mußte. Als in der Mitte des 17. Jahrhunderts die konfessionellen Gegensätze im Vordergrund

standen, traten die politischen mehr und mehr in den Hintergrund. Durch den Reichsdeputationsbeschluß von 1803 und die spätere Angliederung des Kirchspiels an das Großherzogtum Oldenburg im Jahre 1817, waren die politischen Auseinandersetzungen endgültig beseitigt. Als dann das Simultaneum im Jahre 1891 aufgehoben wurde, gehörten auch im religiösen Bereich die Unstimmigkeiten der Vergangenheit an.

Eine erneute politische Veränderung setzte mit Beginn der dreißiger Jahre ein. Die Oldenburgische Verwaltungsreform von 1933, die schon ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Herrschaft stand, strebte eine räumliche Neugliederung an. Man wollte einen Ausgleich zwischen finanzstarken und finanzschwachen Gemeinden erreichen. Dadurch sollte eine Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung angestrebt werden. Somit wurde die Gemeinde Holdorfin die Gemeinde Neuenkirchen eingegliedert. Zwei Jahre nach der Oldenburgischen Verwaltungsreform ersetzte der nationalsozialistische Staat das bisherige demokratische Führungsprinzip. Dem Bürgermeister wurde eine echte FührersteIlung zuerkannt. Er wurde nicht mehr gewählt, sondern unter dem Einfluß des Beauftragten der NSDAP berufen. Ihm zur Seite stand ein Berater. Der Gemeinderat übte nur noch eine beratende Funktion aus. Gleich nach dem Krieg im Jahre 1945 wurde diese Reform rückgängig gemacht.

Die von der Landesregierung Hannover im Jahre 1973 durchgeführte Gebietsreform, die Eingliederung der Gemeinde Vörden in die Gemeinde Neuenkirchen, brachte wiederum Unruhe unter den Bürgern. In den folgenden Jahren gab es immer wieder heftige Meinungsverschiedenheiten, die sich besonders in schulischen Belangen auswirkten. Die Vördener Bürger tendierten seit jeher mehr nach Osnabrück als nach Oldenburg. Daher waren sie auch immer wieder bestrebt, die Gebietsreform zu revidieren. Im Herbst 1989ließ die derzeitige Landesregierung die Gesetzmäßigkeit vor dem Bückeburger Staatsgericht prüfen. Nachdem eine Klage von Neuenkirchen vor das Bundesverfassungsgericht gebracht worden war, mit dem Ziel, den jetzigen Zustand nicht zu ändern, wurde im Jahre 1992 die Rechtmäßigkeit der 1973 durchgeführten Gebietsreform bestätigt. Es bleibt abzuwarten, wann sich die Bürger des Kirchspiels Neuenkirchen erneut mit politischen Entscheidungen auseinandersetzen müssen.

Das Kirchspiel ist seit frühester Zeit durch die Landwirtschaft geprägt worden. Eine wirtschaftliche Blüte hatte Neuenkirchen zwischen 1773 und 1880, als hier Flachs angebaut wurde und Neuenkirchen eine eigene Legge harte, die von Kaufmann Jacob Meyer in seinem Haus geführt wurde. Eine industrielle Nutzung dieses Erwerbszweiges ergab sich aber nicht. Daß Neuenkirchen in früherer Zeit eine bedeutende Rolle als Stapel- und Lagerplatz für Wa-

renzüge inne hatte, wie häufig erwähnt wurde , ist reine Spekulation. Sicher ist, daß der Handelsweg an Neuenkirchen vorbeiführte und Packwagen dann und wann hier Rast machten, wenn sie vom Rheinland über Osnabrück nach Bremen mehrere Tage unterwegs waren. Dieser Umstand trug aber nicht dazu bei, daß Neuenkirchen vor Jahrhunderten eine wirtschaftlich wichtige Stellung einnahm. Erst vor wenigen Jahren siedelten sich hier kleine Industriebetriebe an. Neben zwei Futtermittelbetrieben gibt es hier eine kleine Fleischwarenfabrik. Der Haupterwerbszweig ist die Landwirtschaft, deren zukünftige Existenz zum Teil nicht gesichert ist.

Nach wie vor hat der am Fuß der Dammer Berge gelegene Ort seinen lieblichen Charakter eines stillen Dorfes erhalten, in dem Einheimische und Besucher sowie Patienten der hier ansässigen Kliniken Ruhe und Erholung finden. Es war nicht leicht, weitere alte Fotos und Ansichtskarten von Neuenkirchen aufzufinden. Manche Schublade und Kiste wurde durchstöbert, und es hat mir Freude gemacht, dabei mit den Leuten über die 'gute alte Zeit' zu plaudern. Mein Dank gilt allen denen, die mir die Bilder zur Verfügung gestellt haben und mir mit Informationen zur Seite standen. Ohne deren Unterstützung wäre dieser Fotoband nicht zustande gekommen.

1. Mit diesem Gruß aus Neuenkirchen wollen wir den Bilderreigen vergangener Tage eröffnen. Bunt ausgemalt und nett anzusehen sind die ersten Karten. die um die lahrhundertwende erschienen. Die wenigen Sehenswürdigkeiten werden großzügig dargestellt und machen zum Teil einen städtischen Eindruck. In dem Bildausschnitt mit der Apotheke ist der Bahnhof sehr nahe an den Ort herangerückt worden. Zugleich ist die unbebaute Bahnhofstraße gut zu erkennen. In der unteren Zeichnung ist rechts das alte Kötterhaus Muhle zu sehen, dessen Dielentor auf Stallungen und landwirtschaftlichen Betrieb hinweist. Auf der linken Seite lagern die Gerätschaften vor dem Haus des Kupferschmieds Schürmann fast auf der Straße.

2. Wie einen kostbaren Schatz muß der Infanteriesoldat Bernhard Thye diese Ansichtskarte aus der fernen Heimat gehütet haben! Der Abdruck seines Passes auf der Postkarte weist darauf hin, daß sie lange Zeit in seiner Brieftasche gesteckt haben muß. Sie ist eine besonders schöne Aufnahme und zeigt die gerade fertiggestellte neue katholische Kirche. Die Turmuhr, die auf diesem Bild noch fehlt, wurde 1910 angeschafft. Im Vordergrund ist der alte Friedhof gut zu sehen, der bis zum Bau der evangelischen Kirche die Begräbnisstätte für beide Konfessionen war. In der Nähe der Pruesmühle wurde 1809 während der Franzosenzeit ein neuer Friedhof angelegt. Ab 1819 wurden die Verstorbenen wieder auf dem Kirchhof beerdigt. Die wenigen auf dem neuen Friedhof bestatteten Toten überführte man auf den alten Begräbnisplatz bei der Kirche. Die Neuanlage wurde eingeebnet.

3. Nachdem das neue Gotteshaus den katholischen Christen zur Verfügung stand, fehlte in der Kirche natürlich noch manches. Eine neue Orgel, die Glocken, elektrisches Licht, Kanzel und Chorstühle konnten erst in den folgenden zehn Jahren angeschafft werden. Für den neuen Hochaltar, der 1913 aufgestellt wurde, mußte eine alte Monstranz verkauft werden. Auf eine geheizte Kirche in den Wintermonaten mußten die Gläubigen noch lange warten. Dem Zeitgeschmack der sechziger Jahre entsprechend wurde der Innenraum 1963 neu gestaltet. Im Laufe der letzten Renovierung im Jahre 1980 wurde die Ausmalung wieder der Anfangszeit entsprechend ausgeführt. Das Bild zeigt die Innenansicht um 1906.

4. Eine Kostbarkeit von einmaliger Schönheit war die Monstranz, die zu den sakralen Gegenständen der katholischen Kirchengemeinde gehörte. Nach einer Expertise des Germanischen Museums ist diese gotische Monstranz eine deutsche Arbeit, die wohl um 1425 datiert werden kann. Woher und wann sie nach Neuenkirchen gekommen ist, ist nicht bekannt. Vielleicht ist sie die Schenkung einer reichen Adelsfamilie gewesen und im Zusammenhang mit dem Neubau der alten Simultankirche 1426 angeschafft worden. Im Jahre 1909 wurde diese Monstranz zum Preis von 5 200 Mark an das Germanische Nationalmuseum verkauft. Das Foto wurde von dem Museum in Nürnberg zur Verfügung gestellt.

5. In der Nachmittagssonne kommte das schmucke Gotteshaus der evangelischen Kirchengemeinde besonders gut zur Geltung. Im Jahre 1991 konnten die evangelisch-lutherischen Christen das 100jährige Bestehen ihrer Kirche feiern. Für beide Konfessionen war 1891 ein besonderes Jahr, da sie von nun an ihre eigenen Gotteshäuser nutzen konnten und das seit 1650 bestehende Simultaneum endgültig besiegelt war. Vom Juli 1650 bis Mai 1651 hatte man damals über die Teilung der Pfarreinkünfte und Abhaltung des Gottesdienstes verhandelt, um eine Einigung zu erzielen. DaB das Simultaneum keine ideale Lösung sein konnte, lag auf der Hand. Die Benutzung ein und desselben Gotteshauses durch zwei Religionsgemeinschaften, die sich gleichberechtigt gegenüberstanden, barg immer wieder Konfliktstoffe.

6. Während des Baues der evangelischen Kirche explodierten förmlich die Preise. Die Löhne stiegen, und auch die Preise für das Baumaterial waren nicht mehr zu halten. Mit einer außerordentlichen Hauskollekte und Bittschrift an die Gläubigen versuchten die Kirchenräte, das riesige Defizit abzudecken. Nach der Fertigstellung des Kirchenneubaus wurde der Innenraum der Kirche nur einfach mit Kalkfarbe getüncht. Erst in den Jahren um 1910 konnte eine großangelegte Ausmalung vorgenommen werden. Die ausführenden Firmen waren damals Holtheide und Brennecke. Im Jahre 1961 wurde die erste große Renovierung durchgeführt. Bei dieser Erneuerungsarbeit ging viel kirchliches Kulturgut für immer verloren. Die Aufnahme um die Jahrhundertwende zeigt den schlicht gehaltenen Innenraum der evangelischen Kirche.

7. Schlank ragt auf diesem Bild aus den zwanziger Jahren der Turm der katholischen Kirche zwischen Bergmann und Westerhaus empor. Bergmanns Haus im Vordergrund wurde 1654 von Johann Cramer und Elsche Krümpelmann erbaut. Das alte Krümpelmannsche Haus war im Dreißigjährigen Krieg eingeäschert worden. Um 1840 wurde das Haus an Gers-Grapperhaus verkauft. Gers-Grapperhans war Bäcker und betrieb einen ausgedehnten Salzhandel im Ort. Die einzige Tochter Maria Johanna heiratete später Nikolaus Bergmann aus Walm. Der Sohn Gerhard Bergmann war Kaufmann und Gastwirt. Hinter Bergmanns ist das Wirtshaus von Bernhard Westerhaus zu sehen. Bernhard war Bäcker und Konditor. 1951 (drei Jahre zuvor war er erst aus der Gefangenschaft zurückgekommen) modernisierte er das Haus und stattete es mit Fremdenzimmern aus. 1952 richtete der Schlachter Sickendiek eine Filiale in der alten Bäckerei ein.

8. Diese Postkarte von 1920 zeigt in der oberen Bildhälfte das Geschäftshaus des Buchbinders Josef Huesmann. Dieses sogenannte Tantenhaus hatte 1899 Bernhard Thamann für eintausend Reichsmark von Anton Brabant erworben. Nachdem das alte Buchbinderhaus gegenüber von Kreke 1911 abgebrannt war. hatte Huesmann hier sein Geschäftslokal eröffnet, das er bis Ende der fünfziger Jahre betrieb. 1965 wurde das Haus an Klara Oevermann verkauft. Links neben dem Haus ist die rückwärtige Giebelseite von Bergmanns Haus zu sehen. In der unteren Bildhälfte zeigt sich die Große Straße in Richtung Seep. Links im Vordergrund erkennt man die Gastwirtschaft Westerhaus, deren Konzession schon 1883 erteilt wurde. Der Schlachter Sickendiek gab seine Filiale in diesem Haus 1960 auf. Noch im gleichen Jahr wurde hier die erste Imbißstube in Neuenkirchen eröffnet.

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