Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Siegfried Heinrich
Gemeente
:   Neukirch (Lausitz)
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5897-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Wer sich in der Geschichte ein wenig auskennt, der weiß, daß es in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft trotz aller erkermbaren Gesetzmäßigkeiten doch recht unruhig, ja sogar sehr unberechenbar zugeht. Da gibt es Zeiten, in denen sich die Ereignisse überstürzen und Entscheidungen von höchster geschichtlicher Tragweite getroffen werden, und dann treten wieder Jahrzehnte auf, in denen sich vorherige Veränderungen erst einmal festigen müssen, in denen manches zu korrigieren notwendig ist, ehe es Bestandteil stabiler Verhältnisse wird. Kriege und andere U nbilden führen dabei vielerorts zu katastrophalen Rückschlägen, die zu überwinden große Schwierigkeiten bereiten.

Auch in den historischen Vorgängen ländlicher Gemeinden werden solche Erscheinungen sichtbar, wobei hier noch beachtet werden muß, daß sich die dörfliche Entwicklung nicht unabhängig davon vollzieht, was höheren Ortes geschieht und dort beschlossen wird.

Die Geschichte der Gemeinde Neukirch (Lausitz) ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie sich aus dem pulsierenden Wechsel von raschem Voranschreiten und beharrender, maßvoller Entfaltung gesellschaftlichen Potentials ein Gemeinwesen entstehen kann, dessen zentrale Bedeutung für das Umland nicht zu übersehen ist.

Zwei solcher Vorgänge, die den Werdegang des Ortes tiefgreifend beeinflußten und die seinen Charakter für Jahrhunderte entscheidend prägten, sollen hier Erwähnung finden.

Die erste bedeutsame Verwandlung trat dann ein, als das um 1200 von fränkischen Bauern angelegte Waldhufendorf durch die von Generation zu Generation erfolgte Teilung der Hufen seine zahlenmäßig zunehmenden Bewohner nicht mehr er-

nährten und man sich nach neuen Erwerbsquellen umsehen mußte. Durch den sogenannten Pönfall vom Jahre 1547, bei dem die Sechsstädte in königliche Ungnade fielen und eine Anzahl bisher ausgeübter Zunftrechte verloren, ergab sich für die Landbevölkerung eine günstige Gelegenheit. daraus Nutzen für eine bessere Lebenslage zu ziehen. Was ihr bis dahin ausdrücklich verboten war, nahm sie jetzt für sich einfach in Anspruch: Sie führte die Leinenweberei ein und entwickelte sie zu ihrem Haupterwerbszweig. Handel und Handwerk blühten bald auf, viele Garnbleichereien entstanden, die Zahl der Mühlen wuchs, das Töpferhandwerk begann seinen Aufstieg zu nehmen, und Neukirch wurde das Recht zugesprochen, dreimal jährlich Märkte abzuhalten, den Vogel abzuschießen, laut Polizeiverordnung entsprechende Vereine zu gründen und ein Gewandhaus zu errichten. So wurde aus dem stillen Bauerndorf Neukirch rasch ein Weberdorf, das zugleich auch Händlern, Handwerkern und anderen Gewerbetreibenden ein reiches Betätigungsfeld bot. Wenn es auch mehrmals schien, als ob durch Unwetterkatastrophen, Hungersnötc, Krankheiten und verheerende Kriegsfolgen die Entwicklung aufgehalten würde, so erwiesen sich der Optimismus, die Energie und der Lebenswille der Bevölkerung doch als stärker.

Eine zweite bedeutsame Wandlung des Ortes ergab sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erstreckte sich über die Jahrhundertwende hinaus. Auf Grund der Ergebnisse der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 und der damit verbundenen Gewerbefreiheit, gefördert durch viele urnwälzende technische Erfindungen wie die der Dampfmaschine und des mechanischen Webstuhls und rechtlich untermauert durch die von Bismarck eingeführte Gesetzgebung im vereinigten

Deutschen Reich, öffneten sich ungeahnte Horizonte für all jene Kräfte, die nach wirtschaftlicher Entwicklung, nach individueller Entfaltung und nach neuen Gedanken strebten. In Neukirch drückten sich die sogenannten Gründerjahre, in denen sich die entscheidenden Veränderungen irn Dorf vollzogen, darin aus, daß sich bestimmte Handwerks- und Gewerbeunternehmen zu Großfirmen, ja zu ganzen Industrien wandelten. So entstanden Bunt-, Leinen- und Damastwebereien der Firmen C.H. Eckhold, Gebr. Holtsch, Schulze & Hoffmann, Augst und CiF. Richter, B1eichereien wie die der Gebr. Müller, die Zwieback-Großbäckerei von Max Hultsch, die Koffertabrik der Gebr. Lehmann und die Gerberei von Otto Lehmann, aus der die Neukircher Lederfabrik wuchs. Auf anderen Gebieren setzten sich gegenüber kleineren Firmen die Blumenfabrikation von Wilhelm Albert und Walter Pietsch, die Dampfsägewerke von G. Richter, P. Sengeboden und H. Strupp, die Eisengießerei und Maschinenfabrik von J.G. Berthold sowie die Dampfmolkerei von Adolf Lehmann, die Granitsteinwerke von Gustav Semrau und die Likörf'abrik und Brennerei des Echten Neukircher Getreidekorns von F.A. Günther energisch durch. Werkstätten der Rucksack- und Lederwarenherstellung, eine Geflügel- und Mastanstalt, eine Wurstfabrik, mehrere Töpfereien, zwei Druckereien, Einrichtungen des Gesundheits-, Erholungs-, Kassen-, Schul- und Gaststättenwesens sowie die vielen Kleingewerbetreibenden boten der zahlenmäßig stark anwachsenden Einwohnerzahl Verdienst.

Da die erzeugten Waren schnell an Ort und Stelle gebracht werden rnußten, um dadurch weiteren Geschäften Tür und Tor zu öffnen, spielten die 1878/79 angelegte Eisenbahnlinie mit zwei

Neukircher Bahnhöfen, der Straßenbau, neue Fuhrunternehmen und die Informations- und Nachrichtendienste der Post, der Presse und des Telefon- und Telegrafenwesens eine besonders fördernde Rolle. Auch die Versorgung des Dorfes mit elektrischem Strom im Jahre 1909, der vorwärtstreibende Zusammenschluß der Bürger zu Interessengemeinschaften und Vereinen sowie die politische Vereinigung der Einzelgerneinden zum einheitlichen Ort Neukirch (Lausitz) dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.

Natürlich konnten in dieser rasanten Entwicklung viele kleine Geschäfte, Werkstätten und Kleinstunternehmen dem Druck der Konkurrenz nicht standhalten und blieben deshalb auf der Strecke. Die Arbeitnehmer bedrückten die geringen Lohnzahlungen, die langen Arbeitszeiten und die ständige Drohung, in das Heer der Arbeitslosen abzugleiten.

Zur großen Freude der Bürger ist in der Zeit des geschilderten wirtschaftlichen Aufbruchs, bei dem das harmonische Dorfbild durch Fabrikhallen, aufragende Schornsteine und unansehnliche Lagerplätze hätte leicht zerstört werden können, die landschaftliche Schönheit des oberen Wesenitztales erhalten geblieben und hat immer wieder Fremde angelockt, das Dorf insbesondere die Sommerfrische Valtental Niederneukirch zu besuchen.

Der zweite Band des Buches 'Neukirch (Lausitz) in alten Ansichten' will noch einmal mit Bildern und Informationen auf dem Wanderweg vom Valtenberg über den Picho und durch das Dorf die Geschichte des Ortes von 1880 bis 1930 beleuchten und dabei in den Bürgern das Gefühl der Heimatliebe und des engen Vertrautseins mit der Gemeinde vertiefen.

1. Als westlicher Eckpfeiler des Mittellausitzer Berglandes fand der Valtenberg wegen seiner respektablen Höhe, seinem machtigen Turm und seiner anheimelnden Behaglichkeit in der Baude seit Beginn der Wanderbewegung in zunehmendem Maße öffentliche Beachtung. Welch stolzes Gefühl müssen die Väter des Turrnbaues, Georgsmüller Joharm Gottfried Richter, die beiden Förster L. Richter und M. Bachmann sowie Baumeister und Gutsbesitzer Gottlob Wobst, empfunden haben, wenn sie sahen, wie sich aus ihrer Idee und ihrer Arbeit diese prachtvolle Gipfelanlage mit Turm, Restauration, Wirtschattsgebäude, Veranda, Brunnen und Turmanbauten entwickelte. Interessante Gebirgsvereinsversarnmlungen, festliche Jubiläumsveranstaltungen, humorvolle Baudenabende und repräsentative Sängertreffen erfreuten sich bald großer Beliebtheit und regten zum Besuch des Berges an.

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2. Die Bewirtung auf dem Valtenberg war zu allen Zeiten bestrebt, den Gästen das Beste, was Küche und Keller enthielten. zu bieten. An zwei unermüdliche Helfer, die unverdrossen die beschwerlichen Transportwege vom Tal den Berg hinauf bewältigten, soll hier erinnert werden. Es sind die beiden grauen Berg-Esel, mit denen besonders die beiden Wirte, Herr Ewald Berge und Herr Alwin Wenzel, wenn sie im Dorf mit ihnen auftauchten, beträchtliches Aufsehen erregten. Die Esel hatten ihr Domizil südwestlich vom Turm gleich neben der im Bild gezeigten Handpumpe. Von dort begrüßten sie ohrenwedelnd und mit langgezogenen, grellen Schreien ankommende Gäste. Die grauen, zähen Gesellen mögen wohloft dankbar zu dieser Pumpe geblickt haben, mußten sie doch seit deren Existenz nicht mehr das benötigte Wasser von der Wesenitzquelle zum Wirtshaus hinaufschleppen.

3. Auf Goldsucher und ähnliche Abenteurer übte das Gebiet des Hohwaldes in früheren Jahrhunderten große Anziehungskraft aus, und man konnte mit Recht von einem regen Goldbergbau rings um den Valtenberg sprechen. Obwohl heute nur noch wenig an das 'Goldgeschrey' von damals erinnert, fristet aber doch noch ein Zeitzeuge auf dem Valtenberggipfel sein bescheidenes Dasein. Etwa 50 Meter in südlicher Richtung vom Turm entfernt, ragt unter hohen Bäumen eine Steinplatte senkrecht aus der Erde heraus, die im oberen Teil unverkennbar den Abdruck eines Entenfußes trägt. Solche geheime Zeichen - auch das Dreieck. der Kelch und der Bischofsstab tallen darunter - benutzten fündiggewordene Goldsucher, um ertragreiche Stellen wiederzufinden. Der mit dem eigenartigen Fußabdruck markierte Stein wird im Volksmund die 'Entenplatsche' genannt.

4. Wer vom Valtenberg den Wanderweg in östlicher Richtung herabsteigr, den begleiten rechts eine Strecke lang Steinsäulen, die etwa einen Meter aus der Erde herausragen. Sie stehen teils direkt am Wegesrand, teils aber auch etwas abseits im Hochwald und tragen gut erkermbar an der Neukirch zugewandten Seite die Initialen HHVN und darunter die Jahreszahl 1699. Die Reihe dieser Grenzmarkierungssteine am Gießhübelweg wurde auf Ansuchen des Rittergutsbesitzers Hans Heinrich von Nostitz 11. gesetzt, der 1678 Oberneukirch für 12 000 Taler von seinem Vater gekauft hatte und der - weil er klar vermessene Besitzstände in diesem uralten Grenzgebiet am Valtenberge herbeiführen wollte - am 17. und 18. Oktober 1699 die Neuberainung seines Neukircher Waldreviers im Hohwalde veranlaßte. Dieser Grundherr auf dem Oberhof war der letzte seines Namens in Neukirch.

5. Ein wenig abseits von der Hohwaldstraße, aber doch nicht weiter als 100 m östlich von der Hohwaldschänke entfernt, steht am Rande eines kleinen freien Platzes ein Denkrnal, das an den sächsischen König Friedrich August 1., dessen große Vorliebe für das edle Waidwerk bekannt war, erinnern soll. Es besteht aus einem etwa 1,50 m hohen, granitenen Steinblock, der zu Füßen auf einem dreistufigen Unterbau ruht und oben von einer gekehlten Deckplatte abgeschlossen wird. Die auf der Südseite angebrachte Sandsteinplatte trug ursprünglich unter der sächsischen Königskrone und einem Vierzehnender-Hirschgeweih die sechszeilige Inschrift 'Zur fortdauernden Erinnerung an Sachsens verewigten König Friedrich August den gerechten Beschützer der Forste und Jagd', Mehrere Steinbänke am Denkmal geben Gelegenheit, in der Stille des Waldes nachzudenken.

6. Tief in den Wäldern um den Valtenberg, abseits der Landstraße zwischen Steinigtwolmsdorf und Neustadt, liegt die Heilstätte Hohwald. Aus den Erfahrungen in der Schweiz schöpfend und von der dringenden Notwendigkeit getrieben, der bedrohlichen Volkskrankheit Tuberkulose den Kampf anzusagen, begarm die Landesversicherungsanstalt Sachsen im Jahre 1902 den Bau dieser modernen Krankenhausanlage. Als sie am 5. Dezember 1905 fertiggestellt war und ihrer Bestimmung offiziell übergeben werden konnte, umfaßte ihre Kapazität 270 Betten. Der Kostenaufwand für diese Einrichtung, die während des Ersten Weltkrieges ab 1915 der Genesung Verwundeter diente, belief sich auf2,5 Milhonen Goldmark. Mit der von 1926 bis 1929 durchgeführten größeren Erweitcrung entstand ein beachtlicher Gebäudekomplex, der dem rnedizinischen Personal gute Arbeitsmöglichkeiten bot.

7. Das Gebiet des Hohwaldes umfaßt den westlichen Teil jenes ausgedehnten, waldigen Berglandes, das sich zwischen Neustadt und dem Spreetal erstreckt. Es breitet sich von Nord nach Süd 5 km und von Ost nach West tast 8 km aus, im Süden ein wenig die Grenze ins Böhmische überschreitend, Ein Kranz von Ortschaften umgibt diese, dem Landschaftsschutzgebiet Ober!ausitzer Bergland angehörende, abwechslungsreiche Waldfiäche, die von der Hohwaldstraße als wichtige Verkehrsader durchzogen wird. Mit dem Valtenberg. dem sieben Quellen entspringen. erreicht der Hohwald seine höchste Erhebung, gleichzeitig markiert er aber auch die Mundartgrenze zwischen dem Obersächsischen und dem Oberlausitzischen. Daß Frau Sage hier von diesern interessanten Waldgebiet unendlich viele geheimnisvolle Geschichten zu erzählen weiß, bedarf wohl kaum der Erwähnung.

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8. Über N eukirch und den Valtenberg sind schon viele Abhandlungen geschrieben worden, auch in poetischer Form hat sich mancher dazu geäußert. Unter denen, die besonders dem Berge und der Wesenitz ihre Verse widmeten, sind die Bürger Hermann Israel. Rudolf Herwig und Paul Heinze zu nennen. Heimatliebe und volkstümlichen Humor verbinden in ihren Gedichten zu heiteren Begebenheiten im Ort die Einwohner Walter Werner und Gerhard Schöne. Sagen des Hohwaldes - in Reime gefaßt - veröffentlichte der 'Sächsische Erzähler' in seiner Wochenendbeilage 'Unsere Heimat'. In wohlgeformten Versen - fast einem germanischen Epos gleichend - stellt AIwin Milde die Entstehung und die Geschichte des Valtengebirges dar. Eingängige Melodien komponierten Kantor Reinhold Wolf und Walter Urban zu schlichten. ortsverbundenen Strophen.

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