Neumarkt-Sankt Veit in alten Ansichten Band 2

Neumarkt-Sankt Veit in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Rudolf Angermeier
Gemeente
:   Neumarkt-Sankt Veit
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5168-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neumarkt-Sankt Veit in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hat das alte Neumarkt an der Rott grundlegend verändert. Mit den Errungenschaften der Technik ist in unserem Marktflecken ein jahrhundertelanger Dornröschenschlaf in bäuerlicher Abgeschiedenheit zu Ende gegangen. Die Eisenbahn hat nicht nur der Marktkern in seinem geschlossenen Rechteek über sich hinauswachsen lassen, sondern hat Neumarkt zu einem Knotenpunkt gemacht, der für das ganze Rottal, für Plattling und Frontenhausen, aber auch für die Verbindung in das Gebirg von großer Wichtigkeit geworden war. Im Norden des Marktes entstand ein neues Viertel, die Einwohnerschaft war durch den Zuzug der Eisenbahner sprunghaft angestiegen und für die Landbevölkerung aus der Umgebung war Neumarkt plötzlich das Tor zur weiten Welt geworden. Das wirtschaftliche Schwergewicht hatte sich verlagert, war erst das Klosterstift mit seiner großen Ökonomie, mit Ziegelei und Brauerei der bestimmende Faktor gewesen, so wurde es nun der Bahnhof. Ankunft und Abfahrt brachten für die Reisenden Wartezeiten mit sich, Geschäfte und Handelsleute konnten ihre Waren direkt beziehen und die aufblühende Ziegelbrennerei der ReißIBrüder ließ den Ort sogar über die Bahngleise hinausgreifen.

Nur der Marktplatz konnte sein altmodisches Gesicht so schnell nicht ablegen, er hatte noch immer keine durch-

gehende Pflasterung, an der Westseite lief ein Graben den Platz entlang um das Regenwasser abzuleiten, es gab keinen Kanal und kein Trottoir und vor den Bräuhäusern führten offene Einstiege in die kühlen Bierkeller hinunter. Die Häuser hatten zwar weitgehend schon ihre heutigen Fassaden, aber überall gab es große Einfahrtstore, mit hölzernen Läden versehene Auslagen, an den meisten Gebäuden stand der Aufzugsbalken über das Dachgeschoß hinaus, auf dem Platz versorgten drei Brunnen die Bevölkerung mit Trinkwasser, aber zu einer nächtlichen Beleuchtung haben die Finanzen des Magistrats nicht ausgereicht.

Aber mit dem Rathaus war man schon in den oberen Markt umgezogen, es wurde mit den Schulräumen für die Knabenschule vom unteren Tor in das ehemalige Apellationsgebäude verlegt, auch für Mädchenschule und Kinderbewahranstalt bestand nun Aussicht auf ein eigenes Haus, nachdem das Amtsgericht in das neue Gebäude an der Bahnhofstraße verlegt worden war.

Die Sankt-Johannes-Kirche war das Glanzstück des Platzes, sie war um 1880 vollständig verändert worden. Die alte Zwiebelhaube des weitum berühmten Mauerermeisters Silvester Mayrhofer wurde dem neuen Stil entsprechend mit einem Spitzhelm versehen, die Altäre samt der vollständigen Ausstattung im neugotischen Stil renoviert und sogar der Platz um die Kirche herum be-

kam ein Pflaster. Der einstige Friedhof von St. Johann war endgültig nach Sankt Veit verlegt worden.

Beim Färbermeister Josef ZiegIer aber war der Markt schon wieder zu Ende. Was sich im Osten anschloß, gehörte alles zur Hofmark Adlstein, deren Besitzer, Baron Anton von Klessing sich noch stolz als Schloß-, Gutsund Hofmarksbesitzer titulieren ließ. Und oberhalb des Bäckers Niederreither gehörte schon alles zur Gemeinde Sankt Veit, nur die Schermer Loh war noch ein Teil des Marktes. Das war zwar nicht das allerfeinste Viertel von wegen der Taglöhner, Bräuburschen, Mauerer- und Zimmerknechte etc., aber sie waren auch ein Teil von Neumarkt, belebten Geschäfte und Wirtshäuser und konnten, nachdem in unserem Jahrhundert das Lehrund Schulgeld abgeschafft wurde, ihren Kindern wenigstens einen Beruf erlernen lassen.

Vor hundert Jahren, etwa zur Zeit, als ein großer Teil dieser Bilder entstand, lebten in Neumarkt 1 450 Einwohner. Die Gemeinden Sankt Veit und Wolfsberg mit ihren 325 und 539 Seelen dachten noch lange nicht daran, ihre Selbständigkeit aufzugeben, obwohl sie alle zusammen einer Pfarrei angehörten, auf dem gleichen Gottesacker begraben wurden und ihren Mittelpunkt immer auf dem Marktplatz von Neumarkt fanden.

Die Bilder, die in diesem Buch gezeigt werden und mit den entsprechenden Kommentaren versehen wurden,

stammen aus dieser Umbruchszeit. Zum Teil ist der verschlafene Bauernmarkt noch zu erkennen und andererseits zeigen sich die neuen Kräfte, eine neue Architektur macht sich an den Häuserfronten bemerkbar, mit Wasserversorgung und elektrischem Strom kommt ein anderes Lebensgefühl auf, es kommen Vereine und Gesellschaften zustande und langsam reicht das sauer verdiente Geld auch für Vergnügungen wie Volksfestrummel und Faschingsscherz. Aus dem Königreich Bayern wird über Nacht eine Republik, Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen für eine zeitlang das Kommando, bis dann das tausendjährige Reich anbricht, und sich auch bei uns nicht genug tun kann mit Sieg-Heil und 'Ein Volk-ein Reich-ein Führer'.

Bei uns hängen die Zeitläufe vielfach mit einzelnen Persönlichkeiten zusammen, mit geistlichen und weltlichen Herren, mit Originalen und biederen Bürgern, die aber doch ihre Handschrift hinterlassen haben, von denen noch ab und zu die Rede ist. Auch sie sollen nicht vergessen sein in diesem Buch und viele Leser werden hoffentlich sagen: 'So war es einmal in Neurnarkt-Sankt Veit.'

Rudolf Angermeier

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1. Diese sieben Bilder gehören zu den ältesten Bilddokumenten, die wir von Neumarkt besitzen. Am Zwiebelturm der Johanneskirche können wir die Zeit abschätzen, er wurde 1881 durch eine Spitzhaube ausgetauscht. Es ist höchst interessant diese Bilder lange und in allen Einzelheiten zu betrachten, erst dann kann man erkennen, was sich im Verlaufe von 100 Jahren alles verändert hat. Ob es nun das Gesamtpanorama, der Marktplatz, die alte Rottbrücke oder der längst verschwundene Ziegelstadel auf dem Taubenberg ist, alles führt uns in eine sehr bescheidene Bauernrnarkt-Atrnosphäre zurück , von der man sich letztlich nicht sicher ist, ob man sie belächeln oder sich wünschen soll.

2. Ein Luftbild aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die große Höhe der Kamera erlaubt einen vollständigen Überhlick über den Markt, so wie er von Anfang an geplant war. Eine eng zusammengebaute Siedlung am leicht ansteigenden Ufer der Rolt, in der Mitte mit einem rechteckigen freien Platz versehen, von einer Straße in nord-südlicher Richtung durchzogen und rundum von einem Graben eingeschlossen. Es ist das typische Bild eines niederbayerischen Marktes aus dem 13. Jahrhundert, der sich bei uns ohne große Veränderungen erhalten hat. Die beiden Tore halten eine kleine Welt zusammen, in der alle Bewohner gemeinsam die Freuden und Leiden der Zeit zu ertragen gezwungen waren.

3. Diese idyllische Ansicht unseres Marktes stammt aus dem Jahr 1901 und ist von der Höhe des Vitusberges aufgenommen. Das Fischerhäuschen steht noch ganz einsam im Vordergrund, darüber erkennt man das auch heute noch imposante Haus des Gerbers Niederecker und das kleine Wiesbauernanwesen im Ortsteil Ruhpoinl. Am rechten Bildrand steht das alte Bezirkskrankenhaus und darüber der Kaiserhof. In der Mitte ragt der Schornstein der Ziegelei Reißl hervor, sie hatte sich kurz vor der Jahrhundertwende aus einem einfachen FeldziegeIofen entwickelt. Der Markt ist noch ganz auf das Zentrum um den rechteckigen Platz konzentriert, an Siedlungen hat damals noch niemand gedacht.

Neumarkt a. d, Rott.

4. Man möchte meinen der Markt wäre völlig ausgestorben, wenn man die Postkarte von 1921 betrachtet. Ein paar Personen, ein Fuhrwerk und ein paar Fäßer-es ist kaum zu glauben, daß man siebzig Jahre später ohne Lebensgefahr kaum über die Straße gehen kann. Und trotzdem haben die Leute auch damals nicht schlecht gelebt, gesünder und ruhiger allemal. Man ist gemächlich seinem Beruf nachgegangen und zum Feierabend war man froh, wenn es zu einer gemütlichen Maß Bier gereicht hat. Heute ist es unmöglich für einen Fotografen unseren Stadtplatz so leergefegt und aufgeräumt aufzunehmen, beim Anblick dieses Bildes denkt man ganz automatisch an eine andere Zeit.

5. Der Betrachter dieses Bildes braucht eine Weile, um sich darin zurechtzufinden. Es ist eine Zeichnung aus der Vogelperspektive, die man so gar nicht fotografieren könnte, die aber gerade deshalb, weil sie alles zusammenfaßt, äußerst aufschlußreich ist. Im Vordergrund der Bahnhof und das neue Viertel. der Peterhof, das Notariat, der Tarppentreu und das Amtsgericht. Der große Platz dahinter ist unbebaut bis zur Schönberger Landstraße und diente als Festwiese vor der lahrhundertwende. Das großte Volksfest von 1791 wurde darauf abgehalten und die ersten Pferderennen, auch Schlittenrennen, sogar Hunderennen konnte man hier bestaunen.

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6. Diese Aufnahme aus dem vorigen Jahrhundert zeigt das alte Neumarkter Gerichtsgebäude. Mit dem Neubau des Amtsgerichtes in der BahnhofstraBe 1879, hatte es seine Zweckbestimmung verloren und die Gemeinde fand eine gute Gelegenheit, endlich den Kindern und schulpflichtigen Mädchen ein eigenes Haus zur Verfügung zu stellen. Als 1908 die 'Armen Schulschwestern' die Betreuung der Mädchen übernahmen, war für deren Unterbringung unbedingt eine Aufstockung des Gebäudes nötig. Damit wurde der spätgotische Charakter des Hauses verändert, anstelle des wuchtigen Dachstuhls sieht man heute eine Blendmauer aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

7. Mit Max Seitz, Handelsmann, beginnt die Geschichte dieses Neumarkter Hauses. Er war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Neumarkt gekommen und hat sein Geschäft 1891 an seinen Bruder Josef, Bankier in Pfaffenhofen, übergeben. Schon ein Jahr später übernirnrnt. es sein Schwiegersohn Joharm Schötz, der dem Kaufhaus ein Bank- und Wechselgeschäft anfügt. 1912 wurde dem Haus ein Stockwerk autgesetzr, nun sei es 'eine rechte Zierde des Marktes", schreibt Herrmann Döring in seiner Zeitung. Mit der Inflation geriet dann das kleine Bankgeschäft in Schwierigkeiten, es wurde vom Warengeschäft getrennt und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank als Filiale überlassen. Aber die lange Tradition des Textilhauses erfährt nun eine glückliche Fortsetzung.

8. Man könnte ein ganzes Buch füllen mit der Geschichte dieses Hauses, das erst in unserer Zeit mit der Filiale der Kreissparkasse Mühldorf zur Ruhe gekommen ist. Zunächst waren es Generationen von ehrbaren Bierbrauern, die im Rückgebäude ihre Bierbrauerei betrieben, bis 1860 endlich der Schmellerbräu als letzter auf die Gang gekommen war. Aber auch der Abgesang kann sich sehen lassen, Wirtshaus mit der ersten automatischen Kegelbahn, Kaffeehaus, Warenhaus für Textilien, Elektrogeschäft und am Ende die Praxis von Dr. Fritz Kobl, der irn Obergeschoß als einziger Mediziner während der Kriegsjahre für die ganze Bevölkerung sein Bestes tat.

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