Neuruppin in alten Ansichten

Neuruppin in alten Ansichten

Auteur
:   Lisa Riedel
Gemeente
:   Neuruppin
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6081-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neuruppin in alten Ansichten'

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Einleitung

Neuruppin entwickelte sich zu Beginn des 13. Iahrhunderts inmitten eines slawischen Siedlungsgebietes zu einer deutschen Stadt. Graf Gebhard von Arnstein, der einem angesehenen und verzweigten Adelsgeschlecht aus dem Harz angehörte, nahm das slawische Land am Rhin und seinen Seen nach 1200 in Besitz, Ab 1240 verlegte er seinen ständigen Wohnsitz in die Burg Alt Ruppin und verwaltere und vergrößerte von da aus seine Herrschaft Ruppin, während er Neuruppin als das wirtschaftliche Zentrum ausbaute. Mit seinem jüngeren BruderWichmann gründete er hier ein Dominikanerkloster. Die älteste erhaltene Urkunde trägt das Datum 9. März 1256. Darin bescheinigt Graf Günter von Arnstein, als Nachfolger setnes verstorbenen Vaters. der Stadt Ruppin verbesserte Rechte nach Art der Stadt Stendal. Die Arnsteiner blieben bis 1524 Besitzer der Herrschaft Ruppin, die der Kurfürst, nach dem Tode des letzten Arnsteiner Grafen, der Mark Brandenburg zuschlug. Das genaue Gründungsdatum Neuruppins ist nicht bekannt, seine erste Erwähnung als 'Rapin' erfolgte in einer Urkunde aus dem Iahre 1238.

Bereits im 13. [ahrhundert übernahm ein aus der Bürgerschaft gebildeter Rat die städtische Verwaltung. Er setzte sich aus Angehörigen der einflußreichen Familien zusammen. Daraus resultierende Korruption und Verwandschaftspolitik führten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bürgerschaft und Rat, die erst 1679 mit der Absetzung des gesamten Rates durch den Kurfürsten endeten.

Der Dreißigjährige Krieg brachte der Stadt viel Elend und Leid. Mehrfach wechselnde Besatzungen forderten immer neue GeldzaWungen und Einquartierungskosten. Außerdem wütete die Pest in ihren Mauern, die 1638 etwa sechshundert Todesopfer forderte. Bis 1642 sank die Einwohnerzahl von 3500 auf 600. Seit diesemjahr normalisierte sich das Leben in der Stadt wieder, denn der Durchzug von Kriegstrup-

pen harte ein Ende. 1643 erhielt die Stadt während der Huldigungszeremonie vom Kurfürst Friedrich Wilhelm das Recht der vollen Gerichtsbarkeit, des alleinigen Weinausschankes und das Monopol der Stadtwaage. Neuruppin war eine Stadt, in der das HandwerkVorrang vor der bäuerlichen Produktion hatte. Die wichtigsten Gewerke waren die Tuchherstellung und die Bierbrauerei, die bis zu Beginn des 19. Iahrhunderts dominierten. Der Familie Ebell gelang der Übergang von der handwerklichen zur fabrikmäßigen Produktion. Am Seeufer entstanden mehrere mechanische Webereien, in denen seit 1835 Dampfmaschinen zum Einsatz kamen. Diese Tuchwebereien erlagen zwischen 1885 und 1911 dem kapitalistisohen Konkurrenzkampf. Neue Industriezweige der Metallbranche, die Feuerlöscher, Fahrräder und Schreibmaschinen herstellten, auch eine Fahnenfabrik, zogen in die leerstehenden Fabriken ein, von denen nur die der Feuerlöscher bis heute Bestand hat. Zu einem industriellenAufschwung kam es in Neuruppin nicht.

Seit 1688 hielt sich vermehrt Militär in der Stadt auf, die dann 1714 eine ständige Garnison erhielt, die auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben entscheidend Einfluß nahm. 1 732 bis 1 740 war Kronprinz Friedrich, der während dieser Zeit in Neuruppin und Rheinsberg Hofhielt, Chef des Regiments 'Kronprinz'. Seit 1742 stand sein jüngster Bruder Ferdinand dem nachfolgenden Regiment 'Prinz Ferdtnand' bis 1806 vor, wo es im Krieg gegen Napoleon ruhmlos unterging. 1820 bekam das Infanterie-Regiment Nr. 24 Neuruppin als Garnison zugewiesen. Von hier aus zog es in die Kriege von 1864, 1866, 1870/71 und 1914-1918. Bereits in der 48iger Revolution war es in Berlin, Dresden und Baden im Einsatz gegen dieAufständischen. Das Regiment wurde entsprechend des Versailler Vertrages 191 9 in Neuruppin aufgelöst. In der Zeit der faschistischen Diktatur setzte ein

erneuter Ausbau der Garnison ein. Artillerie-, Panzer- und Fliegereinheiten fanden in einer neuen Kasernenanlage und auf dem neuerbauten FlugplatzAufnahme. Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 in Neuruppin nutzten Einheiten der Sowjetarmee bis 1993 die zahlreichen Kasernen und den Flugplatz. Mit demAbzug derTruppen entschieden sich die Stadtverordneten, daß Neuruppin keine Garnisenstadt mehr sei. Die Kasernen werden nunmehr für eine zivile Nutzung ausgebaut.

Ein großer Brand am 26.August 1787 vernichtere zwei Drittel der Stadt. Für den Aufbau der erweiterten Stadt wurde eine Retablissementskommission ins Leben gerufen, der der Minister Voß vorstand. dem wichtigsten Beamten, der den Aufbau mit Energie und Umsicht förderte. Das äußere Gesicht, in Form der Fassadengestaltung, verdankt sie in erster linie dem Berliner Oberbaurat Berson. Für die Durchsetzung der Baumaßnahmen vor Ort zeichneten der Bürgermeister Noeldechen und der Baumeister Brasch verantwortlich. Dem von Brasch gezeichneten Plan desWiederaufbaus liegen Erkenntnisse und Einsichten der Aufklärung zugrunde.

Den Mittelpunkt der Stadt bildete die Bürger- und Lateinschule, die bereits 1790 als erstes öffentliches Gebäude eingeweiht wurde. Der über dem Eingangsportal angebrachte Leitspruch 'Civibus aevi futuri' - Den Bürgern der kommenden Zeit - har für die gesamte Stadtanlage Gültigkeit. Berson und Brasch gliederten den Stadtgrundriß in rechteckige und quadratische Wohnquartiere, die sich um drei große Plätze gruppieren, und der die Reste der mittelalterlichen Stadt an den Wallanlagen und am Ruppiner See mit einbezog. Die durchgängig zweigeschossigen Häuser sind Musterbeispiel des preußischen Klassizismus. Diese einmalige Besonderheit des Stadtzentrums ist es, trotz störender Aufund Neubauten, die den aufmerksamen Betrachter in Entzücken ver-

setzt.Der Funke der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 brachte in Neuruppin die sozialen Gruppen in Bewegung. Von der Pres se- und Versammlungsfreiheit sowie dem Koalitionsrecht wurde reger Gebrauch gemacht. Der 1847 gegründete Handwerkerverein erhielt politisches profil, die Fabrikarbeiter schlossen sich im Arbeiterverein zusammen, für das Bürgertum standen ein konservativer und ein demokratischerVerein zurVerfügung. Neben dem bishengen Gemeinnützigen Anzeiger erschienen nunmehr das Ruppinische VolksBlatt als demokratisches und die Provinzialzeitung als konservatives Presseorgan.

In Volksversammlungen forderten die Bürger die Mitbestimmung bei kommunalen Entscheidungen. Die Wahl zur Preußischen Nationalversammlung im Mai wurde zur Machtprobe zwischen den demokratischen und konservativen Kräften, bei der die Demokraten den Sieg davon trugen. Als Abgeordneter zog der Gymnasiallehrer Dr. Friedrich Kämpf in die Preußische Nationalversammlung ein. Als diese im November in Berlin den Steuerverweigerungsbeschluß faßte, kam es in Neuruppin zu Syrnpathiebekundungen und zur aktiven Verweigerung der Mahl- und Schlachtsteuer. Diese Rebellion beendete der Einmarsch vonTruppen des GeneralsWrangel, die 'die beleidigte Ordnung' in der alten Weise wieder herstellte. Der Lehrer Ludwig Kühling, Herausgeber des Ruppinischen Volksblattes, wurde strafrechtlich verfolgt und aus dem Schuldienst entlassen.

Die Ablösung der Akziseabgaben im Iahre 1875, die in Neuruppin in der Mahl- und Schlachtsteuer bestand, beendete den nächtlichen Verschluß der Stadttore. Damit eröffnete sich für die Stadt die Möglichkeit, sich über die bisherige Mauerbegrenzung auszudehnen. Bis zur [ahrhundertwende hatte die Stadt in alle Richtungen neue Straßen angelegt, neue Wolmviertel entstanden. Aber auch im Stadtinneren veràn-

derte sich vieles. Es wurden neue öffentliche Gebäude errichtet: das Landgericht, das Landratsamt, das Postamt, die höhere Mädchenschule, in den neuen Randgebieten weitere zwei Schulen, ein Lehrerseminar, zwei neue Kasernenkomplexe, ein Lazarett, die kathohsche Kirche, der Hauptbahnhof und die Landesirrenanstalt, alle aus roten KlinkerziegeIn. Mit dem Ausbau der städtischen Gasversorgung und dem Bau zentraler Wasser- und Abwasser!eitungen, (seit 1917 Anschluß an die Elektrizitätsversorgung) hatte sich die Wohnqualität in der Stadt wesentlich erhöht. Dazu kam die schöne Lage am Ruppiner See und die abwechslungsreiche Wald- und Seenlandschaft der Ruppiner Schweiz. Neuruppin erhielt neben dem Charakter als Garnisonstadt auch den einer Beamtenstadt. Der langersehnteAnschluß Neuruppins an das staatliche Eisenbahnnetz wurde durch die Gründung der Ruppiner Eisenbahn A.G. möglich, deren Aktien vorwiegend im Besitz der Kommunen waren. Die Inbetriebnalnne der Strecken erfolgte: nach Paulinenaue 1879, nach Kremmen und Wittstock 1898, nach Neustadt/Dosse und Herzberg 1903. Für die Linie nach Kremmen mußte im Ruppiner See ein Bahndamm mit zwei Brücken aufgeschüttet werden, der von 1923 an für eine Straße verbreitert wurde, durch die die Siedlungen Gildenhall und Kolonie Wuthenow ab 192 6 Anschluß an die Stadt erhielten. Die neuen Eisenbahnverbindungen förderten den Fremdenverkehr von Berlin nach Neuruppin und die Ruppiner Schweiz. Seit 1883 gab es einen regelmäßigen Personenschiffsverkehr auf der Ruppiner Seenkette. Neuruppin hat eine interessante kulturgeschichtliche Vergangenheit. In ihr wurden die beiden großen Söhne, der Architekt Kar! Friedrich Schinkel und der Schriftsteller Theodor Fontane, geboren. Alexander Gentz schuf mit dem Ternpelgarten eine originelle Parkanlage, in dem das Erstlingswerk Wenzeslaus von Knobelsdorff steht. Der Maler Wilhelm Gentz ist ebenfalls ein Neuruppiner Kind. Die Neuruppiner Bil-

derbogen aus den Offizinen Gustav Kühn, Oehmigke & Riemenschneider und F.W Bergemann machten den Namen Neuruppins in der weiten Welt bekannt. In Gildenhall hatten sich in den zwanziger [ahren Künstler und Handwerker zu einer schöpferischenArbeits- und Lebensgemeinschaft zusammengefunden, deren Vorbild das Staatliche Bauhaus war. Im Heimatmuseum werden die kulturellen Traditionen bewahrt.

Alte und neue Straßennamen

Nach 1945 wurden verschiedene Straßennamen umbenannt. Ich habe mich entschlossen, im Text auf die alten Straßennamen zurückzugreifen, da sie teilweise auf den Postkarten mit abgedruckt sind. Nachfolgend die alten und die jetzt gültigen Straßennamen, damit sich der Besucher besser in der Stadt zurechtfmdet.

Ferdinandstraße Friedrichstraße

Friedrich- Wilhelm-Straße Heinrichstraße Kommandantenstraße Königsplatz

Ludwigstraße

Parkstraße

Prinzenstraße Rheinsberger Straße

Virchowstraße Friedrich -Engels-Straße Karl-Marx-Straße

Rudolf- Breitscheid-Straße Friedrich- Ebert -Straße Bernhard - Matthias- Brasch -Platz August - Bebel-Straße Puschkinstraße Robert-Koch-Straße

Straße des Friedens

Leihgaben für die Abbildungen:

lnge Neuparth, Günter Rieger, Hans Hermann Degener, Lisa Riedel.

Literaturhinweise (Auswahl):

Bartelt, Wilhelm:

Tore, Straßen, Plätze und Befestigung Neuruppins. Neuruppin

1926.

Geschichte der Stadt Neuruppin. Berlin (West) 1963.

Werte unserer Heimat, Band 37 - Ruppiner Land. Berlin ( Ost) 1981. 700 Iahre Ruppin - Festschift zur Siebenhundertjahrfeier. Neuruppin 1939.

Diverse Artikel in der Lokalpresse.

Schulze, Johannes:

1 Die Luftaufnahme (um 1930) läßt die karreeförmigen Wohnquartiere erkennen, die den Charakter der Stadtanlage Neuruppins bestimmen. Sie ist eine Folge des Wiederaufbaus der Stadt nach dem großen Stadtbrand vom 26.August 1787. Der Plan realisierte eine städtebauliche Idee, die in der Philosophie der Aufklärung ihre Grundlage hatte.

Im Vordergrund die Produktionsgebäude der Minimax A.G., in der seit 1905 Handfeuerlöscher hergestellt wurden. Links daneben das 1864 erbaute städtische Gaswerk mit den beiden Gasbehältern.

2 Bliek auf das Seeviertel mit der Klosterkirche (Luftaufnahme um 1930). Links neben der Kirche das Areal der 'Kasernenstuben' ,Wohngebäude, die 1740 für verheiratete Soldaten der Neuruppiner Garnison erbaut wurden. Da die Soldaten vom Angebot kernen Gebrauch machten, überließ König Friedrich Il, 1743 die Gebäude der Stadt für die Ansetzung von Handwerkern und Fabrikanten. Im 19. Iahrhundert bewohnten die Häuser, deren Wohnungen einzeln verkauft wurden, vorwiegend Fabrikarbeiter. 1994 begann die Rekonstruktion des unter Denkmalschutz stehenden Wohnquartiers.

Orig.-Fliegeraufnahme

3 Um die Klosterkirche liegt der älteste Stadtteil, das Seeviertel, das vom großen Stadtbrand verschont blieb. Das der Stadt gegenüberliegende Seeufer gehört zum DorfWuthenow, dem Theodar Fontane in seinem Roman 'Schach von Wuthenow' ein literarisches Denkmal setzte, Luftaufnahme um 1930.

4 Aus Alt Ruppin kommend, mündet die Rheinsberger Straße am Rheinsberger Tor in die Frtedrich-WilhehnStraße. Als 1875 die Mahlund Schlachtsteuer abgeschafft wurde und damit die Stadttore für immer offen blieben, schritt die Ausdehnung der Stadt außerhalb der Stadtmauer zügig voran. Sie begann mit dem Ausbau der Rheinsberger Straße bis zur

St. -Georg - Hospitalkirche (erstmals 1 362 erwähnt), um die sich neue Gebäude eines Hospitals, Spittel genannt, gruppieren. Postkarte von 1904.

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5 Blick von der FriedrichWilhelm-Straße in die Rheinsberger Straße, mit dem 'Stadtgarteri' und dem Bahnhof RheinsbergerTor. Links die Ausläufer der Wallanlagen. Das Gasthaus 'Stadtgarten' . 1897 eröffnet, besaß den größten Saal der Stadt, mit Empore und großer Bühne, die auch Theateraufführungen möglich machte. Heute ist es Kulturhaus. Postkarte um 1930.

Luftkurort Neuruppin

Rheinsberger Tor u. Stadtgarten

6 Das 1912 erbaute Empfangsgebäude der Eisenbahnhaltestelle 'RheinsbergerTor', die von den meisten Reisenden für Ankunft undAbfahrt benutzt wird. Der davorstehende Verkaufspavillon war zugleich öffentliche Toilette. Der Name RheinsbergerTor wurde von dem einstigen nahegelegenen Stadttor gleichen Namens ûbernommen, Postkarte von 1 92 1 .

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