Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 1

Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Helmut Scheuerich
Gemeente
:   Neustadt bei Coburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5996-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 1'

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Einleitung

Das erste Haus, das innerhalb der Gemarkung der späteren Stadt Neustadt bei Coburg stand, war eine Burg. Sie wurde kurz nach 1162 im Bereich des ehemaligen Amtshofes erbaut. Unter dem Schutz der Burgmauer siedelten sich bald Handwerker an, die als Wagner, Schmiede oder Sattler den neu durch das Land geleiteren großen Handelsverkehr betreuten. Die Häuser der Handwerker standen auf dem Grund und Boden der heutigen Augustastraße und des Steinwegs. Welch gute Entwicklung die Ansiedlung nahm, ist vor allem daraus zu ersehen, daß sie bereits 1248 zum Marktflecken und 1316 zur Stadt erhoben war. Die erste Stadtmauer verlief, von der Burgmauer abzweigend, zum heutigen Steinweg, wo zwischen dem späteren Axthelmshaus, Steinweg 10, und dem ehemaligen 'Weißen Schwan' das Linder Tor stand. Von dort aus führte die Mauer durch das 'Eichhornsgäßchen' und die Schulstraße entlang bis erwa zum heutigen evangelischen Gemeindehaus und von dieser Stelle zum Förster-Goedeckeschen Anwesen, das im Rathausneubau untergegangen ist, durch das spätere Baggeshaus an der GeorgLangbein-Straße 6 zum Anwesen der ehemaligen Klempnerei Mauer, Ernststraße 2. Zwischen diesem Haus und dem heutigen Anwesen Kom, Ernststraße 1, stand das älteste Coburger Tor, dessen Fundamente bei Kanalisationsarbeiten im [ahre 1924 gefunden wurden. Vom Coburger Tor aus führte die Mauer zum Mühlgraben und dann mühlgrabenaufwärts bis zum Badtor vor

dem alten Brauhaus, dessen Rückwand ein Stück der Stadtmauer bildete. Hier schloß sich der Ring durch den Anschluß an die Burgmauer.

Um 1530 wurde eine Erweiterung des Mauerrings notwendig, zumal in der 'Alten Stadt' Bauern wohnten, deren Häuser in den geschützten Bereich einbezogen werden sollten. So entstand ein neues Coburger Tor zwischen den späteren Anwesen Fischer und Scheler, Coburger Straße 6 und 7. Die Stadtbefestigung führte nun von hier aus in Richtung Brennersmühle zum späteren Haus Wenzel, Austraße 12, bei dem das Zwietzer Tor errichtet wurde. In ihrem weiteren Verlauf folgte die Befestigung der Wallstraße, ging zum Heubischer Tor (zwischen dem heutigen Haus Langbein und dem 'Leuchtturrn', Heubischer Straße 22 und 24) und von dort zur Stadtmauer beim evangelischen Gemeindehaus.

Ohne Schutz blieb das 'Weidach' , die Ansiedlung von Handwerkern, wie Gerbern und Färbern, die auf fließendes Wasser angewiesen waren. Zum 'Weidach' zählte auch die Sonneberger Straße stadtauswärts bis zum 'Schlaabaam'.

Nach dem Stadtbrand des Jahres 1636, bei dem 258 Wohnhäuser, Hintergebäude und Scheunen in Schutt und Asche sanken, wurde die Stadt in den folgenden Jahrzehnten wieder aufgebaut. Eine Vergrößerung der bebauten Fläche machte sich jedoch kaum erforderlich. Erst nach der Brandkatastrophe des

[ahres 1839, bei der der gesamte Stadtkern in Flammen aufging, entstanden weitere Häuser, im Stil des Biedermeier, im Bereich des Glockenbergs, der Rosengasse und der Bergstraße.

Zu einer stärkeren Bautätigkeit kam es ab den achtziger Iahren des 19. Iahrhunderts, wobei sich die Wohnhäuser und Fabrikbauten von der stillen Bescheidenheit des Biedermeier wesentlich unterschieden, denn Größe und dekorative Prachtentfaltung waren nun gefragt. Der Historismus mit allen seinen Spielarten, wie dem Neuklassizismus oder der Neurenaissance, führte in der Architektur zu großen Veränderungen. Doch bald kam der Jugendstil auf, der den Häusern sein Gepräge gab. Nun standen die neue Sachlichkeit und die Rückkehr zu den Formen der Natur im Mittelpunkt des Bauens.

Im ersten Viertel des 20. Iahrhunderts waren es vor allem die Austraße, Bahnhofstraße, Dr.-Martin-Luther-Straße, Eckardtstraße, Eisfelder Straße, Feldstraße, Friedrichstraße, Gabelsbergerstraße, Goethestraße, Kantstraße, Körnerstraße, Lindenstraße, Marienstraße, Schellerstraße, Wallstraße, Weinbergstraße und Wittkenstraße, die bebaut wurden. Aus dern damals üblichen Rahmen hinsichtlich Größe und Ausstattung fielen vor allem die Häuser der Knochstraße, die die Porzellanfabrik der Gebrüder Gotthelf und Cuno Knoch zu Anfang des 20. Iahrhunderts errichten ließ. Bei dieser ersten Arbeitersiedlung in Neustadt handelte es sich um für [ene Zeit verhaltnis-

mäßig kleine, zweistöckige Häuser mit einem aus Backsteinen erstellten Erdgeschoß und einem in der gleichen Steinart ausgemauerten Sichtfachwerk im ersten Stock.

Von 1920 bis 1922ließ der 'Coburger Kriegerdank' Einfamtlienhäuser an der Sonneberger und der Ebersdorfer Straße entstehen. Ihm folgte die 'Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft', dievon 1922 bis 1929 die 'Siedlung Nord' schuf und im Anschluß daran mit dem Bau der 'Krieger-Gedächtnis-Siedlung' begann. Durch die Errichtung der Stadtrandsiedlung, deren Anfänge in das [ahr 1932 zurûckreichen, wurden bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges die Häuser in der Walter-Flex-Straße, der Rathenaustraße und der Arndtstraße geschaffen. Zwischen 1935 und 1937 entstanden schließlich noch die Siedlerstellen in der Karl-Bröger-Straße. Nach dern Zweiten Weltkrieg wurden neue Baugebiete ausgewiesen. Zu den Wohnbaugebieten 'Am Kalmusrangen' , 'Am Moos', 'Süd', 'Am Dehlersrangen', 'Birkleite mit Silbergrube' und 'Am Thanner Weg' gesellten sich die Industrie- und Gewerbebaugebiete 'Süd-West' und 'Am Ferngaswerk'.

Nicht berücksichtigt wurden bei diesern Überblick die Entwicklung und die Baugebiete der 21 Stadtteile, die durch die Gebietsreform in Bayern bis zum 1. Mai 1978 zur Stadt gekommen sind. Auch die bildlichen Darstellungen in diesem Buch beschränken sich auf das Kernstadtgebiet.

Kein geringerer als der bekannte Neusradter Kunstmaler Ernst Dorn schuf als Fünfzehnjähriger im Iahre 1904 diese Ansichtskarte.

Sie zeigt die Stadt mit dem dahinter aufragenden Muppberg. Ernst Dorn, der sich mit etwa zweitausend Gemälden in das Buch der Kunstgeschichte einschrieb, hielt nicht nur die Schönhei ten seiner engeren und weiteren Heimat mit Stift und Pinsel fest, er schlug in späteren [ahren auch in Schweden, Holland, Belgien, Frankreich, Rußland und in der Schweiz seine Staffelei auf. Mit seinen Bildern war er ständig in der Münchner Sezession und im Glaspalast vertreten. Die Firma Hanf-

staengl in München, die frühzeitig seine künstlerische Bedeutung erkannte, fertigte große Kunstdrucke nach seinen Werken.

2 Maler und Zeichner waren es, die sich um 1895, als die Ansichtspostkarte aufkam. in den Dienst dieser Kleinkunst stellten. Sie harten schnell erkannt, daß sie hier eine neue Verdienstmöglichkeit finden konnten. Dies zeigt auch der Gruß aus Neustadt vom Iahre 1898. Neben der Stadt mit dem Muppberg sind der Bahnhof, die SanktGeorgs-Kirche mit der Glokkenbergschule und das Kaiser- Friedrich -Denkrnal zu sehen. Mit sicherem Blick und viel Formgefühl arbeitete der unbekannte Zeichner die auffallenden Gebäude und das Denkmal so genau heraus, daß sie fotografisch kaum naturgetreuer wiedergegeben werden konnten.

Trotzdem eroberte sich die Fotografie als neue Kunstrichtung bald den Markt und hielt in unbestechlicher Weise das Aussehen und Wachsen der Stadt in vielen Bildern fest.

3 In die Zeit um 1910versetzt uns diese Ansichtskarte. Als sie entstand, zählte die Stadt rund achttausend Einwohner. Damals lebten sieben Achtel der Bevölkerung von der Puppenund Spielwarenindustrie, einer Hausindustrie, in der Spielsachen unter Verwendung einfacher Gerätschaften in der Wohnstube gefertigt wurden. Der Verdienst war infolge der großen Konkurrenz kärglich, obwohl täglich 10 bis 13 Stunden gearbeitet werden mußte. Da in manchen Monaten auch die Aufträge fehlten, in der Stadt sprach man van . ara tuotn Säsong', betrieben viele Neustadter nebenbei noch etwas Landwirtschaft. Um die

Spielwarenindustrie zu unterstützen, legte sich die Stadt Ende der zwanziger Iahre den Beinamen 'Baverische Puppenstadt' zu, mit dem sie seitdem wirbt.

J'{ eustadt.

{HerzOlllum Cobllfll.l

4 Einen Blickfang für den Marktplatz bilder die evangelisch-lutherische Pfarrkirche Sankt Georg. Hier ist sie mit dem im jahre 1930 von Gustav Reißmann geschaffenen Kriegerehrenmal zu sehen. Die Kirche wurde nach ihrer Zerstörung beim Stadtbrand des jahres 1839 nach Plänen des Nürnberger Architekten Carl Alexander von Heideloff im neugotisehen Stil errichtet. Mit ihr verbindet sich auch ein merkwürdiger Brauch, der bis in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zurückgeht. Damals harre das Gotteshaus nach Kirchenbucheinträgen eine 'Pilzglocke', die immer dann läutete, wenn ein Paar 'zu

spät' heiratete. Dabei dürfte es sich aber um keine Glocke, sondern nur um den poetischen Ausdruck dafür gehandelt haben, daß in solchen Fällen das hochzeitliche Geläute verweigert wurde.

5 Das Kirchhaus der SanktGeorgs- Kirche ist dreischiffig. mit flachen Decken an den Seltenschiffen, das Altarhaus mit Kreuzgewölben eingedeckt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der neugotische Stil fast vollständig erhalten. Erst mit der Erneuerung der Kanzel gab es einen Einschnitt. Die Kanzel diente übrigens in früheren Zeiten nicht nur dem Geistlichen für die Predigt, sie mußte noch eine andere Aufgabe erfüllen. Hatte nämlich ein Mädchen das zweite uneheliche Kind zur Welt gebracht, so mußte es sich zur Strafe einmal oder mehrere Male während des Sonntagsgottesdienstes mit einem Strohkranz im Haar unter die

Kanzel stellen. So rauh waren früher die Sitten, obwohl die alten Neusradter immer sagten: 'A Kind is doch ke-i Schand, höchstns a Plouch!'

6 Wie das alte Rathaus auf der linken Seite der ehernaligen Marktstraße aussah, zeigt dieses Bild. Das Rathaus

war bis 1848 auch der Ort,

in dem die Prügelstrafe vollzogen wurde. So hieß

zu Anfang des Iahrhunderts die vielschwänzige Peitsche in Neustadt noch 'Karlina'. Der Ausdruck kommt

von der 'Constitutie Criminalis Carolina' , einer von Kaiser Karl V. im [ahre 1533 erlassenen Gerichtsordnung, die schwere Leibesstrafen auch bei kleineren Vergehen vorsah. Wenn einer 'die Karlina kricht hott', bedeutete dies, daß er ausgepeitscht wurde. Beschummeln durch 'Unterlegen' konnte in früherer Zeit

keiner, denn die Missetäter, auch die Frauen, steckte man nach einer Erzählung der Tochter des alten Stadtrichters Rückert vorher in leinene Hosen.

7 Am 19. Juli 1895 besuchte Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha mit seiner Gattin. der Herzogin Marie Alexandrowna, einer geborenen Großfürstin von Rußland, die Stadt. Alfred, der auch den Titel des Herzogs von Edinburgh führte, war der zweite Sohn aus der Ehe der britischen Königin Victoria mit dern Coburger Prinzen Albert, seine Gemahlin Marie Alexandrowna die Schwester des Zaren Alexander lIL van Rußland. Die hohe Freitreppe im Hintergrund, in Neustadt 'Staffel' genannt, gehörte zurn Anwesen FörsterGoedecke, das man später in das Rathans einbezog. Das Herzogspaar wurde bei sei-

nem Besuch mit Bier und Bratwürsten, einer Neusradter Spezialität, bewirtet. Heute wûrde es kaum jemand wagen, ein Staatsoberhaupt dazu einzuladen.

8 Das Bild vom Marktplatz gibt im wesentlichen die Ansicht wieder, die der Platz durch den Wiederaufbau nach dem großen Stadtbrand des [ahres 1839 erhalten hat. Viele Häuser wurden damals im Stil des Biedermeier errichtet, einer Kunstrichtung, die sich in schlichten Formen äußerte. Es war eine Zeit behaglicher bürgerlicher Wohn- und Lebenskultur zwischen 1815 und 184-8. Die Häuser dieser Zeit wiesen meist ein Zwerchhaus auf, einen aus der Fassade aufsteigenden Dachreiter, der mit seinem Dach quer zum Hauptdach stand. Zu sehen sind diese Zwerchhäuser bei der Löwen-Apotheke (dem zweiten Haus auf der linken

Seite), beim ehemaligen Café 'Rheingold' (in der Mitte) sowie bei der Hypo-Bank und dem Haus Sommer (auf der rechten Seite des Bildes).

Neustadt b. CobUTg Marktplatz .

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