Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 2

Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Helmut Scheuerich
Gemeente
:   Neustadt bei Coburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6629-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

In Neustadt sucht man vergebens nach jahrhundertealten reich verzierten Fachwerkbauten, stolzen Bürgerhäusern der Renaissance und des Barocks sowie nach schlossartigen Gebäuden. Das kommt vor allem daher, dass zwei verheerende Stadtbrände in den Iahren 1636 und 1839 gewütet und jeweils fast die ganze Stadt vernichtet haben. Da die Bürger nicht im Wohlstand schwelgen konnten, mussten sie sich beim Wiederaufbau oft mit einfacheren Häusern begnügen, zumal Versicherungen zu jener Zeit noch weithin unbekannt waren. Handel und Gewerbe boten selbst bei großem Fleiß nur bescheidene Verdien stmöglichkeiten, von Ackerbau und Viehzucht ganz zu schweigen.

Es zeigte sich schon bei der Stadtgründung im 12. Iahrhundert, als sich Bauern und Handwerker um die Zollburg der Andechs-Meranier ansiedelten, dass die ungünstigen Bodenverhältnisse nur eine geringe landwirtschaftliche Nutzung zuließen. So wandten sich die Bewohner vermehrt einer gewerblichen Tätigkeit zu. Diese Entwicklung wurde zu jener Zeit durch die Judenstraße gefördert, denn Neustadt bildete die letzte Station vor dem Übergang über den Thüringer Wald. Hier rasteten die Kaufleute und bereiteten sich für die Überquerung des Gebirges

vor. Dazu benötigten sie vor allem Handwerker wie Schmiede, Sattler und Wagner für ihre pferde und Wagen. Aber auch Schlosser, Beilschmiede, Büttner, Zimmerleute, Tischler, Löffler, Weiß- und Rotgerber, Leineweber, Färber und Tuchscherer waren in der Stadt zu Hause. Bald kamen auch Häfner, Lebküchler und Brauer hinzu. Ackerbau und Viehzucht gingen dafür mehr und mehr zurück, so dass 1672 nur noch acht Ackersleute in der Stadt ihrem Beruf nachgingen.

Im 18. und 19. Jahrhundert traten die Leineweberei und das Nagelschmiedehandwerk in den Vordergrund. Die Spielwarenherstellung, die sich bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts nachweisen lässt und vermutlich auf Anregung durchreisender Nürnberger Kaufleute entstand, erlangte erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts größere Bedeutung, vor allem durch die Einführung derWismutmalerei. Die Hauptvertreter der Spielwarenindustrie, die Bossierer, begannen im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Nagelschmiede zahlenmäßig zu übertreffen, traten jedoch bis in die siebziger Iahre hinter den Leinewebern zurück. Als die Konkurrenz durch die Maschine in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts verstärkt einsetzte, führte das schließlich zum Untergang des Leineweber-

und Nagelschmiedehandwerks. Die Spielwarenherstellung konnte jedoch ihre Position behaupten und weiter ausbauen.

Vor allem die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika, England und Frankreich nach dem Krieg von 1870/71 wirkte

sich für das Neustadter Spielwarengewerbe besonders günstig aus. So setzte ab 1880 eine Aufwärtsentwicklung ein, die bis 1913 andauerte und die Spielzeugindustrie zum maßgebenden Wirtschaftsfaktor der Stadt machte. Hatte der Anteil der im Spielwarengewerbe tätigen Personen an der Gesamtzahl der in Neustadt aufgenommenen Bürger in den achtziger Iahren bereits 38 Prozent erreicht, so stieg er in den folgenden Iahren auf über 50 Prozent an. So waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts sieben Achtel der Bevölkerung in diesem Gewerbe beschäftigt.

Als besonderer Produktionszweig der Neustadter Spielwarenindustrie begann die Puppenherstellung im Zuge des allgemeinen Aufschwungs in den Vordergrund zu treten.

Die gute Geschäftslage in Industrie und Handel prägte in jenen Iahren auch das Stadtbild ganz entscheidend. So entstanden in der so genannten Gründerzeit und der nachfolgenden Jugendstilzeit die schönsten Häuser der

Stadt. Wenn diese Bauwerke auch keine jahrhundertealte Geschichte haben, so sind sie es doch wert, pfleglich behandelt zu werden, um kommenden Generationen Zeugnis zu geben von einer noch verhältnismäßig jungen städtebaulichen Epoche, die Schönheit und Qualität an die erste Stelle setzte.

1 Die Stadt der Puppen und die Stadt der Bären, umrauscht von alten Sagen und von Mären,

der Kinderträume allerschönstes Paradies,

das Gott den deutschen Kindern je verhieß.

Mit diesen Worten besang Heimatschriftsteller Emil Herold in einem seiner Gedichte seine Vaterstadt. Hingestreut wie aus einer Spielzeugschachtel, so liegt sie auch da, die Bayerische Puppenstadt Neustadt bei Coburg. Alljährlich an Christi Himmelfahrt macht sie ihrem Namen alle Ehre, wenn sie zum internationalen Puppenfestival die Puppen tanzen lässt. Geprägt wird der Innen-

stadtbereich vor allem von Häusern der Biedermeierzeit, des Historismus und des Jugendstils. Nicht zu vergessen auch die neugotische Kirche, deren Turm 51,50 Meter hoch aufragt.

Der golden leuchtende Turmknopf zierte einst die Ehrenburg in Coburg. Er war ein Geschenk des Herzogs Ernst Il. und wurde am 17. Mai 1848 aufgesetzt.

2 Über dem bunten Meer der Dächer erhebt sich im Hintergrund die massige Wand des Muppbergs. So bilden Stadt und Berg eine Einheit, gehören zusammen wie Leib und Seele. Der Muppberg zählt zweifellos zu den eigenartigsten Bergen, die dem Thüringer Waldgebirge vorgelagert sind. Wie eine mächtige Insel ragt er aus dem einstigen Seebecken heraus,

das vor Jahrmillionen das Wasser der Steinach und der Röden bildete. Der berühmte Geograph Thüringens, Professor Dr. Fritz Regel, nannte den Berg eine der charakteristischen Erhebungen der Gebirgsvorstufe des fränkischen

Vorlandes. Kein Wunder also, wenn die Menschen an seinem Fuß siedelten und seinen Schutz genossen.

Wie die Sage erzählt, wollten einst die Nürnberger

Kaufleute zur Sicherung ihrer Warenzüge vor Strauchrittern auf seinem Rücken eine feste Burg errichten lassen. Als Gegenleistung erboten sie sich, die ganze Ebene des

Muppbergs mit einem Kreuz aus Talern zu belegen. Die Landesherrschaft soll aber davon keineswegs begeistert gewesen sein.

3 Wie auf dem Präsentierteller liegt hier ein Teilstück der Stadt vor uns. Dabei reicht der Blick vom Kirchturm in nordöstlicher

Richtung bis zu den Ausläufern des Thüringer Waldes. Aber nicht nur der Blick, auch der Weg dorthin ist heute wieder frei

und lädt zu Spaziergängen ein.

Die herausragenden Gebäude im Stadtbild sind neben dem Teilbereich des

Marktplatzes das ehemalige Amtsgericht und das frühere Café Grempel auf der Bergstraße.

4 Einem Mosaik gleich ist diese Ansichtskarte aus den dreißiger Iahren zusammengesetzt. Siebzehn markante Punkte der Stadt um-

rahmen eine Gesamtansicht und vermitteln dadurch einen guten Überblick über das Stadtbild. So wechseln Straßenzüge mit

besonderen Bauten und mit Denkmälern in bunter Folge ab. Jedem, der Neustadt nicht kennt, wird hier sozusagen die Stadt in

achtzehn kleinformatigen Postkartenmotiven nahe gebracht.

5 Dieses Bild zeigt die Stadt Neustadt aus einer etwas anderen Sicht. Eine Luftaufnahme ruft das Gaswerk mit dem über 60 Meter hohen Scheibengasbehälter in Erinnerung. Das Gaswerk wurde in den Iahren 1908 und 1909 auf dem Gelände des Galgenteiches errichtet. Seine Größe erlaubte es, den heutigen Stadtteil Wildenheid an die Gasversorgung mit anzuschließen. Als sich 1922 die Städte Neustadt und Sonneberg sowie die Gemeinde Lauscha mit der Thüringischen Gasgesellschaft Leipzig zu der Ferngaswerk Franken- Thüringen GmbH zusammenschlossen, um von Neu-

stadt aus den südthüringischen Raum bis hinauf an den Rennsteig mit Gas zu versorgen, reichte der bisherige Gasbehälter nicht mehr aus und so wurde 1925 der 56 000 Kubik-

meter Gas fassende Scheibengasbehälter errichtet.

6 Der Blick vom Muppberg hinunter auf die Stadt weckt Erinnerungen an ein Gedicht von Richard Papp aus dem Stadtteil Thann. Zwei Verse seien hieraus zitiert:

Auf dem Berge steh ich staunend, blicke nieder in das Tal;

teure Heimat, sei gegrüßet,

sei gegrüßet tausendmal!

Schöner hab ich nie gesehen meines Lebens Kinderland; eine heiße Träne stürzet nieder in den durst' gen Sand.

Auch ohne den Muppberg im Hintergrund hat die Stadt ihre Reize. Sie wirkt keineswegs nüchtern, sondern eher romantisch

durch den herrlichen Blick, den die Bäume auf die Stadt freigeben.

7 Die Häuser rings um den Marktplatz zeigen sich auf diesem Bild noch in der Art, wie sie nach dem großen Stadtbrand van 1839 errichtet worden sind. Es war der Stil des Biedermeier, einer Zeit

behaglicher bürgerlicher Wohn- und Lebenskultur zwischen 1815 und 1848, der sie prägte. Manche Häuser dieser Zeit wiesen ein 'Zwerchhaus' auf, einen aus der Fassade aufsteigenden Dachreiter, der mit sei-

nem Dach quer zum Hauptdach stand.

Den Plan für den Wiederaufbau der Stadt ließ die Herzogliche Landesregierung durch den Architekten und Landbaumeister Friedrich Streib fertigen.

Er war es auch, der dem Marktplatz seine rechteckige Gestalt gab. Vorher war der Platz dreieckig. Diese Form war die ursprüngliche und ein Beweis für die Stadtgründung durch die Andechs- Meranier.

8 Zu den beliebtesten Herrschern zählte in Neustadt Kaiser Friedrich lIl., der nach nur 99Tagen Regierungszeit an Kehlkopfkrebs verstarb. Eine Bürgerinitiative sammelte damals das nötige Geld und ließ ein Denkmal errichten, das am 18. Oktober 1891 eingeweiht wurde. Die Beliebtheit des Kaisers ging sicher darauf zurück, dass er sich zur Freisinnigen Partei bekannt hatte, die zu jener Zeit in Neustadt viele Anhänger zählte.

Das Denkmal für den Kaiser, der einen Krieg als nationales Unglück betrachtete, entwarf der Neustadter Zeichenlehrer und spätere Professor Max Derra. Er fertigte auch das Modell für die Büste Friedrich Ill. in eineinhalbfacher Lebensgröße kostenlos an. Das Denkmal, zunächst auf

dem Marktplatz errichtet, kam 1 930 in die Anlage bei der Coburger Brücke. Am 16. Dezember 1941 wurde die zweieinhalb Zentner schwere Bronzebüste abgenommen und für Kriegszwecke eingeschmolzen.

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