Nienburg in alten Ansichten Band 1

Nienburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Erich Vogel
Gemeente
:   Nienburg
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5369-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nienburg in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Nienburg, 'dort wo sich Bode und Saale zusammenfließend zum festen Bund vereinen', wie es in einer Urkunde des Jahres 979 heißt, liegt im Land Sachsen-Anhalt und hat etwa 6 000 Einwohner.

Die Anfänge des Ortes verlieren sich im Dunkel der deutschen Frühgeschichte. Die fruchtbare Landschaft mit ihren fischreichen Flüssen luden schon vor einigen Jahrtausenden Menschen zur Besiedlung ein, wie frühgeschichtliche Funde beweisen. Zur Zeit des Kaisers Karl des Großen wurde, wenn nicht alles täuscht, in die schon bestehende frühgeschichtliche Wallanlage nahe der Bodemündung ein fränkisches Kastell als Grenzfeste gegen die jenseits der Saale wohnenden Slawen errichtet. Eine neue Burg, denn davon leitet sich der Name Nienburg ab, entstand wahrscheinlich im Zuge des Burgenbaues des Königs Heinrich I. Sie wird als eine aus Stein und Mörtel errichtete Anlage beschrieben. Urkundlich wird der Ort erstmalig im Jahre 961 erwähnt.

Die erste Glanzzeit des Ortes beginnt mit der Verlegung des im Jahre 970 in Thankmarsfelde von dem Markgrafen Thietmar und seinem Bruder, dem Magdeburger Erzbischof Gero, gegründeten Reichsklosters 'in das Kastell, das Nienburg genannt wird. Die Abtei erhielt von den deutschen Kaisern großzügige Schenkungen an Grundbesitz jenseits der Saale , die bis in die Lausitz und jenseits der Neiße reichten. Es wurde so zum reichsten Kloster Mitteldeutschlands. Als Kulturträger und in der Christianisierung und Eindeutschung der slawischen Besitzungen haben sich die Mönche große Verdienste erworben. Das Kloster brachte eine Reihe von hervorragenden Äbten hervor, wie den Abt Arnold, der als der bedeutendste deutsche Geschichtsschreiber des zwölften Jahrhunderts gilt. Die Äbte erhielten vom Papst

und vom Kaiser eine Reihe von Privilegien, darunter im Jahre 1035 das Markt- und Münzrecht für Nienburg. Im Jahre 1166 verlor das Kloster seine Reichsunmittelbarkeit und wurde dem Magdeburger Erzbischof unterstellt. Damit war die Zeit vorbei, da Könige und Kaiser Gäste des Klosters waren. Im Land Anhalt hielt es am längsten am katholischen Glauben fest. Das Kloster wurde im Mai des Jahres 1563 säkularisiert und wurde ein Amt der anhaltischen Fürsten, die sich auch dessen Besitzungen aneigneten.

Stadt und Kloster waren von einer fast zwei Kilometer langen Stadtmauer umgeben, die vier Stadttore besaß. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort verwüstet, und Kriegsgreuel, Hunger und Pest dezimierten die Einwohnerzahl. Von ehemals 120 Häusern blieben nur noch 12 bewohnbar. Um das Jahr 1690 wurde die Klausur des ehemaligen Klosters zu einem Schloß für die Witwen der anhalt-köthenschen Fürsten umgebaut. Die Fürsten nahmen 1806 den Titel Herzog an. Anläßlich des Einzugs des Herzogs Ferdinand veranstalteten die Nienburger ihm zu Ehren am 6. Dezember 1825 einen Fackelzug, der zur neuerbauten Kettenbrücke führte. Die südliche Hälfte dieser Brücke geriet durch die sich im Takt der Musik bewegende Menschenmenge in Resonanzschwingungen und stürzte ein, Das Unglück forderte 55 Tote und 60 Verletzte.

Um das Jahr 1850 setzte die Industrialisierung des Ortes ein. Sie begarm mit dem Bau von drei Zuckerfabriken und damit zusammenhängend mit dem Bau von zwei metallverarbeitenden Betrieben. Kalkbrennereien und eine Ziegelei bestanden schon seit altcrsher. Die Zuckerfabriken waren alsbald technologisch überholt und mußten der Konzentration auf wenige große Fabriken weichen. Die Industrialisierung veränderte den Ort und seine Lebensgewohnheiten in weni-

gen Jahrzehnten mehr als vorhergehende Jahrhunderte. Alte Bürgerhäuser mußten Fabrikgebäuden weichen. Aus dern Schloß wurde eine Reisstärkefabrik, darm eine Malzfabrik. Die Stadt wuchs über ihre mittelalterlichen Grenzen rasch hinaus, die Zahl der Einwohner verdoppelte sich. Aus der Stadt von Ackerbürgern wurde eine Industriestadt. Weitere Fabriken siedelten sich an, so die Chemisehen Werke und die Lederfabrik Jaeckel. In einem der schon bestehenden Kalkwerke begann 1877 die Produktion von Zement. Von den um das Jahr 1900 bestehenden Industriebetrieben besaßen die Maschinenfabrik und die Kupferwarenfabrik Hallström Weltruf. Eine im Zusammenhang mit der Metallindustrie Nienburgs erbaute Gasanstalt ermöglichte schon im Jahr 1866 die Gasbeleuchtung der Stadt.

Wann von Nienburg aus die Frachtschiffahrt begann, ist unbekannt. Schon am Anfang des 18. Jahrhunderts besaßen einige Familien Frachtschiffe und waren Schiffer. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser Berufszweig stürrnisch, so daß um das Jahr 1930 etwa 130 Kähne in Nienburg beheimatet waren. Drei Schi ffswe rf ten sorgten in jener Zeit für die Reparatur und den Neubau der Schiffe. Als der Anschluß Nienburgs an das Eisenbahnnetz geplant und im Jahre 1890 vollendet war, waren es Kreise der Schiffer und Fuhrleute, die sich nachdrücklich gegen den Bau der Eisenbahn wandten. Die fast ein Jahrtausend blühende Fischerei auf Saale und Bode kam mit der zunehmenden Verschrnutzung und Versalzung der Flüsse durch die Abwässer der mitteldeutschen Industrien um die Jahrhundertwende zum Erliegen.

Die beiden Flüsse und ihre Nebenarme im Osten und Süden der Stadt wurden anfangs durch Furten, später von Fähren und Brücken überquert. Die erste Brücke wurde

1073 erwähnt. Die Brücken aus Holz wurden oft durch Hochwasser und Eisgang beschädigt oder zerstört. Mit dem Bau des Dammes zwischen Nienburg und Altenburg in den Jahren 1847-1849 mit seinen drei steinernen Brücken wurde eine vom Hochwasser ungefährdete Straßenverbindung nach Süden und mit dem Bau der Saalebrücke 1893 und der Bodebrücke 1898 eine solche nach Osten geschalfen.

Während des Ersten Weltkriegs verloren die Nienburger Metallbetriebe ihre ausländischen Absatzgebiete. Inflation, gestiegene Rohstoffpreise und die Weltwirtschaftskrise taten ihr übriges und führten zum Konkurs von drei wichtigen Industriebetrieben. Die Teilung Deutschlands und die Planwirtschaft aber führten zum allmählichen Absterben der Schiffahrt auf der Saale.

Das vorliegende Buch will mit seinen Bildern Vergangenes anschaulich machen, es vor dem Vergessen bewahren und dieser und der späteren Generation zeigen. wie es früher mit all seinen Licht- und Schattenseiten aussah. Dabei dürfen wir nicht in eine wehmutvolle Betrachtung der sogenannten guten alten Zeit verfallen. denn diese war für die meisten schwer und entbehrungsreich. Vielmehr heißt es, das wertvolle Erbe vergangener Generationen zu erhalten aber voller Zuversicht in die Zukunft zu schauen.

Die Mehrzahl der Bilder verdanken wir heute unbekannten Fotografen, einige davon dem eng mit seiner Heimat verbundenen ehemaligen Rektor Ernst Wagner.

Dr. Erich Vogel, Vorsitzender des Nienburger Heimatvereins

1. Das historisch wertvollste Gebäude Nienburgs ist die ehemalige Klosterkirche. Die erste Klosterkirche wurde 1004 in Gegenwart des Kaisers Heinrich Il. geweiht und brannte 1050 durch Blitzschlag in Gegenwart des Kaisers Heinrich Ill. ab. Der Neubau, dessen Bausubstanz teilweise im Ostteil der Kirche enthalten ist, wurde 1242 durch Kriegseinwirkung zerstört. Querschiff und Chor stammen aus der nach 1242 einsetzenden Bauperiode. Nach einem erneuten Brand 1280 entstand der mittlere Teil der Kirche. Das von diesem Brande verschonte ehemalige westliche Querschiff wurde Anfang des 16. Jahrhunderts durch den jetzt noch erhaltenen Neubau ersetzt. Die Aufnahme entstand nach dem Abbruch der Dornäne um 1906.

2. Die Klausurgebäude der ehemaligen Benediktinerabtei wurden um 1690 zu einem Schloß umgebaut, das als Witwensitz des anhalt-köthenschen Herrscherhauses diente. Unter anderen bewohnte auch die Fürstin Gisela Agnes, die Reichsgräfin von Nienburg war, das Schloß. Vom Erker des Schlosses wurde der Herzog Ferdinand und seine Gemahlin Zeuge des grauenvollen Brückeneinsturzes am 6. Dezember 1825, der 55 Tote und 60 Verletzte forderte. Das Schloß wurde i871 für 20 000 Taler verkauft und dann für industrielle Zwecke genutzt; so wurde die historische Ostfront der Stadt verschandelt. Das um 1870 entstandene Foto zeigt im Vordergrund Flözer am Bodeufer bei ihrer Arbeit.

3. Das um 1930 aufgenommene Foto läßt noch etwas von der einstigen Schönheit der Südfront des Schlosses ahnen. Den Hintergrund des Bildes nimmt der in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts neuerrichtete Ostteil der ehemaligen Klosterkirche ein, die mit dem Bau des Schlosses zur Schloßkirche wurde. Das Plateau, das sich etwa 15 m über dem Spiegel der Bode erhebt, wurde zur Zeit der Aufnahme des Bildes noch als gepflegter Garten genutzt.

4. Südlich der Klosterkirche befanden sich die Wirtschaftshöfe des Klosters, die nach der Reformation als fürstliche bzw. herzogliche Domäne genutzt wurden. Die Aufnahme entstand gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Sie zeigt einen Teil des Wirtschaftsgartens und links den Taubenturm. Der ab 1522 errichtete Turm der Kirche war ursprünglich doppelt so hoch. Er mußte um 1700 wegen BaufäJligkeit verkürzt werden. Zwei Glocken sollen der Überlieferung nach in die Agneskirche zu Köthen gekommen sein.

5. Im Inneren der der Heiligen Jungfrau Maria und dem heiligen Cyprian geweihten Kloster(Schloß)kirche verschmelzen die einzelnen Bauabschnitte zu einem einheitlichen Ganzen von hohem Reiz. Der feinabgestimmte Raum läßt ein freies Atmen zu und findet in seiner Schönheit in weitem Umkreis nicht seinesgleichen. 'Über dem Ganzen liegt der Liebreiz der Keuschheit und der Reinheit'. Die Kirche wird seit etwa 1945 sowohl von der evangelischen als auch von der katholischen Gemeinde genutzt, die beide bemerkenswerte Restaurationen durchführten, was die Schönheit des Raumes besonders zur Geltung kommen läßt. Das Bild entstand um 1900.

6. Einzigartig im deutschen Kulturkreis ist die aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Monatssäule in der Schloßkirche. Die Symbole der Monate, Männer in bäuerlicher Tracht, stehen auf ihren Sternbildern. Sie zeigen Attribute, die auf die in dieser Gegend in den betreffenden Monaten Besonderheiten hinweisen; so sind zum Beispiel der April mit einem Eierkorb, der Juni mit einer Rose und der Dezember mit einem Schweinskopf zu sehen. Ein Schaftring trennt das Sommerhalbjahr vom Winterhalbjahr und verdeutlicht so das ewige Auf und Ab der Jahreszeiten.

7. Die sich östlich außen an die Klostermauer anlehnende ehemalige Doppelkapelle entstand am Ende des dreizehnten Jahrhunderts. Sie trug im Obergeschoß an der Süd- und Nordfront je zwei gotische Spitzbogenfenster und an der Westfront ein großes Radfenster. Die Kapelle war ringsherum mit figürlichem Ritzputz versehen, an der Süd- und Nordseite oberhalb der Fenster waren in Kreisringen eingefaßte Heiligenbildnisse (Apostel?). Die Ostseite aber war mit einer Kreuzigungsgruppe geschmückt, deren Reste im Bild von 1928 noch sichtbar sind. Die gotischen Fenster wurden nach der Reformation entfernt und das Gebäude im Obergeschoß durch Einziehen einer Zwischendecke zu Wohnzwecken umgebaut.

8. Der mittlere Teil der Westfront des ehemaligen Schloßkomplexes bestand aus dem Kavaliershaus mit den im Erdgeschoß befindlichen Pferdeställen, dem Kastellangebäude und dem Justizamtsgebäude, an dem das zweigeschossige Torgebäude der Domäne angebaut war. Das Kastellangebäude mußte der 1875/76 erbauten Bürgerschule weichen. Sie wird wegen ihrer roten Ziegelsteine im Volksmund 'Rote Schule genannt. Um 1906 wurde auch das Torhaus abgerissen. Das um 1930 aufgenommene Foto zeigt das ehemalige Justizamtsgebäude mit seinem schönen Renaissancegiebel.

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