Nünchritz in alten Ansichten

Nünchritz in alten Ansichten

Auteur
:   Rosemarie Hermes
Gemeente
:   Nünchritz
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6520-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nünchritz in alten Ansichten'

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Einleitung

Nünchritz ist mit seinen Ende 1996 registrierten 5178 Einwohnern die bevölkerungsmäßig größte Elbgemeinde zwischen Riesa und Meißen. Zu ihr gehören seit 1973 die Ortsteile Grödel, Zschaiten und Roda sowie seit 1994 Weißig.

Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte 1312 als Nuncharicz. Dieser Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet soviel wie 'die Leute des Nèmochor'. Die Besiedlungsgeschichte reicht aber bis in das vierte [ahrtausend v. Chr. Bodenfunde belegen, daß vorwiegend der Wolfsberg durch Jäger, Fischer und Sammler der Mittelsteinzeit, durch die Bandkeramiker der Jungsteinzeit und um 1800 v. Chr. durch Menschen der Bronzezeit bewohnt war. Spuren der Anwesenheit von Germanen um die Zeitenwende wurden ebenso gefunden wie die vom Aufenthalt der Sorben im sechsten und siebenten Jahrhundert n. Chr.

Nünchritz besitzt keine historischen Besonderheiten. Seine Entwicklung wurde nicht durch Kirche und Rittergut im Ort geprägt. Seit 1539 sind die Nünchritzer nach Glaubitz gepfarrt, und sie waren seit ihrem schriftlichen Eintritt in die Geschichte verschiedenen Herrschaften lehns-, dienst-und abgabepflichtig. Dazu zählten z.B. noch unmittelbar vor der Beseitigung der feudalen Verhältnisse die Rittergüter Grödel, Hirschstein, Naundorf, Riesa und das Amt Hain. Sie alle übten über die Untertanen ihres Anteils die Erbgerichtsbarkeit aus.

Die Obergerichtsbarkeit hatte das Hainer Amt inne.

Es wurde vorwiegend Landwirtschaft betrieben, auch etwas Weinbau. Hartnäckig verteidigten die Nünchritzer Hufner ihre Rechte. Wiederholt gingen sie zwischen dem 17. und 19. [ahrhundert als Sieger aus Rechtsstreitigkeiten mit den benachbarten Rittergütern und sogar mit dem Amt Hain hervor.

Ständig wiederkehrende Überschwemmungen und Eisfahrten der Elbe, Epidemien und Kriege beeinträchtigten die Entwicklung der Gemeinde, deren Einwohnerzahl sich von etwa 85 Personen im Iahre 1547 aufnur ungefähr 350 im Iahre 1820 erhöht hatte. So wurde Nünchritz im Dreißigjährigen Krieg völlig verwüstet. Der 1 649 im Meißner Land wütenden Pest erlagen der Winzer, seine Ehefrau, sein Kind sowie ein Dienstjunge. 'Und weil das DorffNüncheritz schlecht bewohnet gewesen, ist es bey diesen vier Personen durch Gottes Gnade verblieben.' Handwerker gab es in der Vergangenheit entsprechend dem dörflichen Bedarf. 1 841 waren ein Kurschmied, neun Maurer, fünf Zimmerleute, zwei Schuhmacher und je drei Schneider und Weber ansässig. Doch um die Jahrhundertwende hatte sich das Bild geändert. Es entstanden viele kleine Handwerksbetriebe, Geschäfte und Orte der Gastlichkeit. Im 18. und 19. Jahrhundert nutzten die Nünchritzer Einwohner zunehmend die EIbe zum Broterwerb. Der Fährbetrieb und die Schiffsmühlen waren zu dieser Zeit schon ein vertrautes Bild. Die Schiffahrt auf der EIbe

und auf dem Grödel-Elsterwerdaer Floßkanal mit dem Umschlag der ausgeschifften Güter auf dem Lagerplatz um das Kanalendbecken kamen hinzu. Die entstandenen Baumaterialniederlagen von Gelbhaar und Göhre hatten einen guten Ruf Ab der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts besaß Nünchritz eine Anlegestelle für Fahrgastschiffe. 1908 waren noch etwa einhundert Nünchritzer als Schiffseigner, Steuer- oder Bootsmann, Haupter bzw. Schiffsbauer arbeitsmäßig mit ihrem Heimatstrom verbunden. Zu dieser Zeit war es ein vertrautes Bild, wenn vorbeikommende Nünchritzer Elbkähne kurzzeitig am Ufer anlegten, damit die Besatzung zu Hause nach dem Rechten sehen konnte.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts zog die Industrie in Nünchritz ein. Die errichtete Chemische Fabrik brachte nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern sie beeinflußte die Entwicklung der Gemeinde entscheidend. Als besondere Attraktion galten in den Anfangsjahren ihr Ballonfüllplatz und die zahlreichen Ballonaufstiege. Für den Ort bedeutungsvoller waren aber der mit der Ansiedlung von Arbeitskräften verbundene Wohnungsbau sowie die gemeinsam von Werk und Kommune durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung der territorialen Infrastruktur. Nähert man sich heute Nünchritz, so grüßen schon von weitem

die Kolonnen des Chemiebetriebes den Ankömmling, während Zeichen der ehemaligen Haupterwerbszweige zu suchen sind.

Die Beschreibungen der Abbildungen sollen auch Einblicke in bestimmte Abschnitte der Nünchritzer Geschichte vermitteln. Dazu wurden verschiedene Archivalien studiert sowie Zusatzinformationen aus einschlägiger Literatur erschlossen.

Die Erarbeitung des Buches wurde aber erst möglich, nachdem viele Einwohner Bildmaterial zur Verfügung gestellt und wertvolle Erläuterungen dazu gegeben hatten. Nicht unerwähnt soll bleiben die Unterstützung durch Mitglieder des Nünchritzer Freundeskreises Heimatgeschichte, insbesondere durch Frau Gudrun Emmaus und Herrn Erich Leichsenring. Dennoch waren weitere klärende Gespräche nötig, um die zusammengetragenen Fakten aufzubereiten.

Allen am Zustandekommen des Buches Beteiligten sage ich an dieser Stelle Dank.

Angemerkt sei noch, daß die Bilder Nr. 6, 16, 19,20 und 39 zum Bestand der Sächsischen Landesbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek, gehören.

Nünchritz, im November 1997, Dipl.-Gw1n. Rosemarie Hermes

1 Die EIbe war in der Vergangenheit eine stark befahrene Wasserstraße. Flöße, Güterfrachtverkehr, Personenschiffahrt, Schiffsmühlen und auch der Fährbetrieb sorgten für ein abwechslungsreiches Treiben auf dem Fluß. Vor der Nutzung der Dampfkraft durch die Schiffahrt war eine Fahrt stromaufwärts für Schiffer und Kähne äußerst beschwerlich. War der Wind günstig, reichten die gesetzten Segel. Bei Flaute aber wurden die beladenen Kähne in unserer Region durch Männer, die Bomätscher, gezogen. Um 1870 wurde die Kettenschiffahrt wirksam. Ihr Prinzip bestand darin, daß sich die Kettenschiffe an einer in der Elbe liegenden Kette, mit Lastkähnen im Schlepp, vor-

wärts zogen. Ein gewaltiges Rasseln, verursacht durch die über Winden laufende Kette, kündete das Nahen eines Kettenschiffes an. So ein Kettenschiff ist auf der Postkarte von 1910 erkennbar.

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2 Die EIbe, die Anlegestelle für die Fahrgastschiffe der Sächsisch -Böhmischen Dampfschiffahrtsgesellschaft vor dem Gasthof und der Gasthof selbst waren in der Vergangenheit beliebte Motive auf Ansichtskarten von Nünchritz. Hier hat der Gasthof mit seinen Anbauten schon ein stattliches Aussehen. Nichts erinnert mehr an die Zeit seiner Entstehung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Da war der Reihenschank noch üblich. Bei ihm erhielt ein Einwohner für ein [ahr das Recht, ohne 'Ausschankzeichen' den Dorfbewohnern in seinem Haus den Genuß alkoholischer Getränke in Geselligkeit zu ermöglichen. Später verpachtete die Dorfgemeinde den Reihenschank. So ein Pächter war seit 181 1

der Fleischer [ohann Gottfried Baarmann, der sich nach Fertigstellung seines Wohn- und Schankgebäudes an der Elhe eifrig um eine Gasthofkonzession bemühte. Sie wurde ihm 1822 erteilt.

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3 Diese Nahaufnahme zeigt den Nünchritzer Gasthof an der Elbe so, wie er der älteren Generation noch in Erinnerung ist. Er hatte sich im laufe der [ahre zu einem Ort gepflegter Gastlichkeit und Geselligkeit entwickelt. Daran hatten alle nachfolgenden Besitzer wie Karl Friedrich Bahrmann, Edwin [ustln, der gleichzeitig zwischen 1868 und 1876 der Gemeindevorstand von Nünchritz war, Otto Franz Starke, Ernst Max Bahrmann - nach ihrem Familiennamen wurde auch der Gasthof benannt - und schließlich Max Rentzsch ihren Anteil. Der Gasthof wurde von Ausflüglern, Durchreisenden und auch von den Einheimischen gerne besucht. Ihnen standen zur Nutzung die Schankstube, der

große und der kleine Saal, das Kegelhaus mit Bahn, die Veranda, das Sommerschankgebäude, die Gästezimmer und der Gästestall zur Verfügung.

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4 Die Personenschiffahrt auf der Elbe kann auf eine 160jährige Geschichte zurückblicken. 1837 sahen die Nünchritzer erstmalig mit der 'Königin Marie' am 30. August ein Fahrgastschiff, das Passagiere aus Anlaß des Lorenzmarktes nach Lorenzkirch beförderte. Die Rückfahrt erfolgte am nächsten Tag. Doch es vergingen noch einige [ahre, ehe Nünchritz eine Schiffsanlegestelle erhielt und fahrplanmäßig angefahren wurde. Zur Besatzung eines Personendampfers gehörte auch der Kondukteur. Diese Tätigkeit übte der abgebildete Herr Paul Ruppe aus Nünchritz zwischen 1910 und 1921 auf verschiedenen Schiffen der Sächsisch-Böhmischen

Dampfschiffahrtsgesellschaft aus. Er war zuständig für die Bezahlung der Beförderungstarife durch die Passagiere und für die Abfertigung des Frachtgutes. Die Hinterlegung einer Kaution war eine Voraussetzung, um mit dieser Aufgabe betraut zu werden.

5 Diese Aufnahme zeigt den Saal des Gasthofes an der Elhe um 1900. Besitzer war zu dieser Zeit Ernst Max Bahrmann. Die mit Stuck verzierten Säulen, die interessante Deckengestaltung, der Kronleuchter in der Saalmitte und die Bühnendekoration verleihen dem Saal eine anheimelnde Atmosphäre. Sie bildeten günstige äußere Bedingungen für die vielfältigsten Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen und Bälle. Strenge Brandschutz bestimmungen wie Vorhandensein von Löscheimern, einer tragbaren Feuerspritze, einem Kasten Sand, das Umgeben der Öfen mit einem Schutzmantel und die Anwesenheit von zwei Feuerwehrleuten mußten beim Be-

nutzen des Saales eingehalten werden, und sie waren besonders unerläßlich in der Zeit, in der elektrischer Strom und eine zentrale Heizungsanlage noch nicht zur Anwendung kamen.

6 Einladend wirkt der Gasthof Nünchritz um 1910 mit seinem Konzert-und Ballsaal auf den am Leutewitzer Ufer stehenden Betrachter. Es war ihm ein leichtes, mit der Fähre überzusetzen und einzukehren. Doch was hatte es für eine Bewandtnis mit dem im Vordergrund erkennbaren Steg? Hier war das Baden in der Elhe gestattet, der Fährmann mußte dazu die Nünchritzer Schulkinder unentgeltlich übersetzen. Als Begründung für diese Entscheidung galt, daß die weniger tiefe Leutewitzer Seite der Elhe nicht so stark mit den Abwässern der Chemischen Fabrik in Berührung karn. Später wurde allerdings ein Badeplatz zwischen dem Elbkilometer 101 und dem Windlerschen Grundstück eingerichtet.

7 Zwischen der überdachten Terrasse, unter der die Kegelbahn eingerichtet war, und dem Sportplatz befand sich der zum Gasthof an der Elhe gehörende Garten mit dem Sommerschankgebäude. Er erfreute sich bei den Gästen einer großen Beliebtheit. Die Einfriedung mit gehobeltem Lattenzaun auf Mauersockel und der sich dem Garten anschließende Park mit großen, schattenspendenden Bäumen sorgten für einen ungestörten und erquickenden Aufenthalt. Wie in vielen Gärten von Nünchritz um die Jahrhundertwende durfte auch hier der hölzerne Pavillon nicht fehlen.

8 Der Fußball begeisterte zu Beginn dieses [ahrhunderts auch die Nünchritzer Knaben. Auf dem Sportplatz an der Großenhainer Straße tummelten sich 1913 drei Knabenmannschaften und eine Jugendmannschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im März 1919 der 'Sportverein

13 Nünchritz' gegründet, der im November desselben [ahres dem Deutschen Fußballbund beitrat. Seine 1. Mannschaft bestand vorwiegend aus den jugendlichen Fußballspielern der Vorkriegszeit. Der Besitzer des Elbgasthofes, Herr Max Rentzsch, verpachtete dem Verein ein Stück Land für eine neue Sportstät te, weil die bisherige für Bauzwecke genutzt wurde. Es entstand der Sportplatz am

Elbgasthof. Das Foto aus dem [ahre 1925 zeigt die Pioniere des Nünchritzer Fußballs. Von links nach rechts sind es Herr Ernst Vogel (1. Vereinsvorsitzender), Herr Max Rentzsch und die Spieler Paul Sauer,

Paul Ulbricht, Alfred Schönitz, ?, Arthur Schönitz, R. Frohne, Arno Schneider, ?, ArnoTerpe, ?, ?, ?

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