Nordberlin in alten Ansichten

Nordberlin in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gustav Sichelschmidt
Gemeente
:   Nordberlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3099-8
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nordberlin in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Nordberlin, dessen Areal, die beiden Verwaltungsbezirke Wedding und Reinickendorf einschließend, sich heute mit dem politischen Begriff des französischen Sektors deckt, hat offensichtlich den unverwechselbaren Typ des Nordberliners hervorgebracht, der mit seinem heimatlichen Distrikt so eng verbunden ist, daß man ihn nur sporadisch in der Nähe des Zoo oder des Kurfürstendammes auftauchen sieht. Der Berliner Norden, der noch im Bereich der alten City mit einem vernehmlichen Forte einsetzt, um schließlich fern in den Wäldern des Tegeler Forstes zu verklingen, spiegelt eine Welt voller Gegensätze zurück. Man hat daher rechtens sowohl von einem 'steinernen Norden' verschollener Slums als auch vom 'eisernen Norden' der Großindustrie und schließlich vom 'grünen Norden' der Wälder und Seen gesprochen; denn jenseits der Reichweite, die Berliner Stadtpläne noch zu erfassen pflegen, bietet diese Berliner Stadtlandschaft noch ein Idyll exklusiver Villenvororte.

Es läßt sich nun einmal nicht leugnen: Wedding hat seinen überregionalen Ruf der Existenz jener Hinterhöfe zu verdanken, die heute vorwiegend Geschichte sind, deren Schattenexistenz aber immer noch ver-

stiegenen Sozialutopisten emige Larmoyanz abfordert, wenn sie wieder einmal mit merklichem Be':lagen die ganze soziale Misere der wilhelminischen Ära aufrühren. Von verelendetem Proletariat und Armeleutemief kann freilich mit Blickrichtung auf den Wedding keine Rede mehr sein. Gleichwohl ist dieser Bezirk wie Neukölln, Moabit und weite Strecken von Kreuzberg eine Domäne der Industrie und der handarbeitenden Bevölkerung geblieben. Er hält sogar in Bezug auf seine Siedlungsdichte einen Berliner Rekord. Immerhin besteht Anlaß, darauf hinzuweisen, daß der Wedding durchaus mit architektonischen Sehenswürdigkeiten aufwarten kann, die sich der Aufmerksamkeit auswärtiger und einheimiseher Touristen empfehlen. Die hier vorliegende Bestandsaufnahme des vorzeigenswerten Weddinger Inventars tritt für diese Behauptung den Beweis an. Natürlich hat auch der Berliner Norden ausgiebig von der urbanen Ausstrahlung der früheren Reichshauptstadt profitiert, wenn es auch eine gute Weile währte, ehe die weltstädtische Zivilisation den hohen Norden erreichte. Trotzdem ist dieser Teil der Stadt Berlin durchaus kein Stiefkind städtebaulicher Planung geblieben. Im Gegenteil: Straßen und Stadtbahnen und

neuestens sogar die U-Bahn und die Stadtautobahn haben diesen nördlichsten Distrikt längst in das alles umfassende Gemeinwesen Berlin integriert, und bemerkswerte verkehrstechnische Aktivitäten haben den Norden zusehends an die moderne City Westberlins herangerückt.

Gleichvoll läßt sich sagen, daß Nordberlin sich in vielem noch eine bukolische Unschuld bewahrt hat. Selbst der Wedding hat sich mit dem Humboldthain, dem Schillerpark und den Rehbergen Oasen städtischer Stille geschaffen, Parkanlagen, denen man einen gewissen modellhaften Charakter nicht absprechen kann.

Im übrigen ist das grüne Nordberlin auch im Zeitalter allgemeiner Motorisierung eines der klassischen Ausflugsgebiete der Berliner geblieben. Es bietet einen Lebensraum von erstaunlicher Variationsbreite, Wälder und Wasserflächen, bejahrte Dorfauen und Villenviertel, die sich organisch in die verhaltene Melodie dieser märkischen Urlandschaft einfügen. Man darf nicht vergessen, daß sich Berlins nördlichster Bezirk aus den Dörfern Reinickendorf', Wittenau, Tegel, Heiligensee, Hermsdorf und Lübars zusammensetzt, die allesamt - mit Ausnahme von

Tegel - noch über respektable alte Dorfkirchen verfügen.

Die an dieser Stelle zusammengetragenen und vorgewiesenen Ansichtskarten dieser berlinischen Stadtregion rufen noch einmal Reminiszenzen an eine Vergangenheit herauf', mit der wir immer mehr den Begriff der heilen Welt zu assoziieren gewöhnt sind. Viele von ihnen haben den spezifischen Anhauch brandenburgischer Provinzialität bewahrt, der unseren nostalgischen Nerv besonders zu stimulieren scheint. Und warum auch sollten wir nicht selbstvergessen als die gebrannten Kinder einer unromantischen Ära wieder einmal das vermeintliche Idyll aufsuchen? Die Errungenschaften unserer modernen Zeit haben, wie man weiß, manche liebgewordene Tradition gnadenlos zur Seite geräumt, so daß wir uns auf höchst unvollkommene Surrogate zurückverwiesen sehen. Daß angesichts solcher barbarischer KahlscWagmethoden ein neues Geschichtsbewußtsein, wie es vor Jahren noch unvorstellbar war, sich wieder zu regen beginnt, können wir getrost zu den positiven Posten im Hauptbuch unserer Gegenwart verbuchen.

1. Diese im Oktober 1900 geschriebene Ansichtskarte zeigt einige Sehenswürdigkeiten des damaligen Wedding, das bereits in einer Urkunde von 1251 erwähnt wird und inzwischen einen Westberliner Bezirk von 170 000 Einwohnern darstellt. Offenbar galten um die Jahrhundertwende die Dankeskirche am Weddingplatz, die Markthalle in der Reinickendorfer Straße und der Bahnhof Gesundbrunnen als besonders darstellenswert.

ALT- BER LI N. Der Gesundbrunnen um 1785, Die seiner Zeit vielbesuchte Heilquelle ~rlins.

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2. Auf dem heutigen Grundstück Badstraße 39 wurde vor mehr als zweihundert Jahren eine eisenhaltige Quelle entdeckt, die der Hofapotheker Behm in den Jahren 1758 bis 1760 zu einer Heil- und Trinkstätte ausbaute. Nach dem von ihm gegründeten 'Friedrichs Gesundbrunnen' wurde später die ganze Umgebung benannt. 1882 versiegte der Brunnen, als Bauarbeiter versehentlich die Quellader zerstörten.

26. BERUH N. Bahnhof Gesundbrunnen.

3. Am 1. Januar 1872 wurde der Personenverkehr auf der Ringbahn aufgenommen und die Bahnhöfe Wedding und Gesundbrunnen eröffnet. Erst nach 1892 entwickelte sich der Bahnhof Gesundbrunnen zum 'Nordring' , auf dem sich sowohl der Ring- als der Vorortverkehr abwickelte.

Swinemünder Brücke

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4. Die stählerne Swinemünder Brücke wurde 1905 über den Nordteil des S-Bahngeländes am Bahnhof Gesundbrunnen mit dem für die damalige Zeit sensationellen Kostenaufwand von 1250 000 Mark errichtet. Die 'Millionenbrücke", wie sie daher von den Berlinern genannt wurde, hat eine Länge von zweihundertachtundzwanzig Metern.

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ALT - BERLI N. 0253A.

5. Noch um 1896 wiesen die Häuser der Brunnenstraße trotz der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs Gesundbrunnen einen vorwiegend dörflichen Charakter auf. Heute befindet sich an dieser Stelle der U-Bahnhof Gesundbrunnen, der im Zuge der neuen U-Bahnlinie Gesundbrunnen-Neukölln am 18. April 1930 eröffnet wurde.

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Hïndenburg-Brücke .

6. Der Bau der Hindenburgbrücke, der heutigen Bösebrücke, wurde bereits 1912 begonnen, aber wegen des Krieges erst 1916 vollendet. Sie überbrückt die Gleise der N ordbahn irn Zuge der Osloer- und Bornholrner Straße in einer Länge von einhundertachtunddreißig Metern.

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7. Der Humboldthain wurde in den Jahren von 1869 bis 1875 durch den Gartenbaudirektor Gustav Meyer angelegt und nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt benannt. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstand hier durch Aufschüttung eines Großbunkers eine Anhöhe von fünfundachtzig Metern, die von einern symbolischen Mahnmal gekrönt ist.

BERlIN N. Himmelfahrt-Kirche am Humboldhain. 1231.

8. Unmittelbar am Humboldthain zur Brunnenstraße hin erhob sich die von August Orth erbaute Himmelfahrtskirche, die im Juni 1893 eingeweiht wurde. Der in romanischen und gotischen Formen errichtete Bau war von einem zweiundsiebzig Meter hohen Turm überragt. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude wurde 1956 durch einen von Otto Bartning errichteten Bau ersetzt.

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