Nordhausen in alten Ansichten Band 3

Nordhausen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Rainer Hellberg
Gemeente
:   Nordhausen
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6695-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nordhausen in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

Nordhausen begeht 2002 sein 1 075 - jähriges Gründungsjubiläum. Nur wenige deutsche Städte können auf eine solch lange Geschichte verweisen, wie die altehrwürdige Rolandstadt am Rande des Südharzes.

Aufstieg haben die Nordhäuser Bürger erlebt, Armut, Plünderungen, Elend, Seuchen, Fehden, Feuersbrünste, aber auch Zeiten desWohlstandes, des stolzen Selbstbewusstseins, Herren ihres Geschicks zu sein.

Alte Chroniken berichten von schwer beladenen Frachtwagen, die zu den Toren der Stadt hinausrollten - von schwer beladenen Wagen, die aus den Dörfern der Umgebung auf den Markt zogen. Seit 1075 Iahren ist das 'Korn' Lebens- und Reichtumsquelle der Stadt. Sein Handel führte im 10. Jahrhundert zur Verleihung des Marktrechtes, seine Verarbeitung förderte den Nordhäuser Gewerbefleiß und legte den Grundstock zu jener blühenden Industrie, deren Erzeugnisse den Namen der Stadt in der Welt bekannt machten.

Waren es bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Branntweinund Tabakindustrie, die den RufNordhausens begründeten, entwickelten sich nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1866 weitere Industriezweige, die bald zu einem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung führten.

Es entstanden Maschinenbaubetriebe, die sich insbeson-

de re der Herstellung von Spezialmaschinen widmeten, beispielsweise die Maschinen- und Pumpenfabrik Anger's Söhne, die Maschinenfabrik Iulius Fischer (Tapetendruckmaschinen) und die Tiefbau- und Kälteindustrie AG, vormals Gebhardt & König.

Wäsche- und Schürzenfabriken lösten die Webereien ab, nicht unerwähnt sollen die Seifen- und die Malzfabriken sowie die Brauereien bleiben. Aber auch zahlreiche kleinere Firmen wurden gegründet, an die heute nur noch alte Fotos, Postkarten oder Briefbögen erinnern, weil viele beim Luftangriff auf Nordhausen Anfang April 1945 den Bomben zum Opfer fielen bzw. die Besitzer später vom kommunistischen Regime enteignet wurden. Die großen und kleinen Unternehmen, die Handwerksfirmen und die Groß- und Einzelhandelsbetriebe waren Arbeitgeber für viele Tausend Menschen der Stadt und der Umgebung, was sich positivauf das gesellschaftliche Leben auswirkte und unter anderem in einer regen Vereinstätigkeit widerspiegelte.

Industrie, Handwerk und Gewerbe gaben der Stadt ihr Gepräge und verhalfen ihr zu Ruhm und Reichtum. Mit dem Erstarken der Wirtschaft vollzogen sich auch im Kommunalwesen gravierende Fortschritte. Erinnert sei an

die Eröffnung des städtischen Museums 1876, die Übergabe der städtischen Bibliothek 1877, die Inbetriebnahme der Straßenbahn im Iahr 1900 und die Errichtung des Hallenbades 1907. Das abendliche Straßenbild wurde durch die Errichtung einer elektrischen Straßenbeleuchtung, die den Straßenzug vom Bahnhofbis zum Neumarkt erhellte, wirkungsvoll belebt. Die Stadt ließ für ihre Bürger 1924 das Stadion und 1927 ein Freibad erbauen. Zu den bereits bestehenden Parks gesellte sich anlässlich der Jahrtausendfeier der Rosengarten hinzu. Das Neue Museum in der Osterstraße wurde im Mai 1927 der Öffentlichkeit übergeben.

Diese großzügigen Erneuerungen fanden in der gesamten Nordhäuser Bürgerschaft Lob undAnerkennung.

Im vorliegenden Buch wird dem Leser ein kleiner Einblick in das Vereinsleben und der Sportbewegung in Nordhausen gegeben und einige fast vergessene Betriebe aus Industrie, Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe mit Kurzchroniken in Erinnerung gebracht.

Bei den Recherchen gaben Nachkommen einstiger Unternehmer Unterstützung. Sie sind sehr interessiert daran, dass die Historie der Firmen aufgeschrieben wird und damit der Nachwelt erhalten bleibt. Nicht alles konnte Berücksichtigung finden, vieles bedarfnoch einer Aufarbeitung. Hier liegt noch ein großes Betätigungsfeld für weitere Forschungen zur Industriegeschichte der 1075jährigen Stadt.

1 Der Krumhaarsche Bauernhof und die Brennerei Salfeldt & Co in der Rosengasse 2 um 1900, im Vordergrund der Nordhäuser Mühlgraben.

Die Landwirtschaft und das Branntweinbrennereigewerbe waren in Nordhausen stets eng miteinander verbunden. In den Brennereien fiel Schlempe an, die sich zum Mästen von Schweinen hervorragend eignete. So betrieben Brennherren neben ihrem Hauptgewerbe auch oftmals eine kleine Landwirtschaft. In alten Chroniken wird berichtet, dass einst in der 8 000 Einwohner zählenden Stadt Nordhausen bis zu 4 000 Schweine gehalten wurden.

Der alte Bauernhof in der Rosengasse dokumentiert wie kaum ein anderer diese enge Verbindung. Als

sich Karl-WilhelmTeichmüller 1873 zur Ruhe setzte, übernahmen seine beiden Töchter Emma Salfeldt und Laura Hoppe das Grundstück. Die Familie Salfeldt betrieb die

Er wurde Anfang der siebziger Iahre des vorigen Jahrhunderts abgerissen.

Brennerei, die Familie Hoppe die Landwirtschaft, die durch den Familiennamen derTochter als Krumhaarscher Bauernhof bei alten Nordhäusern noch gut in Erinnerung ist.

2 Die Landwirtschaft Teichmüller an der Salzaer Straße 2 (jetzt GerhartHauptmann-Straße) 1898. Vergeblich sucht man in alten Nordhäuser Adressbüchern bäuerliche Anwesen unter der Berufsbezeichnung 'Landwirt' . Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nannte sich der Bauer, der eine entsprechend große Landwirtschaft besaß, 'Ókonom'. Unter diesem Begriff sind sie im Adressbuch verzeichnet.

Im Stadtzentrum erinnert heute nichts mehr an landwirtschaftliche Betriebe. Ein Wachstum in der engen Stadt war nicht möglich, sodass sich die

Bauern mit eher kleinen Anwesen begnügen mussten. Größere Höfe gab es nur am Stadtrand, wo die heute längst bebauten Felder gleich dahinter lagen. Zwei davon sind, wenn

Straße 31 und der Teichmüllersche Bauernhof an der Gerhart-HauptmannStraße 2.

auch durch Ersatzbauten teilweise verändert, in ihrer Grundstruktur als Vier-Seiten-Höfe noch erkennbar: Der Johannahof der Landwirtfamilie Henze in derWilhelm-Nebelung-

3 Karl Teichmüller an der Zorge, um 1915, im Hintergrund rechts die Kneiffsche Fabrik.

Otto Teichmüller hatte das Grundstück an der Salzaer Straße 2 im Iahre 1873 von seinem Vater CarlWilhelm erhalten, dessen Bauernhof sich in der Rosengasse 2 gegenüber der Rosenmühle befand.

Unter Einbeziehung der vorhandenen Scheune am Kurzen Feldchen errichtete er einen ansehnlichen Bauernhof. Auf dem Teichmüllerschen Grundstück neben dem Bauernhof entstand 1894 die Kneiffsche Tabakfabrik.

1934 betrieben in Nordhausen Hermann Iohn jun. in der Hesseröder Straße, A. Holzapfel und R. Fritsche in der Halleschen Straße, G. Kruse An der Salza, Wand a Henze in der

Wilhelm- N ebelung-Straße, Fr. Husung - Inhaber Wilhelmine Husung - in der Steinstraße, G. Schreiber in derTöpferstraße, Rud. Schulze sen. Erben am Darrweg und An der Salza sowie Fr. Engelhardt

Statistik für Nordhausen unter anderem 410 Pferde, drei Esel, 230 Rinder, 420 Schafe, 965 Schweine, 175 Ziegen, 7 725 Federvieh und 382 Bienenstöcke aus.

sen. und E. Guttermann in der Kasseler Straße eine Landwirtschaft. Noch bis Ende der fünfziger Iahre des 20.Jahrhunderts bestanden in Nordhausen vereinzelt bäuerliche Wirtschaften. 1936 wies die

4 Erntezeit auf dem Getreidefeld hinter dem Teichmüllerschen Bauernhofum 1927, im Hintergrund rechts ist der Kohnstein erkennbar.

Carl- Wilhelm Teichmüller besaß eine der größten Landwirtschaften in Nordhausen, die 1873 wegen der Erbfolge in die beiden Höfe (Rosengasse und Salzaer Straße) aufgeteilt wurden. Seine Felder erstreckten sich von der Hesseröder Straße in Richtung Salzagraben, zwischen der Grenzstraße in Salza und der Salzaer Straße. Er besaß Ackerland an der Parkallee (unter anderem wesentliche Teile des Wackersportplatzes), zwischen Kuhberg und Gumpe und vom Kirschweg bis zum Brommels berg.

Nur zwei Generationen blieb die bäuerliche Wirt-

schaft an der Salzaer Straße erhalten. Otto Teichmüllers Sohn Karl bewirtschaftete den Hofjedoch auch nach dem 1928 erfolgten Verkauf an die Stadt Nordhausen bis in die vierziger Iahre des vorigen Iahrhunderts.

Heute hat dort das Berufsbildungszentrum Straßenverkehr - ein Unternehmen der Stadtwerke Nordhausen - seinen Sitz.

5 Auf artgerechte Tierhaltung legte der Landwirt Karl Teichmüller besonderen Wert, Aufnahme um 1928.

Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) plante 1939 an der Hallesehen Straße, unmittelbar an der Kläranlage, den Bau einer Schweinemästerei. Da jedoch die Baukosten zu hoch waren, wurde beschlossen, die bereits bestehende Schweinemästerei auf dem Stadtgut (ehemals Teichmüller) in der Kneiffstraße 2 - vorher Salzaer Straße - zu nutzen und diese zu erweitern. Für diesen Zweck musste die Scheune ausgebaut werden, um nach den Wünschen des Ernährungshilfswerkes (EHW) etwa 160 bis 170 Schweine unterzubringen. 'Die Schweinemästerei

wird für die Gemeinden Nordhausen und Salza gemeinsam aufgezogen, wie auch in beiden Gemeinden Abfallverwertung durch die NSV In den nächsten Wochen sollen

die ersten 50 Läufer in die Ställe einziehen', schrieb damals die Nordhäuser Zeitung. Die NSV begründete ihre getroffene Entscheidung damit, dass man gezwungen sei, den

hohen Anforderungen des Vierjahresplanes Rechnung zu tragen.

6 Karl Teichmüller, rechts auf dem Pferd, mit Ehefrau Marie, den beiden Söhnen Karl jun. und Otto jun. sowie Tochter Margarete vor ihrem Wohnhaus in der Kneiffstraße um 1922. Die Eingangstür ist heute zugemauert, aber noch erkennbar.

Gegen den Willen der Anwohner der Bleiche und der Geschäftsleitung der Kneiffschen Fabrik wurde die bestehende Mastanlage erweitert und der Bestand der Tiere vergrößert.

Die Fabrikleitung und der Rechtsanwalt der Anwohner der Bleiche beschwerten sich mit Nachdruck beim NSDAP - Kreisleiter über den unerträglichen Gestank und die damit verbundene Fliegenplage. Vergebens.

Die unsachgemäße Ausführung des Erweiterungs-

baus bekamen die Tiere im strengen Winter 1939/40 zu spüren. Die dünnen Außenwände verursachten eine derart starke Abkühlung, dass sich der im Stall zurückgehaltene Dampf als

Wasser an Decken und Wänden festsetzte. Dieses Wasser gefror nachts, sodass die Wände und Decken mit starken Eiskrusten versehen waren. Notdürftig wurden

Aus besserungsarbeiten vorgenommen.

Die Anlage blieb bis Kriegsende bestehen.

7 Das 1866 eingeweihte Empfangsgebäude von der Gleisanlage aus gesehen. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder eine Bahnsteigüberdachung noch einen niveaufreien Zugang zu den Bahnsteigen. Die Bahnsteigunterführung war also noch nicht vorhanden. Rechts auf der Lithografie van Rob. Geissler ausdemjahr 1869istein damals gebräuchliches Flügelsignal zu sehen, dahinter ein Beamtenwohnhaus, das später zu Verwaltungszwecken genutzt wurde.

Nach dem Erlass des preußischen Eisenbahngesetzes im Iahre 1838 und den ersten Versuchen der Stadt Nordhausen, am Schienenverkehr angeschlossen zu werden, vergingen bis zur Realisierung 18 Iahre zwischen Bangen und

Hoffen. Im Iuni 1862 kam es endlich zum Vertrag zwischen der Staatsregierung und der MagdeburgLeipziger Eisenbahngesellschaft über den Bau und Vertrieb einer Zweigbahn von Halle über Nordhau-

sen nach Heiligenstadt und von dort nach Kassel. Am 10.Juli 1866 gab

es für Nordhausen das Jahrhundertereignis: Die Bahnstrecke Sangerhausen-Nordhausen wurde feierlich ihrer Bestimmung

übergeben. Damit besaß die Stadt den lang ersehnten Eisenbahnanschluss. Noch im gleichen Iahr entstanden das Empfangsgebäude und eine Maschinenwerkstatt.

8 Blick von Südwesten auf die Gleisanlagen des Bahnhofs Nordhausen. Die drei linken oberen Gleise führten zur Holzrampe bzw. nach Northeim, die unteren Gleise gingen in Richtung Wolkramshausen-Erfurt bzw. Kassel.

In der Bildmitte vorn, der 1866 in Betrieb genommene erste Lokomotivschuppen, dahinter das Verwaltungsgebäude der N ordha usen - Erfurter Eisenbahn. Der Bahnübergang wurde nach 1900 durch die Zeppelinbrücke ersetzt. Bemerkenswert

ist das noch unbebaute Terrain zwischen der Stadt und dem Bahngelände Ende der achtziger Iahre

des 19. Jahrhunderts.

Am 9.Juli 1867 wurde der Abschnitt NordhausenArenshausen freigegeben. Es folgte die Route Nordhausen-Northeim am 1. August des gleichen Jahres. Nur wenige Tage später, am 17. August, ging die Strecke Nordhausen-Erfurt

der Nordhausen-ErfurterEisen bahn-Gesellschaft

in Betrieb. Der Bahnhof Nordhausen wurde zum Eisenbahnknotenpunkt und zum Zentrum des Eisenbahnverkehrs am Südharz.

Am 24.AprilI872 war der gesamte Abschnitt Halle-

Cassel fertiggestellt. Die Strecke erwies sich in der Folgezeit als sehr gute Einnahmequelle sowohl im Personen- als auch im Frachtgutverkehr.

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