Nossen in alten Ansichten Band 1

Nossen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Klaus Bartusch
Gemeente
:   Nossen
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6624-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nossen in alten Ansichten Band 1'

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Einleitung

Die erste urkundliche Erwähnung unseres Heimatortes erfolgte vermutlich 1 1 85, als Markgraf Otto der Reiche die Grenzen des nahen Klosters Altzella fesdegte. Dabei wird erwähnt, dass Peter von Nossin Land an das Kloster abgetreten hat. In der Zeit zwischen der Gründung Meißens (929) und der des Klosters Altzella (1 162) war die Gegend ein recht unsicheres Grenzgebiet. Erst als durch die Wettiner zahlreiche deutscheAnsiedler aus'Thüringen und Franken zur Rodung des riesigen Waldbestandes ins Land geholt wurden, entstanden endang der Flüsse Mulde, Striegis, Triebisch und an deren Nebenflüssen die langgestreckten deutschen Reihendörfer. In den Orten des nördlich davon befindlichen Lößgebietes blieben die Sorben noch lange in der Überzahl.

Genau an der Grenze dieses in der Sprache, Religion und Landschaft so unterschiedlichen Gebietes liegt unser heutiges Städtchen Nassen, das damalige Dörfchen Nuzzin, auch Nussin und später in den Urkunden des Klosters Altzella auch Noszin, Nosein oder N ossa genannt. Erst seit 1630 tauchen die Bezeichnungen Nossin und Nassen auf.

Das slawische Wort nos bedeutet Nase, und so kann man Nassen von Nasenberg ableiten. Oft gab es Streit zwischen dem Kloster und den Rittern, so auch um die zum Klosterbezirk gehörenden Dörfer Großschirma, Groß- und Klein-

voigtsberg, die die Ritter Heinrich, Otto, Peter und Ulrich von Nosein - wahrscheinlich wegen eines nahe des Klosters streitig gemachten Waldes - besetzten, und dafür 1 223 mitAcht und Bann belegt wurden. 1315 erwarb Bischof Wittig Il. die Nossener Burg und baute sie zu seinem Sommersitz aus. Bischöfe und Fürsten reisten stets mit großem Gefolge, und so musste ein Teil an Gefolgsleuten und Pferden außerhalb des Schlosses untergebracht werden. Dies geschah in dem nahe des Schlosses gelegenen und aus der Ritterzeit stammenden Vorwerk.

Bereits 1376 wird es als Gasthof'Die Rolle' bezeichnet und befand sich an der Stelle, wo heute das 'Deutsche Haus' steht. Das 'Deutsche Haus' , in dem sich seit einigen Iahren Geschäftsräume der Volks- und Raiffeisenbank, Wohnungen und ein historischer Weinkeller befinden, war das erste Gasthaus unseres Ortes.

1430 kaufte der AbtVincentius das Schloss Nassen von dem stark verschuldeten Bischof]ohannes IV. um in den sehr unruhigen Hussitenzeiten einen sicheren zufluchtsort zu haben.

Bis zur Reformation blieb Nassen beim Kloster Altzella, obwohl Bischof johann V. das gut ausgebaute und durch Neubauten erweiterte Schloss gern wieder erworben hätte. Am 18. Februar 1540 wurde das Kloster Altzella aufgehoben.

Im gleichen Iahr, am 22. Juli, wurde nach einer großen Dürre fast das ganze Städtchen durch einen Brand vernichtet. Der Chronist Knauth berichtet, dass 'ein so dürrer Sommer mit ungewöhnlicher Sonnenhitze war, daß der Zellwald an einigen Orten in Brand geriet und sich etliche Schindeldächer selbst entzündet, welche fast alle Häuser des Städtleins in Brand gebracht und eingeäschert haben'. Aus Baumaterial des aufgelösten Klosters wurde Nassen größer und schöner aufgebaut, und 1554-ließ Kurfürst August den Westflügel des Schlosses mit seinen wuchtigen Rundtürmen errichten.

Am 29. März 1577 vernichtet erneut ein großer Brand die Stadt, von dem Knauth schreibt, 'daß an diesem Tage das ganze Städtlein bis auf fünf Häuser ausbrannte'. Nassen blieb ein armes Städtchen, deren Bewohner sich hauptsächlich van der Landwirtschaft und der Viehzucht ernährten, manche betrieben nebenbei ein Handwerk. Trotzdem ging es langsam aufwärts, und dieser Aufschwung hielt etwa bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges an. Auch in den Iahren zwischen dem Dreißigjährigen und dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde Nassen immer wieder durchBrändeheimgesucht,sa 1680, 1701 und 1719.In knapp vierzig Iahren brannten viele Häuser der Oberstadt dreimal nieder.

Um der armen Bevölkerung neue Einnahmequellen zu er-

schließen, wurden Weehen- und Jahrmärkte in der Stadt abgehalten, immer mehr Handwerker siedelten sich an. Der langsame wirtschaftliche Aufschwung wurde 184-6 durch die Eröffnung einer Sparkasse und 1860 durch die Gründung eines Vorschussvereins begünstigt. Einen wesentlichen Schritt weiter ging dann 1908 Bürgermeister Dr. Eberle, der heute als Vater des Giroverbandes Sächsischer Gemeinden gilt. Unter seiner Leitung entwickelte sich Nassen zu einer blühenden Kleinstadt.

1863 wurde die Bahnlinie Döbeln-Nossen feierlich eingeweiht, 1868 dann Nossen-Meißen, 1873 folgte die Linie Nassen-Freiberg (später bis Moldau), 1880 die Strecke Nossen-Riesa, Mit der Einweihung der Kleinbahnstrecke nach Wilsdruff-Freital war Nassen zu einem echten Eisenbahnknotenpunkt herangewachsen.

Zahlreiche kleinere und mittlere Industriebetriebe siedelten sich in Nassen an.1935/36 erreichte der Bau der Autobahn 4- das Stadtgebiet. Schwere Schäden hinterließen die beiden Weltkriege, der Wiederaufbau war mühsam. Heute leben in Nassen rund 6 500 Einwahner.

1 Gruss aus Nassen i.Sa. aus demjahre 1905. Durch diese Postkarte mit dem Blick aus dem Muldental auf Rodigt und Schloss, das Püppchen als Erinnerung an dieTradition der Puppenproduktion in unserer Stadt, möchte ich mich sehr herzlich bei allen bedanken, die mich bei der Erarbeitung dieses Buches unterstützten. Ein besonderer Dank gilt dabei meiner Frau Herta für ihr Verständnis und meinem Bruder Christian für die Korrektur derTexte und die fachlichen Ratschläge. Für das mir zur Verfügung gestellte, meine eigene Sammlung ergänzende Bildmaterial danke ich dem Staatlichen Schlossbetrieb / Heimatmuseum Nassen, dem Fotostudio Krüger Nassen und den Nossener Familien Kurtze

und Bellmann. Stellvertretend für die zahlreichen hier ungenannten Nessener ein herzliches Dankeschön auch an Frau Schiewe, Frau Schlechte und Herrn Brückner für die mir übergebenen Bilder und Berichte.

2 Gruss aus Nassen LS. Diese Farbpostkarte aus dem Iahre 1908 zeigtim Hauptteil eine Panoramaaufnahme mit dem Bliek über das Muldental und die östliche Unterstadt zur Oberstadt mit Schloss und Kirche vom Kronberg aus. Der Schlossberg präsentiert sich dicht bewaldet, ebenso die ins Bild reichenden Ausläufer des Rodigtberges. Im linken Bildfenster sind die Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars, des jetzigen GeschwisterScholl-Gymnasiums zu sehen. Rechts, im ovalen Bildteil, das eigentliche Wahrzeichen der Stadt, das

hoch über der Freiberger Mulde gelegene Schloss, von den nahen Rodigtanlagen aus betrachtet. Diese Grußkarte hat sicherlich auch zum Besuch der schönen sächsischen Mul-

denstadt animiert. Zur damaligen Zeit war Nassen ein regelrechter Kreuzungspunkt der Eisenbahnlinien Leipzig-NossenDresden, Nossen-Riesa, Nossen- Preiberg- Moldau

und der Schmalspurbahn Nossen- Wilsdruff-Freital. Also, empfangen wir den Besucher am Bahnhof und zeigen ihm die Stadt und die wunderschöne Umgebung.

3 Der BahnhofNossen mit dem Bahnhofsvorplatz und den Bahnsteigen um 1910.

Das Teilstück Döbeln-Nossen der Bahnstrecke Leipzig-Döbeln- Meißen- Dresden wurde im Oktober 1868 feierlich eingeweiht. Der Chronist vermerkt darüber: 'Der Bahnhof war mit Ehrenpforte, Ranken und Flaggen geschmückt. In der 11. Stunde fuhr der erste aus Leipzig kommende Personenzug ein; kurze Zeit nach ihm ein Extrazug: Das inzwischen über 100 Iahre alte Gebäude blieb bis heute weitgehend erhalten und wurde mehrmals originalgetreu restauriert. Links erkennt man hinter den großen Linden das Gebäude der Gaststätte, rechts anschließend die große helle Abfertigungshalle. Bahnhofsgaststätte, Fahrkartenschalter und Gepäckabfer-

tigung sucht man heute allerdings vergebens, sie sind längst geschlossen. Im unteren Bild ist das Bahnhofsgebäude von den Bahnsteigen aus mit Blickrichtung zur Stadt dargestellt.

4 Auf den Bahnsteigen herrschte früher stets viel Betrieb, mussten doch Gepäck und Post umgeladen werden. Die zwischen Leipzig und Dresden verkehrenden Züge kreuzten sich hier, die nach Riesa und Freiberg fahrenden warteten auf die Umsteiger. Auch die Schmalspurbahn nach Wilsdruff stand an der Abfahrtsstelle vor dem Bahnhofsgebäude bereit. Manch Bewohner der Unterstadt, des Kronberges und des Ortsteiles Eula nutzten die 'Bimmelbahn' für den schnelleren Heimweg von der Arbeit. Für das Gruppenfoto der Bahnbediensteten im Iahre 1914 musste sicher eine verkehrsarme Zeit ausgesucht werden.

Ganz rechts fuhren früher die Züge aus Moldau-Freiberg ein, die Eisenbahner

stehen auf dem Bahnsteig in Richtung Dresden. Daran schließen sich die Gleise nach Leipzig und Riesa an. Die Strecke nach Freiberg wurde 1873 eröffnet, der Personenver-

kehr 1977 eingestellt. Auf der 1880 eingeweihten Strecke nach Riesa ruht der Personenverkehr seit 1998. Die Schmalspurbahn nach Wilsdruff, 1899 eröffnet, wurde bereits in den sieb-

ziger Iahren des vergangenen Jahrhunderts stillgelegt und abgebaut. Der letzte Personenzug fuhr am 27 . Mai 1 972, der letzte Güterzug am 3. Dezember des gleichen Iahres.

5 In Spitzenzeiten hielten über sechzig Personenzüge in Nassen, darunter auch D- und Eilzüge.

Von 1935 wird berichtet, dass in diesem Iahr fast 182000 Personen vom Bahnhof aus befördert wurden. Unter den Ankommenden waren auch viele Gäste, die in der Stadt untergebracht und bewirtet werden mussten. Nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt lud dazu das Hotel 'Stadt Coburg' ein. Um 1900 gab es am Anfang der Unteren Bahnhofstraße gleich zwei Gaststätten nebeneinander. Rechts im Bild ist das Hotel 'Stadt Coburg' zu sehen, gleich anschließend daneben der 'Sächsische Hof'. Nur wenige Häuser darüber folgte das Restaurant 'Gambrinus' mit einer eigenen Fleischerei.

Zum Heimatfest 1905 warben die einzelnen Wirte mit den unterschiedlichsten Spezialitäten, so der Gambrinuswirt Hubricht mit 'ff. russ. Salat und warme Würstchen', Herr Birkner vom Hotel Stadt Coburg

mit der schonsten Aussicht von der Veranda 'bei Ankunft der Fremden und Ausländer'. Überhaupt gab es früher wesentlich mehr Gasthäuser in der Stadt. In einer 1934 vom Verkehrsverein Nassen herausgegebenen

Broschüre werden dem Nossenbesucher 28 Gaststätten, Kaffee- und Weinstuben empfohlen, davon 9 mit Übernachtungsmöglichkeiten.

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6 Vor dem Bahnhof Nossen im Mai 1927.

Mit zu den ersten Motorradfahrern in Nossen gehorten Frieda und Emil Hebert, die von 192 7 bis 1929 das zum Hotel 'Stadt Coburg' gehörende 'Tunnel-Restaurant' ('Huschhalle') auf der Bahnhofstraße 29 betrieben. Später bewirtschaftete das Gastwirtsehepaar von 1 938 bis zur Enteignung 1945 den 'Cambrinus'. Danach folgte der 'Deutsche Adler' auf der Schützenstraße, der dann in 'Einheit' umbenannt werden musste. Auf der Postkarte sieht man Heberts als Motorradbesatzung auf der Bismarckstraße unmittelbar vor der

damaligen 'Huschhalle' . Die beiden Schranken in der Bildmitte versperrten den unberechtigten Zugang zur ladestraße. Unterhalb des Fußweges zwischen Bismarck- und

ladestraße endete die linie Freital- Wilsdruff- Nossen der Schmalspurbahn als Kopfbahnhof.

7 Nossen i. Sa., Bahnhofstraße im Iahr 1908.

Zu Beginn des vergangenen [ahrhunderts musste der Nossenbesucher den steilenAnstieg zur Oberstadt und zum Markt über die Untere Bahnhofstraße bewältigen, an deren oberen Ende es ebenfalls eine Gaststätte, das 'Gasthaus zur Post' (Nr. 3) gab. Im unmittelbar unterhalb des auf der Waldheimer Straße gelegenen alten Postamtes befindlichen Gebäudes mit Restaurant, Café und Billard war noch ein Fotograf ('Photograph' R. Frömmig) untergebracht.

Von den ehemals zahlreichen Geschäften und Handwerksbetrieben auf

der steil zum Bahnhof abfallenden Straße (zwei Bäcker, Zigarrengeschäft, Friseur, Schneider und Tischler) existiert heute nur noch der Betrieb von Tischlermeister Hein.

}fossen /. Sc 8ahnhofttrasse

8 Als Nossens Bahnhof eingeweiht wurde, fand anschließend auf dem Markt Platzmusik für die Nossener und ihre Gäste stan. Der Weg hinauf zum Markt war damals noch recht beschwerlich. So wird berichtet, dass man sich nach einer Straßenverbindung sehnte, die man 'ohne Gefahr, in Kothe warten zu müssen, passieren kann', Diese Straße ist die heutige Bismarckstraße, die gleich zu Beginn des lO.Jahrhunderts errichtet wurde. Etwa auf halber Strecke zwischen Bahnhof und Markt entstand 1903 das neue Postamt. Auch die Häuser bis zum Markt baute man in dieser Zeit. Auf dem Bild von etwa

1 91 0 sieht man einige Postbeamte vor der 'Kaiserlichen Post', daran anschließend das Café 'Fürst Bismarck'. Heute ist die erst in den letzten Iahren vorbildlich rekonstruierte

Bismarckstraße, die nach dem Krieg in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt worden war, die schnellste und schönste Verbindung zur Oberstadt und dem Markt.

Das letzte Haus am rechten Bildrand ist die alte Schule, deren Torgebäude beim Bau der Straße abgerissen wurde.

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