Oederan in alten Ansichten

Oederan in alten Ansichten

Auteur
:   Stadtverwaltung Oederan
Gemeente
:   Oederan
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5853-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Oederan in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die Geschichte einer Stadt, ihre bauliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung wurde von den Menschen geschrieben, die in ihr lebten. Es gibt vielerlei Möglichkeiten, diese Entwicklung zu dokumentieren. Urkunden und andere Schriftstücke, aufbewahrt im Stadtarchiv , gehören ebenso dazu wie Fotos und die gezeichneten Ansichten der Stadt. Die älteste Darstellung von Dilich aus dem Jahre 1628 zeigt die Stadt vor der Zerstörung durch kaiserliche Truppen am 15. August 1632. 1799 zeichnete Caspar David Friedrich eine 'Landstadt mit zwei Kirchen' - es ist eine Ansicht Oederans aus westlicher Richtung. Mehrere Zeichnungen verschiedener Künstler entstanden in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, als die Straßen noch als Gassen bezeichnet wurden und es noch keinen Bahnhof samt Bahnhofsviertel gab. Die ersten fotografischen Aufnahmen, Stadtansichten und Einzel- und Gruppenfotos verdanken wir dem Tuchmachermeister Gustav Ziegenhals. Bereits 1862 fotografierte er in einem Atelier im 'Marienbad'. Ab der Jahrhundertwende war Max Goldschmidt mit seinem Fotoatelier in der Freiberger Straße bestimmend in diesem Gewerbe. Seine Aufnahmen sind heute wichtiger Bestandteil der Fotosammlung des Heimatmuseums.

Der Druck von Ansichtskarten, anfangs vor allem der 'Gruß-aus-Lithografien' begann vor 1900 auch in Oederan. Ungefähr 500 Stück konnten bisher ausfindig gemacht werden. Zu den stimmungsvollsten gehören die kolorierten Aufnahmen von Kantor Wenzel. In Serien wurden sie während des Ersten Weltkrieges als 'Gruß aus der Heimat' an die Soldaten an die Front geschickt. Einige wenige wur-

den als Nachdruck vor zwei Jahren neu aufgelegt. Ein weiterer wichtiger Ansichtskartenproduzent war die Fa. Brück & Sohn in Meißen. Ihre Ansichten vermitteln einen Eindruck von Oederan als typisch mittelsächsische Kleinstadt. Panoramaansichten, Häufigkeitsmotive wie Markt mit Rathaus und Altmarkt mit Kirche sind genauso interessant wie Aufnahmen von Schule, Krankenhaus, Amtsgericht oder Post. Verschiedene Firmen und Handwerker ließen Briefbögen mit der Ansicht ihrer Fabrikationsstätten und Wohnhäuser drucken. Aber auch Gaststättenbesitzer gingen dazu über, Innen- und Außenaufnahmen ihrer Restauration auf Ansichtskarten zu verewigen. Sie alle ermöglichen uns heute eine Vorstellung von Oederan in vergangen en Jahrzehnten.

Oederan liegt in einem weiten Talkessel. Die unter Denkmalschutz stehende Altstadt mit Kirche, Rathaus und zwei Marktplätzen ist städtebaulich sehr geschickt auf einem Hügel inmitten der Talmulde angelegt. Die Kirche bildet den weithin sichtbaren Blickpunkt aller Durchgangsstraßen.

Trotz mehrfacher Zerstörungen der Stadt bei Stadtbränden (1427, 1467, 1533, 1632, 1709, 1733, und 1753) blieb die ursprüngliche Stadtanlage erhalten, da der Wiederaufbau in den meisten Fällen auf den alten Kellern erfolgte. Typisch für die Bebauung der Innenstadt waren die fast zu jedem Grundstück gehörenden Seiten- und Hintergebäude, die Wohn- und Fabrikationszwecken dienten, ebenso Ställe und Schuppen. Mit wachsender Einwohnerzahl (1600: 4 000 Einwohner; 1840: 4 300 Einwohner; 1854: 4 765 Einwohner) wurde der Raum innerhalb der

Stadttore zu eng und Oederan dehnte sich strahlenförmig entlang der Durchgangsstraßen aus.

Wesentlich beeinflußte die bauliche Entwicklung der Stadt der Eisenbahnbau in den Jahren 1865-1869. Da der Bahnhof auf der Südseite liegt, entwickelte sich die Stadt nunmehr nach dieser Richtung. Es wurden größere Fabriken errichtet und in dem Raum zwischen Bahnhof und Altstadt entstand ein ganz neues Wohnviertel in offener Bauweise. Die etwas willkürliche Straßenführung zeigt, daß die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt in den Gründerjahren schneller vorwärts schritt als die Stadtplanung. Der Bau des Kaiserlichen Postamtes (1901) und des Amtsgerichtes wertete das Bahnhofsviertel noch mehr auf.

Im Westen der Stadt entwickelte sich ebenfalls ein kleiner Industriestandort (Stuhlfabrik, Gasanstalt, Chemische Bleicherei). In den zwanziger und dreißiger Jahren führte das Streben nach Licht, Luft und Sonne verstärkt zu Landhaus- und Siedlungsbauten in den Randgebieten. Waldstraße, Ehrenzug, Goethe- und Schillerstraße, Eselsweg, Feldweg und Siedlung seien als Beispiele genannt. Oederan wurde glücklicherweise während des Zweiten Weltkrieges nicht zerstört. Aber viele Wohnhäuser der Innenstadt konnten wegen Geldmangel nicht instand gehalten werden. Nach 1945 schritt der Verfall zunehmend fort. Einzelne Gebäude wurden wegen Baufälligkeit abgebrochen, so die 'alte Festung', die Häuser an der Ecke Hainichener/Freiberger Straße und das Bunkowsky'sche und Zänker'sche Haus am Altrnarkt.

Um die Wohnungsprobleme zu lösen, wurden an versehiedenen Standorten durch die Arbeiterwohngenossenschaft,

die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft und die Stadt Neubaublöcke gebaut, so in den sechziger Jahren in der heutigen Richard-Rentsch-Straße, Ende der sechziger Jahre die ehemalige Wilhelm-Pieck-Straße und OttoGrotewohl-Straße mit Kindergarten und Kinderkrippe. Dieses Wohngebiet an der Freiberger Straße wurde in den achtziger Jahren nochmals erweitert. Weitere Blöcke entstanden in der Hainichener Straße. Bei all diesen Gebäuden handelte es sich um Typenbauten, die kaum architektonische Änderungen zuließen. Das betrifft auch die 1974 errichtete Schule am Anger.

Es wird in den nächsten Jahren große Anstrengungen kosten, den historischen Stadtkern vor einem weiteren Verfall zu retten und die Belange der Denkmalpflege mit modernen Wohnanforderungen zu verbinden, wie es bereits bei mehreren Gebäuden in der Engen Gasse, dem 'KlosterkelIer' am Altmarkt und dem Gebäude Markt 9 gelungen ist. Die geplante Verlagerung der in der Innenstadt ansässigen Industrie- und Gewerbebetriebe nach dem Gewerbegebiet 'Am Galgenberg' wird die Wohnqualität weiter verbessern und die Stadt auch für Besucher noch attraktiver machen.

Die Fotoaufnahmen, die die Entwicklung Oederans in den jetzigen Tagen festhalten, werden sicherlich von unseren Nachkommen in fünfzig oder hundert Jahren mit genau so viel Interesse betrachtet werden wie die Ansichten in diesemBuch.

Oederan im Frühjahr 1994

Sonja Voigt

1. Die Luftbildaufnahme aus dem Jahre 1932 zeigt den Stadtkern Oederans, den Altmarkt mit der Kirche und den Markt mit dem Rathaus sowie die Kleine und die Große Kirchgasse. Deutlich erkennbar sind die vielen Nebengebäude und Anbauten in den Grundstücken unmittelbar im Marktbereich. Im Hintergrund sind die ersten Häuser und Bauerngüter der Gemeinde Breitenau zu sehen, die sich westlich an Oederan anschließt.

2. Diese Aufnahme von der Nordseite des Marktplatzes entstand in den Jahren 1881 bis 1883. Das Eckhaus, heute als Frankenberger Straße 2 bezeichnet, war seit Anfang 1800 im Besitz von wohlhabenden Oederaner Kaufmannsfamilien, die eine Materialwarenhandlung betrieben. Am 24. Februar 1881 brannte es ab und wurde, dem Stil der Gründerzeit entsprechend, wieder aufgebaut. Das danebenstehende Gebäude ist als das Bielas'sche Grundstück bekannt. Leider wurde es durch Umbauten stark verändert, Im dritten Gebäude befand sich bis 1880 eine Färberei. Die Geschäftsräume wurden ebenfalls von den verschiedensten Handwerkern genutzt.

üEDERA.

Markt und Rathans

3. Eines der häufigsten Motive neben der Kirche war für Fotografen und Ansichtskartenhersteller der Marktplatz mit dem Rathaus. Um 1400 erstmalig erbaut und 1575 nach (vermutlichen) Entwürfen von Hieronymus Lotter neu errichtet, wurde es bei den großen Stadtbränden 1632, 1709 und 1753 ein Opfer der Flammen. Bedingt durch den Siebenjährigen Krieg wurde der Wiederaufbau erst 1785 vollendet. Nur wenige Architekturteile, so zwei Eingangstüren im Foyer und der Erker, sind aus der Renaissancezeit erhalten geblieben.

4. Unter Leitung der Kötzschenbrodaer Architekten Gebrüder Kießling erfolgte 1912 ein bedeutender Umbau des Rathauses. Im Erdgeschoß wurden ein geräumiges Archiv geschaffen, der Ratskeller ausgebaut und die Polizeiwache untergebracht. Die erste Etage erhielt folgende Räume: Stadtbauamt, Standesamt, Sparkasse, Sitzungszimmer und auch das auf dem Foto abgebildete Bürgermeisterzimmer, Das zweite Stockwerk bestand nach dem Umbau aus Stadtkasse, Meldeamt und dem Stadtverordnetensitzungssaal mit Zuhörerraum.

5. Als man 1847 den Marktplatz ebnete und pflasterte, wurde an Stelle des hölzernen Bottiches ein sandsteinernes Wasserbassin als Brunnen aufgestellt, gestiftet vom Fabrikanten Gottlob Adolph Fiedler. Der Chronist der Stadt, Staberoh, verfaßte aus diesem Anlaß die in Versen gefaßte historische Abhandlung 'Das neue Bassin auf dem Marktplatze der Stadt Oederan'. Durch Unachtsamkeit wurde der Brunnen 1950 zerstört. Geldsammlungen der Natur- und Heimatfreunde ermöglichten seine Wiederherstellung 1953 durch den Bildhauermeister Helmut Müller.

, HOTEL ZUM HIRSCH

. Größtes und vorr7~hmstes Ball-, Konzert- und Theater-

. Etab1isllement in Öderau Î. Sa.

Besitzer Paul !ieinert - Fernsprecher Nr. 40 . '~:

-, Autogarage, Ausspannung

6. Im Jahre 1908 gab es in Oederan 28 Schankwirtschaften und Gasthöfe. Der Gasthof 'Hirsch', um 1750 auch 'Rother Hirsch' und später 'Hotel Hirsch' genannt und am Markt gelegen, ist einer der ältesten Gasthöfe der Stadt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde er als 'Niedergasthof' bezeichnet. Fast 150 Jahre gehörte der 'Hirsch' der einflußreichen Bürgerfamilie Günther und war ab 1790 unter Postmeister Christian Michael Günther Posthalterei. Zu allen Zeiten fanden in dem Gasthof vielerlei Veranstaltungen statt, auch Theater- und Kinovorführungen. Die letzten privaten Besitzer waren ab 1920 Paul Heynert, dann dessen Sohn Walter.

7. Die Seiten- und Hintergebäude der Häuser am Markt wurden hauptsächlich zu Handwerks- und Fabrikationszwecken genutzt. Im Hintergebäude des Markt 8 allerdings befand sich von 1911 bis Anfang der dreißiger Jahre ein Kino. Nach dem Pächter Arthur Funke übernahm Paul Giese den 'KinoSalon'. 1928 wechselte dieser in das neuerbaute 'Union-Theater' am Teichplan. Ein weiteres Kino befand sich im Hintergebäude der Bahnhofstraße 14, das vom Besitzer Valentin Spranger zeitweise verpachtet wurde.

8. Dieses Grundstück am Markt, dessen Hintergelände sich bis zur Engen Gasse erstreckt, gehörte in früheren Jahrhunderten reichen Bürgerfamilien, so vor 1700 dem Bürgermeister Samuel Creuziger, dann den Holzmüllers und ab Mitte des 18. Jahrhunderts dem Land-Akzise-Einnehmer Schramm, anschließend dem Kämmerer Böhme. Das Haus hatte Schankgerechtigkeit. Ab 1868 war der Fleischermeister und Restaurateur Nüßner Besitzer. Von da an wurde es als Fleischerei, Schankwirtschaft und Viehhandlung genutzt. Die Witwe des nachfolgenden Besitzers, Anna Irmscher, führte die Restauration auch nach ihrer Wiederverheiratung weiter als Heinitz's Restaurant.

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