Oldenburg in alten Ansichten Band 1

Oldenburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   W. Lem
Gemeente
:   Oldenburg
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3100-1
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Oldenburg in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Oldenburg, die Geburtsstadt der Ansichtskarte (16. Juli 1870) selbst in alten Ansichtskarten zu spiegeln, seine großräumige, im positiven Sinn bürgerliche Stadtkonzeption des Spät- und Nachklassizismus noch einmal in historischen Ansichten wiederzubeleben, ist das Ziel dieses Bandes. Daß der Vergleich zwischen der großherzoglichen Residenz des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts und dern gegenwärtigen Wirtschafts- und Kulturzentrum der Region Weser-Ems oft zugunsten der inzwischen historischen Stadtansichten ausfällt, liegt an der unüberlegten Stadtplanung seit 1955. Denn, daß Oldenburg bis dahin eine durch und durch klassizistische und in den später erschlossenen Stadtteilen 'historistische' Stadt war, beweisen die vorliegenden Ansichten. Struktur und Ästhetik der Stadt wurden ganz entscheidend von den Lebens- und Wohnvorstellungen des Rentiers beeinflußt, jenes finanzstarken Abkömrnlings nordoldenburgischer Bauern (aus Jeverland und Wesermarsch), der von den Zinsen seines Kapitals leben konnte. Die Rentiers stellten zwar das Hauptkontingent der städtischen Oberschicht, wurden aber in der gesellschaftlichen Spitze durch den tonangebenden hoffähigen Adel überflügelt. Unter den fünf Rängen der Oberschicht nahm der Hofadel die erste Klasse für sich ganz allein ein. Dabei waren diese Repräsentanten der Residenz keineswegs angestammter Uradel, sondern wurden erst seit dern späten 18. Jahrhundert durch die Gottorper herangezogen. Die tatsächliche wirtschaftliche Führungsposition hatten auch um 1900 Bankiers, Unternehmer

und Kaufleute inne. Hatte es noch 1845 keinen einzigen Oldenburger gegeben, der wesentlich mehr als 100 000 Taler besaß, so gab es jetzt immerhin einige, deren Jahreseinkommen die 100 OOO-Mark-Grenze erreichte. Im Vergleien zu den hanseatischen Nachbarstädten blieb der Wohlstand der Oberklasse in Oldenburg bescheiden, zumal er sich nicht aus Produktion, sondern aus Sparvermögen herleitete. Trotzdem klafft zwischen den 'Upper ten' und einer 'Nätherin' oder Arbeiterin mit 300 Mark Jahreseinkommen eine tiefe Kluft.

Oldenburgs Bedeutung als Ruhesitz im äußersten Nordwesten war seine wirtschaftliche Grundlage. Demgemäß entwiekelten sich Wirtschaft und Handel in unserer Stadt nur rnühsam. Zwar verzehrte die Stadt das, was das Umland produzierte, aber der Konsumbedarf der spartanischen bäuerlichen Rentiers hielt sich um 1900 in Grenzen. Die Fotos spiegeln auch das. Von einem Industriezentrum Oldenburg kann überhaupt nicht die Rede sein, zumal sich die wenigen Industriebetriebe, die städtische Arbeiter anzogen, in den damals noch nicht eingemeindeten Vororten Osternburg und Donnerschwee niedergelassen hatten. Dafür brachte 'Oldenburg um 1900' die charmante, für alle sozialen Schichten wandelbare 'Huntehütte' hervor, deren Verballhornung in 'Hundehüttè' ihre Zwinger- oder Nestfunktion charakterisiert. Der Oldenburger war als geborener Individualist allen Eingriffen in seine persönliche Sphäre abgeneigt. Die Eigentumsquote an Eigenheimen ist nochheute ungewöhnlich hoch. Statistisch gesehen besitzt das

Oldenburger Durchschnittshaus zwei Wohnungen. Das Rentiersdasein aber war schon mit der Novemberrevolution und der bald drauffolgenden Inflation illusorisch geworden. Die Hofaristokratie verließ die Stadt mit der Auflösung der Hofhaltung, die sorgsam gehüteten Vermögen verfielen. Die daraus entstehende Wirtschaftskrise wurde eigentlich erst nach 1945 durch den Flüchtlingszustrorn überwunden.

Die traditionellen Sozialstrukturen der Einwohnerverteilung nach Klassen auf bestimmte Stadtviertel wurde nach 1945 ganz aufgehoben. In den Jahren nach 1955 entstanden gewaltige Außenbezirke, die sich sozial neu strukturierten, während traditionell großbürgerliche Quartiere, wie etwa das Haarentorvierteloder Teile des alten Dabbenviertels östlich der Lindenallee als Wohnbereiche abgewertet wurden. Das Innenstadt- oder innenstadtnahe Wohnen galt ähnlich den Ausdehnungsbestrebungen des Klassizismus und der Biedermeierzeit - als beengend und kaum repräsentativ. Es sei daran erinnert, daß die Stadt Oldenburg vor Niederlegung der Wälle keine eigentlichen Vorzugsstraßen besessen hat, sieht man einmal von der belebten und für Kaufleute wirtschaftlich interessanten Langen Straße ab. Parallelläßt sich das, in wesentlich breiterem Maße, für die Zeit unmittelbar nach 1945 sagen. Dem Drang in die Außenbezirke (die Stadt wuchs von 1919·1 152 Hektar auf 1968 10285 Hektar) folgt in unserem Jahrzehnt eine neue Aufwertung der Urbanität. Das mag in Oldenburg daran liegen, daß die innenstadtnahen Bereiche funktionell noch nicht entmischt sind.

An die Zeit um 1900 erinnert nur noch das Äußere unserer Stadt, die operettenhaft anmutenden engen gesellschaftlichen Grenzen der Stadtbevölkerung, die ganz vom Hof bestimmt wurden sind historisch geworden. Der Heiratskorso am Schloßgartenteich und die offene Ballotage bei einer Neuaufnahme in die Casinogesellschaft muten uns heute seltsam anachronistisch an. Oldenburgs eigentliche positive Hinterlassenschaft des späten Großherzogtums war das persönlich bedürfnislose, gelehrt interessierte und künstlerisch tätige Bürgertum. So konnte man Oldenburg wohl als 'Stadt des Überdurchschnitts' bezeichnen. Da, wo ein Sproß des Bürgertums den Rahmen des Überdurchschnitts sprengte, bot die nähere Heimat aber kein Betätigungsfeld mehr für ihn: Beispiele sind Karl Jaspers und Rudolf Bultmann oder auf anderer sozialer Ebene Georg von der Vring und Peter Suhrkamp.

Als Abschluß dieses Vorworts ist es meine traurige Aufgabe, daran zu erinnern, daß mein Freund HansPeter Heit Schneider, einer der besten Kenner der Oldenburger Stadtgeschichte, am 10. Juni 1978 mit 32 Jahren, unmittelbar vor Fertigstellung des gemeinsamen Buches starb. Sein Werk wurde durch Werner Krull fortgesetzt und zeugt für seine Kombination aus Sammeleifer und wissenschaftlichem Interesse.

Oldenburg, Wahnbek, im Juni 1978

Jörg Deuter

Narktplatz, mit Rathaus zu Oldenburg, ~r .

?

~

!~~~

. .?.

·1

1. Der Kandellaber auf dem Markt war ein spater Ersatz für den alten Rathausbrunnen (Ende des 18. Jahrhunderts, beseitigt circa 1902). Auch er verschwand gegen Ende der fünfziger Jahre zugunsten eines Betonmastes. Hinter dem Rathaus (1886) ist ein hochgiebeliges Ackerbürgerhaus noch in demselben Zustand zu sehen, in dem David es 1815 gezeichnet und aquarelliert hat. Erst 1958 wich dieser kleinstädtisch wirkende Bau der 'Allianzpassage'.

2. Bis 1886 stand das alte Rathaus aus der Graf-Anton-Günther-Zeit, das 1635 erbaut worden war. Dann wurde es durch den jetzigen Bau ersetzt, der mit seinen neugotischen Formen nicht die Qualität des Altbaus erreicht. Der Abbruch kam mit nur einer Stimme Mehrheit des Stadtrats zustande und ist danach oftmals mit Recht bedauert und kritisiert, ja als Schildbürgerstreich gewertet worden. Links neben dem Rathaus die Weinhandlung Schröder, seit langem städtisch genutzt. In den Giebelhäusern rechts, das hintere zählt noch zur Langenstraße, handelten die Kaufleute Meyer mit Modewaren und Ahlrichs mit Eisen- und Kurzwaren 'en gros et en detail'.

3. Was sich wie eine Erstürmung des alten Rathauses am Markt ausnimrnt, ist in Wirklichkeit eine Feuer!öschübung der Gesamtfeuerwehr im Jahre 1882. Wenig später nahmen die ersten Motorspritzen und -pumpen ihren Einzug bei der Brandbekämpfung. Links am Bildrand ist der vorgekragte Giebel des Degodehauses sichtbar, halb verdeckt von der sogenannten Ratsbude, in der eine Schankwirtschaft betrieben wurde. Rechts vom Rathaus das ehemalige Hotel 'Zum Erbgroßherzog', das untrennbar bis zu seinem Abbruch 1973 nach fast 400 jähriger Tradition, mit dem Namen Anton Meyn verbunden war.

Panorama

Oldenburg i. Gr.

4. Diese Panoramaaufnahme zeigt im Vordergrund die Nordseite des Marktes mit dem im 16. Jahrhundert erbauten und nachweisbaren Gasthaus Nummer 4, zuletzt 'Hotel Erbgroßherzog' (früher 'Graf von Oldenburg'), erstmals urkundlich nachweisbar 1590, wenn man es nicht unter den schon 1575 genarmten Krügen des Grafen erkennen will. Daneben das in der Mitte des 16. Jahrhunderts gebaute Wohnhaus Markt 5. Eine Tafel der Bewohner beider Häuser befindet sich am Neubau der Staatlichen Kreditanstalt. Das danebenliegende Haus Nummer 6 dürfte auf Ludwig Klingenberg zurückgehen und wurde 1871-1872 in leisen Anklängen an das von Ernst Klingenberg stammende Augusteum errichtet. Nummer 6 verschwand 1970, während die Häuser Nummer 4 und 5 1972 folgten. Einzig das 1909-1910 von Ritter erbaute Geschäftsdoppelhaus mit Volutengiebel steht heute noch. Auch an der Ostseite des Marktes (Restaurant Schnitker) steht heute auch nicht mehr die alte Bebauung (Abbrüche 1964/65). Seit der 1978-1979 erfolgten Einbeziehung in den Fußgängerbereich sind theoretisch auch wieder Wochenmarkttage möglich.

<9ldenbur~ mcrltplor,.

»- ~ I'~~ .. / e.;«: ~ --;,/-7-~~ ~/~~ft--/~'" ~ *_~? ~~ ~-V-, #--- ~~~.. __ ~,7~ :;1"~

5. Wo jetzt nur großflächige Fassaden aufragen, war vor gut 80 Jahren als diese Aufnahme entstand, die die Nord-Ost Seite des Marktplatzes zeigt, die einstige kleinteilige Bebauung noch weitgehend vorhanden, wenn sich auch der beginnende Wandel bereits bemerkbar macht, wie an dem 1970 abgebrochenen Gebäude der alten Spar- und Leihbank abzulesen ist. Den Marktbrurmen trug man etwa 1902 ab, spärlicher Figurenschmuck davon befindet sich jetzt vor dem Portal zum Stadtmuseum an der Raiffeisenstraße. An die Stelle des Gasthofs 'Zur Ratshalle' trat 1912 der Bau der heutigen Bremer Landesbank. An der Häusingstraße folgen die Häuser von Bartels, später Schnitker, Uhrmacher Gurlit und Bäcker Spanhake, seit 1964-1965 abgebrochen.

OLOENBURG

. Ersparuna:skaase

6. Die 'Ersparungskasse" von 1786, älteste noch heute bestehende Sparkasse der Welt, ließ 1900 durch Adolf Rauchheld ein repräsentatives Bankhaus am Markt entwerfen, Der Neo-Renaissance-Ban der Landessparkasse zu Oldenburg wurde bereits 1936 verputzt und von Erkern und Giebeln befreit. Ein falsch verstandener Purismus versuchte den krassen Kontrast zur Schloßwache zu verwischen. Auch die zwischen Bank und Wache hindurchfließende Hausbäke, die im Mittelalter den Schloßbereich von der bürgerlichen Altstadt trennte, wurde dabei zugeschüttet und überbaut,

7. Ein heute nur zu vertrautes Bild: verstopfte Straßen und Plätze. Die Aufnahme wurde vor rund 80 Jahren an einem Markttag gemacht. Der Marktplatz ist vollgestellt mit den Ackerwagen der Bauern der näheren Umgebung. Unvorstellbar erscheint, daß damals manche Bauersfrau Entfernungen von 20 und 30 Kilometern überwand, nur um eine Schiebkarre voll mit Kohl zu verkaufen. Der Wochenmarkt konnte sich noch bis in die dreißiger Jahre an dieser Stelle halten. Mit dem Ausbau des städtischen Nahverkehrs, seit 1933 durch Theodor Pekol, in dessen Zuge sich am Markt ein Knotenpunkt aller Buslinien bildete, blieb kein Raum mehr für das Marktgeschehen. Der Wochenmarkt wanderte zum Pferdemarkt.

Rites Haus in Oldenburg i. Gr. VI. Oegode.

8. Das Degode-Haus Markt 24 ist hier noch mit alter Schaufensteraufteilung, jedoch nach der Restaurierung von 1888 zu sehen. Die Ausmalung der Gefache ist heute wesentlich dezenter gestaltet. Das letzte rnittelalterliche Patrizierhaus war 1502 durch den Bürger Christopher Stindt erbaut worden, erhielt seine heutige Gestalt aber erst 1617 (Inschrift im Ziegelfries zur Kleinen Kirchenstraße), als der aus Uelzen stammende Rentmeister Johann Mausolius es übernahm. 1637 erbte es Hermann Mylius, Oldenburgischer Diplomat im dreißigjährigen Krieg und Unterhändler der Weserzoll-Streitigkeiten mit Bremen. Erst 1860 erwarb es der Jeveraner Kaufmann Wilhelm Degode, dessen gleichnamiger Sohn, ein konservativer Landschaftsmaler, das Haus aquarellierte. (Bild im Stadtmuseum.)

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek